Kajetan hat geschrieben:
What? Was ist denn das für eine Haltung? Ist Kritik am Kapitalismus nicht erlaubt, nur weil man selber in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem lebt?
Das hab ich wohl zu rigoros formuliert.
Wollte prinzipiell nur drauf aufmerksam machen, dass das System immer Produkt der Wechselbeziehungen zwischen Kunde und Industrie ist. Niemand kommt auf den Gedanken, Menschen aus Böswilligkeit mit bescheuerten Werbespots zu nerven, sondern weil sich praktische Gründe dafür ergeben.
Insofern würde ich dem "System" als abstraktes Gebilde auch keine amoralische Energie vorwerfen- jedenfalls nicht, ohne im Detail zu beleuchten, welchen Beitrag jeder einzelne dazu leistet.
Und wo wir schon dabei sind:
So richtig versteh ich nicht, warum sich Gamedesigner oder irgendwelche anderen Kreativköpfe, die mit ihrer Arbeit Geld verdienen, hundertprozentig von Kundenwünschen abhängig machen sollten. Mal die Profitträchtigkeit außen vorgelassen.
Schließlich pisst man auch keinem Scorcese an's Bein, weil im Film jemand stirbt, den man am Leben sehen wollte. Tut man schon, aber nicht auf derart unprofessionelle Art und Weise, wie das in der Spielewelt getan wird ("ich wünsche denen allen den Bankrott an den Hals!"). Fande den Zirkus um ME 3 dazumal mehr als albern.
Also kurz gesagt: wenn jemand etwas schöpft, tut er das nur teilweise aus Gewinnbezogenheit, sondern weil ihm kreative Arbeit Spaß macht und er sich auch, im Idealfall, den Arsch dafür aufreißt, etwas gutes auf den Weg zu bringen.
Damit sprech ich jetzt nicht die ganze Sparte an, die sich auf's plumpe Taschengeldziehen spezialisiert hat, sondern Spiele, die handwerklich solide sind, aber aus bestimmten Gamedesigngründen polarisieren.
Und zum zweiten Punkt: welche praktikablen Wirtschaftssysteme wären denn noch im Angebot? Wenn man mal optimistisch davon ausgeht, dass wir in der statuierten sozialen Marktwirtschaft leben.