Ein reiner Schlauchschleicher ist es auch nicht. Ich denke, dass die Stealthmechanik eher rudimentär ist und nicht so tiefgreifend und komplex wie etwa bei der Splinter Cell Reihe, dürfte daran liegen, dass das Schleichen in TLOU eher nur eine von mehreren Gameplayfacetten ist. Außerdem ist Joel eben nur irgendein Typ aus der Quarantänezone und keine Agent mit mindestens 5jähriger Grundausbildung und 20jähriger Berufserfahrung.Kumbao hat geschrieben:In meinem Fall war es so, dass mir die Spielmechanik nicht gefallen hat. Ich fand die Stealth-Mechanik nicht sonderlich ausgereift. Es werden wohl meine Erwartungen gewesen sein, die mir das Spiel verhagelt haben. Ich haette nicht gedacht, dass Last of us ein "Schlauchschleicher" ist. Und ja: der unsichtbare Begleiter war extrem irritierend.
An der Story, den Charakteren, der Praesentation und der Atmo habe ich rein gar nichts zu ruetteln. Aber das Gameplay hat mir keinerlei Spass gemacht (ausser in einigen wenigen Zombieleveln), was bei einem Videospiel schon irgendwie ein Problem ist.
Mir persönlich hat die Umsetzung dieses Hybriden aus Stealth und Shooter sehr gut gefallen. Zumal die KI hier weit besser programmiert ist, als den meisten anderen Spielen beider Genres.
Im Stealth-Bereich ist es oft so, dass die KI sehr deutlich spürbar in drei Phasen unterteilt ist: ahnungslos, aufmerksam / skeptisch, alarmiert. Wird man entdeckt, wechselt die KI auf alarmiert. Kann man sich aus dem Sichtbereich entfernen und verstecken, geht sie nach kurzer Zeit auf aufmerksam. Oft ist es dann so, dass sie, lässt man sich zwei bis drei Minuten nicht mehr blicken, wieder schulterzuckend auf ahnungslos zurückgesetzt wird, oft begleitet von Sätzen wie: „War wohl nichts!“ oder „Ist wohl verschwunden!“. Das wurde so mit den ersten Metal-Gear-Teilen in den späten 80ern etabliert und hat sich in diesem Genre im Kern bis heute gehalten.
In Actionspielen ist das sogar noch viel simpler gehalten. Wird man einmal entdeckt, wissen sofort alle im Bereich befindlichen Gegner, wo man sich befindet. Sogar nachrückende Verstärkungen stürmen, kaum dass sie das Areal betreten, gnadenlos punktgenau auf die Position zu, an der man sich verbirgt und nehmen diese unter Sperrfeuer.
TLOU inszeniert das wesentlich besser. Selbst wenn man entdeckt wurde, kann man sich bei noch auf höchstem Alarmlevel befindlichen Gegnern mit etwas Geschick um sie herumbewegen und sie flankieren oder von hinten angreifen. Es wirkt im Ablauf dieser Szenen irgendwie alles wesentlich fließender und nicht so in strikte „Gegner-Status-Level“ unterteilt. Dadurch entwickeln sich viele dieser Szenen zu sehr spannenden, intensiven Katz-und-Maus-Spielchen.
Aber wie bei allen Spielen: es muss einem ja nicht gefallen. Gab noch nie ein Spiel, welches wirklich jedem auf diesem Planeten ohne Abstriche gefallen hat.
Zu IEP: Dieses ständige allzu offensichtlich schon mit sehr negativistischer Grundhaltung an ein Spiel Herangehen, nur um dann jedes noch so kleine Haar in der Suppe zu suchen und eine Perücke daraus zu verargumentieren, empfinde ich auch als grassierende Unart in Foren. Man wirkt ja so viel intellektueller, wenn man bloß nix gut findet, was einer Mehrheit zusagt. Es ist ja so verdammt cool, edgy zu sein und alles erst einmal mit gerümpfter Nase zur Kenntnis zu nehmen, dem auch nur im Entferntesten der Geruch des Mainstreams vorauseilt.
Warum zum Beispiel wird es TLOU vorgeworfen, nur auf einen eh schon in Bewegung befindlichen Zug (Zombie-Setting) aufzuspringen? Macht dieses Drumherum denn die Arbeit, die Drehbuchautoren und Gamedirector hier geleistet haben schlechter, dass man zumindest im Setting auf etwas gerade populäres gesetzt hat, während der ganze Rest des Spieles nun wirklich nicht viel mit dem sonst üblichen Shootout- und Effektoverkill anderer AAA-Produktionen zu tun hat?
Sony finanziert schon seit mehr als zehn Jahren mit Team ICO ein hauseigenes Studio, welches einen wahrlich unterdurchschnittlichen Spiele-Output liefert (zwei Spiele bisher und das dritte ist schon fast seit dem Release der PS3 in der Mache und immer noch hat man noch nicht mal etwas von einem ungefähren Release-Termin gehört) und dann auch noch Produkte abliefert, die zwar immer absolute Kritikerlieblinge sind, was sie auch zweifelsfrei verdienen, aber an den Kassen gnadenlos floppen, weil sie einfach nicht „dem Zeitgeist“ entsprechen.
Wenn jetzt auch noch Naughty Dog, welche immer Garanten für sehr gute Spiele aber auch klingelnde Kassen waren, jetzt anfangen, von vornherein absehbare Flops zu entwickeln, weil sie sich zu sehr in den Anspruch verrennen, etwas revolutionieren zu müssen, dann könnte das für die Marke Playstation und somit für den Videospielbereich von Sony schon echt besorgniserregend werden.
Ganz nebenbei bin ich mir sicher, dass all diese Kritik von vakanten Leuten nicht käme, wenn TLOU kein in aller Munde befindliches AAA-Produkt einer altbekannten Blockbusterschmiede wäre, sondern ein eher unbekanntes Projekt eines kleinen, unabhängigen No-Name-Studios. Hach, was würden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genau dieselben User hier das Spiel abfeiern und in Diskussionen ständig als Referenz für so ziemlich alles heranziehen.
Zum Thema „Klischees“ wurde ja schon was geschrieben. Nach über hundert Jahren Film- und zweieinhalb bis dreitausend Jahren Literaturgeschichte gibt es kaum noch etwas, was man nicht mit etwas bereits dagewesenem vergleichen kann. Allein daraus den Vorwurf eines Klischees zu stricken ist schon sehr bemühtes Kritik-üben-Müssen um jeden Preis. Gerade wenn man bedenkt, wie sehr man bei TLOU versucht, glaubwürdige und lebensnahe Charaktere zu zeichnen. Wenn jetzt schon Natürlichkeit ein Klischee ist, dann sind wahrscheinlich 99,9 % der Weltbevölkerung wandelnde Klischees.
Wären die Charaktere etwas „krasser“, Joel etwa der zynische Badass, der mit gestörter Joker-Attitüde einen kaltblütigen Mord nach dem anderen nur zur reinen Belustigung begeht oder Ellie entweder die verzogene Pubertätszicke oder die sich jedem beliebigen Typen anbietende Lolita-Bitch, das wären Klischees und Stereotypen wie sie im Buche stehen. Überzeichnungen einzelner Wesenszüge machen Charaktere in der Regel nicht wirklich glaubwürdiger und das wäre dem Spiel in seiner Intention abträglich.
Naja, soviel dazu. Musste ich auch irgendwie mal loswerden. Sorry für die Wall of Text an alle, die die Ausdauer hatten, noch bis zu diesem Punkt zu lesen…
