ronny_83 hat geschrieben:
[...]
Kajetan hat geschrieben:Und genau deswegen ist der Kunstbegriff in dieser Debatte auch so irreführend. Es geht nicht um Kunst vs. Nicht-Kunst. Es geht um eine rechtliche (!) Gleichstellung von Spielen mit Filmen.
Um etwas rechtlich gleichzustellen, muss auf auf die gleiche Art und Weise anerkannt sein. Und das ist nicht der Fall. Du kannst nicht in Filmen als anerkanntes Kunstmedium und in Spielen als anerkanntes Unterhaltungsmedium dieselben Rechtsgrundlagen schaffen, vor allem nicht in Bezug auf verfassungsfeindliche Inhalte.
Doch. Darum geht es ja.
Und darum, dass andere dein Medium "anerkennen" müssen, damit es sich frei entfalten kann. Das ist die ganze leidige Diskussion. Spiele müssen als Kunstform anerkannt werden, dann dürfen sie auch alles. Aber so kann das im 21. Jh. nicht mehr laufen. Dass ist ja beinahe eine verstaatlichte Betrachtung, was Kunst und was Nicht-Kunst ist. Die Diskussion und die Aufmerksamkeit findet vielleicht in "freien" Medien statt, aber die letztendliche Entscheidung fällt ja ganz offensichtlich der Gesetztesgeber.
Spiele haben sich mehr als einmal bewiesen, haben es oft in verschiedenste Tageszeitungen geschafft, zur Prime Time ins TV, hatten und haben eigene Sendungen, die sich großer Beliebtheit erfreuen und einige der Ikonen der Videospielgeschichte sind nicht mehr aus der Popkultur wegzudenken.
Und trotzdem sind Videospiele immer noch nicht "anerkannt". Es tut mir leid. Aber wer hier die Schwachstelle in dem System nicht erkennt, verkennt die eigentliche Problematik.
Es ist bei einigen Titeln so offentlichsichtlich, dass sie mehr künslterischen Wert besitzten als 90% aller Filme, die Hollywood so rausbringt. Vielleicht nicht auf narrativer Ebene, aber auf grafischer Ebene, im Bereich des Zusammenspiels zwischen Musik, Klängen, Bildern, Bewegung, Emotion und Erlebnis. Selbst Tetris oder Pong besitzten durch ihre einzigartig minimalistische Gestaltung sowas wie künslterische Bedeutung. Und Videospiele gibt es nicht seit gestern, und es wird auch nicht erst seit gestern um Anerkennung gekämpft.
Beim Film dauerte es viele Jahrzehnte, das war aber zu einer anderen Zeit. In der heutigen vernetzten und stark informierten Gesellschaft, die Videospiele jetzt seit über 30 Jahren kennt, hätte das aber schneller gehen müssen. Das wird aber nicht passieren. Und deswegen muss man sich auch von dem Wunsch nach Anerkennung verabschieden.
Und wenn man mal in Talkrunden mit einigen sehr klugen Leuten seitens der USK und aus dem Kulturausschuss sitzt, weiß man, dass Spiele inoffiziell schon seit Jahren als eine Form von Kunst betrachtet werden. Wahrscheinlich schon seit über einem Jahrzehnt. Aber offiziell hat sich immer noch nichts getan.
Ich bin da nicht mal mehr ungeduldig, mir ist die gesellschaftliche Anerkennung mittlerweile egal. Mir geht es nur noch um die rechtliche Gleichstellung. Die mag zwar in Dtl. mit der Kunstdefinition einhergehen, aber dieser Weg ist ja scheinbar eine Sackgasse.
Btw.
Ich bin mir des Unterschiedes zwischen den Begriffen Kunst und Kulturgut schon im Klaren. Das kommt im Text aber nicht immer so durch. Denn als Kulturgut gelten Spiele jetz in Dtl. schon seit einigen Jahren.