heretikeen hat geschrieben:Ich verstehe den Sinn dieser Let's-Play-Geschichten ohnehin nicht.
Wenn ich ein Computerspiel spielen will, spiele ich es.
Wenn ich nur passiv etwas ansehen möchte, dann schau ich mir eine Folge einer modernen Serie an, denn die sind ausnahmslos besser gescriptet und gecastet. Und die Grafik ist ebenfalls besser.
Ich verstehe Youtube-Videos als Walkthrough-Lösung für knifflige Stellen oder als How-To-Anleitungen. Aber jemandem dabei zusehen, wie er einen interaktiven Film spielt? Ich weiß nicht.
Dieselbe Argumentation kann man eingeschränkt* bei z.B. Fussball machen. Wenn ich Fussball spielen will, spiele ich. Wenn ich mir nur passiv etwas ansehen möchte, dann schau ich mir eine Serie oder einen Film an.
Viele gucken sich ein Let's Play wegen der Person an, die das Spiel spielt. Die Leute verfolgen diese Personen über lange Zeiträume hinweg regelmässig und bekommen einen Eindruck davon, wie dieser Let's Player so drauf ist. Etwa so wie viele Leute jahrelang dem Raab zugeschaut haben. Warum das TV-Total Turmspringen gucken mit all den Leuten die bei Olympia bestenfalls die Fliesen schrubben dürften wenn man stattdessen auf Eurosport oder so auch die echten Profis sehen kann? Weil es unterhaltsam ist zuzusehen wie sich in Sachen Können "einer von uns" abmüht. Seine Reaktionen, seine Freude wenn es klappt, den Frust wenn er scheitert, etc.
Dann gibt's sicher auch viele Leute, die sich ein Spiel nicht kaufen, obwohl sie grundsätzlich interessiert sind. Zum Beispiel weil es ihnen zu teuer ist, die Hardware nicht mehr gut genug, oder sie es sich vielleicht nicht zutrauen, weil es zu schwer sein könnte. Oder es ist eine Vorabversion eines Spiels - so wie VaatiVidya nun seit einigen Tagen Dark Souls 3 auf seinem Channel spielt, obwohl das Spiel ausserhalb Japans erst am 12.4. erscheint. Mögliche Gründe gibt's ja genug.
Und dann gab's Let's Plays im Grunde auch schon früher, vor dem Internet: Wenn der große Bruder ein neues Spiel hatte das er gezockt hat, und man selbst saß daneben und hat zugeschaut. Im Online-Zeitalter mit seinen sozialen Netzwerken und "Freunden" die man nur deswegen so nennt weil sie bei Facebook in einer Freundesliste eingetragen sind, ersetzen diese Let's Player für viele auch das, was für uns damals der große Bruder war.
Dann gibt's noch eine Gruppe Zuschauer, die eine Schnittmenge aus all diesen Möglichkeiten sind.
*eingeschränkt deshalb, weil man Fussball u.a. auch deswegen guckt, um den Profis zuzusehen, Leuten die so gut sind wie man selbst nie sein wird, selbst wenn man den Sport selber ausübt. Der passende Vergleich hierzu wäre E-Sports-Turniere zu verfolgen. Ich selbst gucke z.B. auch gar keine Let's Plays, aber gerne mal ein paar Spiele aus den großen jährlichen Dota2-Turnieren. Weil ich das Spiel selbst spiele und mir auf die Art mal anschauen kann, was eigentlich in dem Spiel möglich ist und mir das eine oder andere abgucken.