Kajetan hat geschrieben:Du verstehst es nicht, oder? Kann man also Leuten ungefragt aufs Maul hauen, nur weil die Wunde bei Dir nach nur kurzer Zeit spurlos verheilen würde?
Ich verstehe es schon, aber ich wiederhole mich: Der Zusammenhang zwischen diesem Fall und Scientology z.B. ist in meinen Augen nicht vorhanden.
Wenn jemand ein Video erstellt, das zum größten Teil aus Aufnahmen eines Spiels besteht, dann ist es zuerst einmal nicht unbedingt ein Skandal, wenn dann der Rechteinhaber dagegen vorgeht. Das mag dir oder mir nicht gefallen, aber er ist nun einmal der Inhaber der Rechte. Wenn ich einen Artikel über Scientology schreibe und dabei den größten Teil irgendeines Scientology-Buches dabei als Zitat verwende, werde ich mich nicht wundern, wenn dies nicht einfach so hingenommen wird.
Das nur mal allgemein.
Hier ist es nun wohl so, daß die Entwickler/Publisher die ganzen Video-Verarbeitungen ihrer Spiele "dulden". D.h. aber in meinen Augen nicht, daß man grundsätzlich das Recht hat, das zu machen. Dulden impliziert, daß in beliebigen Fällen diese Duldung entzogen werden kann. Rechtlich zumindest, meiner Meinung nach.
Welche öffentlichkeitswirksamen Folgen das hat, ist eine andere Frage. Daß Kunden nicht begeistert reagieren würden, wenn ein Publisher gezielt Videos zensieren läßt, während andere - z.B. wohlgesinntere - weiter unangetastet bleiben, liegt auf der Hand.
Daß in diesem Fall TB offenbar die Erlaubnis hatte, das Spiel auf seine vorher bereits angekündigte Art zu verbraten, und vom Entwickler selbst den Steam-Code erhalten hat, bedeutet im Umkehrschluß: Der Entwickler wußte, was daraus gemacht werden wird. Folglich ist es nicht nachvollziehbar, daß er das Video dann runternehmen läßt.
Aber nachgerade an der Reaktion durch TB und der News-Werdung dieser Angelegenheit sieht man ja, daß es eben NICHT MEHR so einfach für Entwickler/Publisher ist, Kritik an ihren Werken zu unterdrücken. Wenn dem nämlich so wäre, hätten wir gar nichts von dieser Sache mitbekommen. Insofern ist es das, was hier geschieht, symptomatisch für die Zeit: Dank der allgemeinen Informationsverkettung ist eine Zensur so einfach nicht mehr möglich, auch wenn der Zensierende von seinem Staat oder anderen Staaten unterstützt werden sollte.
Das nimmt dem Ganzen in meinen Augen die Dramatik. Hinzu kommt, daß hier erwähntermaßen ja gar keine Kritik-Zensur bzw. der Versuch einer solchen Zensur vorliegt, sondern offensichtlich eine Kurzschlußreaktion - wie ja auch andere schon gemeint haben. Es geht also rein um die Zweierbeziehung zwischen TB und Entwickler. Der Entwickler begeht dabei den Fehler, entgegen dem ursprünglichen Einverständnis das Video runternehmen zu lassen. Dieser Fehler wird öffentlich gemacht und danach, wenn ich es richtig verstanden habe, wieder revidiert.
Der Vergleich mit dem aufs Maul hauen ist hierbei fehl am Platze.