Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spielekritik

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muecke-the-lietz
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von muecke-the-lietz »

Man, der Herr Spector beschreibt einen Ist-Zustand, welcher bereits seit mehreren Jahren wenn nicht sogar seit über einem Jahrzehnt vorbei ist.

Und zum anderen - für beinahe jedes Medium gibt es bestimmte Anlaufstellen, in denen man tiefgründige und ausführliche Artikel über das jeweilige Werk findet. Und dann gibt es weitergehend noch die Möglichkeit mit dem Autor der Kritik und vielen anderen Interessierten über den Artikel und das Werk zu diskutieren und sich auszutauschen (bei Comics ist das sogar ziemlich extrem ausgeprägt, weil diese gerade in Germany so gut wie keine Beachtung in den Massenmedien finden).

Was man allerdings an Artikeln in den Tageszeitschriften findet, ist zum Großteil absoluter Murks. Meistens sind die Artikel wahnsinnig kurz, unglaublich oberflächlich und behandeln fast ausschließlich den Mainstream des jeweiligen Mediums. Das ist bei den Beiträgen zu Videospielen aktuell genauso. Bis auf Ausnahmen werden da keine Perlen behandelt, welche das Medium Games auf ein neues Level heben, sondern die neue Lara Croft, der neue Mario oder was weiß ich. Genau wie sonst auch, stürzt man sich auf den absoluten Mainstream um auch szenefremde Leute nicht zu verschrecken und verfasst einen 10 - 20 zeiligen Artikel zu dem Game, der an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten ist.

Und da mich persönlich diese arrogante, oberflächliche und unheimlich primitive Betrachtungsweise von Medien in den meisten Tageszeitschriften nur noch annervt, belese ich mich auf laut.de zu den neuesten Indiebands, informiere ich mich auf hunderten Seiten über die verschiedenste Filme der verschiedensten Genres und suche ich Bücherforen, um mich über die Werke meiner Wahl zu belesen.
Wenn ich ausführliche Artikel über Games will, belese ich mich auf 4p - hier bekommt man ausführliche und tiefgründige Berichte über das Medium Games. Außerdem Kommentare zu der großen Welt der Videospiele, gesellschaftskritische Diskurse mit dem Schwerpunkt Games, Spielegeschichte, Enwicklungen, Fehlentwicklungen und einem über große Teile recht ansprechendem Forum.

Welchen Mehrwert eine unglaubliche Anzahl an langweiligen Artikeln über Lara Croft, Fifa und Super Mario in den Zeitungen meiner Eltern und Großeltern haben sollen, ist mir daher schleierhaft. Denn wenn schon, denn schon. Nicht wie im Spiegel alle Jubeljahre mal einen Artikel über das aktuell interessanteste Spiel verfassen, sondern dranbleiben, beobachten und sich auch mal interessante Perlen außerhalb des Mainstreams raus suchen und behandeln.
Aber bis dahin sollten wir vielleicht anerkennen, dass sich gerade Seiten wie 4p eigentlich massiv gemausert und entwickelt haben und dem geneigten Leser heute einen wesentlich größeren Einblick in die Welt der Videospiele ermöglichen, als das noch vor einem Jahrzehnt in den meisten Print Medien der Fall war.
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Wulgaru
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von Wulgaru »

Der Mehrwert liegt doch auf der Hand. Alle die jetzt hier sowas wie "wer braucht denn die richtigen Medien" schreien, regen sich doch als erste über öffentliche Killerspieldebatten auf. Finden Games in richtigen Medien statt, hätten die auch Stimmen die Spiele verteidigen könnte. Spezialisierte Redakteure die man ernst nimmt, Entwickler die durchs Fernsehen bekannt wären usw. usw.

Kein Thema...Games brauchen Medien nicht, aber dann bitte auch nicht mehr Zensur und Killerspiele aufregen, das ist dann die Konsequenz.
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KleinerMrDerb
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von KleinerMrDerb »

Kajetan hat geschrieben:Weil in der breiten Öffentlichkeit Videospiele weiterhin nur als dumpfes Geballer für infantile Erwachsene oder degenerierte Jugendliche betrachtet werden. Wenn jedoch in etablierten Massenmedien mit enormer Reichweite und nicht nur in kleinen Spezialblogs mit ein paar Hundert Lesern, Spiele endlich differenziert dargestellt werden, dann kann dies mit dazu beitragen, dass Politiker mit dumpfen Verbotsforderungen nicht mehr länger erfolgreich auf Stimmenfang gehen können, weil die Leute darauf nicht mehr reinfallen, weil die Leute in diesen Blättern lesen, dass Spiele mehr sein können als tumber Splatter
Wie ich schon sagte muss sich dann aber das Spiel entwickeln.

Massenmedien berichten auch nur über Massenphänomene.
Sie berichten über den Erfolg von Avatar, Supermanm Dan Browns Inferno aber die intelligenten und künstlerisch Wertvollen Filme/Bücher finden dort ebenfalls keine Beachtung.

Übertragen auf Videospiele würde das bedeuten, dass die Massenmedien anfangen sollten über die Videospiele zu berichtet die voller dumpfer Geballer sind und dessen Zielgruppe ganz klar infantile Erwachsene oder degenerierte Jugendliche sind.

Und ich glaube kaum, dass die allegemeine Ansicht von Videospielen besser aussehen würde, wenn die Bild auf einmal über Call of Duty oder GTA berichten würde.
Denn DAS sind nunmal die Erfolgreichsten und damit auch Berichtswürdigsten Spiele.... in dem einen spielt man einen hirnlos befehle befolgenden Soldaten, in dem anderen einen Massenmordenden Verbrecher.

Und das soll der Industrie helfen??? ja ne is klar!

Oder glaubst du etwa, dass die Massenmedien dann anfangen über Spiele wie Journey zu berichten die selbst in der Videospielbranche nur ein Nischendasein fristen.
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Kajetan
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von Kajetan »

Alter Sack hat geschrieben: @kajetan: Aber genau das passiert doch momentan. Wie schon bei dem oben aufgeführten Artikel zu TLoU wird doch darüber diskutiert was das Spiel eigentlich ist. Und das war ja nicht nur bei SPON so. Es entwickelt sich doch ... da braucht man keine Forderung.
Warum braucht man keine Forderung? Denkst Du, das passiert alles von alleine irgendwie? :)

Die Forderung nach einem qualitativ besseren Spielefachjournalismus gibt es schon lange und sie ist, wenn man sich umschaut, immer noch legitim, weil die Beispiele, die Du oder ich gebracht haben, weiterhin nur die Ausnahme von der Regel sind. Die meisten Spielefachmagazine sind nichts weiter als Auslagerungen der Marketingabteilungen der Industrie und in der Regel auf einem sehr geringen Niveau. Die Mainstream-Presse bringt, wenn überhaupt, nur Agenturmeldungen und so gut wie kein eigenes Material. Und wenn, dass dient es meist nur der Bestätigung der üblichen Vorurteile.

Ja, es tut sich was. Ja, die Situation ist derzeit nicht mehr ganz so schlimm und krass wie z.B. noch vor zehn Jahren. Dennoch ist da noch ein langer, langer Weg zurückzulegen. Von daher, ja, es braucht diese Forderungen noch.
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Kajetan
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von Kajetan »

KleinerMrDerb hat geschrieben: Und das soll der Industrie helfen??? ja ne is klar!
Wer redet denn davon, was der Industrie helfen soll? Um die geht es hier nicht.

Abgesehen davon ... die Spielewelt besteht aus mehr als CoD und GTA. Darüber muss jedoch erst berichtet werden, so dass sich diese Erkenntnis nicht nur hier im kleinen Kreise durchsetzt.
Zuletzt geändert von Kajetan am 11.07.2013 12:46, insgesamt 1-mal geändert.
Nanimonai
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von Nanimonai »

KleinerMrDerb hat geschrieben: Massenmedien berichten auch nur über Massenphänomene.
Computer- und Videospiele SIND ein Massenphänomen.
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mr archer
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von mr archer »

KleinerMrDerb hat geschrieben:
Massenmedien berichten auch nur über Massenphänomene.
Sie berichten über den Erfolg von Avatar, Supermanm Dan Browns Inferno aber die intelligenten und künstlerisch Wertvollen Filme/Bücher finden dort ebenfalls keine Beachtung.
Tja, wenn man unter "Massenmedien" halt immer nur Bild und Co. versteht, mag das so sein. Hier mal ein Beispiel für gutes Feuilleton in einer der großen Tageszeitungen Berlins, die damit schon irgendwie auch ein Massenmedium ist:


http://www.berliner-zeitung.de/musik/ri ... 77550.html


Also ich würde so eine pointierte Glosse gern auch einmal über beispielsweise CoD an vergleichbarer Stelle lesen.
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muecke-the-lietz
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von muecke-the-lietz »

Wulgaru hat geschrieben:Der Mehrwert liegt doch auf der Hand. Alle die jetzt hier sowas wie "wer braucht denn die richtigen Medien" schreien, regen sich doch als erste über öffentliche Killerspieldebatten auf. Finden Games in richtigen Medien statt, hätten die auch Stimmen die Spiele verteidigen könnte. Spezialisierte Redakteure die man ernst nimmt, Entwickler die durchs Fernsehen bekannt wären usw. usw.

Kein Thema...Games brauchen Medien nicht, aber dann bitte auch nicht mehr Zensur und Killerspiele aufregen, das ist dann die Konsequenz.
Das ist so ein Unfug - kein Medium wird in den Massenmedien so behandelt, wie ihr euch das jetzt in Bezug auf die Spiele erhofft.
Keine Theater-, Film-, Musik- oder Buchrezension in einer einschlägigen Massenzeitschrift erreicht das Niveau von Fachzeitschriften aus den einzelnen Bereichen. Wenn es dann doch mal passiert, so hat man sich einen Autor aus einem dieser Fachbereiche rangeholt. Das ist aber die absolute Ausnahme. Gerade einige linke Tageszeitschriften wie die TAZ oder die Berliner Zeitung bekommen das mal hin. Als jahrelanger Theaterfan kann ich da nur ein Lied von singen, wie oberflächlich und albern man unser Theater und seine Stücke behandelt.
Dann muss man natürlich auch immer schauen, was behandelt wird. Die neue Nena und Frida Gold Scheibe wird sicherlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als die aktuelle Scheibe der Tokyo Sex Destruction Veröffentlichung.
Das große Stück im Staatsschaupiel bekommt vielleicht sogar einen Artikel samt Bild spendiert, aber sämtliche Stücke aus den Independent Spielhäusern werden außerhalb der Szene völlig ignoriert. Und das ist auch wirklich nicht schlimm. Weil sich so differenzierte und detailierte Berichte überhaupt nicht lohnen, wenn sich kein Leser ernsthaft dafür interessiert. Dafür gibt es ja nun mal Szene- und Fachmagazine, damit sich die wirklich interessierten auch wirklich dazu belesen können.

Klar, gegen einen interessanten Bericht in der Neon hätte ich nichts einzuwenden, zumal die Spiele samt ihrer Spielerschaft schön bluten würden, wenn sie mal vor Augen geführt kriegen würden, welch krude und platte Inhalte und Vorstellungen in Games oft transportiert werden.
Aber das wäre eher ein allgemein gefasster Diskurs über das Medium an sich und weniger über einzelne Spiele. Und dann wären wir wieder ganz schnell bei Sarkeesian oder der Killerspiel Debatte.
Zuletzt geändert von muecke-the-lietz am 11.07.2013 12:57, insgesamt 1-mal geändert.
Granfaloon
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Beitrag von Granfaloon »

Zitat http://spielkultur.ea.de/kategorien/kul ... rgleichDer Umsatz mit Computer- und Videospielen (nur Software, nur Verkauf) betrug im Jahr 2010 1,56 Mrd. Euro, der Kinoumsatz betrug 920 Mio. Euro, der Umsatz mit dem Verkauf von DVD/Blu-ray betrug im Jahr 2009 (die aktuellen Zahlen liegen noch nicht vor) 1,37 Mrd. Euro und der Umsatz mit dem Verleih von Filmen 257 Mio. Euro.

Die GfK erhebt in ihrem Konsumentenpanel auch das Medienbudget, also die Verteilung der Gesamtsumme der Ausgaben für Medien auf die einzelnen Bereiche. Nach diesen Zahlen geben die Menschen in Deutschland 16% ihres Medienbudgets für digitale Spiele aus, 15% für Musik, 13% für den Kauf von Filmen, 10% für Kinobesuche, und 3% für das Ausleihen von Filmen. Dies sind die Zahlen von 2009.
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KleinerMrDerb
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von KleinerMrDerb »

Nanimonai hat geschrieben:
KleinerMrDerb hat geschrieben: Massenmedien berichten auch nur über Massenphänomene.
Computer- und Videospiele SIND ein Massenphänomen.
Ja und?

Das heißt aber nicht, dass deren Ausrichtung auch nur ansatzweise interessant für Aussenstehende sei.

Dass ein neues CoD mal wieder alle Verkaufsrekorde bricht steht auch in den unterschiedlichsten Massenmedien aber abseits dessen gibt es kaum einen Grund über das erfolgreichste Spiel der Welt zu berichten.
Und genau da liegt doch das Problem.

Was soll man da denn schreiben??
Das man sich als Spieler durch hunderte von Gegnern ballert wärend links und rechts alles explodiert.
Damit weckt man leider kaum interesse bei Dritten, schon garnicht bei solchen für welche Videospiele eh nur für stumpfe Brutalität stehen.

Und leider ist es nunmal so, dass fast jedes wirklich erfolgreiche Videospiele abseits der Gewalt nicht viel zu bieten hat oder eben sowas wie Fifa ist.
Letzteres ist aber nur ein Spiel... und nicht mehr
Zuletzt geändert von KleinerMrDerb am 11.07.2013 12:57, insgesamt 1-mal geändert.
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mindfaQ
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von mindfaQ »

Liegt vielleicht an den Methoden, mit denen auch die Entwickler miteinander und mit den Spielern umgehen und wie unerwachsen eben auch sehr viele Spiele sind (Anmerkung: natürlich muss nicht jedes Spiel erwachsen sein, nur gibt es kaum Spiele, die überhaupt den Anspruch von Reife erheben). Dort ist auch viel Kinderei und Niedrigniveau dabei.
Abschließend merkt Spector schließlich an: Sollten Spiele diese Art der Betrachtung nicht ermöglichen, wären sie vielleicht tatsächlich nur ein Mittel, mit dem man ein wenig Spannung erzeugen oder den Problemen der realen Welt entfliehen könne - so wie es die Kritiker des Mediums behaupten.
Wenn es nach der Logik geht, dann gehört jeglicher Sport auch dazu.
Zuletzt geändert von mindfaQ am 11.07.2013 13:03, insgesamt 4-mal geändert.
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Wulgaru
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von Wulgaru »

muecke-the-lietz hat geschrieben:
Wulgaru hat geschrieben:Der Mehrwert liegt doch auf der Hand. Alle die jetzt hier sowas wie "wer braucht denn die richtigen Medien" schreien, regen sich doch als erste über öffentliche Killerspieldebatten auf. Finden Games in richtigen Medien statt, hätten die auch Stimmen die Spiele verteidigen könnte. Spezialisierte Redakteure die man ernst nimmt, Entwickler die durchs Fernsehen bekannt wären usw. usw.

Kein Thema...Games brauchen Medien nicht, aber dann bitte auch nicht mehr Zensur und Killerspiele aufregen, das ist dann die Konsequenz.
Das ist so ein Unfug - kein Medium wird in den Massenmedien so behandelt, wie ihr euch das jetzt in Bezug auf die Spiele erhofft.
Keine Theater-, Film-, Musik- oder Buchrezension in einem einschlägigen Massenzeitschrift erreicht das Niveau von Fachzeitschriften aus den einzelnen Bereichen. Wenn es dann doch mal passiert, so hat man sich einen Autor aus einem dieser Fachbereiche rangeholt. Das ist aber die absolute Ausnahme. Als jahrelanger Theaterfan kann ich da nur ein Lied von singen, wie oberflächlich und albern man unser Theater und seine Stücke behandelt.
Dann muss man natürlich auch immer schauen, was behandelt wird. Die neue Nena und Frida Gold Scheibe wird sicherlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als die aktuelle Scheibe der Tokyo Sex Destruction Veröffentlichung.
Das große Stück im Staatsschaupiel bekommt vielleicht sogar einen Artikel samt Bild spendiert, aber sämtliche Stücke aus den Independent Spielhäusern werden außerhalb der Szene völlig ignoriert. Und das ist auch wirklich nicht schlimm. Weil sich so differenzierte und detailierte Berichte überhaupt nicht lohnen, wenn sich kein Leser ernsthaft dafür interessiert. Dafür gibt es ja nun mal Szene- und Fachmagazine, damit sich die wirklich interessierten auch wirklich dazu belesen können.
Achja? Ich kenne jetzt keine große Gruppe von Leuten die Literaturfachzeitschriften ala Literaturen kauft. Die lesen Rezensionen auf der sueddeutsche.de und Co.

Es gibt Berichte über Cannes, Leipzig, Frankfurt, Berlinale usw. Die Printausgaben haben Kultur- Feuilleton-Abschnitte wo über Filme und Bücher geschrieben wird.

Natürlich ist das oberflächlicher als die entsprechende Fachzeitschrift. Das ist doch auch völlig logisch. Der Sportteil einer Zeitung bietet auch nicht soviele wie der Kicker über Fußball, aber reicht 90% aller Leser. Bücher und Filme sind etabliert. Lost und Tatort große Spiegel-Blog-Events...kann man irgendwas darüber über das Kellerkind Videogame sagen? Kommt heute noch jemand drauf Filme und Bücher zu Sündenböcke für irgendwas zu machen? Nein. Warum wohl?
humb0rt
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von humb0rt »

Wenn ich als spieler eine vernünftige bewertung eines spieles lesen möchte, halte ich mich natürlich an fachartikel
und nicht an allgemeine kurzberichte.
diese fachartikel sind meist nach einem bestimmten schema aufgebaut und führen den leser nach vertrautem muster
durch die spielekritik.

eine fachbezogene glieferung findet sich dabei nicht nur in pc, sondern auch in anderen fachzeitschriften (kochen, autos, garten etc)
wer der meinung ist, onlineredakteuren fehle es an journalistischer ausbildung und formulierungsstärke kann jederzeit
auf die gedruckten fachzeitschriften zurückgreifen, unter denen sich genug mit journalistischer kompetenz befinden.


wenn man nun verstärkte und vereinfachte darstellung der spielebranche in den öffentlichen medien fordert, um
mit den "anderen" medien gleichauf ziehen zu können und "anerkannt und akzeptiert" zu werden, muss man sich fragen:
wie werden "andere" medien dargestellt und was möchte ich der öffentlichkeit von der spielebranche zeigen?

wenn in den öffentlichen über Filme, Musik oder Bücher berichtet wird, sind darunter oft aktuelle Blockbuster welche schon im
vorfeld von der entsprechenden industrie werbetechnisch behypt wurden.

das müssen weder inhaltlich der beste film noch das beste buch sein. die berichterstattung orientiert sich hier sehr stark am massenmarkt und dem,
was die industrie sich darunter vorstellt.

Ich habe durchaus auch schon Artikl über Computerspiele in größeren Zeitungen gefunden, doch in ihnen ging es wiederum ausschließlich um 'vorzeigespiele' der branche wie GTA4
oder HeavyRain.

Ich für meinen Teil halte diese Wahl auch für gelungen, denn im Ernst, wenn ein spiel auch einen nichtspieler nachhaltig beeindrucken soll,
dann funktioniert das am besten über story und atmossphäre,
als nächstes möglicherweise über die grafik und erst am schluss über die spielmechanik.

wenn ich mir die spieleindustrie so anschaue, lässt sich viel auf 'Kills machen', jump'n run einlagen oder strategisches zahlen hin und herschieben runterbrechen.
auch filme lassen sich runterbrechen, schnulze (erst verlieren sie sich, dann kriegen sie sich) horror, splatter, action.

von mir selber als langjährigem spieler kann ich höchstens von einer handvoll spiele sagen, dass sie nachhaltig etwas in mir und meinem kopf bewirkt bzw verändert haben.
das waren in meinem fall planescape torment, gta4 als hervorstechendes beipiel im actiongenre (im vergleich gesehn), HeavyRain aufgrund der Intensität des "selber handelns" und der dramatik
und als letztes red dead redemption als den bestern western den ich je selbst gespielt und gesehen habe.

der rest der spiele taten sich durch unterschiedliche stärken in punkten grafik, geschicklichkeitsanforderung oder unterhaltungswert durch belohnungs (level) mechanismen hervor, nichts,
was ich einem nichtspieler ohne weiteres schmackhaft machen könnte.

Auch ein Shadow of the Colossus, eins meiner Lieblingsspiele, bestand doch nur aus: deine freundin ist tot. Stele die 16 Gigantischen monstern und töte sie.
das Belohnunsgefühl beim besiegen einen Hochhaushohen monsters mit einem schwert ist unglaublich, letztlich aber doch nur reiner unterhaltungswert mit spielerischem anspruch. moralische fragen,
storytwists, ein auseinandersetzen des spielers mit sich selbst und seinen einstellungen und gefühlen findet quasi nicht statt.
versteht mich nicht falsch, als zocker gebe ich pers. dem spiel 90%, aber was den INHALT angeht...


Nun bin ich ebenfalls der Meinung dass die von Spector erwünschte Entwicklung bereits im Gange ist.
Ich für meinen Teil bin froh, dass sich die zeitschriften ähnlich wie in den anderen branchen auf die Blockbuster und Topseller konzentrieren und der meinung, das kann ruhig so weitergehen.

spätestens mit dem generationenwechsel wird sich ein weiterer großer schritt in der Menge der berichterstattung tun.
Als am wichtigsten empfinde ich den Teil der Entwicklung, der bereits auch schon läuft, nämlich dass sich die Berichterstattung weg von Killerspielen hin zu Unherhaltungswert orientiert.
Das ist sogar mein einziger Kritikpunkt: Journalisten, welche die Branche mit "killerspielunsinn" verunglimpfen.
sobald die schwarzen schafe aussortiert wurden, können wir uns als gamer zurücklehnen
und auch in Zukunft die besten und gehaltvollsten Informationen aus der Fachpresse beziehen, so wie das bei Filmen und Büchern ebenfals schon funktioniert.

Ich werde auch in Zukunft nicht die Zeit oder FAZ lesen, um mich über mein nächstes Spiel zu informieren, sonder ich bleibe bei 4Players und diversen Fachzeitschriften!
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Alter Sack
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Re: Spielkultur: Warren Spector hofft auf neue Form der Spie

Beitrag von Alter Sack »

Kajetan hat geschrieben:
Alter Sack hat geschrieben: @kajetan: Aber genau das passiert doch momentan. Wie schon bei dem oben aufgeführten Artikel zu TLoU wird doch darüber diskutiert was das Spiel eigentlich ist. Und das war ja nicht nur bei SPON so. Es entwickelt sich doch ... da braucht man keine Forderung.
Warum braucht man keine Forderung? Denkst Du, das passiert alles von alleine irgendwie? :)

Die Forderung nach einem qualitativ besseren Spielefachjournalismus gibt es schon lange und sie ist, wenn man sich umschaut, immer noch legitim, weil die Beispiele, die Du oder ich gebracht haben, weiterhin nur die Ausnahme von der Regel sind. Die meisten Spielefachmagazine sind nichts weiter als Auslagerungen der Marketingabteilungen der Industrie und in der Regel auf einem sehr geringen Niveau. Die Mainstream-Presse bringt, wenn überhaupt, nur Agenturmeldungen und so gut wie kein eigenes Material. Und wenn, dass dient es meist nur der Bestätigung der üblichen Vorurteile.

Ja, es tut sich was. Ja, die Situation ist derzeit nicht mehr ganz so schlimm und krass wie z.B. noch vor zehn Jahren. Dennoch ist da noch ein langer, langer Weg zurückzulegen. Von daher, ja, es braucht diese Forderungen noch.
Ja es wird alles von allein passieren. Und das muss es auch um am Ende des Tages glaubwürdig zu sein. Eine Forderung nach einer bestimmten Art der Presse hat noch nie was gebracht außer das Sie ab dem Moment nicht mehr unabhängig ist.
Die Ansätze sind schon seid den letzten Jahren vorhanden und sie werden sich weiter etablieren. Spiele sind in den letzten Jahren zum Massenmedium geworden und das zieht automatisch die Aufmerksamkeit der schreibenden Zunft auf sich. Ich lese immer öfter Artikel die nicht in der Fachpresse erscheinen über alle möglichen Spiele. Da ist auch weniger das Marketinggewäsch der Fachpresse enthalten und oft kommen sogar sehr interessante Ansichten dabei heraus. Man merkt das auch an den Indikatoren wie z.B. der Gewalt in Spielen die in der allgemeinen Presse immer weniger aufgegriffen werden. Es wird doch mittlerweile über alle möglichen Spiele diskutiert.
Deshalb halte ich in diesem Bereich nichts von einer Forderung. Das würde am Ende des Tages mehr zerstören als das es helfen würde. Die Meinungsbildung muss sich da frei entwickeln und kann nicht indoktriniert werden. Menschen die nicht so viel mit der Materie am Hut haben verlassen sich da lieber auf Menschen denen es ähnlich geht. Getreu dem alten Spruch "Gut Ding will Weile haben".
Granfaloon
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Beitrag von Granfaloon »

Die Spielebranche setzt schon seit längerer Zeit mehr um als beispielsweise die Kinobranche. Irgendwo ist keine Verhältnismäßigkeit mehr gegeben, wenn in Zeit oder FAZ mal wieder ein kaukasischer Independentfilm besprochen wird, in dem es um irgendeine Dreiecksbeziehung mit ganz viel Symbolik und gesellschaftlicher Sprengkraft geht. Ich meine ja nur, dass ich zum Beispiel seit knapp einer Woche über das geniale Ende von Bioshock Infinite nachdenke und Videospiele - ich bin erst seit 2009 Gamer - in puncto Sophistication den traditionellen Spielfilmen langsam den Rang ablaufen.