Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele und Entwicklerstudios"
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Azzih
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Videospiele sind halt in erster Linie keine Kunstform, sondern ein Milliardenmarkt. Und genau wie nahezu jeder Mensch in unserm System ist halt auch der Herr Lanning und seine Kollegen den Marktprinzipien unterworfen. Es steht ihnen ja frei ihre Kalkulation dem Publisher vorzulegen und deutlich zu machen das unter weniger Zeit/Geld-Aufwand sich ein Projekt nicht realisieren lässt.
Ansonsten hat er ja Recht, die Indies und Nischenspiele der letzten Jahre sehe ich als eine Bereicherung im oft drögen Markt immer gleicher AAA-Serien. Und wenn damit Entwickler ihren Lebensunterhalt besser verdienen können, dann ist das doch ein Gewinn für alle.
Ansonsten hat er ja Recht, die Indies und Nischenspiele der letzten Jahre sehe ich als eine Bereicherung im oft drögen Markt immer gleicher AAA-Serien. Und wenn damit Entwickler ihren Lebensunterhalt besser verdienen können, dann ist das doch ein Gewinn für alle.
- Imperator Palpatine
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Ganz abgesehen davon dass es der Kapitalismus differenzierte Ausprägungen hat...TherealMorrich hat geschrieben:Ach? Echt jetzt? Na wer hätte DAS denn gedacht?
Dass der Kapitalismus in seiner Reinform mit dem Streben nach immer höheren Gewinnen, mehr Wachstum und mehr Anlegerdividende bei gleichzeitig möglichst geringem Einsatz, Auswirkungen auf die Hersteller und ihre Produkte hat, ist nun wirklich nichts neues.
Diese Entwicklung sieht man in anderen Branchen schon seit sehr viel längerer Zeit. Ausbeutung von Arbeitskräften und billige Wegwerfprodukte gibt es zuhauf auf dieser Welt.
Dennoch schaffen es aber einzelne Personen in diesem widerlichen Konstrukt, sich dennoch als unheimlich sozial und gut darzustellen.
Ein Tim Cook (seines Zeichens Apple CEO) vermag sich bspw. damit in ein strahlendes Licht zu rücken, indem er teils großzügige Spenden von seinem Privatvermögen an wohltätige Organisationen tätigt.
Dass er dieses Privatvermögen aber vorher als CEO eines Unternehmens angehäuft hat, welches in China unter miesesten Arbeitsbedingungen Geräte fertigen lässt, das wird dabei von vielen ausgeblendet.
Statt solcherlei Spenden zu tätigen, sollte er sich lieber vehement dafür einsetzen, dass die Arbeiter bei seinen Auftragsfertigern gescheit bezahlt werden und unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können. Tut er aber nicht, weil sein Unternehmen ja dazu verdammt ist, immer mehr Gewinn zu machen und mehr Wachstum zu generieren.
Und so spendet er lieber hier und da freundlich ein paar Millionen und rückt sich damit gleichzeitig noch in ein gutes Licht, während der Konzern Apple weiterhin Milliarden scheffelt indem er (zugegeben nicht direkt, sondern über Auftragsfertiger wie Foxconn oder Pegatron) am anderen Ende der Welt kleine Arbeiter ausbeutet.
Nicht großartig anders sieht es in der Spielebranche aus. Der Entwickler bekommt nur noch Aufträge von Publishern und hat gefälligst in möglichst kurzer Zeit ein ansehnliches Ergebnis zu liefern.
Das muss oftmals nicht einmal perfekt sein. Hauptsache ist, dass es gut aussieht und erstmal läuft. Ob Bugs später behoben werden, oder nicht, entscheidet der Publisher. Oftmals werden sie nicht behoben und der Kunde hat damit zu leben. Sein Geld wurde ja schließlich schon eingestrichen und eine Rückgabemöglichkeit gibt es in der Regel nicht.
Selbsverwirklichung der Entwickler und künstlerische Freiheit mit innovativen Ideen ist von den Publishern natürlich auch nicht gefragt. Entwickelt wird, was sich auch die letzten Jahre gut verkaufte. Neue, frische Ideen findet man höchstens noch im Indie Bereich oder bei sehr kleinen Entwicklern.
Alles Dinge, die aber schon seit etlichen Jahren so ablaufen und wirklich nichts neues darstellen.
Hat irgendein Publisher seine Kunden gezwungen die Spiele - reine Freizeitkonsumgüter wohlgemerkt - zu kaufen ? Direkt mit der Waffe an der Schläfe ?
Ich glaube nicht.
Herr Manning kann gerade heutzutage die zahlreichen Möglichkeiten nutzen mit seinen Kunden direkt ! in Kontakt zu treten und seine Produkte an dem Mann zu bringen, ja mehr noch per Crowdfunding kann er Investoren und Endkunden in einem erreichen/verschmelzen. Und das ist dann keine Frage von günstig oder teuer sondern von Qualität.
Hindern ihn aktienoriente Publisher wie EA, Ubisoft und Co. daran ?
Er soll sich dann aber nicht die Schlechtigkeit der Welt aka Kapitalismus beklagen wenn Spieler trotz allem von Assassins Creed, Battlefield, Fifa und Co begeistert sind und kaufen.
- grisu_de
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Es ging ja aber nicht um den Kommunismus von Marx und Engels, sondern um die Spielarten des Kommunismus im Allgemeinen. Im übrigen sehe ich immer noch nicht, wie man selbst mit Marx und Engels zu solchen Aussagen kommt: "Der Kommunismus war auf dem Papier vielleicht eine ganz nette Idee, aber in der Tat trägt er Leid und Tod schon konzeptuell in sich."Krulemuk hat geschrieben: Der Kommunismus nach Marx oder Engels ist relativ eindeutig definiert - du solltest den Sozialismusbegriff verwenden. Kein Mensch predigt den völlig freien Markt. Selbst in Amerika gibt es starke Einschränkungen und der Staat als Nachtwächter muss immer wieder intervenieren. Die soziale Marktwirtschaft, wie wir sie in Deutschland haben, lässt Privateigentum an Produktionsmitteln flächendeckend zu und ist daher ganz klar kapitalistisch (mit sozialdemokratischen Anstrich). Unsere kontinentaleuropäischen Wohlfahrtsstaaten zeigen doch, dass der Kapitalismus mehr ist als das, auf das er von seinen Kritikern reduziert wird.
Edit: zur sozialen Marktwirtschaft und ihrer angeblichen Nähe zum Kommunismus siehe Imperator Palpatine's Beitrag über mir
Zudem sehe ich in Anbetracht all der verschiedenen Lesarten von Kommunismus und Sozialismus nicht, warum ich jetzt unbedingt den Begriff Sozialismus benutzen sollte, wenn ich davon spreche, dass öffentliche Mittel dem kommunistischen Grundgedanken entsprechen.
Und ich habe auch nicht gesagt, dass unsere Marktwirtschaft nicht kapitalistisch sei. Das ist sie ohne Frage. Dennoch beinhaltet sie Momente, die man als sozialistisch und kommunistisch bezeichnen kann.
Ich habe von Daseinsvorsorge geredet, die z.B. im Falle der Wasserversorgung, in öffentlicher Hand liegt.
Dass wir einen Wohlfahrtsstaat haben ist toll und gerade nicht kapitalistisch. Kapitalistisch ist, dass durch Lobbyarbeit versucht wird dieses System von Öffentlichkeit aufzuweichen und in den Bereichen, die noch nicht privatisiert sind, Fuß zu fassen.
- Krulemuk
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Ich bin keinesfalls konservativ, also kann ich für dieses Feindbild leider nicht herhalten.Bee_Maja hat geschrieben:Erwartet sicher auch niemandKrulemuk hat geschrieben:Deinen Beitrag habe ich durchaus gelesen, ich kann ihn aber leider weder teilen, noch die daraus abgeleiteten Implikationen nachvollziehen.
Was auch jeden weiteren Post erübrigt... vor allem in einem Game-Forum
Und auf Grundlage der von dir zitierten Untersuchung davon auszugehen, dass konservativ = niedriger IQ bedeutet ist statistische Diskriminierung.
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billy coen 80
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Ich will hier nicht den Wortklauber spielen, aber du meintest, unter Berücksichtigung der positiven Art, wie du es weiter beschreibst, wohl eher "Sozialstaat". Der Begriff "Wohlfahrtsstaat" wird nämlich in der Regel eher gerne von jenen verwendet, die du in der zweiten Hälfte des zitierten Absatzes skizzierst, um den Sozialstaat zu diffamieren...golgi hat geschrieben:Dass wir einen Wohlfahrtsstaat haben ist toll und gerade nicht kapitalistisch. Kapitalistisch ist, dass durch Lobbyarbeit versucht wird dieses System von Öffentlichkeit aufzuweichen und in den Bereichen, die noch nicht privatisiert sind, Fuß zu fassen.
Sollte auch kein grundsätzlicher Widerspruch sein; bin inhaltlich größtenteils bei dir. Dieses Wort sprang mir nur irgendwie so ins Gesicht beim Lesen.
- grisu_de
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Okay, ich hätte das jetzt eher synonym verwendet. Ist aber lustig, weil viele Diskussionen wahrscheinlich erst so hitzig werden, weil Begriffe nicht klar, sondern verschieden definiert sind und man völlig aneinander vorbei redet.billy coen 80 hat geschrieben: Ich will hier nicht den Wortklauber spielen, aber du meintest, unter Berücksichtigung der positiven Art, wie du es weiter beschreibst, wohl eher "Sozialstaat". Der Begriff "Wohlfahrtsstaat" wird nämlich in der Regel eher gerne von jenen verwendet, die du in der zweiten Hälfte des zitierten Absatzes skizzierst, um den Sozialstaat zu diffamieren...
Sollte auch kein grundsätzlicher Widerspruch sein; bin inhaltlich größtenteils bei dir. Dieses Wort sprang mir nur irgendwie so ins Gesicht beim Lesen.
Ich z.B. verstehe hier unter Kommunismus eher eine Vielzahl philosophische Positionen, während mein Gesprächspartner Krulemuk wahrscheinlich eher an Regime wie die von Stalin oder Mao denkt...
Zuletzt geändert von grisu_de am 01.04.2015 13:33, insgesamt 1-mal geändert.
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johndoe527990
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Wo willst du drauf hinaus? Wen sprichst du hier an? Ich hoffe nicht mich, denn ein Vertreter des Kommunismus bin ich nichtJCD_Bionicman hat geschrieben:Achso! Na wenn Engels das sagt, dann lass uns das doch machen! Ist ja nicht so, als hätten nicht bereits diverse andere Leute ganz blumige Fantasien gehabt, die realgeschichtlich betrachtet nichts als Elend über die Welt gebracht haben.douggy hat geschrieben:Du willst auf einen Staatssozialismus hinaus. Das will keiner mehr.
Und Sozialismus ist allgemein der Oberbegriff.
Im Kommunismus sterbe laut Engels der Staat durch das wegfallende Privateigentum ab bzw. wird obsolet. Bitte nicht einfach mit anderen Sozialismusformen verwechseln.
I like. Schöner Kommentar.Krulemuk hat geschrieben: Es ist schon komisch - Der "Kapitalismus" hat zum größten Wohlstand in der Geschichte der Menschheit geführt und trotzdem wird er von den Wohlstands-Kids in Frage gestellt. Es gibt natürlich auch negative Implikationen, um die wir uns kümmern müssen, aber generell ist unser Weg extrem erfolgreich. Der Kommunismus war auf dem Papier vielleicht eine ganz nette Idee, aber in der Tat trägt er Leid und Tod schon konzeptuell in sich. Was macht ein Staat mit einem gut ausgebildeten Ingenieuren, der ehrgeizig ist und besser verdienen will als der Müllmann? Was macht der Staat generell mit seinen Eliten, die in anderen Systemen leistungsgerecht entlohnt werden und daher in Scharen in diese Systeme übersiedeln wollen? Der einzige logische Weg ist die Errichtung einer Mauer und das Einsperren der Menschen. Kommunismus ist menschenverachtend und leistungsfeindlich.
@ Imperator Palpatine:
Hab nur noch mal kurz nachgeschaut, eine positive Utopie ist eine Eutopie. (Kannte ich ehrlich gesagt noch nicht).
- Imperator Palpatine
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Oh interessant. Danke dafür, dies war mir bis bis heute auch nicht geläufig. Man lernt nie aus.douggy hat geschrieben: @ Imperator Palpatine:
Hab nur noch mal kurz nachgeschaut, eine positive Utopie ist eine Eutopie. (Kannte ich ehrlich gesagt noch nicht).
- Krulemuk
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
@golgi
Der Kommunismus verbietet das Privateigentum an Produktionsmitteln, der Kapitalismus erlaubt es - so einfach ist das. Einige Bereiche wie Bildung oder Sicherheit lassen sich nur schwerlich marktwirtschaftlich organisieren und müssen daher vom Staat übernommen werden. Dies widerspricht dem Kapitalismus in keinster Weise. Den Kommunismus als Synonym für alles Kollektiv- oder Allgemeinwohlorientierte zu nehmen und den Kapitalismus gleichzeitig ausschließlich für irgendwelche rein individualistischen Raubtier-Pervertierungen verantwortlich zu machen, ist nicht zielführend. Diese romantische Verklärung einer menschenverachtenden Ideologie ist für mich nur schwer zu ertragen...
Der Kommunismus verbietet das Privateigentum an Produktionsmitteln, der Kapitalismus erlaubt es - so einfach ist das. Einige Bereiche wie Bildung oder Sicherheit lassen sich nur schwerlich marktwirtschaftlich organisieren und müssen daher vom Staat übernommen werden. Dies widerspricht dem Kapitalismus in keinster Weise. Den Kommunismus als Synonym für alles Kollektiv- oder Allgemeinwohlorientierte zu nehmen und den Kapitalismus gleichzeitig ausschließlich für irgendwelche rein individualistischen Raubtier-Pervertierungen verantwortlich zu machen, ist nicht zielführend. Diese romantische Verklärung einer menschenverachtenden Ideologie ist für mich nur schwer zu ertragen...
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G.Wels
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning..
Was Lanning hier wohl in erster Linie kritisieren will ist, dass man "dem Kapital" zu sehr ausgeliefert ist als Entwickler. Es geht hier nicht um eine große Systemfrage, sondern einzig um die Problematik, dass große, moderne Spiele oft viel Geld brauchen.
Das Geld kommt dann von Investoren/Geldgebern und da liegt dann der Hund begraben:
1. Die Geldgeber/Investoren wollen möglichst sicher Gewinn, deswegen reden sie bzw die verantwortliche Chefetage viel mit rein und die Spiele werden massentauglicher/glattgebügelter.
2. Wenn das Spiel ein finanzieller Erfolg wird, geht der Gewinn zu großen Teilen zu den Investoren. Das Entwicklungsstudio hat sich zwar den Allerwertesten für das Spiel aufgerissen, kann aber gerade mal normal davon weiter existieren. Wenn dann mal kein Hit kommt, kann auch ein Erfolgsstudio schnell Probleme kriegen.
Gerade auf den zweiten Punkt bezogen kann ich verstehen, dass die Bereitschaft mit so viel Geld zu hantieren bei den Entwicklerstudios schrumpft, wenn am Ende fast gar nicht für das Studio selbst herausspringt, man aber schnell am Abgrund stehen kann. Dazu noch ist man kreativ eingeschränkter und wird auch nicht direkt für große Erfolge monetär honoriert. - Da flüchtet man sich lieber in den Nischenbereich und fährt stabile, kleine Gewinne und/oder holt sich das Kapital über crowdfunding ohne teure Verwaltung durch einen Großkonzern dazwischen.
Es geht hier also nicht wirklich um Kapitalismuskritik .. denn die Entwickler wollen ja gerne individuell und freier mehr für sich bzw ihr Studio erwirtschaften ... sondern es geht um die Problematik von zu viel nötigem, externen Risiko-Kapital, dem man dann ausgeliefert ist und wo es anscheinend mehr zu verlieren als zu gewinnen gibt ... außerdem macht niemand gerne andere mit seiner Leistung reich, während er selbst nur so klar kommt.
Das Geld kommt dann von Investoren/Geldgebern und da liegt dann der Hund begraben:
1. Die Geldgeber/Investoren wollen möglichst sicher Gewinn, deswegen reden sie bzw die verantwortliche Chefetage viel mit rein und die Spiele werden massentauglicher/glattgebügelter.
2. Wenn das Spiel ein finanzieller Erfolg wird, geht der Gewinn zu großen Teilen zu den Investoren. Das Entwicklungsstudio hat sich zwar den Allerwertesten für das Spiel aufgerissen, kann aber gerade mal normal davon weiter existieren. Wenn dann mal kein Hit kommt, kann auch ein Erfolgsstudio schnell Probleme kriegen.
Gerade auf den zweiten Punkt bezogen kann ich verstehen, dass die Bereitschaft mit so viel Geld zu hantieren bei den Entwicklerstudios schrumpft, wenn am Ende fast gar nicht für das Studio selbst herausspringt, man aber schnell am Abgrund stehen kann. Dazu noch ist man kreativ eingeschränkter und wird auch nicht direkt für große Erfolge monetär honoriert. - Da flüchtet man sich lieber in den Nischenbereich und fährt stabile, kleine Gewinne und/oder holt sich das Kapital über crowdfunding ohne teure Verwaltung durch einen Großkonzern dazwischen.
Es geht hier also nicht wirklich um Kapitalismuskritik .. denn die Entwickler wollen ja gerne individuell und freier mehr für sich bzw ihr Studio erwirtschaften ... sondern es geht um die Problematik von zu viel nötigem, externen Risiko-Kapital, dem man dann ausgeliefert ist und wo es anscheinend mehr zu verlieren als zu gewinnen gibt ... außerdem macht niemand gerne andere mit seiner Leistung reich, während er selbst nur so klar kommt.
- Exedus
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Aber auch nur weil wir Mensch und Natur ohne Rücksicht auf Verluste ausbeutenKrulemuk hat geschrieben: Es ist schon komisch - Der "Kapitalismus" hat zum größten Wohlstand in der Geschichte der Menschheit geführt und trotzdem wird er von den Wohlstands-Kids in Frage gestellt. Es gibt natürlich auch negative Implikationen, um die wir uns kümmern müssen, aber generell ist unser Weg extrem erfolgreich.
Kapitalismus bringt auch viel leid und Tod mit sichDer Kommunismus war auf dem Papier vielleicht eine ganz nette Idee, aber in der Tat trägt er Leid und Tod schon konzeptuell in sich.
- grisu_de
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Ich klink mich jetzt hier aus, weil wir aneinander vorbei reden. Du hast eben eine sehr strenge Lesart von Kommunismus, die, wie du sagst, immer mit Leid und Tod assoziiert ist. Ich wollte lediglich darauf aufmerksam machen, dass Kommunismus mehr bedeuten kann als die klassische marxistische Position oder die Terrorherrschaft Lenins. Man siehe z.B. die frankfurter Schule.Krulemuk hat geschrieben:Den Kommunismus als Synonym für alles Kollektiv- oder Allgemeinwohlorientierte zu nehmen und den Kapitalismus gleichzeitig ausschließlich für irgendwelche rein individualistischen Raubtier-Pervertierungen verantwortlich zu machen, ist nicht zielführend. Diese romantische Verklärung einer menschenverachtenden Ideologie ist für mich nur schwer zu ertragen...
Ich möchte zum Schluss auch nochmal klar stellen, dass ich niemand bin, der den Kommunismus irgendwie glorifizieren würde und der den Kapitalismus rigoros ablehnt. Schon gar nicht in diesen strengen Lesarten, die du hier beschreibst. Es klingt so als wolltest du mir das hier in den Mund legen. Also: Dem ist nicht so. Ich war von vornherein für eine etwas differenziertere Auseinandersetzung ohne Vorurteile gegen eine der beiden Positionen, fühle mich nun aber in eine Position hineingedrängt.
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billy coen 80
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Nur weil es bei uns so gelebt wird, heißt es nicht, dass diese Vernunft, nicht alles marktwirtschaftlich organisieren zu können, eine Eigenheit des Kapitalismus ist. Der reine Kapitalismus sieht keinerlei staatliche Eingriffe vor. Nirgends! Weil das so aber nicht nur langfristig zu Problemen führt sondern noch nicht einmal mittelfristig funktionieren kann, gibt es auch nirgends auf der Welt ein wirklich rein kapitalistisches System.Krulemuk hat geschrieben:@golgi
Der Kommunismus verbietet das Privateigentum an Produktionsmitteln, der Kapitalismus erlaubt es - so einfach ist das. Einige Bereiche wie Bildung oder Sicherheit lassen sich nur schwerlich marktwirtschaftlich organisieren und müssen daher vom Staat übernommen werden. Dies widerspricht dem Kapitalismus in keinster Weise. Den Kommunismus als Synonym für alles Kollektiv- oder Allgemeinwohlorientierte zu nehmen und den Kapitalismus gleichzeitig ausschließlich für irgendwelche rein individualistischen Raubtier-Pervertierungen verantwortlich zu machen, ist nicht zielführend. Diese romantische Verklärung einer menschenverachtenden Ideologie ist für mich nur schwer zu ertragen...
Aber gerade zu deinen Beispielen, wo angeblich auch im Kapitalismus automatisch der Staat im Sinne der Allgemeinheit seine Hände drüber hat: Sicherheit? In vielen „kapitalistischen“ Staaten sind private Sicherheitsfirmen auf dem Vormarsch, die auch vermehrt Polizeiarbeit übernehmen. Diese kommen die Staatskassen billiger als vom Staat selbst beschäftigte Mitarbeiter. Den Preisvorteil gegenüber staatlich angestellten Sicherheitskräften erkauft man sich jedoch oft durch seichtere Auswahlkriterien und schlechtere Ausbildung des Personals.Bildung? Lobbys wie die Bertelsmannstiftung propagieren schon seit Jahren eine stärkere bis vollständige Privatisierung des Universitätssektors; mit Teilerfolgen.
Kurzum: staatliche Vormacht ist ein Widerspruch zur kapitalistischen Ideologie, selbst dort, wo sie Sinn macht. Dies sind eben die Mittel, die sich Sozialstaaten vom Sozialismus bzw. Kommunismus entliehen haben und welche sie von rein kapitalistischen Strukturen unterscheidet. Und überall dort, wo der Staat Aufgaben in private Hände gibt, selbst dort wo dies keinen Sinn macht oder gar potentiell gefährlich sein kann, ist dies nichts anderes als eine Annährung an den totalen, ungezügelten Kapitalismus.
Was ich damit sagen will: der Kapitalismus ist ebenso nichts als eine Ideologie wie der Kommunismus. Beides sind Übersteigerungen von bestimmten Sichtweisen und Präferenzen. Und beide beinhalten negative Dinge. Der Kommunismus ist in seiner reinen Form mit dem menschlichen Wesen inkompatibel. Der Kapitalismus hingegen negiert Jahrmillionen in denen sich soziale Strukturen innerhalb von Gruppen (später Gesellschaften) gebildet haben. So wie der Kommunismus die Gemeinschaft über alles stellt, so stellt der Kapitalismus das Individuum über alles.
Was du hier aber betreibst, ist, dass du die eine Ideologie mit Vorurteilen überhäufst und per se als menschenverachtend brandmarkst, während du die andere hier, überspitzt formuliert, lobpreist, ihr dabei aber sogar Dinge anrechnest, welche definitiv nichts mit dieser Ideologie zu tun haben. Und genau da entsteht auch dieses Missverständnis vieler: Man nimmt soziale Abmilderungen des Kapitalismus fälschlicherweise als Teil eben dieser Ideologie wahr, obwohl sie nachweislich eher dem Geiste des Sozialismus entsprungen sind, um dann dieses System als das bestmögliche zu sehen und dann mit dem ideologisch anderen Extrem nur negatives zu assoziieren. Und das ist schlicht keine vernünftige Basis für eine Diskussion.
Ich finde, dass auch du hier eine in ihrem Wesen nicht minder menschenverachtende Ideologie verklärst und in Teilen sogar nachweislich falsch darstellst.
- Krulemuk
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un
Ich wollte dich nirgendwo reindrängen und habe dich schon verstanden. Tut mir leid, falls ich den Eindruck vermittelt habe, dich in eine Ecke drängen zu wollen, in der sich "Leid und Tod" tummeln. Deswegen habe ich dir ja auch nahegelegt lieber von "Sozialismus" zu sprechen. Der Kommunismus ist eben relativ eindeutig definiert, und damit meine ich nicht unbedingt Stalin oder Mao. Das ist auch keine strenge Lesart oder so. Ich kann auch nicht sagen, ich mag die Farbe schwarz aber bitte als warmen Farbton - schwarz ist eben nicht warm.golgi hat geschrieben:Ich klink mich jetzt hier aus, weil wir aneinander vorbei reden. Du hast eben eine sehr strenge Lesart von Kommunismus, die, wie du sagst, immer mit Leid und Tod assoziiert ist. Ich wollte lediglich darauf aufmerksam machen, dass Kommunismus mehr bedeuten kann als die klassische marxistische Position oder die Terrorherrschaft Lenins. Man siehe z.B. die frankfurter Schule.Krulemuk hat geschrieben:Den Kommunismus als Synonym für alles Kollektiv- oder Allgemeinwohlorientierte zu nehmen und den Kapitalismus gleichzeitig ausschließlich für irgendwelche rein individualistischen Raubtier-Pervertierungen verantwortlich zu machen, ist nicht zielführend. Diese romantische Verklärung einer menschenverachtenden Ideologie ist für mich nur schwer zu ertragen...
Ich möchte zum Schluss auch nochmal klar stellen, dass ich niemand bin, der den Kommunismus irgendwie glorifizieren würde und der den Kapitalismus rigoros ablehnt. Schon gar nicht in diesen strengen Lesarten, die du hier beschreibst. Es klingt so als wolltest du mir das hier in den Mund legen. Also: Dem ist nicht so. Ich war von vornherein für eine etwas differenziertere Auseinandersetzung ohne Vorurteile gegen eine der beiden Positionen, fühle mich nun aber in eine Position hineingedrängt.
Die Frankfurter Schule hat soviel ich weiß nie von Kommunismus gesprochen, sondern von Marxismus und ihre Theorie wird als "kritische Theorie" bezeichnet, weil sie sich auch insbesondere kritisch mit dem Kommunismus auseinandersetzt.
