Plor hat geschrieben:muecke-the-lietz hat geschrieben:
naja, da würde ich aber nochmal genau hinhören. sie verlangt nie nach einem verbot und sie behauptet auch nie, dass der inhalt von games direkten einfluss auf unser handeln haben, es es klingen schon manchmal seltsame zwischentöne durch.
gerade im letzten video hat sie da so einige sachen rausgehauen, gerade in bezug auf reale zahlen von häuslicher gewalt gegen frauen. das war schon nicht ganz ohne.
jepp... das war mir in diesem Video auch sauer aufgestoßen. War aber tatsächlich das einzige Mal, dass ich das Gefühl hatte, dass Sarkeesian zu schnell dabei ist, direkte Verbindungen zwischen Medium und Gesellschaft zu ziehen (und selbst in diesem Fall hatte sie es noch einigermaßen abgefedert). Ansonsten sehe ich sie aber meilenweit entfernt von Anti-Videogame-Tiraden wie dem Frontal21-Bericht oder den kulturpessimistischen Pamphleten gealterter Feuilletonisten. Sarkeesian spielt Spiele, beschäftigt sich intensiv mit Spielen und nimmt Videospiele als Medium und Kulturgut verdammt ernst. Ich sehe in ihren Videos weniger eine Verdammung als viel Mehr eine Adelung des Mediums und der Videospielkultur. Frei nach dem Prinzip: "Gut, es ist so weit. Jetzt darfst du auch Thema tiefgründiger Kulturkritik sein, liebes Medium."
Ja, so sehe ich ihre Videos ja auch immer noch. Deswegen setzte ich mich damit ja auch gerne auseinander.
Aber sie betritt stellenweise tatsächlich fragwürdiges Terrain, wenn sicherlich auch nicht so primitiv und unsinnig wie damals Frontal21.
Grundsätzlich haben Games sich nunmal zum Teil weiter entwickelt, aber in einigen Punkten eben scheinbar noch nicht genug.
Nun muss man aber auch sagen, dass es mittlerweile viele Spiele mit starken weiblichen Charakteren gibt, nicht nur in der Hauptrolle, sondern vor allem auch in den Nebenrollen. Gerade TLoU oder Uncharted sind hier perfekte Beispiele. In der Domäne der pickligen Nerds, also der Rollenspiele, macht es mittlerweile oft überhaupt keinen Unterschied mehr, ob man Mann oder Frau spielt, hinzukommen ist oftmals sogar gleichgeschlechtliche Liebe möglich.
Es gibt viele Spiele, die völlig abstrakt sind un vollkommen ohne Geschlechterrollen auskommen, wie einige Browser Games, Strategiespiele oder akstrake Indiespiele wie Papers Please, Proteus, etc.
Spiele haben sich weiterentwickelt. Starke weibliche Hauptrollen wie Jade, Faith und Cate Archer sind im Prinzip ohne Feministinnen entstanden - einfach durch die geistige Weiterentwicklung der Branche und den Bedarf nach mehr Vielfalt. Auch dass es immer mehr Frauen in der Branche gibt, trägt sicher einen gewaltigen Teil dazu bei, dass in vielen Spielen der Fokus mehr auf Charktarzeichnung und Story gerichtet wird.
Anitas erfindet die Beispiele und die Tropes ja nicht, und es ist ja auch richtig, was sie grundsätzlich vermitteln möchte. Ich habe ihr ja in den ersten Videos auch zugestimmt.
Aber macht es wirklich Sinn, den Inhalt von bestimmten Szenen neu zu erfinden, bestimmte Szenen in einen neuen Kontext einzuordnen, nur, um ein möglich abschreckendes Bild zeigen zu können? Eine schlimme Gewaltszene an die nächste zu hängen, von denen viele Szenen extrem selten in den Spielen sind und den Spieler ja durch ihre Verdorbenheit auch schockieren sollen?
Das ist Polemik und geht schon ein wenig in Richtung Bild und Frontal21. Natürlich bleiben ihre Videos dann doch verhältnismäßig nüchtern und erheben nie wirklich den moralischen Zeigefinger. Aber als erfahrener Gamer wirken ihre Videos schon extrem zusammengesucht für ein recht uninformietes Publikum, was angesichts einiger Szenen extrem verstört sein dürfte. Und ich glaube schon, dass in einigen Kreisen diese Vidoes eher ein schlechtes Bild von Games hinterlassen werden.