Ja, Kundenschutz. Bei Early Access zahlt man für ein Produkt, bei Kickstarter unterstütz man eine Idee, da gibt es schon einen Unterschied. Während Kickstarter wohl mehr dem Sammeln von Spenden für eine Idee ähnelt, ist ein Spiel bei Early Access nicht nur ein feuchter Traum der Entwickler - das Grundgerüst existiert bereits in spielbarer Form. Selbstverständlich sollten Kunden zu ihrem eigenen Schutz die eigene Denkmurmel anschalten, doch darf dies keine Entschuldigung sein für das Verhalten vieler Entwickler.
Was ist denn das Konzept von Early Access und Kickstarter? Auf Kickstarter finanzieren Privatpersonen mit ihrem Geld eine Idee, ein Konzept. Hier kommt oftmals nichts materielles zustande, aber es ist der notwendige, erste Schritt zum unabhängigen Produkt. Das hier viel schief gehen kann ist allzu verständlich, bezieht sich aber zumeist auf Hardware-Projekte, so wie ich es sehen konnte. Das hier etablierte Unternehmen wie Double Fine und Konsorten einsteigen, bereitet mir da schon mehr Bauchschmerzen.
Early Access stellt aber nicht nur eine Idee in den Raum, sondern liefert ein bereits spielbares Produkt. Ob Pre-Alpha, Alpha oder bereits Beta, diese Titel existieren bereits in einem funktionalen Stadium. Das hier das Feedback der Nutzer zu Veränderungen führt und dem Endprodukt zuträglich sein kann, ist ein nachvollziehbarer Grund, hier als Endverbraucher Geld zu hinterlassen. Aber macht dies auch Sinn? Entwickler lassen sich für Playtesting vergüten und profitieren im Idealfall davon langfristig, doch der Kunde investiert viel Zeit und bekommt dann genau was? Ein besseres Spiel? Alles ist besser, als eine Pre-Alpha so löchrig wie ein Schweizer Käse.
Kontrollen des Plattform-Inhabers sollten hier verpflichtend sein, da Käufer von Early Access-Spielen keine Investoren sind, die am Ende ihren Verlust abschreiben können. 30 Euro in den Sand gesetzt? Tja, Pech gehabt!
Ein Risiko wird man hier zwar immer haben, doch was wäre das große Problem, dieses im besten Sinn zu mindern? Es schadet ja nicht nur dem Kunden, der sein Geld verloren hat, sonder auch dem Entwickler. Wer gibt einem Studio denn erneut Geld, wenn dieses mit kruden Methoden ein Projekt in den Sand setzt und seine Kunden wütend stimmt? Na, außer Double Fine natürlich (siehe Spacebase DF-9).
Warum sollten sinnvolle Restriktionen und Anforderungen das selbe sein, wie ein traditioneller Publisher? Valve setzt weder das Budget fest, noch tun sie eine Deadline bestimmen - die Entwickler zumeist schon. Leider scheinen beides Dinge zu sein, die die meisten Teams nicht auf die Kette bekommen. Vielleicht sollte man da doch mal eine nervigen BWLer an die Sache lassen. So würde man zumindest nicht im Development Hell landen, wie so manch anderer Titel, der nicht aus Early Access kommen will (siehe DayZ).
Wer blind kauft? Early Access garantiert nichts, aber auch gar nichts. Die AGBs können sich von Version zu Version ändern, ebenso wie das Preismodell (langfristige Finanzierung nach der Version 1.0) innerhalb des Spiels (siehe Killing Floor 2), ohne das der Kunde Einfluss darauf hat. Wer Early Access-Spiele kauft, kauft blind!
Der Einstiegspreis garantiert zwar den Zugriff auf die finale Version, aber sie bietet kein Anrecht auf irgendwas. Was sollen da Warnhinweise, wenn das gesamte Thema zu undurchsichtig ist? Das sind kleine Studios, da kann so ziemlich alles passieren. Ebenso darf es nicht sein, dass Entwickler Mikrotransaktionen implementieren, während sie im Early Access sind, nur um die Kuh weiter zu melken, weil das Budget nicht ausreicht, oder die Verkaufszahlen nicht mehr stimmen. Solche Dinge können 2 Tage, vielleicht aber auch 6 Monate nach dem Early Access-Start kommen.
Early Access ist ein Blindflug und im Gegensatz zu Kickstarter steht man sich hier Kunden gegenüber, die ein Endprodukt erwarten können. Entwickler rechnen mit guten Verkaufszahlen via Early Access und kalkulieren anhand der Verkäufe ihre Ausgaben für das Projekt (siehe erneut Spacebase DF-9), was absoluter Wahnsinn ist. Genauso wie Early Access selbst.
Ich bezweifle, das wir Zwei hier weiterkommen werden, also klinke ich mich aus der Diskussion mit diesem Eintrag aus. War schön, mit dir kultiviert zu diskutieren. Danke.
