Jetzt zuerst mal zu dem "Das ist halt zu erwarten"-Thema: Was genau will man uns damit z.B. sagen?
Ist es deshalb unausweichlich? Ist es deshalb legitim? Sind deshalb die Opfer der Belästigung schuld und sollen sich gefälligst nicht beschweren?
"Solche Scheiße hat man halt zu erwarten" meint nur das: Dass man die Scheiße zu erwarten hat. Dass die Scheiße aber dennoch beseitigt werden sollte, und dass die Scheiße überhaupt gar nicht erst hätte geschehen sollen, und dass der Typ, der euch die Scheiße in den Vorgarten gekippt hat, gefälligst dafür gerade stehen soll; all das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein.
Scipione hat geschrieben:Du hast mich wohl missverstanden. Ich habe nichtmal gesagt, dass es diese Drohung nicht gegeben hätte. Ich sagte, sie nimmt es für mein Empfinden selber nicht als ernste, unmittelbare Gefahr wahr.
"Dein Empfinden" macht die Sache auch nicht weniger schwerwiegend.
Und ja, ich nehme Drohungen mit Adresse und Kommentaren über ihren Tagesablauf als schwerwiegend wahr.
Es ist lächerlich anzunehmen, DASS die Reaktionen etwas mit ihrem Geschlecht zu tun haben, wenn Männern das gleiche passiert und vielen anderen Frauen zb nicht.
Ich glaube, wir müssen hier mal etwas einwerfen, weil ziemlich viele Argumentationen das wieder und wieder ignorieren:
WIR HABEN NOCH KEINE GLEICHSTELLUNG.
Eure Argumente würden ja alle wundervoll funktionieren, wenn unsere Gesellschaft im Grunde egalitär wäre. Man könnte wunderbar argumentieren "Mann und Frau stehen gleich, also sind Belästigung von Mann und Frau äquivalent".
DAS IST NOCH NICHT DER FALL.
Und genau darauf laufen hier ziemlich viele Argumente heraus. Es kann keinen Sexismus geben, weil es ja keinen Sexismus gibt. Schwarze überdurchschnittlich oft zu kontrollieren kann kein Rassismus sein, weil es gibt ja keinen Rassismus.
Die findigsten unter euch sind sich der zirkulären Logik dieses Arguments sehr bewusst und springen dann noch auf den "Na ich dachte Mann und Frau sind gleich, dann kann es ja keine Diskriminierung geben"-Zug.
Nee, du setzt den Zustand, dass alles und jeder so furchtbar sexistisch ist, ja immer nur schon als gegeben voraus, den wir alle bitte schön auch so zu akzeptieren haben
Ich würde dir empfehlen, den gequoteten Satz nochmal zu lesen, wo ich klar und deutlich sage, dass ich das nicht tue.
Aber ich weiß schon, was dein Folgeargument sein wird: Ich lüge, ich tue nur so.
Sei dir gewiss: Das ist nicht der Fall. Ich kann sehr wohl sagen "Die Gaming Community hat ein Sexismus-Problem" ohne automatisch damit zu meinen, dass jeder einzelne Gamer ein sabbernder Misogynist ist.
Das könnte daran liegen, dass mein persönliches Weltbild mehr Zustände kennt als nur "Alle sind schuld" und "Niemand ist schuld".
Noch tragischer ist, dass du gar nicht merkst wie du dem Kampf gegen echten Sexismus damit nur einen Bärendienst erweist.
Echter Sexismus wie Frauen in Saudi Arabien die nicht fahren dürfen und der unausweichliche Hitzetod des Universums, ne.
Diese Aussage allein ist ja im vorliegenden Zusammenhang schon diskriminierend. Noch schlimmer, dir fällt es schon gar nicht mehr auf. Inwiefern unterscheidet sich eine Morddrohung gegen eine Frau von der gegen einen Mann? Oder ein Shitstorm? Oder das Abmurksen einer Pixelfigur? Oder Gewalt im allgemeinen?
Erstens: Warum ist es diskriminierend, zu erkennen dass in einem System, dass von Macht-Ungleichgewichten und unterschiedlicher kultureller Erwartungen geprägt ist, die Probleme unterschiedlicher Parteien unterschiedlich behandelt werden müssen?
Nochmal: Dein Argument würde ja super funktionieren, wenn unsere Gesellschaft bereits egalitär wäre. Ist sie aber nicht.
Zweitens war es eine sexualisierte Morddrohung, die nun einmal typischerweise Frauen und nicht Männer trifft, von daher, ja, Kontext macht einiges aus.
Drittens, wenn es um das Video geht, hier ist der Punkt dass Frauen, vor, in und nach ihrem Tod oftmals sexualisiert dargestellt werden. Die tieferen Implikationen und Verknüpfungen des ganzen sind sicherlich Diskussion wert, aber der Fakt dass es nicht unbedingt gut sein kann, und Spiele auf ihrem Weg weg vom Kinderspielzeug, hin zum ernst zu nehmenden Medium nicht helfen kann, dürfte relativ klar sein.
Twan hat geschrieben:Sie will keine Gleichberechtigung, sondern eine Vorzugsbehandlung
Erneut, wir nehmen diese Behauptung woher?