Goodgame Studios: Mehrzahl der Mitarbeiter spricht sich gegen die Gründung eines Betriebsrats aus

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Alter Sack
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Re: Goodgame Studios: Mehrzahl der Mitarbeiter spricht sich gegen die Gründung eines Betriebsrats aus

Beitrag von Alter Sack »

billy coen 80 hat geschrieben:
Alter Sack hat geschrieben:
douggy hat geschrieben: Verdi ist aber auch so eine Hassliebe :ugly:

Die agieren zwischen unglaublich (gut) bis hin zu unfähig.

Man darf aber auch die Basis dainter nicht vergessen. Gerade heute gibt es einige junge Leue, die lieber die 1% des Gehalts für irgendwas ausgeben, anstatt sich einer Gewerkschaft anzuschließen.

Ist die Privatsache eines jeden, die 1% (vom Bruttolohn) nicht zu refinanzieren. Schade ist es aber schon ein wenig.

Und im optimalen Fall greifen Gewerkschaft und Betriebshand Hand in Hand.
Verdi hat einen großen Nachteil. Historisch kommt der größte Teil von Verdi aus der damaligen ÖTV. Das merkt man bis heute. Das ist auch immer noch deren Kerngeschäft, der öffentliche Dienst. In der "freien" Wirtschaft ticken die Uhren aber anders, gerade bei Kleinunternehmen bzw. kleinen Mittelständlern. Das kriegen die von vorn bis hinten nicht auf die Kette. Hier bei Goodgames ist das doch auch wieder ein gutes Beispiel. Jede Gewerkschaft mit Biss hätte niemals so leicht das Handtuch geschmissen.
Dass der TVÖD bei ver.di höher hängt als jeder andere Tarif, hängt eher mit dessen Prestigeträchtigkeit zusammen. Eine kämpferisch für zig Tausende im öffentlichen Dienst Beschäftigte auftretende Gewerkschaft erzielt mehr Aufmerksamkeit, als wenn sie die selbe Kämpferhaltung bei Haustarifverhandlungen mit einem mittelständischen Familienunternehmen mit 200 Mitarbeitern an den Tag legt. Bei letzterem Fall ist das der Medienlandschaft schnurzegal. Beim öffentlichen Dienst aber erregt man Aufmerksamkeit und die Gehaltsstrukturen etwa im Bereich der Erzieherinnen lassen sich schon vom menschlichen Standpunkt her besser vermarkten, als die Gehaltsstrukturen von wirklich schlecht bezahlten Männern in Fertigungsbetrieben (Gender-Empathy-Gap und so...).

Ich widerspreche im Übrigen der in dieser Diskussion auch einmal angebrachten Aussage, dass kleine Spartengewerkschaften die Gewerkschaften und die Interessenvertretung der Arbeitnehmer schwächen. Tatsächlich machen sie die Arbeit für Arbeitnehmerrechte effektiver. Große Gewerkschaften, die wie im Fall von ver.di (bei denen ich im Übrigen Mitglied bin), schon geradezu absurd viele Berufsgruppen vereinen, verlieren meist zwangsläufig den Fokus. Es kann sich selbst innerhalb eines einzelnen Tarifes nicht immer in gerechter Form um alle daran Teilhabenden gekümmert werden.

Und, um die Sache mal faktisch zu widerlegen: würden kleine Spartengewerkschaften tatsächlich den Gedanken der Gewerkschaften schwächen und so den Arbeitgebern in die Hände spielen, dann stellt sich schon die Frage, warum dann aufgrund massiven Drucks der Arbeitgeberverbände Frau Nahles im Eilverfahren das Tarifeinheitsgesetz durchgepeitscht hat, während gerade zu der Zeit eine Spartengewerkschaft dabei war, ihrem Tarifpartner mal so richtig auf die Eier zu gehen.
Man muss aber auch dazu sagen das der TV im ÖD sich für verdi auf Grund der politischen Lage einfacher durchdrücken lassen. Dazu kommen dann noch deine Argumente denen ich in großen Teilen zustimme.

Das Tarifeinheitsgesetz ist doch der größte Witz überhaupt. Das war für mich wieder ein Zeichen das die SPD sich meilenweit von ihrer Basis entfernt hat.
Leider gibt es in Deutschland keine klassische Arbeitnehmerpartei mehr. Die Lobby ist quasi nicht mehr vorhanden.
billy coen 80
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Re: Goodgame Studios: Mehrzahl der Mitarbeiter spricht sich gegen die Gründung eines Betriebsrats aus

Beitrag von billy coen 80 »

Alter Sack hat geschrieben:Man muss aber auch dazu sagen das der TV im ÖD sich für verdi auf Grund der politischen Lage einfacher durchdrücken lassen. Dazu kommen dann noch deine Argumente denen ich in großen Teilen zustimme.

Das Tarifeinheitsgesetz ist doch der größte Witz überhaupt. Das war für mich wieder ein Zeichen das die SPD sich meilenweit von ihrer Basis entfernt hat.
Leider gibt es in Deutschland keine klassische Arbeitnehmerpartei mehr. Die Lobby ist quasi nicht mehr vorhanden.
Hähä!!! Dafür dass du nicht der größte Freund von Gewerkschaften bist, triffst du aber ganz gut den Tenor von Gewerkschaftern oder grundsätzlich von Leuten mit meiner Haltung zur Arbeitsmarktpolitik. :wink:

Von mir auf jeden Fall absolute Zustimmung. :Daumenlinks:
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Alter Sack
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Re: Goodgame Studios: Mehrzahl der Mitarbeiter spricht sich gegen die Gründung eines Betriebsrats aus

Beitrag von Alter Sack »

billy coen 80 hat geschrieben:
Alter Sack hat geschrieben:Man muss aber auch dazu sagen das der TV im ÖD sich für verdi auf Grund der politischen Lage einfacher durchdrücken lassen. Dazu kommen dann noch deine Argumente denen ich in großen Teilen zustimme.

Das Tarifeinheitsgesetz ist doch der größte Witz überhaupt. Das war für mich wieder ein Zeichen das die SPD sich meilenweit von ihrer Basis entfernt hat.
Leider gibt es in Deutschland keine klassische Arbeitnehmerpartei mehr. Die Lobby ist quasi nicht mehr vorhanden.
Hähä!!! Dafür dass du nicht der größte Freund von Gewerkschaften bist, triffst du aber ganz gut den Tenor von Gewerkschaftern oder grundsätzlich von Leuten mit meiner Haltung zur Arbeitsmarktpolitik. :wink:

Von mir auf jeden Fall absolute Zustimmung. :Daumenlinks:
Ich sag mal so ich bin kein Freund der "heutigen" großen Gewerkschaften. :wink:
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artmanphil
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Re: Goodgame Studios: Mehrzahl der Mitarbeiter spricht sich gegen die Gründung eines Betriebsrats aus

Beitrag von artmanphil »

Komme selbst aus dem Bereich, wenn auch nichts explizit GameDev, aber 3D und Visualisierung.

Und ja, was soll ich anderes sagen, als dass es exakt so auch in anderen Unternehmen läuft, insbesondere hier in Hamburg. Da gibts Agenturen, die Preise abräumen ohne Ende, aber ganze Abteilungen 5 Monate am Stück 7 Tage die Woche arbeiten und selbst den Urlaub nicht wahrnehmen, weil alle denken, sie werden ersetzt, weil alle meinen, das Prestige vermeintlich hochkarätiger Werbespots sei das Wichtigste. Maschinerien, die Selbstläufer werden, weil eben die Gruppe den "einen" der sich sowas nich gefallen lassen will, ausschließen.

Echt ungeil und definitiv nicht rechtens, mag man verteidigen "muss ja keiner machen", aber am Ende ist es Arbeit und da gibt's Gesetze.
Eniotas
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Re: Goodgame Studios: Mehrzahl der Mitarbeiter spricht sich gegen die Gründung eines Betriebsrats aus

Beitrag von Eniotas »

Batistuta hat geschrieben:
Pioneer82 hat geschrieben: Rockstar bezahlt vermutlich seine Angestellten angemessen ;)
DIE mit Sicherheit nicht :D Da gabs doch diesen Skandal von der Abteilung die LA Noire gemacht hat, wo die Leute bis zur totalen ERschöpfung ausgebeutet wurden, bis das alles so hohe Wellen schlug dass das Studio komplett geschlossen wurde.
Rockstar hat LA Noire nicht entwickelt.
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lAmbdA
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Re: Goodgame Studios: Mehrzahl der Mitarbeiter spricht sich gegen die Gründung eines Betriebsrats aus

Beitrag von lAmbdA »

Lasst euch das nicht bieten, dieses Ausbeuten mit der Begründung "dafür lebt ihr euren Traum" ist nur ne Karotte. Den Traum lebt das Management, in dem es qualifiziertes Personal zu dumpimg Löhnen halten kann, um sich ein weiteres Strandhaus gönnen zu können.
Es gibt auch in Deutschland weitaus bessere Arbeitsbedingungen wenn es die selbe Branche sein soll. Überlegt selbst, ob bei einem Hungerlohn umd ständigen Überstunden Browsergames zu machen wirklich euer Traum ist. Ich hab damals auch gezögert, aber bin heute mehr als froh das Angebot von GGS abgelehnt zu haben.

Hier noch ein recht interessanter Artikel zur Thematik: http://www.theguardian.com/technology/2 ... e-software