Dr. Noob hat geschrieben:Gold, Silber und Bronze gibt es ja schon.
Für Frauen müsste man die Kategorien "Leder" und "Holz" einführen.
Und wer jetzt wieder behauptet, Frauenfussball sei inzwischen auf einem sehr hohen Niveau, der ist Opfer des Marketing-Gedöns und hat keine Ahnung von diesem Sport.
Frauenfußball ist, geschlechterimmanent betrachtet, auf einem hohen Niveau angelangt. Wer das negiert hat keine Ahnung von Sport überhaupt.
Klar sieht Frauenfußball enorm laienhaft aus, wenn man es mit den Männern vergleicht. Tempo, Athletik, Passgenauigkeit... alles kein Vergleich. Gerade die Torhüterleistungen bewegen sich selbst auf Nationalmannschaftsniveau bei den Frauen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) zum Teil noch unter dem Level, welches man von Herren-Torhütern der untersten Kreisklassen gewohnt ist. Was da regelmäßig an Eiern reinrollt, das passt auf keine Kuhhaut mehr. Aber all das lässt sich auf jede Sportart ummünzen. Die Leistungsfähigkeit von Frauen ist deutlich niedriger als die von Männern. Alle Zeiten, Weiten und Höhen, die von Frauen erreicht werden, bewegen sich in der Regel immer eher so auf männlichem Amateurniveau.
Darum muss man auch den Frauenfußball in erster Linie an sich selbst messen. Und so betrachtet hat sich dieser extrem entwickelt über die letzten 10 bis 20 Jahre. Die ersten Frauenländerspiele unserer Mädels liefen auch noch als planloses und unkontrolliertes "gegen den Ball Getrete" ab. Es wurde teils konfus rumgerannt und umhergebolzt, dass man meinen könnte, man schaut einer verkleideten F-Jugend-Mannschaft zu. Das alles hat sich in Deutschland und anderen Vorreiternationen im Frauenfußball im Verlaufe der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts massiv gewandelt. Im vergangenen Jahrzehnt spielten diese Teams bei Weltmeisterschaften schon durchaus einen "ansehnlichen" Fußball. Problem: Es gab nur eine knappe handvoll dieser Teams. Andere Nationen wurden dann von denen meist nur im Vorbeimarsch weggepustet (WM-Viertelfinale 2003 Deutschland-Russland endete, soweit ich mich erinnere, 7:1 oder so). Das machte die Turniere noch eher langweilig, weil Überraschungen ausblieben und erst die Spiele der Topnationen gegeneinander interessant verliefen.
Aber jetzt nehmen wir mal die letzte WM. Wer hätte vor der WM mit Japan als Weltmeister gerechnet. Bis vor wenigen Jahren zählten auch die noch zu den regelmäßig abgeschlachteten Teams. Überhaupt suchte man Kantersiege 2011 weitgehend vergebens. Das Turnier war enorm ausgeglichen. Von den 16 Nationen spielten etwa 10 Nationen auf einem annhähernd vergleichbaren Level und auch die restlichen Teams sahen selten chanchenlos aus.
So gesehen muss man einfach anerkennen, dass der Frauenfußball für sich betrachtet extrem schnell auf ein sehr hohes Leistungsniveau gekommen ist. Muss man ihn deshalb gleich toll finden? Gott bewahre, natürlich nein. Wem das Gekicke der Frauen nicht gefällt, weil er einfach aus der Gewohnheit vom Männerfußball her einen anderen Ästhetikanspruch hat und diesen nicht runterschrauben kann, hat auch jedes Recht dazu. Aber dennoch ist es unfair unseren Mädels gegenüber, ihnen den massiven Qualitätszuwachs einfach mal eben abzusprechen, nur weil sie eben (physisch bedingt) nicht in der Lage sind, ebenso kraftvoll, athletisch und intensiv zu spielen wie die Herren der Schöpfung.
Zum Thema: Verstehe da EA. Ich persönlich empfände es eher als witziges Dreingabe denn als ein wirliches Feature mit Mehrwert. Und ich wage zu behaupten, dass ich da nicht allein mit stehe. EA würde mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Datenträger mehr verkaufen mit Frauenmannschaften im Spiel. Und das vor dem Hintergrund, dass man, wie schon einige schrieben, einen erheblichen Mehraufwand damit hätte.
Und auch ich befürchte, dass sie es nur falsch machen könnten, egal wie sie es einbauen. Bauen sie es so ein, dass sie quasi nur Frauenskins designen und die Werte der Frauenteams nur an denen anderer Frauenteams abgleichen, so dass Deutschland Frauen am Ende ebenso fünf Sterne hätte wie Deutschland Herren und auch die Spielerinnen von ihren Werten her dann im Vergleich mit einer Herrenmannschaft gleich auf wären, wäre das schon mehr als lächerlich und würde dem Simulationsanspruch nie gerecht werden können. Versucht man die Stärken der Frauenmannschaften auch in einem etwa der Realität entsprechenden Verhältnis zu den Männern darzustellen, würden sich mit Sicherheit sofort irgendwelche Aktivistinnen zusammenrotten, die EAs HQ mit Fackeln und Mistgabeln bestürmen, allen voran ein paar Femen-Mädels, die dem Chef von EA Sports persönlich ihre Möpse um die Ohren hauen, weil sie das neue FIFA als unerhörte Verhöhnung der Leistungsfähigkeiten von Frauen empfinden. Scheißdreck von einem Produkt, wie er nur dem Patriarchat entsprungen sein kann eben!!!
Man stelle sich vor, man spielt mal aus Spaß ein Freundschaftsspiel Deutschland Herren gegen Deutschland Damen. Wie soll das abgehen? Celina Okoyina D' Ambabi (oder so ähnlich, sorry hatte keine Lust, jetzt ihren ganzen Namen mit korrekter Schreibweise zu googeln) knallt Neuer nen Ball aus 30 Metern wie einen Strich in den Winkel? Kopfballduelle werden zu 50 % von den Frauen gewonnen? Bei so etwas würde jeder, der sich nur ein Bisschen mit Fußball auskennt, nur noch den Kopf schütteln oder bestenfalls sehr erheitert lachen.
Aber was, wenn dann Deutschland Herren (vorausgesetzt die beiden Spieler vor der Konsole sind ungefähr gleich gut) das Spiel 30:0 gewinnt, was ich durchaus für sehr realistisch halten würde, würde die echte Herrenmannschaft wirklich 90 Minuten lang Ernst machen und nicht, was sie mit Sicherheit täten (wir Männer wissen doch, wie wir selber drauf sind), in nahezu allen Zweikämpfen und Torraumszenen massiv zurückstecken? Dann hätten wir ruckzuck eben von mir beschriebenes Szenario.
Also kurzum: Ich hätte an EAs Stelle nicht anders entschieden. Kosten und Nutzen stehen da in keinem Verhältnis und auch die Umsetzung ist schwierig. Will man es realistisch oder doch eher Spaßorientiert, was sich in diesem Fall meines Erachtens tatsächlich gegenseitig annhähernd ausschließt.
Sorry für Wall of Text...
