bohni hat geschrieben:Ich glaube so ähnlich läuft Software-Entwicklung immer ab, nicht nur bei Spielen.
Häufig, aber nicht immer. Und das hängt im wesentlichen vom Manager ab, weniger von den Entwicklern.
bohni hat geschrieben:Mal schlimmer und mal besser, aber ich persönlich kenne kein Projekt ohne zu knappen Zeitplan, wo am Ende nicht auch noch versucht wurde mehr Features reinzudrücken.
Meistens ist der Zeitplan sehr sportlich und lässt keinen Raum mehr für Eventualitäten. Die treten aber bei Softwareentwicklung immer auf, da rächt es sich dann halt, wenn man auf gedeih und verderb ohne jegliche Puffer planen will.
Zum Ende kommen dann eigentlich nie noch mehr Features rein, sondern dann wird angefangen Features zu streichen, um den Termin doch noch irgendwie halten zu können.
Ist nicht selten so, dass man die Softwareentwickler schätzen lässt, wobei sich da aber leider nichts berechnen lässt, das ist wirklich nur über den Daumen gepeilt. Das kommt im Schnitt aber meistens recht nahe an die Realität ran. Dem Kunden ist das dann aber viel zu viel und der Manager "optimiert" dann die Schätzung. Nicht durch Reduktion des Funktionsumfangs, auf den besteht der Kunde nämlich trotzdem, sondern er optimiert dann, wo er (als völlig Fachfremder), wo seine Entwickler dann halt doch schneller sein müssen.
Softwareentwicklung ist eben eine Entwicklung und man weiß vorher nicht, wie es sich entwickelt. Wenn ein Maurer weiß, wie lange er für 1m Mauer braucht, dann kann er recht genau schätzen, wie lange er für 10m brauchen wird.
Aber lass mal einen Ingenieur schätzen, wie lange er brauchen wird, eine nicht existente Technologie zu entwickeln. Sagen wir mal ein Hooverboard. Wir wissen heute, dass das theoretisch tatsächlich geht. Praktisch fehlen noch einige Mittel. Wie lange braucht man, bis das funktioniert? Das wird keiner so genau sagen können, da werden eher antworten kommen wie in 5 bis 10 Jahren. Erzähl das mal einem Kunden, der von dir eine Software entwickelt haben will.
Oder noch gar nicht so lange her, kam aber auch schon öfter vor:
Kunde gibt uns eine Featureblockbeschreibung. Wir schätzen die Entwicklungszeit auf 6 Wochen. Da knirscht der Kunde schon mit den Zähnen, gibt aber frei.
Nach 2 Wochen Entwicklung stellen wir fest: Ist komplizierter als wir dachten, wir gehen davon aus, dass wir nochmal 6 Wochen brauchen, also 2 Wochen länger als ursprünglich geschätzt. Das passt dem Kunden natürlich gar nicht, und ausserdem kann das ja gar nicht so schwer sein. Wir sollen das dann doch bleiben lassen, der Kunde entwicklet das Inhouse dann doch selbst.
Nochmal 4 Wochen später, kriegen wir dann Nachricht vom Kunden, es ist doch, trotz dann sogar noch reduziertem Umfang, komplizierter als gedacht. Ach! Wir sollen das doch fertig machen. Am Ende brauchen wir dann doch nur 7 Wochen statt der letzten Schätzung von 8 Wochen, aber weil der Kunde 4 Wochen zwischen durch ja doch alles besser wusste aber nichts bei rausgekommen ist, ist dieses eine Feature mal ratz fatz eben doch 6 Wochen später fertig als ursprünglich gedacht und hat damit doppelt so lange gedauert wie gedacht.