StandAloneComplex hat geschrieben:
Genauso gehaltlos wie die Vermutung, dass das von Valve zu erwarten war.
.. und doch ist es mir gelungen, das zu antizipieren. War dann wohl reines Glück .. ich sollte diese Woche Lotto spielen
Ernsthaft: Wenn man in Valves Multiplayer-Titeln schon länger unterwegs ist, und das mit einem Interesse das über's reine Zocken hinaus geht, dann kann man mit ein bisschen Überlegen diverse Beispiele nennen, bei denen genau diese Politik - Dinge direkt wieder abzuschaffen wenn sie deutlich abgelehnt werden - angewandt wurde. Um mal bei Dota2 zu bleiben weil ich mich da am Besten auskenne: Das letzte Phantom Assassin Arcana-Event und das letzte New Bloom Festival waren da zwei gute Beispiele.
Für die Uneingeweihten:
Phantom Assassin ist ein Held im Spiel. Ein Arcana ist ein besonders hochwertiger, von Valve selbst hergestellter Skin mit vielen Zusatzfeatures. Das Event lief nun so, dass es zu Beginn jedes Matches einen sog. "Contract" gab - das Team mit dem Phantom Assassin bekam die Aufgabe, einen bestimmten Spieler des Gegnerteams zu töten. Gelang das, bekam das ganze Team am Ende des Matches ein gratis Cosmetic-Set. Wurde der PA zuerst getötet, bekam das Gegnerteam ein Set.
Das hat dazu geführt, dass viele Matches einfach aufgegeben und verlassen wurden, wenn eine der beiden Bedingungen erfüllt war. Die itemgeilen Spieler haben dann lieber nach 5 Minuten das Spiel verlassen und sich ein Neues gesucht, weil es "sich nicht gelohnt" hätte, das Spiel zuende zu spielen.
Der Backlash der Community war groß und so verschwand das Event wieder und Valve's Statement dazu lautete, dass man sowas nicht nochmal machen wolle.
Das New Bloom Event ist ein kleines Event, das bei Dota 2 immer im Frühjahr stattfindet. Fester Bestandteil ist der sog. Yearbeast-Brawl. Dieses Jahr lief das so, dass jeden Tag zu einer bestimmten Tageszeit für eine Stunde Anmeldungen für den Spielmodus gemacht werden konnten. Im Spiel selbst war dann im Grunde nichts anders, abgesehen davon dass man das sog. Yearbeast, ein KI-Monster beschwören konnte, das dann für das jeweilige Team gekämpft hat. Im (Echtgeld-) Shop des Spiels gab es eine Art Währung, die man dann Ingame dazu benutzen konnte, das Yearbeast aufzuleveln und damit stärker zu machen. Die Community hat das als Pay2Win-Modell wahrgenommen und sich darüber beschwert. Das Yearbeast-Brawl wird lt. Valve in dieser Form ebenfalls nie wiederkehren. (Disclaimer: In den Jahren zuvor war das Event anders strukturiert und ein komplett eigener Spielmodus und genauso umsonst wie das Hauptspiel).
Das sind 2 Beispiele dafür, dass Valve solche Dinge immer wieder tut. Sie probieren etwas aus; wird es angenommen, bleibt es und wird mit der Zeit ausgebaut / verbessert. Wird es abgelehnt, verschwindet es wieder. So kam ich zu meinen von mir selbst zitierten Aussagen auf Seite 1 dieses Threads. Beispiele wie diese lassen sich noch weitere finden, wenn man möchte.
Davon abgesehen hört Valve extrem auf die Community (wieder: bezogen auf Dota2, weil ich mich da am Besten auskenne). Wer das Spiel spielt und gleichzeitig das Dota2 Subreddit verfolgt, wird allein aus den letzten 3-4 Patches sicherlich locker 50 Dinge nennen können, die jetzt im Spiel sind, weil die Community sie sich gewünscht hat (Stichwort: Alt-Clicking z.B.). Davon können sich andere eine dicke Scheibe abschneiden. Man mag von der Firma halten was man will, aber dumm sind sie nicht. Sie wissen genau, dass man mehr Umsatz macht, wenn die Kunden zufrieden sind und handeln konsequent dementsprechend, und das seit Jahren. Ich finde auch nicht alles gut was Valve so treibt, aber wenn man mal Prinzipien wie "Ich mag kein DRM" ausser Acht lässt, dann kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass sie versuchen, so viele ihrer Kunden zufrieden zu stellen wie möglich - weil sie genau wissen, dass man so langfristig das meiste Geld verdienen kann. Wenn das nicht legitim ist, dann weiß ich's auch nicht.