Stimmt schon, bei Computerspielen nimmt das teilweise auch echt Überhand. Könnte teilweise daran liegen, dass das Medium noch so jung ist, bzw. ein kritischer Umgang damit in der Spielerkultur noch nicht gut genug etabliert (ein Problem, das mir in letzter Zeit an allen Ecken und Enden auffällt, vor allem auch was das Reflektieren von Spielinhalten, Ideologien, etc. angeht). Ärgerlich wird es für mich immer genau dann, wenn man sich als Kunde vorsätzlich verarscht vorkommt, also wenn, wie Du schreibst, Dreistigkeit vorliegt. So hätte ich beispielsweise besser mal den entsprechenden (sehr guten!) Artikel in Deinem Blog gelesen, bevor ich mir als blauäugiger Das Schwarze Auge-Fan das Schicksalsklingen-Remake gekauft hab. Ist mir fast schon peinlich, hier zuzugeben, dass ich da einer der geprellten Vorbesteller war. Im AAA-Bereich kam dann kurz darauf noch eine ähnliche Bruchlandung mit dem allseits zu Recht geschmähten Rome 2. Sowas passiert mir ab jetzt sicher nicht nochmal. Alles in allem braucht man sich als Mass Effect-Entwickler demnach nicht wirklich über den Shitstorm zu wundern, wenn man zuvor das blaue vom Himmel versprochen hatte und dann am Ende nur ein halbgares Abziehbild der eigenen glänzenden Vorstellungen veröffentlicht.Kajetan hat geschrieben: Kein Thema. Wenn es um die dreiste Verlogenheit vieler Marketing-Kampagnen geht, muss ich mich jedes Mal schwer zusammenreissen, um nicht mit Fackel, Molotov-Cocktail und Mistgabel in die nächste Publisher-Niederlassung zu rennen ...
Umgekehrt finde ich aber auffällig, wie viel Spaß sich mit allen drei Mass Effect-Teilen haben lässt, wenn man irgendwelche dubiosen Marketingversprechen außer acht lässt, und das Spiel einfach mal so nimmt, wie es geworden ist, nicht wie es hätte sein sollen/können. Ging mir jedenfalls so. Speziell was so Themen wie homosexuelle Romanzen angeht, so kann man zwar sicher kritisieren, dass eine noch bessere/ausgewogenere/offenere Möglichkeit und Darstellung dieser drin gewesen wäre, bzw. laut Entwickleraussagen eigentlich hätte drin sein müssen. Wenn man eben diese Versprechungen nun aber nicht kennt oder mit gesunder Skepsis betrachtet hat, so wird einem eher (positiv!) auffallen, dass derzeit in keinem (zumindest in keinem mir bekannten) Spiel, egal ob Mainstream oder Indie, homosexuelle Helden in einem besser ausgearbeiteten Maße möglich sind, als in den Spielen von Bioware. Klar, auch da gibt es natürlich noch das eine oder andere zu meckern (z.B. fand ich es komplett bescheuert und verlogen, dass sich in Jade Empire lesbische Paare onscreen küssen dürfen, schwule Paare jedoch nicht), aber man sollte dem Werk deshalb seine fortschrittliche Stellung in Relation zu den restlichen Vertretern des Mediums nicht aberkennen.

