MasterCrain hat geschrieben:
Und auch da verstehe ich dich. Obwohl ich auch heute noch gerne zocke, früher hatt einen das ganze noch mehr fasziniert. Man erinnert sich an Spiele die man fast am Stück durchgespielt hat ohne auf die Zeit zu achten.
Aber das ändert doch nichts daran, dass Zocken ein, wie du selbst sagst, großes Hobby, sind. Da identifiziert man sich doch ein wenig mit oder nicht?
Ich Beispielsweise lese auch gern und viel. Grade Fantasy. Wenn sich jetzt jemand öffentlich als "Experte" hinstellt und behauptet: "Leser von Fantasy Literatur entfliehen mit ihren Hobby die Realität weil sie im echten Leben oft nichts erreicht haben" oder ähnliches. Da würde ich mich doch als "Leser" (super wort als anspielung auf "Gamer") doch auch irgentwie angegriffen fühlen oder?
Oder nimm Fussball. Stell dir vor jemand wie Sarkeesian, die ja durchaus ne Menge Leute erreicht, verbreitet, dass Fussballfans oder vieleicht sogar grade Fans deines Vereins Frauenfeindlich sind und. Würde dich das nicht stören?
Und ich glaub das kannst du auf jedes Hobby, vom Schachspielen bis hin zum Tischtennis übertragen
Da brauche ich mir nichts vorzustellen, weil es noch gar nicht so lange her ist, seit der Fußball wieder so richtig salonfähig geworden ist. Für Reiche, "Promis" und auch für Frauen+Familien. In den 80ern und 90ern waren Bundesliga und Nationalmannschaft fast noch reine Männersache und wenn man regelmäßig in die Kurve ging, galt man in bestimmten Kreisen als "Asi". Durch die neuen Stadien im Zuge der WM 2006 stieg der Komfort, die neuen schicken Stadien waren sicherer, es wurde zum Teil "wetterfest", es gab Logen und Familienblöcke... Das sind u.a. alles Faktoren, warum die Bundesliga so boomt im Gegensatz zu anderen europäischen Ligen, z.B. der italienischen Serie A. Nur es besteht die reele Gefahr, dass der Fußball irgendwann zu überkommerzialisiert ist und sich der eigentliche Kern des Ganzen, der immer noch hart arbeitende einfache männliche Fan, sich von seinem Sport abwendet, weil er nicht mehr das ist, was er früher einmal darstellte.
Und genau das trifft leider heute schon auf die Games-Branche zu. Ich habe kein Problem damit mich mit einer Gruppe zu identifizieren, mit der ich Werte teile. Und ich würde mich auch nicht dafür schämen, wenn ich gegenüber Mediumfremden zugeben würde, dass ich mit 32 immer noch Videospiele mag.
Mein Problem ist viel mehr, dass ich das Gefühl habe, das in dieser Industrie seit einiger Zeit das Credo gilt, den Leuten auf möglichst dreiste und unverschämte Art und Weise ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Es gibt so viele Beispiele allein aus den letzten 24 Monaten. Bei jedem bekannten AAA-Hersteller, in so gut wie jedem Genre und auf fast jedem System. Angefangen bei DRM auf dem PC (der Hauptgrund, weswegen ich kaum noch auf dem PC spiele) über die DLC-Abzocke bis hin zu unvollständigen und/oder unglaublich schlecht releasten Spielen. Ich hatte mich z.B. sehr auf Destiny gefreut, das kam kurz nachdem ich mir ne PS4 angeschafft hatte und es sollte eigentlich ein Grund für die neue Konsole sein. Als ich dann die Test-Berichte las und es bei einem Freund Probe spielen konnte, war das Interesse vollends verflogen. Es blieb das Gefühl, dass man viel mehr hätte erreichen können, wenn Activision als Publisher nicht so aufs Geld geschaut und man dem Ding etwas mehr Zeit eingeräumt hätte.
Oder nehmen wir FIFA. Eine früher sehr geschätzte Reihe, die fast jedes Jahr aufs neue zu mir fand. Bis zum letzten Herbst, als ich mir mein erstes - und wahrscheinlich auch vorerst letztes - FIFA für die neue Konsole holte. Mittlerweile hat man den Eindruck, dass der Fokus nur noch auf dem "Ultimate Team"-Online-Modus liegt und das übrige Spiel und Gameplay möglichst simpel gehalten wird, um auch ja viel Kohle von Jedermann abzugreifen. Und das ist eine Entwicklung, die man so (oder so ähnlich) auch bei anderen großen Titeln in anderen Genres feststellen kann.
Ich möchte nicht so gern die "dumme Kuh" sein, die sich von dieser Industrie bis zum Letzten melken läßt. Ich sehe es an Freunden und Bekannten, die sich ganz selbstverständlich als "DIE Gamer" bezeichnen und sich jedes Jahr das neuste COD vollkommen unkritisch samt aller erscheinenden DLC's kaufen.
Das Problem ist mit so fundamentalen Emanzen, dass sie wissen, dass die Industrie immer wachstumsorientiert handelt und wenn man glaubt, dass Frauen eine große Wachstumsgruppe für Videospiele sind, wird man sich evtl. davon beeinflussen lassen... Ich kann es mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendwann genauso viel Frauen wie Männer AAA-Games und Indies spielen werden. Das sind eher so Sachen wie CandyCrush und Cityville beliebt. EInfach, kostenlos verfügbar und über Facebook aufrufbar. Über das Weltbild der Dame kann man sich natürlich streiten. Ich denke, es hat schon seine Gründe, warum wir bestimmte Schönheitsideale haben. Die sind ja nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern haben sich im Laufe der Geschichte unseres Kulturkreises und der Evolution entwickelt. Eine z.B. wirklich dicke Frau mit kurzen Haaren und Hängebrüsten oder eine muskelbepackte Bodybuilderin mit Glatze... wer möchte so etwas bitte sehen? Man kann natürlich eine dicke Frau einbauen, um damit noch besser bei dicken Frauen/Menschen für Spiel/Produkt XYZ zu werben, aber man muss natürlich auch aus ethischer und nicht nur aus ästhetischer Sicht fragen: Dient so etwas der Gesellschaft? Möchten wir eine Gesellschaft, in der so etwas als erstrebenswert gilt? Natürlich gibt es davon wahrscheinlich mehr als andersrum, aber ist eine Krankheit wie Adipositas oder (im Falle der Bodybuilderin) unnatürlicher Muskelaufbau durch Steroidmissbrauch tatsächlich etwas, worauf man stolz sein sollte? Das Eine noch das Andere ist wirklich gesund. Auch und vor allem nicht für das Individuum.