Steht in meinem Regal uebrigens zwischen der Helge Schneider Box und El Toppo :wink:mr archer hat geschrieben:Jeder, wie er´s gerne hat.Kumbao hat geschrieben:Dito. Red Dawn (das Original, nicht das verquaste Remake) landet uebrigens regelmaessig in meinem Player. WOLVERINE!!!mr archer hat geschrieben:Entspannt Euch bitte alle mal. Eine Runde Selbstironie für alle, bitte.
Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und historisch akurate" Spiele
Moderatoren: Moderatoren, Redakteure
- Kumbao
- Beiträge: 1396
- Registriert: 16.12.2009 13:38
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
- mr archer
- Beiträge: 10329
- Registriert: 07.08.2007 10:17
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Klar, man kann "Red dawn" auch einfach als absurdes Theater begreifen. Mein Geschmack ist da halt anders gewichtet. Ich schau dann lieber "Daniel den Zauberer". Auf den Film bin ich "als Deutscher" übrigens wirklich stolz. DAS macht "uns" so schnell keiner nach. Empfehle ich mit tiefsten, patriotischen Gefühlen!Kumbao hat geschrieben:
Steht in meinem Regal uebrigens zwischen der Helge Schneider Box und El Toppo :wink:
- LordOfNosgoth
- Beiträge: 135
- Registriert: 26.09.2013 09:03
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Was für Aussagen man hier manchmal zu lesen bekommt... Wo nehmt ihr das her - aus der Klischeeschublade?mr archer hat geschrieben:Jeder, wie er´s gerne hat.Kumbao hat geschrieben:Dito. Red Dawn (das Original, nicht das verquaste Remake) landet uebrigens regelmaessig in meinem Player. WOLVERINE!!!mr archer hat geschrieben:Entspannt Euch bitte alle mal. Eine Runde Selbstironie für alle, bitte.
Im übrigen sei Kajetans wichtiger Punkt hier noch einmal betont:
Patriotisch und historisch korrekt sind einander ausschließende Begriffe.
Mal einige Zitate aus Wikipedia:
a) „Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet.“
b) Als Patriotismus wird eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation bezeichnet. Im Deutschen wird anstelle des Lehnwortes auch der Begriff „Vaterlandsliebe“ synonym verwendet.
Diese Bindung wird auch als Nationalgefühl oder Nationalstolz benannt und kann sich auf ganz verschiedene als Merkmale der eigenen Nation angesehene Aspekte beziehen, etwa ethnische, kulturelle, politische oder historische.
c) Patriotismus wird heute allgemein von Nationalismus und Chauvinismus unterschieden, insofern Patrioten sich mit dem eigenen Land und Volk identifizieren, ohne dieses über andere zu stellen und andere Völker implizit abzuwerten.
Es gibt natürlich auch Kritik:
„Menschen mit patriotischen Einstellungen lehnen Nationalismus nicht ab. Vielmehr geht beides oft Hand in Hand.“
Allerdings deutet nichts davon darauf hin, dass sich patriotische Inhalte eines Mediums automatisch mit historisch akkuraten Fakten beißen. Propaganda =/= historisch akkurat trifft es da schon mehr.
- Umimatsu
- Beiträge: 171
- Registriert: 31.10.2009 15:23
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Ich habe keine Schuldgefühle wegen Auschwitz, aber ich schäme mich dafür. Unendlich.LordOfNosgoth hat geschrieben:Dies trifft aber interessanter Weise eins zu eins auch auf den, heute in Deutschland vorherrschenden, Anti-Patriotismus zu. Über Schule, Familie, Politik und pseudo-objektive Guido-Knopp-Reportagen wird der deutsche Nationalstolz "gewalt"sam unterdrückt und vielen Bürgern unterbewusst Schuldgefühle eingepflanzt.mr archer hat geschrieben: Patriotismus ist ein intellektueller Defekt, bei dem über Schule, Familie und Medien anerzogene Gefühle rationales Denken ersetzen.
@ LordofNosgoth
Wie kann man etwas Irreales lieben? Ich kann meine Freundin lieben, meinen Hund, meinen Vater. Mein Land kann ich nicht lieben, denn zu dem habe ich keine persönliche Beziehung.
- mr archer
- Beiträge: 10329
- Registriert: 07.08.2007 10:17
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
"Nation" und "Volk" sind intellektuelle Konstrukte, die vor bestimmten politischen Hintergründen einen Sinn ergeben (und nur deswegen überhaupt unters "Volk" gebracht werden). Eine "emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation" ist im Gegensatz zur emotionalen Verbundenheit des (Klein)Kindes zu seinen Eltern ein kulturelle Prägung. Und zwar eine, die historisch noch immer recht jung ist und erst mit der Französischen Revolution die Weltbühne betrat, als das europäische Bürgertum und vor allem seine zur Macht gelangten Eliten nach der Zerschlagung des Feudalismus ein neues intellektuelles Projekt brauchte, auf dessen Grundlage sich ein kapitalistisches Markt- und Kolonialsystem aufbauen ließ.
Im übrigen lässt sich über Patriotismus nicht mit rationalen Argumenten diskutieren, da er wie religiöser Glaube im tiefsten Kern irrational ist. Man muss an "das Vaterland glauben" (daher ist das ja auch eine feststehende Redewendung im Deutschen). Ich bin aber ein Freund der europäischen Aufklärung. Und in der geht es in erster Linie um Wissen.
Im übrigen lässt sich über Patriotismus nicht mit rationalen Argumenten diskutieren, da er wie religiöser Glaube im tiefsten Kern irrational ist. Man muss an "das Vaterland glauben" (daher ist das ja auch eine feststehende Redewendung im Deutschen). Ich bin aber ein Freund der europäischen Aufklärung. Und in der geht es in erster Linie um Wissen.
- JunkieXXL
- Beiträge: 3352
- Registriert: 23.05.2009 23:25
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Historische Fakten und Patriotismus passen nicht gut zusammen. Man siehts ja an den Ami-Filmen. Die enthalten meist Geschichtsverklittung (harmlose allerdings).
Überhaupt führen Patriotismus und Nationalismus zu nichts. Diese "Wir sind die Größten"-Mentalität führte in der Vergangenheit höchstens zum Krieg.
Überhaupt führen Patriotismus und Nationalismus zu nichts. Diese "Wir sind die Größten"-Mentalität führte in der Vergangenheit höchstens zum Krieg.
Zu Recht. Allerdings hat jede faktisch mächtige Nation ihre Leichen im Keller, egal ob China, Japan, Russland, USA oder Deutschland und das weiß eigentlich auch jeder.Dies trifft aber interessanter Weise eins zu eins auch auf den, heute in Deutschland vorherrschenden, Anti-Patriotismus zu. Über Schule, Familie, Politik und pseudo-objektive Guido-Knopp-Reportagen wird der deutsche Nationalstolz "gewalt"sam unterdrückt und vielen Bürgern unterbewusst Schuldgefühle eingepflanzt.
- Wulgaru
- Beiträge: 29391
- Registriert: 18.03.2009 12:51
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Europäische Aufklärung ist eigentlich das gleiche wie Patriotismus, weil auch hier im Grunde der Glaube an ein Ideal im Kern steht und gleichzeitig der Glaube das diese Denkweise besser ist als andere.
Im übrigen sehe ich eigentlich gar nicht warum man sich so verzweifelt von Patriotismus abzugrenzen versucht. Jeder Jubel über ein Tor der Nationalmannschaft, eine Goldmedaille bei Olympia oder einen Weltcupsieg im Biathlon ist Ausdruck von patriotischen Gefühlen. Es besteht kein rationaler Grund sich über sowas zu freuen bwz. eher als darüber das Ghana irgendwo gewinnt. Trotzdem tun es die Leute klug wie dumm. Es ist nicht zwangsläufig negativ patriotische Gefühle zu haben, das ist nur eines von vielen positiv besetzten Beispielen. Natürlich lässt sich das ins negative verkehren, aber das kann ich über jedes Ideal sagen und natürlich haben wir deutschen gerade hier eine Vorgeschichte, aber deswegen Tatsachen zu verleugnen und Patriotismus grundsätzlich zu verteufeln ist Unfug.
Im übrigen sehe ich eigentlich gar nicht warum man sich so verzweifelt von Patriotismus abzugrenzen versucht. Jeder Jubel über ein Tor der Nationalmannschaft, eine Goldmedaille bei Olympia oder einen Weltcupsieg im Biathlon ist Ausdruck von patriotischen Gefühlen. Es besteht kein rationaler Grund sich über sowas zu freuen bwz. eher als darüber das Ghana irgendwo gewinnt. Trotzdem tun es die Leute klug wie dumm. Es ist nicht zwangsläufig negativ patriotische Gefühle zu haben, das ist nur eines von vielen positiv besetzten Beispielen. Natürlich lässt sich das ins negative verkehren, aber das kann ich über jedes Ideal sagen und natürlich haben wir deutschen gerade hier eine Vorgeschichte, aber deswegen Tatsachen zu verleugnen und Patriotismus grundsätzlich zu verteufeln ist Unfug.
- mr archer
- Beiträge: 10329
- Registriert: 07.08.2007 10:17
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
JunkieXXL hat geschrieben:
Zu Recht. Allerdings hat jede faktisch mächtige Nation ihr Leichen im Keller, egal ob China, Japan, Russland, USA oder Deutschland und das weiß eigentlich auch jeder.
Eben. Denn die Nation wurde ins Leben gerufen, um auf ihrer Grundlage weiterhin Leichen anhäufen zu können - nur eben nicht in der "eigenen" Nation, sondern bei den "anderen" - sehr eindrücklich in Europa zuletzt beim Zerfall Jugoslawiens zu beobachten.
Worüber man sich in diesem Zusammenhang "als Deutscher" tatsächlich freuen kann, ist die (noch?) mehrheitlich gesellschaftlich überwiegende Tendenz, das nach 1945 erkannt zu haben und sich dieser Emotion (hoffentlich) nachhaltig zu entfremden. So gesehen ist dieses permanente Geschimpfe auf eine deutsche "Schuldkultur" für mich ein ermutigendes Zeichen - denn dann ist diese Erkenntnis offenbar immer noch mehrheitsfähig.
Wenn ich mir was wünschen dürfte: das Deutschland nicht Exportweltmeister für Schnellfeuergewehre wäre - sondern für "Schuldkultur", also für einen kritischen Umgang mit der eigenen Nationalgeschichte.
- Kajetan
- Beiträge: 27139
- Registriert: 13.04.2004 10:26
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Du weisst genau, dass ich damit nicht die Leute meine, die sowas einfach zocken, weil es halt unterhaltsame Action ist, sondern die Leute, die mehr Patriotismus fordern. DIESE Leute sind in meinen Augen ignorante Idioten.Wulgaru hat geschrieben:Ich sage ja nicht das ich das jetzt gutheiße, nur das ich diesen Wunsch verstehen kann. Zudem halte ich es für wesentlich arroganter all die Millionen Cod-Fans und Co in den Topf "geistig beschränkter Horizonte" zu werfen, streite es nicht ab, genau das implizierst du damit.
Nichts. Das ist es ja auch nicht, was verwerflich ist. Es ist der Wunsch nach mehr Patriotismus, vor allem in verhöhnender, ignoranter Verknüpfung mit "historischer Genauigkeit".Was ist so verwerflich nen Kriegsshooter mit nem russischen Helden spielen zu wollen?
Ich spiele gerne "Sudden Strike" und "Blitzkrieg" und schiebe Panzermodelle durch virtuelle Sandkästen. Man spielt alle Konfliktparteien des 2. Weltkriegs. Die Spiele sind weder historisch akurat, was vor allem die Verfechter des absoluten Realismus bei den Gefechtsfahrzeugen ankotzt, noch sind sie patriotisch. Sie verwenden einfach nur das Setting "2. Weltkrieg". Keine politischen und ideologischen Absichten.
- mr archer
- Beiträge: 10329
- Registriert: 07.08.2007 10:17
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Ich bin da gar nicht verzweifelt beim Abgrenzen.Wulgaru hat geschrieben:
Im übrigen sehe ich eigentlich gar nicht warum man sich so verzweifelt von Patriotismus abzugrenzen versucht. Jeder Jubel über ein Tor der Nationalmannschaft, eine Goldmedaille bei Olympia oder einen Weltcupsieg im Biathlon ist Ausdruck von patriotischen Gefühlen. Es besteht kein rationaler Grund sich über sowas zu freuen bwz. eher als darüber das Ghana irgendwo gewinnt. Trotzdem tun es die Leute klug wie dumm. Es ist nicht zwangsläufig negativ patriotische Gefühle zu haben, das ist nur eines von vielen positiv besetzten Beispielen. Natürlich lässt sich das ins negative verkehren, aber das kann ich über jedes Ideal sagen und natürlich haben wir deutschen gerade hier eine Vorgeschichte, aber deswegen Tatsachen zu verleugnen und Patriotismus grundsätzlich zu verteufeln ist Unfug.
Und klar juble ich beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft über ein Tor. Ein Wochenende später hasse ich aber zwei Drittel der Akteure wieder, weil sie Bayernspieler sind - obwohl das doch angeblich alles "Volksgenossen" sein müssten, wenn die Patrioten recht haben. Es macht Menschen Spaß, bei Wettkämpfen dabei zu sein, zuzusehen und sich in konkurrierende Lager aufzuspalten. Weil es ein menschliches Grundbedürfnis ist, sich in Gruppen zu organisieren und für sich zu definieren, was Eigenes und was Fremdes ist. Siehe die Streitereien hier im Forum zwischen PC´lern und Konsolistas. Das hat aber nix mit Patriotismus zu tun. Vielmehr macht sich Patriotismus dieses menschliche Verhaltensmuster zu Eigen, indem er es in ein starres Korsett zu pressen versucht, auf dessen Grundlage sich dann Politik machen lässt.
Patriotismus ist Politik. Das sollte man sich einfach stets vor Augen halten. Und Politik verfolgt Ziele.
Zuletzt geändert von mr archer am 10.10.2013 11:21, insgesamt 1-mal geändert.
- Wulgaru
- Beiträge: 29391
- Registriert: 18.03.2009 12:51
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Habe ja geschrieben das ich Kriegsspiele als Jahrmärkte und Kinderphantasien betrachte, daher rennst du mit deinem letztem Beispiel offene Türen ein.Kajetan hat geschrieben:Du weisst genau, dass ich damit nicht die Leute meine, die sowas einfach zocken, weil es halt unterhaltsame Action ist, sondern die Leute, die mehr Patriotismus fordern. DIESE Leute sind in meinen Augen ignorante Idioten.Wulgaru hat geschrieben:Ich sage ja nicht das ich das jetzt gutheiße, nur das ich diesen Wunsch verstehen kann. Zudem halte ich es für wesentlich arroganter all die Millionen Cod-Fans und Co in den Topf "geistig beschränkter Horizonte" zu werfen, streite es nicht ab, genau das implizierst du damit.
Nichts. Das ist es ja auch nicht, was verwerflich ist. Es ist der Wunsch nach mehr Patriotismus, vor allem in verhöhnender, ignoranter Verknüpfung mit "historischer Genauigkeit".Was ist so verwerflich nen Kriegsshooter mit nem russischen Helden spielen zu wollen?
Ich spiele gerne "Sudden Strike" und "Blitzkrieg" und schiebe Panzermodelle durch virtuelle Sandkästen. Man spielt alle Konfliktparteien des 2. Weltkriegs. Die Spiele sind weder historisch akurat, was vor allem die Verfechter des absoluten Realismus bei den Gefechtsfahrzeugen ankotzt, noch sind sie patriotisch. Sie verwenden einfach nur das Setting "2. Weltkrieg". Keine politischen und ideologischen Absichten.
Trotz allem muss ich dir ein bisschen widersprechen, weil ich den Wunsch nach patriotischen "Russenspielen" seitens eines Russens trotz allem absolut nachvollziehen kann. Ist ja okay wenn man das ganze patriotische und mit Klischees (u.a. gegen Russen) versetzte Gewäsch in den etablierten Shootern ignorieren und trotzdem Spaß haben kann...das macht es aber nicht inexistent. Daher würde es keinem Menschen auf der ganzen Welt Schaden eine Art russische Version zu spielen in dem dann Amis oder sonstige Westler dumme Bösewichter-Klischees darstellen würden. Das einzige was dabei beschädigt werden würde ist unser westliches Ego. Russlands Bevölkerung selbst ist eh zu einem großen Teil patriotisch bis nationalistisch eingestellt, das wäre nichts was dieses Spiel plötzlich hervorrufen würde.
- MrLetiso
- Beiträge: 8064
- Registriert: 21.11.2005 11:56
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
In Diktaturen geht das alles so einfach. Warum nehmen sich nicht andere Staaten ein Beispiel daran
Aber... "patriotisch" und gleichzeitig "historisch akkurat"? Ich kenne keine Nation, die das hinbekommen könnte... ohne dabei faschistoiden Flair zu verbreiten.
Aber... "patriotisch" und gleichzeitig "historisch akkurat"? Ich kenne keine Nation, die das hinbekommen könnte... ohne dabei faschistoiden Flair zu verbreiten.
Zuletzt geändert von MrLetiso am 10.10.2013 11:35, insgesamt 1-mal geändert.
- Wulgaru
- Beiträge: 29391
- Registriert: 18.03.2009 12:51
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Klar hat das was mit Patriotismus zu tun und ich weiß auch nicht wie das Beispiel mit den Bayernspielern ein Gegenbeispiel sein soll. Das Gegenteil ist doch der Fall. In dem Moment wo der Bayernspieler ins Nationaltrikot schlüpft und überhaupt die Nationalmannschaft als solche haben wir ein konzentriertes Symbol unserer Nation. Die deutsche Nationalmannschaft sind "wir". Das ist nicht negativ zu besetzen, anders kannst du doch gar nicht erklären was bei einem Turnier los ist. Es interessieren sich nicht so viele Leute für Sport, nicht einmal für Fußball. Da ist wesentlich mehr im Spiel. Das ist die Möglichkeit ein bestimmtes Gefühl friedlich und positiv auszuleben. Sportwettkämpfe sind nicht umsonst häufig mit dem Wort Frieden verknüpft.mr archer hat geschrieben:Ich bin da gar nicht verzweifelt beim Abgrenzen.Wulgaru hat geschrieben:
Im übrigen sehe ich eigentlich gar nicht warum man sich so verzweifelt von Patriotismus abzugrenzen versucht. Jeder Jubel über ein Tor der Nationalmannschaft, eine Goldmedaille bei Olympia oder einen Weltcupsieg im Biathlon ist Ausdruck von patriotischen Gefühlen. Es besteht kein rationaler Grund sich über sowas zu freuen bwz. eher als darüber das Ghana irgendwo gewinnt. Trotzdem tun es die Leute klug wie dumm. Es ist nicht zwangsläufig negativ patriotische Gefühle zu haben, das ist nur eines von vielen positiv besetzten Beispielen. Natürlich lässt sich das ins negative verkehren, aber das kann ich über jedes Ideal sagen und natürlich haben wir deutschen gerade hier eine Vorgeschichte, aber deswegen Tatsachen zu verleugnen und Patriotismus grundsätzlich zu verteufeln ist Unfug.
Und klar juble ich beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft über ein Tor. Ein Wochenende später hasse ich aber zwei Drittel der Akteure wieder, weil sie Bayernspieler sind - obwohl das doch angeblich alles "Volksgenossen" sein müssten, wenn die Patrioten recht haben. Es macht Menschen Spaß, bei Wettkämpfen dabei zu sein, zuzusehen und sich in konkurrierende Lager aufzuspalten. Weil es ein menschliches Grundbedürfnis ist, sich in Gruppen zu organisieren und für sich zu definieren, was Eigenes und was Fremdes ist. Siehe die Streitereien hier im Forum zwischen PC´lern und Konsolistas. Das hat aber nix mit Patriotismus zu tun. Vielmehr macht sich Patriotismus dieses menschliche Verhaltensmuster zu Eigen, indem er es in ein starres Korsett zu pressen versucht.
- Kajetan
- Beiträge: 27139
- Registriert: 13.04.2004 10:26
- Persönliche Nachricht:
Re: Spielkultur: Russland: Will mehr "patriotische und histo
Du weisst ganz genau, was der Herr Minister meint, wenn er den Begriff Patriotismus in den Mund nimmt. Er meint russischen Nationalismus.LordOfNosgoth hat geschrieben:Allerdings deutet nichts davon darauf hin, dass sich patriotische Inhalte eines Mediums automatisch mit historisch akkuraten Fakten beißen. Propaganda =/= historisch akkurat trifft es da schon mehr.
Der Grund, warum für mich nicht nur beide Begriffe, sondern auch die Mentalität dahinter negativ besetzt sind, liegt an der dünnen, fast nicht zu erkennenden Linie, die Patriotismus von Nationalismus trennt. Das Verfallen in Extreme passiert hier so ratzfatz, dass Leute, die sich gerne als Patrioten bezeichnen, meist nicht begreifen, warum Patriotismus und Nationalismus dasselbe sind, auch wenn man sie unterschiedlich definieren kann. Man merkt es auch oft genug daran, dass Leute, die anderen mangelnden Patriotismus vorwerfen, diesen theoretischen Unterschied nicht bemerken, und sich bei diesen Vorwürfen Sprach- und Denkmustern bedienen, die sie klar als Nationalisten auszeichnen.
Und warum jubele ich beim Fußball für Deutschland? Weil ich ein Patriot bin? Nein, weil es meine Mannschaft ist. Weil sie schönen Fußball spielen. So wie ich beim Vereinsfußball gerne Werder Bremen zujubele, obwohl ich dort gar nicht wohne. Weil man dort lange Zeit wundervollen Fußball gespielt hat, dass es irgendwann "meine" Mannschaft geworden ist.
