Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten von Spielern gestoppt

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johndoe530232
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von johndoe530232 »

Wigggenz hat geschrieben:Stolz ist ein Gefühl des Triumphs. Und ein Gefühl des Triumphs ist nur dann nicht fehl am Platz, wenn man tatsächlich triumphiert/etwas errungen hat. Seine Nationalität hat man nicht errungen, das ist eine reine Zufallsfrage. Würdest du auch sagen: "Ich bin stolz, weiß/blond/braunhaarig/dunkelhäutig/rothaarig/grünäugig/nicht erbkrank/etc. zu sein!"?
Guter Punkt, denke auch so.

Aber, das Konzept wird doch noch gebraucht, um den Leuten Sachen oder Leistungen abzuverlangen, die sie normal nicht hergeben würden. Scheint ja auch noch immer zu funktionieren und letzten Endes kommt vielleicht auch mehr Gutes als Schlechtes dabei heraus? Wenn das so ist, sind die Gründe dann nicht zweitrangig?

Wenn Thyrael mit dem Antrieb, andere Deutsche stolz zu machen aufeinmal Krebs heilen kann und dann alle Menschen davon profitieren, wieso nicht?
Zuletzt geändert von johndoe530232 am 08.08.2013 20:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Nero Angelo
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Nero Angelo »

"Terrible game, both in terms of historical validity, and in terms of gameplay and characteristics and capabilities of the soldiers of the Soviet Army. Lies and the imbalance in every moment. Such development should not just dismiss and judge, and never allowed to make games. This is an offense to the soldiers and heroes who participated in the WW2."
Ja, all die Russischen Soldaten und Helden die bei ihrem Einmarsch Frauen und Kinder vergewaltigt haben!
Mir ist es lieber solche "Klischee" Russen als Gegner zu haben, statt die Schweine die damals wirklich im Krieg zugegen waren!

Würde man ein Spiel wirklich ZU sehr historisch korrekt darstellen, wären viele Spieler vermutlich so angewiedert das sie die Russen sogar in der realität hassen würden!
Das gilt aber nicht nur für Russen, sondern für so ziemlich jedes der Militärs. Die waren fast alle gleich!!!
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SethSteiner
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von SethSteiner »

Ja und nein. Nicht jeder Soldat ist gleich, lange nicht jeder. Verdammt, wenn der russische Held des Spiels sogar den Guten markiert, wie kann man das dann als Angriff auf die Russen oder Beleidigung verstehen? Kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Krieg ist grausam und wohl auch alle Armeen sind grausam. Nicht jeder Teil von ihnen, nicht immer und zu jeder Zeit aber im Grundsatz üben die am Krieg beteiligten Parteien grausame Handlungen aus. Und ich meine, dass man überhaupt nicht zu historisch korrekt sein kann. Was nur eben schön wäre, wäre im Verlauf zu zeigen, dass es nicht nur die eine Seite gab. Und das ist etwas, was Spiele bisher kaum hingekriegt haben, man denke dabei nur an Homefront. Die bösen schlitzäugigen Unterm... Barb.. Kommunisten gegen das freiheitliche, große Amerika, dass von den gelben Horden unterjocht wird. Die andere Perspektive hätte viel mehr hergegeben, stattdessen hat man viel bumm bumm als glorreicher amerikanischer Widerständler.

Jetzt hat man ein Spiel in dem der Hauptcharakter allem Anschein nach ja der Gute ist, der sich aber widerfindet in einer Situation, in der viele seiner Landsleute Grausamkeiten verüben. Das ist was positives.
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Oldholo
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Oldholo »

Serega hat geschrieben: Wenn Thyrael mit dem Antrieb, andere Deutsche stolz zu machen aufeinmal Krebs heilen kann und dann alle Menschen davon profitieren, wieso nicht?
Tja..das mag es geben. Andererseits säen solche Gedanken aber auch die Saat für alles, was sich daraus ableitet; Nationalismus, Rassismus, Nazismus.

Warum stolz auf ein Land sein (oder indirekter: stolz zu sein, Teil eines Landes zu sein)?
Ist hier denn ebenso jemand stolz darauf, Oberkirchhausener zu sein? Oder Westfale? Mitteleuropäer? Europäer? Eurasier oder Erdling?
Es ist nichts falsch daran, stolz auf eigene Leistungen zu sein. Und es ist auch nicht falsch, stolz auf andere Menschen zu sein, so wie man eben stolz auf eigene Kinder ist, wenn sie bspw. gute Noten nach Hause bringen. Wir können auch stolz auf viele Menschen sein, die seit dem Ende des Krieges eine Menge in Deutschland erreicht haben. Aber das ist jedes Mal individueller Stolz. Wir sind stolz auf Individuen, auf Personen, die etwas erreicht haben, und dabei ist es egal, ob diese Personen nun Deutsche, Amerikaner, Niederländer, Afrikaner, Asiaten oder aus anderen Gegenden sind.
Sich die Landesgrenzen zu denken, die vor Jahren mal so festgelegt wurden und ausgerechnet auf Menschen in diesem Gebiet kollektiv ganz besonders stolz zu sein, ergibt für mich einfach keinen Sinn. Und es ist gefährlich.
johndoe530232
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von johndoe530232 »

Oldholo hat geschrieben: Tja..das mag es geben. Andererseits säen solche Gedanken aber auch die Saat für alles, was sich daraus ableitet; Nationalismus, Rassismus, Nazismus.
Du sagst es, religiöser Fanatismus vllt noch. Aber ich denke, wir entwickeln uns (wenn auch langsam) weiter weg davon. Aber ganz ohne (Nationalstolz) scheint es eben noch nicht zu gehen.
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SethSteiner
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von SethSteiner »

@Oldholo
Es ist so gefährlich wie Fan eines Genres oder Vereins zusein. Nationalstolz ist nicht die Saat für Rassismus oder gar Nazismus, denn Nationalstolz resultiert aus der Identifikation. Ich lebe in dieser Straße dieser Stadt, diesem Bundesland, diesem Land, diesem Kontinent, auf diesem Planeten. Natürlich sind Menschen Stolz daran Oberkirchausener zusein, sicher hat Oberkirchhausen eine eigene Flagge und die weht auch irgendwo und es gibt bestimmt bei Festen auch kleine Fläggchen. Das Wort Nationalstolz und Patriotismus beschreibt nichts weiter als diese Identifikation. Die wird sich auch niemals verhindern lassen, weil man halt immer irgendwo in einem abgegrenzten Bereich lebt oder eine begrenzte Menge an Dingen mag und einen begrenzten Freundeskreis hat, mit dem man vieles davon teilt.
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Oldholo
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Oldholo »

SethSteiner hat geschrieben: Es ist so gefährlich wie Fan eines Genres oder Vereins zusein.
Manchmal ist das ebenfalls gefährlich.
Da gehen sich Bayern-Fans und Dortmund-Fans an die Gurgel, Schalke-Fans müssen nach dem Spiel gegen Gladbach-Fans durch Polizei und Zäune getrennt werden, es fliegen Steine, es gibt Panik, manchmal Tote,..
Bei Spielegenres ist das Ganze natürlich nicht so körperlich, aber es gibt dennoch viel Fanatismus, ellenlange Threads in Internetforen, die jeden zivilen Umgang miteinander vermissen lassen, schau Dir nur die ewigen "Meine Konsole ist besser als Deine"-Flamewars an. "Fan" ist die Kurzform von "Fanatic", und wenn sich 2 Fans begegnen, deren Fandom nicht miteinander kompatibel ist oder wenn einer der Beiden das Fandom des Anderen nicht akzeptiert, kann das zu größeren Problemen führen als nötig.

Nationalstolz birgt immer die Gefahr, dass man Gründe dafür sucht, diesen Stolz rechtfertigen zu können. Dass man zu der Meinung gelangt, dass die eigene Nation doch irgendwie besser ist als die Anderen. Weil man ja stolz sein möchte; weil es ja sinnlos wäre, stolz auf etwas zu sein, wenn alle Anderen genauso gut sind. Und wenn dieser Gedanke erst einmal genügend reifen konnte, wird aus eigentlich harmlosem Stolz irgendwann Nationalismus. Und welche Gefahren das wiederum birgt, werde ich wohl nicht erläutern müssen.
SethSteiner hat geschrieben:Natürlich sind Menschen Stolz daran Oberkirchausener zusein, sicher hat Oberkirchhausen eine eigene Flagge und die weht auch irgendwo und es gibt bestimmt bei Festen auch kleine Fläggchen.
Sind sie? Ich hatte diesen Gedanken nie, mir ist auch nie wirklich eine ernsthafte Ausprägung von Lokalpatriotismus begegnet. Die Flaggen haben keine Bedeutung für mich, die sind halt nur so da. Ich mag ein paar Orte in der Stadt, einige Wälder und Statuen, ich mag das alte lokale Plattdeutsch, das meine Großmutter noch zu sprechen vermag, aber nichts gleicht auch nur im Geringsten dem, was ich unter dem Begriff "Stolz" verstehe.
Ich kann mich da nicht rein denken, so oft es mir auch zu erklären versucht wird..
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SethSteiner
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von SethSteiner »

"Nationalstolz birgt immer die Gefahr"

Nein, tut es nicht. Nationalstolz birgt gar keine Gefahr. Übersteigerte Identifizierung birgt gefahren, nicht die Identifizierung selbst. Wieviele Fußballfans schlagen sich mit anderen? Oder sterben gar? Wieviele bayrische Lokalpatrioten schlagen sich mit sächsischen? Solche Fälle sind absolute Ausnahmen und sie werden, wie auch Kriege, durch sehr viel mehr als einfach nur die Identifizierung mit dem eigenen Land oder Verein genährt. Das klingt zwar immer schön einfach und man muss dann nicht weiter nachdenken, sinnvoll wäre es aber schön. Wenn ich als Deutscher stolz bin, brauch ich nicht Gründe suchen, besser zusein als andere. Warum? Das Gefühl ist nicht abhängig davon, dass ich besser bin als andere.

Du solltest vielleicht deine Definition des Wortes Stolz überdenken.
bip
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von bip »

Nachdem ich den ganzen Tag schon diese Diskussion mitverfolgt und so einige Beiträge an der Grenze zur völligen Geschichtsverklärung gelesen habe, möchte ich auch meine 5 Cent dazutun. Also was mir sauer aufstößt, ist vor allem dass die meisten hier darin übereinstimmen, dass man auch ruhig Mal die Verbrechen der Russen zeigen dürfe, es sei doch endlich mal an der Zeit, die Deutschen würden ja schon seit jeher als eine Orkhorde in 2.WK Spielen dargestellt. Diese Meinung ist im Falle von CoH2 so sehr daneben, dass ich teilweise nicht so genau weiß, ob Unwissenheit oder eine rechtsnationale Gesinnung dahinter steckt
Die allermeisten Verbrechen bzw. vermeintliche Barbareien der Roten Armee, die in Company of Heroes 2 dargestellt werden, hat es so überhaupt nicht gegeben. Die rücksichtslose Opferung der eigenen Soldaten war keine militärische Doktrin der Roten Armee, wie das Spiel es einem weis zu machen versucht. Die Russen haben ihre eigene Bevölkerung nicht in Häuser gesperrt und abgefackelt, wie man das in einer Mission machen muss. Auch nicht die eigenen Soldaten, so was ist völlig absurd! Auch ist die Rote Armee nicht gegen polnische Partisanen vorgegangen, die gegen die Nazi Besatzung gekämpft haben. Das sind nur einige wenige völlig frei erfundene Elemente, die die Sowjetarmee bzw. die Russen im 2.WK wie verbrecherisches, gewissenloses Gesindel aussehen lassen. Es ist völlig verständlich dass man sich dort nun empört, hier wird im Prinzip ein Land mitsamt seiner Geschichte mithilfe erlogener „Tatsachen“ durch den Dreck gezogen. Ganz davon abgesehen, dass auch jedes weitere Russenklischee aus der Cold-War-Mottenkiste bedient wird. So was nennt sich auch Verleumdung und ist somit einfach üble Propaganda die gegen Russland zielt. Wieso sollten die sich das da gefallen lassen?
Nochmal: in Company of Heroes 2 wird nicht eine für Russen unangenehme Wahrheit dargestellt, sondern eine für Russen beleidigende Lüge, die jeglicher historischen Grundlage entbehrt.
Nun, einige hier sagen ja, es sei ja nicht schlimm, die Deutschen werden in jedem 2. WK Spiel so dargestellt. Aha, echt? Das ist mir aber neu! Ich habe noch kein Spiel gesehen, indem z.B. ein Wehrmachtsoffizier kaltblütig einen Gefangengenommenen sowjetischen Kommissar exekutiert (Kommissarbefehl, http://de.wikipedia.org/wiki/Kommissarbefehl ). Oder in dem die deutschen Soldaten die Zivilbevölkerung ausplündern und Hunderttausende von Frauen und Kindern dem Hungertod überlassen (http://de.wikipedia.org/wiki/Hungerplan) oder Zivilisten und Kriegsgefangene in die Minenfelder treiben (http://de.wikipedia.org/wiki/Minensuchger%C3%A4t_42 ). Nicht mal wie die Landser von den eigenen Befehlshabern völlig sinnfrei und rücksichtslos geopfert werden (Haltebefehl, http://de.wikipedia.org/wiki/Haltebefehl#Halten ) wurde je in einem 2.WK Game gezeigt. Im Gegensatz zu den frei erfundenen Schauermärchen über die Sowjets in CoH 2 sind das alles Sachen, die die Wehrmacht im 2.WK an der Ostfront aber TATSÄCHLICH gemacht hat, unbestrittene historische Fakten also. Ganz zu schweigen vom Holocaust, den Massenverschleppungen, den Vergewaltigungen und und und , die allesamt auf den besetzten Gebieten von der Wehrmacht in Kooperation mit der SD und der SS durchgeführt wurden. Alles ECHTE, historisch zweifelsfrei nachgewiesene Verbrechen, die dabei auch noch eine völlige einmalige Dimension der Ungeheuerlichkeit dadurch erlangen, dass es sich dabei nicht um spontane Entgleisungen der einfachen Soldaten an der Front handelte, sondern um hochoffizielle Befehle der deutschen Führung (also im Namen des Volkes quasi!), begründet durch die Rassenideologie (dunkelste Barbarei pur). In der neueren Geschichte ist das in dieser Größenordnung etwas völlig einmaliges. Und dennoch finden wir in keinem einzigen Spiel eine Darstellung dieser deutschen Verbrechen. Deutsche Soldaten sind einfach immer Feinde (wenn man den Ami, den Briten oder den Russen spielt) und näher wird auf sie auch nicht eingegangen. Manchmal darf man ja sogar die Deutschen spielen und es beschränkt sich alles ebenfalls ausschließlich auf das Militärische, kein Wort vom „Vernichtungskrieg gegen den slawischen Untermenschen“. Vor diesem Hintergrund kann es jedem mit etwas Geschichtsverständnis und Empathie ausgestatteten Menschen doch nur wie blanker Hohn vorkommen, dass man nun der Roten Armee absurde Verbrechen andichtet, während die der Wehrmacht, die tatsächlich geschehen sind, unerwähnt bleiben. Völlig lächerlich.
Ich will hier auch nicht sagen, dass die Rote Armee ein reiner Heldenhaufen war, darum geht’s mir nicht. Ich finde es bloß höchst bedenklich, dass so viele in diesem Forum die Darstellung ERFUNDENER Verbrechen der Russen für gerechtfertigt halten, weil auch schon mal Deutsche nicht ganz als strahlende Ritter weggekommen sind, wobei aber tatsächlich nicht mal ein Bruchteil der ganzen schlimmen Wahrheit über die Wehrmacht und Co. in Spielen gezeigt wurde. Das ist in meinen Augen Geschichtsverharmlosung, sowie geschichts- menschenverachtende Relativierung.
Darüber hinaus tut es mir natürlich für die Spielewelt leid, dass durch solchen Propaganda-Schrott das Medium immer wieder in die Ecke unseriöser Unterhaltung zurückgedrängt wird. Der Anspruch vieler Gamer, ihr Hobby sei mehr als nur Eskapismus und die Spiele eine ernstzunehmende Form der künstlerischen Auseinandersetzung mit Kultur, Gesellschaft und Geschichte, gewinnt durch solche Veröffentlichungen nicht gerade an Glaubwürdigkeit. Just my 5 cents.
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Troll4Life
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Troll4Life »

bip hat geschrieben:Nachdem ich den ganzen Tag schon diese Diskussion mitverfolgt und so einige Beiträge an der Grenze zur völligen Geschichtsverklärung gelesen habe, möchte ich auch meine 5 Cent dazutun. Also was mir sauer aufstößt, ist vor allem dass die meisten hier darin übereinstimmen, dass man auch ruhig Mal die Verbrechen der Russen zeigen dürfe, es sei doch endlich mal an der Zeit, die Deutschen würden ja schon seit jeher als eine Orkhorde in 2.WK Spielen dargestellt. Diese Meinung ist im Falle von CoH2 so sehr daneben, dass ich teilweise nicht so genau weiß, ob Unwissenheit oder eine rechtsnationale Gesinnung dahinter steckt
Unwissenheit
Die allermeisten Verbrechen bzw. vermeintliche Barbareien der Roten Armee, die in Company of Heroes 2 dargestellt werden, hat es so überhaupt nicht gegeben. Die rücksichtslose Opferung der eigenen Soldaten war keine militärische Doktrin der Roten Armee, wie das Spiel es einem weis zu machen versucht. Die Russen haben ihre eigene Bevölkerung nicht in Häuser gesperrt und abgefackelt, wie man das in einer Mission machen muss. Auch nicht die eigenen Soldaten, so was ist völlig absurd! Auch ist die Rote Armee nicht gegen polnische Partisanen vorgegangen, die gegen die Nazi Besatzung gekämpft haben. Das sind nur einige wenige völlig frei erfundene Elemente, die die Sowjetarmee bzw. die Russen im 2.WK wie verbrecherisches, gewissenloses Gesindel aussehen lassen. Es ist völlig verständlich dass man sich dort nun empört, hier wird im Prinzip ein Land mitsamt seiner Geschichte mithilfe erlogener „Tatsachen“ durch den Dreck gezogen. Ganz davon abgesehen, dass auch jedes weitere Russenklischee aus der Cold-War-Mottenkiste bedient wird. So was nennt sich auch Verleumdung und ist somit einfach üble Propaganda die gegen Russland zielt. Wieso sollten die sich das da gefallen lassen?
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Nightmare King Grimm
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Nightmare King Grimm »

NeuerFreund hat geschrieben:
Billie_the_man hat geschrieben: Das sind doch Verbrechen an russischen Soldaten und das die Rote Armee ne Schweinearmee war sollte eigentlich jedem klar sein
Ich würde mal behaupten damit unterscheidet sich die Rote Armee zur Zeit des 2.WK im Vergleich zu den anderen teilnehmenden Parteien so gut wie gar nicht. Im Krieg gibt es keine "sauberen Armeen".
Richtig. Jeder hatte da letztlich Dreck am Stecken und das wird wohl immer so sein. Das interessante ist aber: vergleichst du in Medien den Amerikaner und den Russen, dann wird der Amerikaner vorzugsweise als Held dargestellt, der Russe dann doch eher als Kriegsverbrecher. Da verstehe ich den Unmut letzten Endes dann doch irgendwo.
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Temeter 
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Temeter  »

GeQo hat geschrieben:Richtig. Jeder hatte da letztlich Dreck am Stecken und das wird wohl immer so sein. Das interessante ist aber: vergleichst du in Medien den Amerikaner und den Russen, dann wird der Amerikaner vorzugsweise als Held dargestellt, der Russe dann doch eher als Kriegsverbrecher. Da verstehe ich den Unmut letzten Endes dann doch irgendwo.
Das ist in Russischen Medien aber nicht besser, im Gegenteil. Amis stehen in Filmen wie "Der Soldat James Ryan" (eher zweite hälfte^^) als Helden dar, weil sie hauptsächlich das schlimme ausblenden. Und nicht zu vergessen, diese Haltung ist allgemein bekannt, deswegen wird diese Einseitigkeit oft kritisiert und die Filmemacher gestehen diese Vereinfachung sogar ein. Hier im Forum hacken wir doch genau aus diesem Grund auf amerikanische Kriegsfilme ein!

Einige russische Produktionen dagegen, teilweise sogar staatlich unterstützt, sind oft genug direkte Propaganda, oder zitieren frei sowjetische Propaganda. Das ist ein ganz anderer Härtefall, guckt euch mal Filme wie Festung Brest an, und danach schaut bei Wikipedia nach den realen Hintergründen.

Das ist Geschichtsrevitionismus widerlichster Art. Die Ami-Kriegsfilme sind dagegen ein Witz.
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Nightmare King Grimm
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Nightmare King Grimm »

Temeter  hat geschrieben:
GeQo hat geschrieben:Richtig. Jeder hatte da letztlich Dreck am Stecken und das wird wohl immer so sein. Das interessante ist aber: vergleichst du in Medien den Amerikaner und den Russen, dann wird der Amerikaner vorzugsweise als Held dargestellt, der Russe dann doch eher als Kriegsverbrecher. Da verstehe ich den Unmut letzten Endes dann doch irgendwo.
Das ist in Russischen Medien aber nicht besser, im Gegenteil. Amis stehen in Filmen wie "Der Soldat James Ryan" (eher zweite hälfte^^) als Helden dar, weil sie hauptsächlich das schlimme ausblenden. Und nicht zu vergessen, diese Haltung ist allgemein bekannt, deswegen wird diese Einseitigkeit oft kritisiert und die Filmemacher gestehen diese Vereinfachung sogar ein. Hier im Forum hacken wir doch genau aus diesem Grund auf amerikanische Kriegsfilme ein!

Einige russische Produktionen dagegen, teilweise sogar staatlich unterstützt, sind oft genug direkte Propaganda, oder zitieren frei sowjetische Propaganda. Das ist ein ganz anderer Härtefall, guckt euch mal Filme wie Festung Brest an, und danach schaut bei Wikipedia nach den realen Hintergründen.

Das ist Geschichtsrevitionismus widerlichster Art. Die Ami-Kriegsfilme sind dagegen ein Witz.
Natürlich, da will ich auch gar nicht widersprechen^^ mir geht es bei dem Ganzen auch nicht darum, dass 'nur die Amerikaner' die Geschichte verfälschen würden. Aber hier haben wir doch ein Beispiel, dass irgendwo auch Verfälschung extrem ist. Im Vorgänger waren die Amerikaner Helden, man bringt einen Nachfolger, rühmt sich mit 'Geschichtsnähe' und betreibt dann Verleumdung erster Güteklasse^^ das ist nun wirklich ein extremer Fall. Wir reden ja nicht davon, dass die sich wegen Schändung ungerecht behandelt fühlen, die es damals gab...hier ist die Rede von 'eigene Soldaten abschießen und die Bevölkerung lebendig verbrennen'...und das ist nun mal nichts anderes als die russische Armee als Kriegsverbrecher darzustellen.

Ich weiß nicht wie's dir geht, aber ich finde das extrem...und verstehe, dass man sich darüber aufregt.
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Temeter 
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Temeter  »

GeQo hat geschrieben:Natürlich, da will ich auch gar nicht widersprechen^^ mir geht es bei dem Ganzen auch nicht darum, dass 'nur die Amerikaner' die Geschichte verfälschen würden. Aber hier haben wir doch ein Beispiel, dass irgendwo auch Verfälschung extrem ist. Im Vorgänger waren die Amerikaner Helden, man bringt einen Nachfolger, rühmt sich mit 'Geschichtsnähe' und betreibt dann Verleumdung erster Güteklasse^^ das ist nun wirklich ein extremer Fall. Wir reden ja nicht davon, dass die sich wegen Schändung ungerecht behandelt fühlen, die es damals gab...hier ist die Rede von 'eigene Soldaten abschießen und die Bevölkerung lebendig verbrennen'...und das ist nun mal nichts anderes als die russische Armee als Kriegsverbrecher darzustellen.

Ich weiß nicht wie's dir geht, aber ich finde das extrem...und verstehe, dass man sich darüber aufregt.
Am Anfang fand ich den Protest verständlich, aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Ich habe die Kampagne von CoH2 noch nicht gespielt, deswegen kann ich darüber nicht sonderlich viel sagen. Allerdings ging es bei der Kritik doch immer nur um Klischees und eine negative Perspektive, oder? Relic hat das Drehbuch afaik anhand sowjetischer Geschichtsunterlagen geschrieben, also sind die Vorkommnisse in dieser Art durchaus vorstellbar, realistisch und Größtenteils sogar belegt.

Der große Unterschied ist höchstens der Wandel - CoH1 ist - 'angenehm' Band of Brother-like - einfach nur einer handvoll Soldaten durch den Krieg gefolgt, während man in CoH2 mitsamt Politische Intrigen und Missmanegement auch die Hintergründe eines Feldzugs behandelt hat. Man kann den Wechsel natürlich als unfair sehen, mir scheint es aber vor allem der Fall zu sein, dass man im Sequel ehrlicher an die Sache rangeht. Die russische Offensive war verdammt brutal, und vermutlich verlustreicher für sie als für Deutschland.

Soweit mein Eindruck zum Spiel.

Das Russen sich jetzt allerdings nicht nur beschweren, sondern gar ein Verkaufsverbot gefordert und erreicht haben, sagt mehr über deren Geschichtsverständnis aus, als über Company of Heroes 2. Die aktive Forderung von Zensur, nur, weil sich das Spiel auf negative, wenn auch belegte, Vorfälle konzentriert?
Auf mich wirkt es ein wenig, als ob der Wille zur Aufklärung der damaligen Verhältnisse nicht allzu stark ist. Viele Länder haben aus verschiedenen Gründen Probleme, ihre Vergangenheit ehrlich aufzuarbeiten. Und der Protest hier ist anscheinend in erster Linie ein Symptom davon. Denn von tatsächlichen Lügen in der Kampagne habe ich noch nichts erhört, nur Protest anhand der Auswahl der Szenarien. Der mag gerechtfertigt sein, aber die Forderung von Zensur ist zumeist ein Zeichen von Verdrängung.
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Obstdieb
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Re: Company of Heroes 2: Verkauf in Russland nach Protesten

Beitrag von Obstdieb »

Temeter  hat geschrieben:
Das ist in Russischen Medien aber nicht besser, im Gegenteil. Amis stehen in Filmen wie "Der Soldat James Ryan" (eher zweite hälfte^^) als Helden dar, weil sie hauptsächlich das schlimme ausblenden. Und nicht zu vergessen, diese Haltung ist allgemein bekannt, deswegen wird diese Einseitigkeit oft kritisiert und die Filmemacher gestehen diese Vereinfachung sogar ein.
Würde ich so nicht unterschreiben. Der Film ist sicherlich kein Antikriegsfilm, aber ein Stück Patriotische Filmgeschichte defintiv auch nicht. Da fand ich zb. Argo deutlich schlimmer. Aber ein bisschen Patriotismus in Film oder Serie ist nun nicht zwangsläufig schlecht. Generation Kill von HBO zeigt einige krasse Sachen aus dem Iragkrieg, und zeichnet generell ein gutes Bild vom Krieg, und den Gestalten die da rumirren ab, aber trotzdem findet man auch hier einen gewissen "Stolz" wieder.

Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass Chauvinismus gefährlich ist, und das eindeutig falsche denken ist, verwundert es mich nicht, dass soviele Leute dem nacheifern. Gerade Medienproduktionen brauchen irgendwo auch einen bestimmten Anteil jenes Stolzes, um überhaupt Geld für die Produktion zu bekommen. Das es Ausnahmen gibt, ist offensichtlich aber einen bestimmten Restbestand wird man immer finden.

Und die Vergleiche von Roter Armee und Wehrmacht halte ich für sinnlos. Woran macht ihr den die schwere der Taten fest. Woran kann man das einschätzen? Das ganze ist unnötig, beide Armeen haben ihren Teil beigetragen und das der gute Stalin seiner Zeit genauso Menschen in Gulags verfrachten lies, scheint einigen entfallen zu sein. Es gibt übrigends immer noch Arbeitslager in Russland.
Aber das ganze spielt sowieso keine Rolle, da wir da alle gleich sind. Es lohnt sich nicht über Schuld-anteile zu reden. Nur weil einige hier in Deutschland besser leben als andere, heißt das noch lange nicht, dass alles bunt ist.