Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

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billy coen 80
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von billy coen 80 »

muecke-the-lietz hat geschrieben:Bevor man hier noch heftig weiter rum diskutiert, sollte man sich vielleicht auch mal den politischen Background solcher Aktion näher anschauen. Direkt nach dem Amoklauf gab es überhaupt keine "Killerspiel" Debatte, sondern eine ernsthafte Überlegungen zur Einschränkung des Waffenrechtes.

Die NRA hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch bedeckt gehalten und nichts weiter gesagt. Selbst als neben Obama auch einige Republikaner eine Einschränkung nicht mehr grundsätzlich ablehnten, hüllte sich die NRA noch in Schweigen.

Erst eine Woche nach dem Massaker wurde ein öffentliches Statement abgegeben, welches nicht nur die Schuld bei den Medien suchte (im allgemeinen, nicht nur bei den Games) sondern auch in der zu geringen Bewaffnung der Lehrer. Somit hat man versucht, die Mitschuld des Waffenrechts an dem Amoklauf abzuschmettern.
Nun sollte natürlich jeder halbwegs gesunde Mensch so eine perfide Masche auch als solche erkennen, immerhin ist es die National Rifle Assossiation und nicht irgendein Kindergartenverein. Die Ziele dieser Organisation sind ja seit jeher bekannt. Und doch haben einige tatsächlich ein offenes Ohr für solche Aussagen, wenn die Zeiten so dunkel scheinen.
Eigentlich sollte man solche Leute aus seiner Stadt und seinem Land jagen, die nach so einem tragischen Vorfall bewaffnete Lehrer und bewaffnete Sicherheitsleute an Grundschulen verlangen (wodurch Waffen schon im Grundschulalter noch selbstverständlicher würden, als ohnehin schon).

Aber durch die Stärke der Waffenlobby und das reine Selbstverständnis vieler Amerikaner, was das Waffenrecht anbelangt, schenkt man solch verrückten Aussagen Gehör. Und dann möchte man plötzlich einen offenen Diskurs anregen, indem man öffentlich moderne Medien vernichtet. Somit richtig sich die ganze Aufmerksamkeit plötzlich auf einen anderen Schuldigen und die NRA hat erreicht, was sie wollte. In meinen Augen ist das ein einfacher, aber recht genialer Schachzug gewesen, gerade wenn die Leute so blind vor Hass und Angst sind.

In Deutschland macht so eine Aktion irgendwie Sinn, einfach, weil unser Selbstverständnis viel pazifistischer ist. Waffen sind bis auf Ausnahmen verboten, Gewaltverherrlichung ist per Gesetzt untersagt und die deutschen Gesetzteshüter machen seit jeher Jagt auf gewalthaltige Inhalte. Da besteht eine viel tiefer gehende Abneigung gegen Gewalt in Medien.

Aber in einem Land, in dem man in vielen Bundesstaaten einfach so frei Waffen und Munition kaufen kann, welches eine unglaublich aggressive Außenpolitik pflegt, einem Land, welches bis heute nicht begriffen hat, wie falsch der Vietnam Krieg war, wirkt es fast schon lächerlich, wenn man bei all dem Wahnsinn plötzlich alle Schuld auf die Spiele lenken will.

Und das ist meine Meinung zu der Aktion.
Das ist deine Meinung, und ich halte die für hundertprozentig richtig! :Daumenlinks:
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muecke-the-lietz
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von muecke-the-lietz »

billy coen 80 hat geschrieben:
[...]

Zu der Sache mit dem Hinterfragen der Gewalt in Spielen: Sehe ich auch so. Wenn sich inzwischen jeder Kriegsshooter mit Texten brüstet, in denen von "noch realistischer" u. s. w. gesprochen wird, frage ich mich schon:
1.) Muss das wirklich sein?
2.) Will das überhaupt jemand?

Mal ehrlich, wer glaubt denn wirklich, dass es im Krieg wirklich mit so cooler Action abgeht wie in CoD und Konsorten? Und wenn das einer glaubt, dann hat der in meinen Augen genauso einen stattlichen Sockenschuss, wie jemand, der das nicht glaubt, es aber gerne WIRKLICH realistisch hätte, also mit allem was dazu gehört: von Granaten zerfetzte Soldaten, die ihre Eingeweide einsammeln während sie langsam, elendig verrecken; Kinder, die vor den Augen ihrer Mütter hingerichtet werden, bevor man die Mütter vergewaltigt, nur um sie dann anschließend ebenfalls brutal umzubringen; und dann noch ganz andere Dinge, die in Kriegen Alltag sind, aber so abartig, dass man sie sich so auf die Schnelle gar nicht vorstellen kann.

Aber man sieht ja auch in diesem Thread, dass es durchaus Spieler gibt, die das alles auch durchaus kritisch hinterfragen und nicht nur sagen: "Waaaaaaas??? Spiele können ja auf gar keinen Fall auch nur im Entferntesten irgend etwas mit der Psyche eines Menschen anstellen, egal wie abartig sie sind und wie exzessiv man sie konsumiert."

Auch die berühmte Flughafenszene aus CODMW2 wurde ja von vielen Spielern damals hart kritisiert, weil sie einfach nur wirkte, wie eine plakative, aufgesetzte Dreingabe, nur zum Zwecke des Auf-Sich-Aufmerksam-Machens, weil sie auch erzählerisch überflüssig war. Man kann einen Antagonisten letztlich auch auf geschmackvollere Weise als Bad-Ass darstellen, als den Spieler in eine interaktive Hinrichtung dutzender sowohl arg- als auch wehrloser Zivilisten zu hetzen.

Kurzum, ich erkenne inzwischen deutliche Fortschritte auf beiden Seiten. Die Medien hetzen nicht mehr und die Spieler stellen sich nicht mehr (wie in älteren Threads noch geschehen) bedingungslos und ohne jede Reflexion vor ihr Lieblingsspielzeug. Das kann also alles noch was werden. :wink:
Es hat ja damals auch Sinn gemacht, ganz einfach, weil die Spiele zum Teil affig waren und die genannten Beispiele wie GTA San Andreas, WoW und Counterstrike nun einmal auch immer völlige Fehlgriffe waren, was Sündeböcke anbelangt. Entweder waren die Spiele ab 16, waren Rollenspiele, Teamshooter, etc. Die wirklich heftigen Spiele wurden doch auch nach der Steinhäusersache nie so richtig ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Und selbst diese Spiele waren aufgrund ihrer abstrakten Darstellung immer eher harmlos. Und da hatten die Spieler auch jedes Recht, sich darüber lustig zu machen, denn die ganze Situation war sehr affig.

Das sieht im Jahre 2013 aber anders aus. Ersteinmal sehen die Spiele seit Doom 3, Half Life 2, Fear und CoD: MW so unglaublich gut aus, das die reine Abstraktheit die Spiele nicht mehr schützt. Zum Zweiten werden viele Spiele so auf "realistisch", sprich sinnlos brutal, getrimmt, dass man den Kopf gegen die Wand schlagen könnte und zum Dritten sprießen diese strunzdämlichen Hirnlosshooter wie Pilze aus dem Boden. Dazu kommt dann noch, dass quasi kein Spiel mehr ohne heftig dargestellte Gewalt auskommt.

Und das sehen sogar viele Spieler. Man kann das Argument der stumpfen und brutalen Spiele also mittlerweile nicht mehr einfach abschmettern, weil es nicht mehr zeitgemäß ist. Es muss eine neue Strömung her, die sich gegen übermäßige Tumpfheit, sinkende Komplexität und viel zu häufig vorkommende Gewalt richtet. Für die XBox 360 gibt es kaum ein richtig großes 3D Jump n Run, "nur" 2D. Die sind dann oft genial, aber eben retro angehauchte Arcade Titel, bis auf Rayman Origins. Das ist tatsächlich mega.
Action Adventures ala Zelda sucht man vergebens, dafür hat man Fable so strunzdämlich gemacht, dass man den dritten Teil mit den Füßen spielen und nebenher essen kann. Dafür wurden Blut und Tötungsanimationen hochgefahren - somit wurde aus einem naiven FSK 12 Action Rollenspiel ein FSK 16 Obertrottel Spiel. Nur mal so als Beispiel, wo man überall Gewalt in Games findet, wo man sie eigentlich gar nicht vermutet.

Das stört mich persönlich am meisten. Ich möchte durchaus mein Dead Space schön blutig haben, aber ich möchte nicht jedes Spiel blutig und brutal haben. Warum kann man in Far Cry 3 seine Ausrüstung wie Waffengurte, Rucksack und Brieftasche nur durch das Töten zum Teil stark bedrohter Tierarten verbessern? Was will man dem Spieler sagen, wenn man ihn zwingt auf wehrlose Tapire und Meeresschildkröten zu schießen? Das macht im Kontext wenig Sinn, sondern ist vor allem mal eins - sinnlos brutal. Der Rest ist ja ok, ist halt ein Shooter mit ein bisschen Stealth Kram, da geht es schon mal ruppig zur Sache, aber das Tiere Jagen ist mehr als fragwürdig, zumal die meisten Tiere ja auch super einfach zu erlegen sind. Gewalt ohne Anspruch wäre da mal wieder mein Stichwort.
Aber das zieht sich ja durch die gesamte Branche. Ich wäre grundsätzlich mal für einen Diskurs, ob Spiele nicht auch ohne Gewalt unterhalten können. Das konnten sie vor ein paar Jahren zum Großteil nämlich noch.
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Kajetan
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von Kajetan »

billy coen 80 hat geschrieben:Zu Kajetan: Klar ist eine Diskussion durchaus positiv zu sehen. Wollte damit ja auch nicht sagen: "Haltet endlich die Klappe!" :lol: Ist halt leider nur ein typisches Charakteristikum von Internetforen, dass zwischen den gut und differenziert argumentierten Posts immer wieder die sich ständig wiedeholenden, reflexartigen Parolen kommen, die zwar schon irgendwie ne (sehr polarisierte) Meinung rüber- aber die Diskussion nicht wirklich voranbringen.
Damit muss man lernen zu leben, auch wenns manchmal immer noch schwer fällt bei manchen Kommentaren nicht laut aufschreiend selbigen Schrei mit heftigen Bissen in die Tischkante zu unterdrücken :)

Und wichtig ist so eine Diskussion ja nicht nur wegen des Vorwurfs, Spiele seien für solche Taten mitverantwortlich zu machen, sondern vor allem und zu erst, damit innerhalb der Spieleszene endlich mal auf etwas breiterer Front darüber reflektiert wird "was man da so eigentlich spielt" (Frage eines MTV-Moderators an das Publikum zu einer damaligen Review zu CoD MW1 bezüglich diverser Szenen im Spiel). Und dieses Sichselbstfragen "Was spiele ich da eigentlich", das sollte, nein, das MUSS Stück für Stück auch den Leuten nahegebracht werden, die sich solche Gedanken bislang noch gar nicht gemacht haben, die solche Spiele gedankenlos konsumieren und dann zum Alltag übergehen, als sei nichts geschehen.

Und wenn man diese Diskussion dauerhaft in die breite Masse tragen kann, dann hat man auch gute Chancen, dass gerade die Majors diese Fixierung auf exzessive Gewaltdarstellung wieder zurückschrauben, weil sich für solche Spiele nach und nach weniger Käufer finden. Alternativ kann man auch darauf warten, dass es die Majors in ihrer extremeren Mainstream-Ausrichtung früher oder später selbst zerlegt und sich dieses spezielle Phänomen selber löst. Letzteres Szenario halte ich übrigens für wahrscheinlicher als ein inhaltlicher Bewusstseinswandel bei den Leuten, die heute begeistert zu solchen Spielen greifen.
Dirki777
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Beitrag von Dirki777 »

Mir ist aufgrfallen, dass diese heutige Generation mir schon am arsch vorbeigeht, weil mir eben auch der Realismusgrad irgendwie abschreckt. Für mich sind das irgendwie keine Spiele mehr, dann lieber Residnent Evil 2 oder sowas und dieses könnte man heute locker ab 16 Jahren vertreiben, denn dort steckt Spiel und spaß drin. So empfinde ich das.
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Comsite
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von Comsite »

Was soll man da sagen, die Amis werden mir in letzter Zeit mit jedem Artikel unsympathischer. Ich frage mich, ob momentan nur verstärkt berichtet wird, oder ob es tatsächlich schlimmer geworden ist.

Ein Blutbad folgt dem nächsten, die Amis bewaffnen sich stärker als je zu vor, Spiele werden verbrannt, schutzsichere Schulkleidung ist der neue Trend...
Ich hasse ja allgemein die ganze mediale Panikmache, aber für mein geplantes Auslandsjahr ziehe ich England inzwischen Amerika vor... :?
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Kajetan
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von Kajetan »

Comsite hat geschrieben:Ich hasse ja allgemein die ganze mediale Panikmache, aber für mein geplantes Auslandsjahr ziehe ich England inzwischen Amerika vor... :?
Soso, Du willst also in ein Land, wo mittlerweile an jeder Ecke Videokameras der Polizei stehen, wo gesellschaftspolitisch die alte englische Klassentrennung wieder auf dem Vormarsch ist? Na dann ...
johndoe553505
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von johndoe553505 »

An alle Gutmenschen: Wer von euch hat denn erst mit 18 angefangen "Killerspiele" gespielt? Also jetzt mal ernsthaft... :roll:
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muecke-the-lietz
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von muecke-the-lietz »

Meisterdieb1412 hat geschrieben:An alle Gutmenschen: Wer von euch hat denn erst mit 18 angefangen "Killerspiele" gespielt? Also jetzt mal ernsthaft... :roll:
Gutmensch ist als Begriff mal sowas untragbar, nur mal so am Rande. Bitte kurz vorher schlau machen, aus welchem Wortschatz man seine Einwürfe schöpft.

Außerdem geht es hier nicht generell um FSK 18 Titel und ihre Verteufelung, sondern die Omnipräsenz von Gewalt in allen möglichen Spielen.
Erstmal waren damalige FSK 18 Titel zum Großteil albern, aber das ist eh eher eine persönliche Wahrnehmung, nebenher hatte man aber auch einfach so einen großen Schatz an guten Alternativen.
Bei meiner XBox 360 habe ich aber fast nur +16 Titel stehen, egal aus welchem Genre.

Nochmal: In der Kritik geht es nicht darum, brutale Spiele als gefährlich und schlecht ab zu tun und auf deine Frage hin, wird hier jeder erwischt rot werden im Gesicht, es geht schlicht um den Ersatz sinnvoller Spieleinhalte durch sinnlosen Einsatz von Gewalt. Überall.

Wer heute mit seinen Kids noch tolle und komplexe Spiele zocken will und nicht nur dieses dämliche Rumgefuchtel vor der Konsole, kommt um Arcade Titel und die Wii nicht herum. Und genauso wenig, doch nochmal die alte Ps2 oder gar das N64 raus zu holen.
Aber gerade auf Microsofts Konsole machen sich gute, komplexe und jugendfreundliche Titel rar.
Zuletzt geändert von muecke-the-lietz am 09.01.2013 22:02, insgesamt 2-mal geändert.
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Kajetan
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von Kajetan »

Meisterdieb1412 hat geschrieben:An alle Gutmenschen: Wer von euch hat denn erst mit 18 angefangen "Killerspiele" gespielt? Also jetzt mal ernsthaft... :roll:
In der Schule würde man jetzt sagen: Thema verfehlt, Ungenügend!
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muecke-the-lietz
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von muecke-the-lietz »

So kann man es auch sagen
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zipit
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von zipit »

Meisterdieb1412 hat geschrieben:An alle Gutmenschen: Wer von euch hat denn erst mit 18 angefangen "Killerspiele" gespielt? Also jetzt mal ernsthaft... :roll:
was hat das alter mit der akzeptanz von 'Killerspielen' zu tun. diese künstliche trennung ist doch eine
der größten lügen überhaupt. ein zwanzigjähriger ist auf lange sicht ebenso beeinflusbar wie ein vierzehnjähriger. diese grenze wurde letztendlich nur willkürlich gezogen und ist in diesem fall völlig
unbrauchbar. auch zu implizieren, dass ein drängen auf den reflektierten umgang mit gewalt in
computerspielen, nur aus einer laune zur selbstdarstellung entspringe, kann man bestenfalls als
unüberlegt bezeichnen.

übrigens, dir ist die konnotation des wortes 'gutmensch' bewusst ? das wort wurde vorallem in den
letzten jahren nicht nur im deutschsprachigem raum stark von antimultikulturalistischen / rechten
strömungen für sich beansprucht.
Armin
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von Armin »

muecke-the-lietz hat geschrieben: Wer heute mit seinen Kids noch tolle und komplexe Spiele zocken will und nicht nur dieses dämliche Rumgefuchtel vor der Konsole, kommt um Arcade Titel und die Wii nicht herum. Und genauso wenig, doch nochmal die alte Ps2 oder gar das N64 raus zu holen.
Aber gerade auf Microsofts Konsole machen sich gute, komplexe und jugendfreundliche Titel rar.
Komplexe Spiele auf dem WII,PS2 oder N64? AHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA, HOHOHOHOHOHOHOHOHOHOHOH, HIHIHIHIHIHIHIHIHIH HAHAHAHAHAHAHA Oh mann der war gut.
mistermeister
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Beitrag von mistermeister »

Nett, da kann man sich nen Game um 10Dollar kaufen gibt es dann ab und kauft sich dann eines um 25Dollar ^^
billy coen 80
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von billy coen 80 »

Wie ja muecke-the-lietz schon angedeutet hat mit dem Beispiel Dead Space, muss, wenn über Gewaltdarstellungen in Medien diskutiert wird, auch immer das Augenmerk auf ein paar Aspekte gelegt werden, die zum Tragen kommen und so ja auch unter anderem von der USK bei der Einstufung bzw. eben Nichteinstufung eines Spieles berücksichtigt werden.

Zum Beispiel ist es wichtig, ob die Gewalt in irgendeiner Weise erzählerische oder atmosphärische Ziele verfolgt (wie im genannten Beispiel DS), oder ob sie völlig selbstzweckhaft wirkt. Es gab für PS2 und GC ein Spiel namens Gun, das im Wilden Westen handelte. Dieses Spiel galt als eines der für den deutschen Markt am stärksten geschnittenen Spiele seines Erscheinungsjahres. Seltsamerweise lesen sich aber selbst auf der Seite schnittberichte.com die Kommentare eher so: „da gefällt mir die geschnittene Fassung irgendwie besser“, und das obwohl die Forenuser da eigentlich immer ne totale Zensurparanoia schieben und sich über jeden einzelnen Frame aufregen, um den etwa eine Filmszene „gekürzt“ wurde. Was war der Grund für den „Sinneswandel“? Nun, die Gewaltdarstellung in der Uncut-Fassung wirkte für das Westernsetting einfach völlig deplatziert (platzende Köpfe, wegfetzende Gliedmaßen, und, und, und).

Bei God of War hingegen stört es einen eher weniger, wenn dort Kratos seine Gegner reihenweise zerstückelt, zermatscht, zer-was-weiß-ich. Da passt es einfach sowohl zum Protagonisten (ein extremst mies gelaunter Halbgott) als auch zum Setting, denn in den griechischen Sagen ging es ja auch tatsächlich nicht gerade zimperlich zur Sache. Könnte man im Gegensatz dazu wiederum in einem Spiel wie Assassin’s Creed Gegnern etwa den Bauch aufschlitzen, so dass ihre Därme rausquellen, würde man das wahrscheinlich einfach nur als widerlich und geschmacklos empfinden.

Ich weiß, dass man es in den teils sehr elitären Kreisen der 4players-Community nicht gerne sieht, wenn man sich positiv über einen Entwickler äußert, der eher Spiele für den Mainstream (iiiiiiiiiihhhhh!!!!!) programmiert, aber ich habe den Eindruck, dass die Jungs und Mädels von Naughty Dog da ein ziemlich feines Gespür für stets die richtige Dosis an Gewalt und den Detailgrad ihrer Darstellung haben. Während sich die Schießereien in Uncharted immer eher auf so einem schulhofartigen „Peng-Peng-Du-Bis-Tot“-Niveau bewegt haben, ohne Schadenstexturen, „kaputtbare“ NPCs und ohne Blutbefleckung von Umgebungstexturen, scheint es, nach allem was man gesehen hat, in The Last of Us doch deutlich ruppiger zur Sache zu gehen. Und beides lässt sich schlicht mit der angestrebten Wirkung erklären: in TLoU soll man den nackten Überlebenskampf spüren, da muss es dann auch schon mal etwas expliziter werden, bei Uncharted hätte eine explizitere Gewaltdarstellung hingegen die eher locker-flockige Abenteueratmosphäre, im Stile der Indy-Filme, kaputt gemacht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch, wie klar man den Spielinhalt als reine Fiktion erkennen kann. Auch da kann man, denke ich, ganz gut God of War und AC gegenüberstellen. Während sich letzteres um Authentizität bemüht, ist GoW deutlich als reine Fiktion zu erkennen und lässt sowohl vom Setting als auch der Gestaltung der Charaktere her keine kognitiven Bezüge zur Realität zu.

Was auch, und für die USK sogar ganz wesentlich, noch mitschwingt, ist die Bedeutung, welche die Gewalt für den gesamten Spielverlauf einnimmt. Ist sie inszenatorisches Beiwerk oder Kernelement des Spielerlebnisses?

Warum kann man z. B., seit der erste Teil vom Index genommen wurde, die komplette Hitman-Reihe in Deutschland ganz legal uncut im Handel erwerben, während andere Spiele, die zum Teil deutlich weniger explizit sind, indiziert und in Einzelfällen sogar beschlagnahmt werden (ich meine: Hallo, in Hitman Absolution kann man Gegner ausschalten, indem man ihnen gezielt Feueräxte in den Kopf wirft)? Der Grund ist schlicht und ergreifend, dass diese Vorgehensweise nicht das Kernelement des Spiels darstellt, tatsächlich sogar durch Abzüge in der Endbewertung bestraft wird, während z. B. in einem Shooter die Gewalt fast immer die einzige Möglichkeit ist, die einem das Spiel zur Problembewältigung an die Hand gibt.

Diese Betrachtungsweisen gehen aber in der Regel in den altbekannten „Killerspieldebatten“ immer wieder völlig unter. Da wird dann meist nur auf ganz und gar aus dem Zusammenhang gerissenen Szenen herumgeritten. Das führt dann auch dazu, dass, wie muecke auch schon angemerkt hat, komplett absurde Beispiele für „Killerspiele“ herangezogen werden und die wirklich widerlichen Beispiele kommen gar nicht erst auf den Tisch. Wobei die WIRKLICH widerlichen Spiele kennen selbst wir in der Regel alle gar nicht (obwohl wir uns ja mit dem Medium Videospiel als unserem Hobby vergleichsweise stark auseinandersetzen und viel darüber wissen), weil diese nicht nur in Deutschland sondern meist gleich in ganz Europa verboten werden, bevor sie überhaupt für den Massenmarkt produziert werden können. Das ist in den USA meines Wissens nach nicht so. Dort kommt praktisch alles so auf den Markt, wie es auch vom Entwickler programmiert wurde (natürlich vorausgesetzt, es enthält keine sexuellen Implikationen :roll: ). Insofern würde mit Sicherheit in den USA mal eine wirklich konstruktive Auseinandersetzung mit Gewalt in Medien mit Sicherheit noch weit mehr Sinn machen, als es bei uns der Fall ist. Also ist der Gedankenansatz, den der Herr dort genannt hat gar nicht mal so verkehrt, nur halte ich halt, wie gesagt, diese Aktion für diesbezüglich absolut nicht zielführend.
anigunner
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Re: Allgemein: USA: Spieleverbrennung wegen Amoklauf

Beitrag von anigunner »

Kajetan hat geschrieben: Und wichtig ist so eine Diskussion ja nicht nur wegen des Vorwurfs, Spiele seien für solche Taten mitverantwortlich zu machen, sondern vor allem und zu erst, damit innerhalb der Spieleszene endlich mal auf etwas breiterer Front darüber reflektiert wird "was man da so eigentlich spielt" (Frage eines MTV-Moderators an das Publikum zu einer damaligen Review zu CoD MW1 bezüglich diverser Szenen im Spiel). Und dieses Sichselbstfragen "Was spiele ich da eigentlich", das sollte, nein, das MUSS Stück für Stück auch den Leuten nahegebracht werden, die sich solche Gedanken bislang noch gar nicht gemacht haben, die solche Spiele gedankenlos konsumieren und dann zum Alltag übergehen, als sei nichts geschehen.
Das ist ein Aspekt den ich auch schon länger herbeisehe. Nicht weil ich pazifistisch veranlagt bin oder Shooter generell verachte (was sicher nicht der Fall ist), aber dieses unreflektierte konsumieren von solchen Spielen stört mich schon seit längerem. Es gibt auch von der Industrie kaum "Anti-Kriegspiele", so wie das z.B beim Film immer wieder vorgemacht wird. Einfach eine andere Sichtweise auf ein ähnliches Szenario wie bei den Waffenpornos. Man kriegt immer das gleiche vorgesetzt, aus dem immer gleichen patriotischem "Weltenretter"-Blickwinkel. Der Spieler muss keinerlei Verantwortung übernehmen oder sich moralisch mit der Situation auseinandersetzen, weil das Spiel gibt ihm alles vor. Das kann meines achtens nach eigentlich nicht der richtige Weg für so ein interaktives Medium sein.