Kajetan hat geschrieben:
Natürlich haben die Jungs hier keine Kristallkugel gehabt, mit der sie zu 100% korrekt die Zukunft von Facebook voraussagen können. Aaaaaaber ... in den letzten 15 Jahren sind gerade solche Community-Angebote wie Facebook schnell groß und populär geworden und wenige Jahre später in der Bedeutungslosigkeit verschwunden oder gar ganz eingestellt worden. Facebook ist ohne seine User NICHTS und wenn diese in ausreichender Zahl ausbleiben, dann ist da auch nichts mehr, mit dem man Geld verdienen könnte. Gerade Myspace ist ein Paradebeispiel für die hohe User-Fluktuation in diesem Bereich. Oder erinnert sich noch jemand an StudiVZ. Oder an die Hysterie um Second Life? Oder davor an Cycosmos, DER Highflyer der New Economy?
Ich sehe das ähnlich wie SethSteiner, man muss Facebook schon eine gewisse Sonderstellung innerhalb des ganzen Social-Media-Eintagsfliegenschwarms zugestehen. Es wäre beispielsweise 2008, also zu Hochzeiten von MySpace, in kaum einer Branche zu erwarten gewesen, dass sich irgendwelche Arbeitgeber, wenn Sie gerade Leute einstellen, standardmäßig die MySpace-Profile der Bewerber ansehen und daraus ihre Schlüsse ziehen. Bei Facebook dagegen sollte man besser stets mit sowas rechnen. Dass dies bei MySpace & co anders war ist kein Wunder, war doch dort kaum jemand mit Klarnamen unterwegs, zudem war MySpace (ebenso wie StudiVZ kurz darauf, auch wenn letzteres bereits eine gewisse Tendenz in Richtung Facebook hatte) ja eher eine Ich-lad-mal-ein-paar-Partyfotos-hoch-und-poste-MP3s-von-meiner-Kellerband-Plattform.
Facebook dagegen hat es (leider) sehr erfolgreich verstanden sich mit der Offlinewelt zu verflechten, was es zumindest zu einem gewissen Grad resistent gegen schnellebige Onlinetrends machen wird. Dies scheint mir auch der eigentliche Zweck zahlloser Facebook-typischer Fragwürdigkeiten zu sein, wie z.B. der Gesichtererkennung, der unnötig verschachtelten & intransparenten Privatsphäreeinstellungen oder insbesondere auch der arg aufdringlichen "Hinweise" darauf, doch bitte unbedingt seinen Klarnamen dort anzugeben. Das Resultat ist, dass das Facebook-Profil (im Gegensatz zur eher spaßorientierten Konkurrenz) tatsächlich mehr und mehr zur gesellschaftlich akzeptierten Repräsentation einer jeweiligen realen Person heranreift, sich quasi direkt neben Adresse, Telefonbucheintrag und Lebenslauf einreihen kann. Es soll durchaus Branchen geben, in denen man sich eher schlechte Jobchancen ausrechnen kann, wenn man
kein Facebook-Profil hat. Facebook hat in der Offlinewelt Wurzeln geschlagen, die ihm einen Halt geben, den StudiVZ, MySpace usw. niemals hatten. Das heißt natürlich nicht automatisch, dass Facebook alle Zeiten (oder auch nur die nächsten zehn Jahre) überdauern wird, aber es ist in jedem Fall besser vorbereitet als alle seine Vorgänger.
Edit: Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr scheint mir genau das der springende Punkt zu sein: MySpace, SecondLife (allein der Name schon) und (ich rede von der tatsächlichen Nutzung, nicht davon wie es ursprünglich einmal gedacht war) auch StudiVZ setzen den Akzent sehr stark auf die Erschaffung einer Persona, einer alternativen oder auch stilisierten Online-Repräsentation der eigenen Person. Facebook dagegen erhebt einen Authentizitätsanspruch, der seinesgleichen sucht - das Facebook-Profil von sagenwirmal Sharkie ist eben nicht "Sharkies Facebook-Avatar", sondern es
ist Sharkie. Irgendwie bedenklich (ja, ich habe einen Account...).