Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
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Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
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- mr archer
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Ich bin da abwartend skeptisch. Ich verstehe, wieso viele das Episodenformat fürs Spielfilm-Fach mögen, auch wenn ich kaum nachvollziehen kann, wie man sich Serie um Serie reintun kann, häufig ja scheinbar auch parallel mehrere. Gut erzählte Serien beschäftigen mich immer derart stark, dass ich Monate benötige, um mit ihren Figuren und der Erzählung abzuschließen. Mir ist das mitunter zu massiv, zu übergriffig in der Zeit, die da autorenseitig von mir als Tribut verlangt wird. Ich bin einfach zu sehr begeisterter Kinogänger und Filmseher, um hier gegenüber einem Zweistunden-Format die grundsätzlich bessere Erzählform zu finden. Manchmal schwingt beim einen oder anderen Seriensauger so was ja mit.
Beim Spiel geht es mir ähnlich. Ich bin da ganz bei Alice. Ich möchte einfach das Gefühl haben nach der Installation in eine Welt einzutauchen, die mir gehört und in der ich Herr meines Erlebnisses bin. Das soll alles da sein, abgeschlossen und bereit für meine Erkundung. Und wenn ich ein Ende erreiche, ist da auch wirklich ein Ende. Ich will in einem Videospiel nicht am Faden eines Autors und dessen Publisher hängen, der mich nach einem Cliffhanger im Regen stehen lässt bis zur nächsten Folge. Ich empfinde das irgendwie als Fremdbestimmung meiner Freizeit. Als ob mich einer am Nasenring durch die Gegend zerrt.
Ich hoffe einfach, dass das Format im Videospiel nicht so viel Bedeutung erlangt, dass es die bisherige Struktur der Spiele großflächig zu verändern beginnt.
Beim Spiel geht es mir ähnlich. Ich bin da ganz bei Alice. Ich möchte einfach das Gefühl haben nach der Installation in eine Welt einzutauchen, die mir gehört und in der ich Herr meines Erlebnisses bin. Das soll alles da sein, abgeschlossen und bereit für meine Erkundung. Und wenn ich ein Ende erreiche, ist da auch wirklich ein Ende. Ich will in einem Videospiel nicht am Faden eines Autors und dessen Publisher hängen, der mich nach einem Cliffhanger im Regen stehen lässt bis zur nächsten Folge. Ich empfinde das irgendwie als Fremdbestimmung meiner Freizeit. Als ob mich einer am Nasenring durch die Gegend zerrt.
Ich hoffe einfach, dass das Format im Videospiel nicht so viel Bedeutung erlangt, dass es die bisherige Struktur der Spiele großflächig zu verändern beginnt.
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Slayer123
- Beiträge: 434
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
absoluter quatsch dieses serienformat. man stelle sich vor, bücher würden kapitelweise im wochenrhytmus erscheinen, völlig gaga.
und wenn ich mir eh am ende alles auf einmal kaufen kann, wo liegt dann bitte der erzählerische sinn bzw. der vorteil beim serienformat. es ist, wie schon gesagt wurde, reine hinhaltetaktik um im gespräch zu bleiben.
denn im gegensatz zu serien, sind spiele im gesamten weitaus kürzer, als eine serie mit x folgen und y staffeln, wo es dann eben sinn macht.
ich hoffe, dieses serienformat setzt sich nicht durch. man hat ja bei half life 2 gesehn, wie toll das aufgeht.
und wenn ich mir eh am ende alles auf einmal kaufen kann, wo liegt dann bitte der erzählerische sinn bzw. der vorteil beim serienformat. es ist, wie schon gesagt wurde, reine hinhaltetaktik um im gespräch zu bleiben.
denn im gegensatz zu serien, sind spiele im gesamten weitaus kürzer, als eine serie mit x folgen und y staffeln, wo es dann eben sinn macht.
ich hoffe, dieses serienformat setzt sich nicht durch. man hat ja bei half life 2 gesehn, wie toll das aufgeht.
- mr archer
- Beiträge: 10329
- Registriert: 07.08.2007 10:17
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Oh, das Format gab es in der Zeit der großen Tageszeitungen im 19. und frühen 20. Jhd. wirklich. Ganze Autorenbiografien beruhen auf dem Fortsetzungsroman oder der Kurzgeschichte als wiederkehrendem Format für die Zeitung. Sherlock Holmes ist als Figur in der Zeitung entstanden, Edgar Allan Poes Kurzgeschichten ebenso. Dickens und Balzac haben ihre Romane über Monate hinweg als Reihen für die Zeitung publiziert. Es gibt tausende Autoren, deren Werk einzig aus Fortsetzungsromanen bestand, die in ihrer Zeit in aller Munde waren und die heute völlig vergessen sind (und, meine Prognose: so wird es auch vielen heute kurz gefeierten Serien gehen).Slayer123 hat geschrieben:absoluter quatsch dieses serienformat. man stelle sich vor, bücher würden kapitelweise im wochenrhytmus erscheinen, völlig gaga.
Das Problem ist, dass man das vor allem den Romanen anmerkt, wenn man sie heute gebunden im Ganzen liest. Weil die Kapitel eben in der Regel in Cliffhangern enden. Und sie alle eine ähnliche Länge haben. Serielles Erzählen hat seine Berechtigung. Es hat aber auch seine Schwächen.
Zuletzt geändert von mr archer am 23.02.2015 20:13, insgesamt 2-mal geändert.
- sphinx2k
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Mein verhalten ist eigentlich zu warten bis ich alles am Stück spielen kann. Halte ich bei Mehrteiligen Büchern auch so, es muss komplett sein bis ich es lese. Und Serien im Fernsehn schaue ich auch lieber am Stück.
Also an mir geht dieses Format einfach vorbei. Ich mag es nicht warten zu müssen bis ich weiß wie es weiter geht, von daher kaufe ich es erst wenn es komplett ist, wird dann wohl auch günstiger sein für mich.
Also an mir geht dieses Format einfach vorbei. Ich mag es nicht warten zu müssen bis ich weiß wie es weiter geht, von daher kaufe ich es erst wenn es komplett ist, wird dann wohl auch günstiger sein für mich.
- Kobba
- Beiträge: 597
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Handhabe ich wie Sphinx. Allerdings ist es manchmal garnich so leicht den inneren Schweinhund im Zaum zu halten. Im Grunde siehts aber so aus das Leute die abwarten nix verlieren, sondern im Gegenteil, solche die mit dem häppchenweise kein Problem haben sogar etwas gewinnen. Denn das vollständige Spiel erscheint ja nicht später, sondern einzelne Teile früher. Ich geh zumindest von aus das die Entwickler nich schon das komplette Game vorrätig haben und dann stückweise releasen, sonst würden Termine mal stimmen^^. Was natürlich noch im Raum steht ist die Frage ob dieses Format eher positiven oder negativen Einfluss auf die Erzählung hat. Und dann besteht ja noch die Gefahr das unsere lieben Publisher sehen "oh, ja, was das, spiel x ist sehr erfolgreich, was kann das?".. "joa, is wohl son episodenformat".. "subba, machen wir jetzt alles im episodenformat, hey, wie wärs wenn wir die openworld in kleinere abschnitte einteilen und als episoden vermarkten?" .. "das is ne super idee, nen rennspiel in episodenformat wär auch spitze."
Aber solang das jetzt nich überall Einzug hält schadet's imo nicht. Kann sogar ne chance sein für nich so finanzstarke Entwickler bzw. Publisher.
Aber solang das jetzt nich überall Einzug hält schadet's imo nicht. Kann sogar ne chance sein für nich so finanzstarke Entwickler bzw. Publisher.
- Solon25
- Beiträge: 5079
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Da bin ich ganz bei dir. Im Falle RE:R-2 sehe ich es jetzt aber nicht ganz so eng, da die Episoden ja innerhalb 4 Wochen erscheinen. Mehrere Monate möchte ich da auch nicht drauf warten.mr archer hat geschrieben: Ich hoffe einfach, dass das Format im Videospiel nicht so viel Bedeutung erlangt, dass es die bisherige Struktur der Spiele großflächig zu verändern beginnt.
- Sir Richfield
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
In dem Zusammenhang nur leidlich interessant:
Laut dem Forensystem mein erster Beitrag vom 24 Sep 2007 09:02:
Laut dem Forensystem mein erster Beitrag vom 24 Sep 2007 09:02:
Etwas über sieben Jahre später und Episoden sind immer noch ein Thema...Sir Richfield hat geschrieben:Also wenn es nach mir ginge, bräuchte VALVE nicht mehr über Episoden nachdenken.
Die einzigen Episoden, die in meinen Augen funktioniert haben, waren die Sam&Max Episoden, denn die kamen recht regelmäßig.
Valve hat sich mit den HL Episoden so viel Zeit gelassen, in der Zeit hätten die locker ein neues Spiel komplett machen können.
Zudem werden sie mit dieser Methode doch irgendwann an einen Punkt kommen, an dem die Source Engine am Ende ist und dann müssen die eh ein neues Gerüst bauen. [...]
- Nobilis 1984
- Beiträge: 318
- Registriert: 12.09.2007 16:42
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Also ich bin für mehr Episodenspiele.
Solange man es so gut Telltale Games macht und nur 20€ dafür bezahlt kann man nicht meckern.
Aber wieso soll man immer so lange warten? Es müsste jeden Monat eine Episode kommen.
Solange man es so gut Telltale Games macht und nur 20€ dafür bezahlt kann man nicht meckern.
Aber wieso soll man immer so lange warten? Es müsste jeden Monat eine Episode kommen.
- an_druid
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Es gibt grundsätzlich zwei Punkte, die mich negetiv stimmen und die gerade bei Filmserien einen ganz ganz dicken Minuspunkt darstellen können und warscheinlich auch werden.
1. Was wenn eine Serie abgebrochen wird (aus welchen gründen auch immer) und der Spieler sich aber schon die letzten Episoden/Folgen schon eingekauft hat ?!..PECH..
2. Es kann durchaus Passieren, das die Story aus Gründen der positiven Bilanz A: Verlängert wird oder B: in die Länge gezogen wird. Dann haben wir nicht wie beispielsweise bei RE eigene Geschichten sondern, es wird die eine Story immer und immer wieder biss um geht nicht mehr ausgemolken. In der Vergangenheit gibt es da zu viele Beispiele. Nur jetzt werden Games monatlich oder Wöchentlich statt Jährlich Produziert, was auch schon schlimm genug ist. "tschüss Entwicklung"
Es ist wird definitiv ein Nachteil der kompletten Spielebranche. Lieber ganze abgeschlossene Spiele ohne dieses " wieder und immer wieder" . "Ne Danke"
1. Was wenn eine Serie abgebrochen wird (aus welchen gründen auch immer) und der Spieler sich aber schon die letzten Episoden/Folgen schon eingekauft hat ?!..PECH..
2. Es kann durchaus Passieren, das die Story aus Gründen der positiven Bilanz A: Verlängert wird oder B: in die Länge gezogen wird. Dann haben wir nicht wie beispielsweise bei RE eigene Geschichten sondern, es wird die eine Story immer und immer wieder biss um geht nicht mehr ausgemolken. In der Vergangenheit gibt es da zu viele Beispiele. Nur jetzt werden Games monatlich oder Wöchentlich statt Jährlich Produziert, was auch schon schlimm genug ist. "tschüss Entwicklung"
Es ist wird definitiv ein Nachteil der kompletten Spielebranche. Lieber ganze abgeschlossene Spiele ohne dieses " wieder und immer wieder" . "Ne Danke"
- Sir Richfield
- Beiträge: 17249
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Das Wort "wird" finde ich interessant.an_druid hat geschrieben:Es ist wird definitiv ein Nachteil der kompletten Spielebranche. Lieber ganze abgeschlossene Spiele ohne dieses " wieder und immer wieder" . "Ne Danke"
Wenn ich Muße habe lese ich wohl nochmal den alten Half Life Episodes Thread. Ich habe das Gefühl, alles hier gesagte dort schon mal gelesen zu haben.
- Raskir
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Also mir hat Twau sehr gut gefallen und Walking Dead war auch nicht schlecht. Aber es gibt eine Sache die mich an den Spielen stört, insbesondere Twd. Selbst nach allen 5 Episoden, ist das Spiel nicht abgeschlossen. Man merkt leider, dass die Spiele dazu konzipiert sind, kein Ende zu haben. Bei Twau hatte ich lange Zeit die Hoffnung, dass man wenigstens eine in sich geschlossene Handlung hat (wobei eine unabhängige 2. Staffel gerne produziert hätte werden können). Leider wurde auch da nochmal am Ende noch etwas neues aufgerollt um das Interesse aufrechtzuerhalten und den Leuten zu sagen, "Hey da kommt noch was, verpasst nicht die nächste Season, erst da bekommt ihr alles mit".
Episodenformat gerne. Aber bitte auch mal in sich geschlossene Handlungen liebes Tell Tale.
Wie steht das Forum und die Redaktion dazu?
Episodenformat gerne. Aber bitte auch mal in sich geschlossene Handlungen liebes Tell Tale.
Wie steht das Forum und die Redaktion dazu?
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[Shadow_Man]
- Beiträge: 2218
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Ich warte bei den Spielen immer, bis die ganzen Episoden erschienen sind. Ich möchte nicht 2-3 Stunden zocken und dann wieder wochenlang warten, dann wieder 2-3 Stunden zocken und wieder warten usw.
Bis dahin hab ich ja schon wieder die Hälfte vergessen
Zudem sind die Episodenspiele anfangs leider oft nur auf Englisch, bis die Community die Texte übersetzt oder ein Komplettpaket im Laden erscheint, dann gibt es meist zumindest dt. Untertitel.
Bei "Filmserien" mache ich das auch so. Da warte ich auch bis zumindest eine Staffel komplett erschienen ist und gucke mir die dann komplett an.
Bis dahin hab ich ja schon wieder die Hälfte vergessen
Zudem sind die Episodenspiele anfangs leider oft nur auf Englisch, bis die Community die Texte übersetzt oder ein Komplettpaket im Laden erscheint, dann gibt es meist zumindest dt. Untertitel.
Bei "Filmserien" mache ich das auch so. Da warte ich auch bis zumindest eine Staffel komplett erschienen ist und gucke mir die dann komplett an.
-
Marobod
- Beiträge: 3399
- Registriert: 22.08.2012 16:29
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
[Shadow_Man] hat geschrieben:Ich warte bei den Spielen immer, bis die ganzen Episoden erschienen sind. Ich möchte nicht 2-3 Stunden zocken und dann wieder wochenlang warten, dann wieder 2-3 Stunden zocken und wieder warten usw.
Bis dahin hab ich ja schon wieder die Hälfte vergessen![]()
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Zudem sind die Episodenspiele anfangs leider oft nur auf Englisch, bis die Community die Texte übersetzt oder ein Komplettpaket im Laden erscheint, dann gibt es meist zumindest dt. Untertitel.
Bei "Filmserien" mache ich das auch so. Da warte ich auch bis zumindest eine Staffel komplett erschienen ist und gucke mir die dann komplett an.
Nunja meine Kumpel und ich kaufen auch gern die komplette Spiele, dann wiederum zocken wir doch meist nur 1 oder 2 Episoden. Muß dazu sagen, wir sind gerade bei Adventures irgendwie Rudelzocker, die dabei ein Spiel zu gutem Essen und Getraenken viel Guter laune einem Spiel nachgehen.
Da ich auch Angst habe,es gibt nen Megacliffhanger, warte ich halt immer bis das Ding komplett ist.
- dx1
- Beiträge: 8776
- Registriert: 30.12.2006 13:39
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Re: Thema der Woche: Spiele im Episoden-Format
Vollzitat "mr archer":
Spoiler
Show
mr archer hat geschrieben:Ich bin da abwartend skeptisch. Ich verstehe, wieso viele das Episodenformat fürs Spielfilm-Fach mögen, auch wenn ich kaum nachvollziehen kann, wie man sich Serie um Serie reintun kann, häufig ja scheinbar auch parallel mehrere. Gut erzählte Serien beschäftigen mich immer derart stark, dass ich Monate benötige, um mit ihren Figuren und der Erzählung abzuschließen. Mir ist das mitunter zu massiv, zu übergriffig in der Zeit, die da autorenseitig von mir als Tribut verlangt wird. Ich bin einfach zu sehr begeisterter Kinogänger und Filmseher, um hier gegenüber einem Zweistunden-Format die grundsätzlich bessere Erzählform zu finden. Manchmal schwingt beim einen oder anderen Seriensauger so was ja mit.
Beim Spiel geht es mir ähnlich. Ich bin da ganz bei Alice. Ich möchte einfach das Gefühl haben nach der Installation in eine Welt einzutauchen, die mir gehört und in der ich Herr meines Erlebnisses bin. Das soll alles da sein, abgeschlossen und bereit für meine Erkundung. Und wenn ich ein Ende erreiche, ist da auch wirklich ein Ende. Ich will in einem Videospiel nicht am Faden eines Autors und dessen Publisher hängen, der mich nach einem Cliffhanger im Regen stehen lässt bis zur nächsten Folge. Ich empfinde das irgendwie als Fremdbestimmung meiner Freizeit. Als ob mich einer am Nasenring durch die Gegend zerrt.
Ich hoffe einfach, dass das Format im Videospiel nicht so viel Bedeutung erlangt, dass es die bisherige Struktur der Spiele großflächig zu verändern beginnt.
Eine gut erzählte Serie — egal ob zusammengestoppelt aus werbepausenfixierten 22- oder 44-Minuten-Episoden (Privatfernsehen), abendfüllenden 90-minütigen (BBC-Miniserien, ARD-Tatort) oder ihre Geschichte lang dauernden (HBO-Serien wie Deadwood oder Sopranos) — bietet mehr Raum für Protagonisten/Antagonisten als ein zweistündiger Spielfilm und damit mehr Projektionsfäche und Identifikationsmöglichkeit für den Rezipienten. Das ist der Hauptgrund, weswegen Du manchen Figuren und Handlungsbögen (es gibt tatsächlich keinen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag zu "story arc") im Geiste so lange nachläufst. Bei einem längeren Kinofilm dauert der klassische erste Akt höchstens 30 Minuten. Bei einer von vorn herein über sechs Staffeln durchgeplanten Serie über 25 Stunden, wobei jede einzelne Staffel zu einem Viertel aus erstem Akt besteht und jede Folge eben so. Plusminus natürlich. :wink:mr archer hat geschrieben:Ich verstehe, wieso viele das Episodenformat fürs Spielfilm-Fach mögen, … Gut erzählte Serien beschäftigen mich immer derart stark, dass ich Monate benötige, um mit ihren Figuren und der Erzählung abzuschließen.
Für mich ist hier "binge watching" das Mittel zur Wahl. Ich habe kein Problem damit, erst dann eine Serie zu schauen, wenn sie schon abgeschlossen ist. Oder eine Staffel, wenn's mich richtig juckt. Damals™ bei LOST habe ich noch versucht, mit Freunden über die Serie zu reden. Das Problem bestand darin, dass meine Frau und ich skupellose Runterlader waren, die Willows Fansubs nur zugeschaltet haben, um darüber zu lachen/meckern, und wir unsere Freunde übelst gespoilert haben, wenn wir (die Freunde und wir) über die Serie reden wollten. Inzwischen schaut jeder für sich und bevor man ein Gespräch führt, das über "ey Serie Sondso ist voll krass" hinaus geht, wird geklärt, ob sich alle Anwesenden für die Serie und die Thematik interessieren. Tut das jemand und hat die Serie noch nicht bis zur derzeit verfügbaren Folge gesehen, reden wir über etwas Anderes. Glaubt es oder nicht: Ich habe Breaking Bad angefangen zu schauen, nachdem die Serie beendet war. Der größte Spoiler, den ich bekommen habe, war der, den ein Arbeitskollege von mir erzählte, nachdem ich erwähnte, dass ich die Serie gerade durchratterte: "Ich kann Dir erzählen, wie es endet!" — "Nein, ich schau das lieber selber. Bin spätestens übernächstes Wochenende durch." — "Menno, aber okay. Ich sag nichts."mr archer hat geschrieben:Mir ist das mitunter zu massiv, zu übergriffig in der Zeit, die da autorenseitig von mir als Tribut verlangt wird. Ich bin einfach zu sehr begeisterter Kinogänger und Filmseher, um hier gegenüber einem Zweistunden-Format die grundsätzlich bessere Erzählform zu finden. Manchmal schwingt beim einen oder anderen Seriensauger so was ja mit.
Darum bezahle ich lieber 25 Prozent oder weniger für die GOTY-, Complete- oder Ultimate-Fassung eines Spiels, statt denn Vollpreis und nochmal das Selbe für Download-Content.mr archer hat geschrieben:Beim Spiel geht es mir ähnlich. Ich bin da ganz bei Alice. Ich möchte einfach das Gefühl haben nach der Installation in eine Welt einzutauchen, die mir gehört und in der ich Herr meines Erlebnisses bin. Das soll alles da sein, abgeschlossen und bereit für meine Erkundung. Und wenn ich ein Ende erreiche, ist da auch wirklich ein Ende.
Wie oben beschrieben empfinde ich es nicht als Pflicht, ein Episodenspiel in Episoden zu spielen. Wenn ich später als zur Premiere in eine TV-Serie einsteigen kann, dann kann ich das auch bei einem episodischen Spiel tun. Viele schreiben ja ähnlich wie Du, dass sie das Episodenspiel erst spielen werden, wenn alle Episoden erschienen sind. Als problematisch empfinde ich dabei den Konflikt, der sich aus der klassischen kaufmännischen Betrachtungsweise von Spekulation und Zinsvorteil ergibt: "Ich behalte das Geld bis ich das vollständige Produkt genießen kann" kontra "ich gebe das Geld, damit ich vielleicht ein völlständiges Produkt genießen kann." Episodenspiele werden in dieser Hinsicht ehrlicher beworben, als "klassische Vollpreistitel" mit "exklusiven", später als DLC verfügbaren Vorbestellerboni, wobei die Vollpreisspiele auch erst mit ein bis vier Season Passes (Staffelausweisen, wie der Franzose sagt) oder als stark rabattierte "Vollständige Spiel-des-Jahres-Fassung" komplett "erfahrbar" sind.mr archer hat geschrieben:Ich will in einem Videospiel nicht am Faden eines Autors und dessen Publisher hängen, der mich nach einem Cliffhanger im Regen stehen lässt bis zur nächsten Folge. Ich empfinde das irgendwie als Fremdbestimmung meiner Freizeit. Als ob mich einer am Nasenring durch die Gegend zerrt.
In der "Videospielantike" ist das Episodenformat nicht unbekannt (bspw. Shareware von id und Apogee, neuerdings bekannt als 3DRealms) und lediglich die Ausführung und damit die Tragweite der episodenhaften Erzählung erlangt mehr Bedeutung, vergleichbar mit der Entwicklung von Groschenromanen wie John Sinclair hin zu Fernsehserien wie Babylon 5.mr archer hat geschrieben:Ich hoffe einfach, dass das Format im Videospiel nicht so viel Bedeutung erlangt, dass es die bisherige Struktur der Spiele großflächig zu verändern beginnt.
