Baazin hat geschrieben:Das ist aber eine sehr einseitige Sicht der Lage.
Nein. Ich erkläre es gleich
Die Spiele tauchen ja nicht aus dem nichts auf. Daran haben Menschen gearbeitet, die damit sich und ihre Familien ernähren wollen. Hinter jeden Spiel steckt die höchste aller Währungen, Arbeitskraft. Es mag sein das man als Raubkopierer keine Sachwerte stiehlt, das ändert aber nicht daran das etwas gestohlen wird wo andere vorher ihre Arbeitsleistung rein gesteckt haben. Ohne diese Arbeitsleistung gebe es die Spiele gar nicht.
Korrekt. Diese Arbeitsleistung ist in der Regel auch schon im Vorfeld vergolten worden. Der Entwickler wird von seinem Arbeitgeber, der Studioführung, bezahlt, jener wieder von seinem Auftraggeber. Das Spiel wird erst dann verkauft, nachdem alle, die an seiner Entstehung beteiligt wurden, bereits bezahlt wurden. Als Anreiz und Motivation gibt es eventuell noch Boni für die Entwickler, je nach Verkaufserfolg, zusätzlich zum normalen Gehalt. Ähnlich bei Indies, wo die Finanzierung im Vorfeld durch Investoren oder Crowdfunding gesichert werden muss. Erst Geld, dann Arbeit.
Der Auftraggeber/Investor möchte nun mit seinem Investment (Gehalt der Entwickler) Geld verdienen. Er ist daran interessiert möglichst viel Einheiten des Spieles, der Software, des Filmes, whatev's zu verkaufen. Der Verkäufer behauptet nun, dass Kopien schädlich für den Umsatz sind. Und somit weitere Aufträge an Entwickler gefährden, so dass diese samt Familie eines Tages unter der Eisenbahnbrücke schlafen müssen. Der
Knackpunkt bei dieser Argumentation ist jedoch ... es gibt seit etlichen Jahrzehnten, seit diese Kopie-Diskussion im Musikbereich losgebrochen ist, als es bespielbare Kassetten gab, keinen einzigen Beweis, keine nachweisbaren, harten Zahlen, NICHTS, um diese Behauptung zu unterstützen.
Untersuchungen aus den letzten Jahren legen eher den Schluss nahe, dass der Einfluss von Kopien auf den Umsatz (sowohl positiv als auch negativ) wahrscheinlich so gering ist, dass er von den eh vorkommenden statistischen Schwankungen im Umsatz nicht zu unterscheiden ist. Der Einfluss von Kopien auf den Umsatz scheint daher gegen Null zu gehen. Viel wichtiger für den Umsatz sind: Gute Produktplanung (ich investiere nicht 200 Mio. in ein Nischenspiel mit max. 100k verkauften Einheiten), richtige Ansprache einer Zielgruppe, richtige und genug Werbung, korrekte Preisfindung. Kopien spielen keine Rolle in den Finanzplanungen der Publisher. Der Entwickler hat wesentlich mehr davon, wenn die Studioführung gescheit wirtschaftet und der Publisher keinen Bockmist baut, als sich vollkommen paranoiden Wahnvorstellungen hinzugeben, dass das jemand unerlaubt Inhalte nutzt. Wenn die unerlaubte Nutzung keinen Einfluss auf den Umsatz hat (wonach es höchstwahrscheinlich aussieht), spielt es auch keine Rolle, ob die unerlaubte Nutzung stattfindet oder nicht.
Eine Rolle spielt das nur, wenn man die Thematik nur aus moralisch, strukturkonservativen Gesichtspunkten betrachtet, wo Regeleinhaltung wichtiger ist als die tatsächlichen Folgen einer Handlung. Auf gut Deutsch gesagt: Nur Prinzipienreiter regen sich über Kopien auf. Publisher benutzen Kopien nur als perfekte Ausrede, wenn das Geschäft mal nicht gut läuft oder wenn sie mit DRM den Investoren erfolgreich vorgaukeln können, alles nur Denkbare getan zu haben, um den Geschäftserfolg zu gewährleisten.
Aber über die Tatsache zu streiten ob es Diebstahl ist oder nicht, ist mmn ein stückweit Selbstbetrug.
Selbstbetrug ist es zu meinen, eine Schwarzkopie sei Diebstahl.