Kajetan hat geschrieben:
Du verstehst nicht, was er Dir erklären will ...
Danke, Kajetan. Das war in der Tat, was ich ausdrücken wollte.
Broco hat geschrieben:
Oh, wenn jemand es als Teil seiner Religion ansieht, seine fremdgehende Ehefrau zu steinigen oder seine Tochter zu töten, weil sie unverheirateter Weise eine Beziehung führt, dann ist das also auch ok?
Selbstverständlich nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. Geschieht so etwas im Iran, in Libyen oder einem anderen Land, das völkerrechtlich nicht an eine grundlegend ähnliche Menschenrechtsauffassung gebunden ist, können wir das eben maximal verurteilen.
Broco hat geschrieben:In einer freien Gesellschaft darf es keine Tabus geben, was die Meinungsäußerung betrifft.
Doch, und die gibt es auch. Es gibt viele Rechte, die der Ansicht sind, dass das Hakenkreuz auch "nur" eine Meinungsäußerung wäre, und "freie Meinungsäußerung" wird auch immer wieder gern angeführt, wenn es um rohe Beleidigungen geht. Aber auch die Meinungsäußerung braucht Grenzen - gerade dann, wenn eine Meinung aufhört, lediglich Meinung zu sein, sondern einem anderem, destruktiveren Ziel folgt. Jeder Menschen darf jederzeit jede Meinung haben, die er will. Will er sie jedoch äußern, kennt auch dies aus guten Gründen Grenzen.
Broco hat geschrieben:Und der Zorn der Fundamentalisten wird nicht nur durch Schmähvidios oder Karikaturen erregt, sondern auch durch simplere Dinge, wie zum Beispiel einem harmlosen Satz in einer Videospieletextur.
Kaum. Um Dich daran zu erinnern: In diesem Falle (der CoD-Textur) hat der Youtuber lediglich erwähnt, dass ihn das stört. Keine Drohungen, keine Gewalt, nichts dergleichen. Er ist wahrscheinlich auch weder Fundamentalist noch Terrorist. Er hat lediglich von dem Recht Gebrauch gemacht, das Du selbst für schützenswert hältst; Freie Meinungsäußerung.
Ansonsten ist mir zu diesem Beispiel kein aggressiveres Verhalten bekannt.
Broco hat geschrieben:Artikel 5 des GG wird übrigens NICHT von der Religionsfreiheit eingeschränkt und kein Richter würde dir Recht geben, wenn du auf der Grundlage der Ehrverletzung argumentierst, denn damit würdest du auch Ehrenmorde rechtfertigen.
Jain. Du hast zwar Recht, indem Du sagst, dass Art. 5 nicht von der Religionsfreiheit eingeschränkt wird, durchaus aber von anderen, "höherwertigeren" Gesetzen und Abkommen. Es kommt auf den Einzelfall an.
Ehrenmorde indes sind ein untreffendes Beispiel, denn das beißt sich schließlich nicht mit Art. 5, sondern mit Art. 1 und 2 GG und dem staatlichen Gewaltmonopol. Vielleicht handelt es sich (in einem undefinierten Beispiel) um eine tatsächliche Ehrverletzung, aber dann wäre der Weg zur Genugtuung eben dennoch der Rechtsweg.
Broco hat geschrieben:
Nein, natürlich bin ich dagegen, die Souveränität islamischer Staaten zu verletzen, aber ich bin genau so wenig bereit, die Souveränität westlicher Staaten verletzt zu sehen und genau das tun Fundamentalisten, wenn sie Botschaften aufgrund von solchen Dingen stürmen.
Streng genommen tun sie das nicht. Der Sonderstatus von Botschaften unterscheidet sich von Staat zu Staat, und gerade in "kritischen" Nationen ist er ziemlich unsicher. Aber diese Hollywood-Geschichte von "Staatsgebiet des jeweiligen Landes" ist nicht wirklich zutreffend.
Aber ich weiß natürlich, was Du meinst.
Broco hat geschrieben:Ich bin dagegen, dass sich Botschafter für die Aussagen und Bilder heimischer Künstler entschuldigen müssen.
Ich im Prinzip auch. Aber..nun ja. Ein Botschafter/Diplomat weiß, welche Gefahren sein Job mit sich bringt, und letztlich ist es eben auch irgendwie die Aufgabe eines Diplomaten, genau solche Fälle zu behandeln - auch dafür befinden sie sich ja schließlich überhaupt dort. Wird eine Botschaft dennoch von einem wütenden Mob überrannt, wo Diplomatie wohl sowieso kaum mehr Wirkung zeigt, ist das in meinen Augen hauptsächlich ein Versagen der Sicherheits- und Polizeikräfte vor Ort, aus welchem man entsprechende Konsequenzen für den Weiterbetrieb der Botschaft ziehen sollte, aber wir sollten das nicht als Argument gegen den respektvollen Umgang mit einer ganzen Religion heranziehen.
Broco hat geschrieben:
Und andere Gesellschaften haben zu akzeptieren, dass wir damit lockerer umgehen als sie, genauso wie wir ihre Souveränität anerkennen und NICHT einmarschieren, wenn dort mal wieder eine Flagge verbrannt wird oder ein Mensch wegen Blasphemie gelyncht wird.
Aber
hier marschiert doch auch niemand ein. Ich hab' jedenfalls noch von keiner Kriegserklärung gehört, Du etwa?
Es handelt sich nach wie vor lediglich um einzelne Gruppen. Das hier ist schließlich kein "Kalter Krieg der Ethik und des Glaubens", in welchem es darum ginge, als Sieger hervorzugehen, auch wenn PI-News und co das beinahe so darstellen. Es geht einfach nur um eine gesunde Portion Rücksicht und Respekt vor einer anderen Religion. Eine Portion, die von jedem aufgeklärten Menschen erwartet werden kann und auch sollte.
LP 90 hat geschrieben:
Dannn bleibt aber die Frage inwiewit man den Nachgeben soll bis der Rubikon überschritten ist?
Vielleicht sollten wir überhaupt mal festlegen, aus welcher Perspektive wir eigentlich gerade schreiben.
Ich persönlich empfinde es nicht als Nachgeben, wenn ich bspw. eine Karikatur als Provokation bezeichne und nicht gutheiße. Nachgeben könnte nur der Zeichner (indem er nicht mehr zeichnet) oder der Gesetzgeber (wenn er es verbietet).
Ich bin ebenso wie Usul nicht der Meinung, dass alles, was als Angriff auf den Islam oder seine Anhänger empfunden werden könnte, verboten werden sollte, sofern es keine hetzerischen Ausmaße annimmt. Aber es nicht gutheißen, mögen oder unterstützen kann ich eben doch.
LP 90 hat geschrieben:imo ist meine Auffassung das eine Gesellschaft die allgemein auf Provokation mit Gewalt reagiert bzw. sich dazu ansacheln lässt nicht wirklich bereit zu kommunizieren.
Auch im Islam gibt es nicht nur Fundamentalisten. Was ist mit den gemäßigten Muslimen, die durch derartige Provokationen ebenfalls getroffen werden und infolge dessen überhaupt erst zu Fundamentalisten werden? Kollateralschäden?
Edit:
marschmeyer hat geschrieben:Kajetan hat geschrieben:
Schön, wie Du einige wenige gewaltsame Aktionen von Extremisten gleich mit der ganzen Gesellschaft gleichsetzt.
Möchtest du das südländische Naturell in Zweifel ziehen? Das könnte rein empirisch sehr schwer werden.
Was soll
das denn bitte heißen?