Doch, ich finde schon. Selbstverständlich ist es weniger schlimm, keine rassistischen Kommentare abzusondern, als ebendies zu tun. [Edit, um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist mir natürlich klar, dass Du "nicht weniger schlimm" bezogen auf das vom jeweiligen Kandidaten gebotene "Gesamtpaket" meintest und nicht isoliertermaßen hinsichtlich des Vorliegens oder Nichtvorliegens von Rassismus. Dennoch bin ich der Ansicht, dass Clinton auch unter Miteinbezug jenes "Gesamtpakets" sich in keiner Weise auf dem Niveau von Trump bewegt - warum, steht im Folgenden.]billy coen 80 hat geschrieben:Nur weil man von Clinton keine offen rassistischen Kommentare hört, ist sie nicht weniger "schlimm" als er.
Und unabhängig davon, gegen wen sich die Polemik, derer sich auch Clinton unbestritten bedient, richten mag (nennen wir es beim Namen, Du meinst Männer, oder verstand ich das falsch?), so ist diese Polemik hinsichtlich ihrer inhaltlichen Aussagen, ihrer ideologischen Implikationen und ihrem hetzerischen Fackel-und-Mistgabel-Potential doch wohl um Welten weniger demagogisch als das, was Trump so in Richtung der Latinos und Muslime absondert.
Das von Dir beschriebene Gefängnis-Beispiel jedenfalls lässt Clinton meiner Meinung nach nicht gut aussehen, keine Frage (und wie gesagt, ich mag sie ebenfalls nicht, und will sie auch gar nicht groß verteidigen). Aber es ist einfach eine komplett andere Liga als "Wir bauen 'ne Mauer und Mexiko soll's bezahlen" oder auch die Forderung nach einem Einreiseverbot aufgrund von Religionszugehörigkeit.
Ich denke nicht, dass die Medien hier irgendwas verklären oder aufbauschen (müssen). Die entsprechenden Aussagen von Trump liegen doch allesamt im O-Ton vor. Man muss Trump nicht als "Satan in Person" (wäre nicht meine Wortwahl, aber bitte) hinstellen, das bekommt Trump gut alleine hin.billy coen 80 hat geschrieben: Und wie ich schon andeutete, haben sich die Medien auch erkennbar auf Trump eingeschossen und versuchen jeden Mist aufzubauschen. Bei diesem Versuch, ihn als den Satan in Person erscheinen zu lassen, ist ihnen scheinbar noch gar nicht aufgefallen, dass sie ihm dabei nur in die Karten spielen. Denn so kann er nicht nur gegen illegale Einwanderer polemisieren, sondern sich auch noch als Opfer medialer Kampagnen darstellen, was ihn gleich nochmals attraktiver macht für Wähler, die sich schon länger "vom Establishment verarscht" fühlten.
Dass ihm dies teils in die Hände spielt, ist gleichwohl sehr richtig. So funktioniert Populismus leider. Ich finde es hierbei immer eine ganz interessante Frage, was denn eigentlich der beste mediale Umgang mit solchen Typen wäre. Einerseits stünde es den Medien schlecht zu Gesicht, unkommentiert durchgehen zu lassen, was Populisten teils so von sich geben, andererseits steigt mit der Äußerung von Kritik auch die Gefahr, dass auch jene Kritik dann populistisch instrumentalisiert wird. Ein verstärktes Sichtbarmachen populistischer Diskursstrategien halte ich dabei grundsätzlich schon für einen ganz guten Ansatz, der aber leider bei einem populismusoffenen Klientel nur sehr bedingt fruchten kann, aufgrund dessen tendenzieller Ablehnung von allem, was keine einfachen Antworten bietet.
