Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

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4P|Benjamin
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von 4P|Benjamin »

Ice-H hat geschrieben:Wenn man finanziell erfolgreich sein will dann ist Gesichtsanimation für solch tiefschürfende Emtionen wie Liebe oder Trauer enorm wichtig.
Das denke ich eben nicht. Eine Geschichte muss gut erzählt sein, man muss die Handlung auf eine bestimmte Art erleben - dann kann sie Gefühle auslösen. So sehr ich in emotionalen Szenen die Nahaufnahmen großartiger Schauspieler vergöttere: Gesichter sind nur ein Mittel zum Zweck - eins von sehr vielen.
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sYntiq
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Re: Kommentar

Beitrag von sYntiq »

Ice-H hat geschrieben:Nee ^^ Aber der Kommentar passt ja wunderbar auf das was ich meine.
In der Realität braucht man nicht nur Handlung und Story und Tod.
Da fühlt man sich auch mal traurig weil ein echter Mensch traurig ist und es über das Gesicht vermittelt.
Und das geht in Spielen einfach noch sehr schwierig
ja, schon, aber:

Mimik und Gestik sind AUCH ein Weg Emotionen zu erzeugen und rüberzubringen. Sie sind aber bei weitem nicht der Hauptweg.
Es wurden hier bereits so viele Beispiele für "Spiele die Emotionen wecken" erwähnt: Nur ein Bruchteil macht das über Gestik und Mimik. In sofern halte ich deine Aussage "die einfach mal zu knapp 90% über Mimik und Gestik kommen." für einfach mal komplett falsch.
Bei den bisherigen emotionalen Spielen ist es eher die Story, die gute und glaubwürdige Ausarbeitung des Charakters, die glaubhafte Welt die dafür sorgen dass du mit dem Charakter mitfühlst, dich mit ihm freust, mit ihm leidest usw. Es ist in den wenigsten Fällen Gestik und Mimik. Auch dass man bei Aerith so dermassen mitgelitten hat, lag wohl eher weniger an der Mimik als eher an dem sehr glaubwürdigem Drumherum. Ich meine... bei DER Grafik?
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Ice-H
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von Ice-H »

Übrigens: Was es, nach meiner Meinung noch unterstreicht ist diese wunderbare Umfrage hier bei 4Players. Was erwarte man von der kommenden Konsolengeneration. Die überwältigende Mehrheit erwartet einen großen Sprung in Grafik und Technologie. Das ist es, was sich der Massenmarkt wünscht. Das erwartet man von der Branche.
Wäre Grafik so irrelevant wie es viele hier darstellen, dann bräuchte man das nicht. Dann gäb es nicht das Loch in welchem sich die Publisher gerade befinden.
Die Konsolen stehen jetzt in mehr Wohnzimmern als jemals zuvor - also ist der Markt größer denn je. Aber der Käufer erwartet jetzt mehr von den Spielen. Mehr Grafik. Mehr Realismus. Und das kann die gegenwärtige Generation nicht mehr bieten. Die beiden Themen sind eng miteinander verflochten
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Ice-H
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Re: Kommentar

Beitrag von Ice-H »

sYntiq hat geschrieben:
Ice-H hat geschrieben:Nee ^^ Aber der Kommentar passt ja wunderbar auf das was ich meine.
In der Realität braucht man nicht nur Handlung und Story und Tod.
Da fühlt man sich auch mal traurig weil ein echter Mensch traurig ist und es über das Gesicht vermittelt.
Und das geht in Spielen einfach noch sehr schwierig
ja, schon, aber:

Mimik und Gestik sind AUCH ein Weg Emotionen zu erzeugen und rüberzubringen. Sie sind aber bei weitem nicht der Hauptweg.
Es wurden hier bereits so viele Beispiele für "Spiele die Emotionen wecken" erwähnt: Nur ein Bruchteil macht das über Gestik und Mimik. In sofern halte ich deine Aussage "die einfach mal zu knapp 90% über Mimik und Gestik kommen." für einfach mal komplett falsch.
Bei den bisherigen emotionalen Spielen ist es eher die Story, die gute und glaubwürdige Ausarbeitung des Charakters, die glaubhafte Welt die dafür sorgen dass du mit dem Charakter mitfühlst, dich mit ihm freust, mit ihm leidest usw. Es ist in den wenigsten Fällen Gestik und Mimik. Auch dass man bei Aerith so dermassen mitgelitten hat, lag wohl eher weniger an der Mimik als eher an dem sehr glaubwürdigem Drumherum. Ich meine... bei DER Grafik?
Ja und genau DAS habe ich ja auch gerade behauptet.
Aber damals hatte man keine bessere Grafik. Da konnte man sich nur auf die Handlung limitieren.
Deswegen zieht auch heute "Action" als Genre mehr: Weil die Mimik nicht in betracht gezogen werden muss (oder nur sehr eingeschränkt). Und deswegen ist trauriges oder sowas wie Liebe einfach noch so limitiert.

Sobald das mit der Mimik möglich ist, wird es in Spielen kommen: Und es wird die Intensität der Gefühle vervielfachen. Die 90% - das ist der zwischenmenschliche Wert >>in der Realität<< - und in Spielen geht das einfach noch nicht
johndoe1197293
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von johndoe1197293 »

Guter Kommentar!

Das ist natürlich eine billige Ausrede, die der Herr Hartmann verwendet. Alles auf die Technik schieben ist nicht ausreichend. Aber es ist verständlich, dass er dies sagt, weil es aus ökonomschen Gründen geschieht.

Im Endeffekt ist alles eine Sache des Drehbuchs und der Inszenierung wenn es um dieses Thema geht.
Metal Gear Solid hat mich beispielsweise schon damals emotional gepackt.

Für mich persönlich gab es noch nie solch emotional berührende Momente in Spielen wie es in dieser Generation der Fall war/ist.
MGS 4, Heavy Rain, Bioshock, The Darkness...sebst in einem Gears 3 ging es hier und da emotional berührend zur Sache.

Die Sache ist im Endeffekt die, dass Spiele nur ein Hobby sind, genauso wie Filme oder Musik.
Jeder kann sich auf seine Art unterhalten und unterhalten fühlen. Ob jemand sich ein "Brokeback Mountain" anschaut oder einen Blockbuster, spielt keine Rolle und niemand sollte darüber richten.
It`s just entertainment!
Zuletzt geändert von johndoe1197293 am 03.08.2012 14:39, insgesamt 1-mal geändert.
Sigistauffen
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von Sigistauffen »

The Darkness 2 hatte einen extrem gelungenen Comic-Look, herrlich ausdrucksstarke Gesichter, eine emotionale Geschichte, die in wunderbarem Kontrast zum Dauergesplatter stand, und es war ein 2012 release von 2K. Solange sich die hauseigenen Studios also nicht nach dem völlig aus der Luft gegriffenen Gelaber der Führungsetage richten ist alles gut.
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Ice-H
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von Ice-H »

4P|Benjamin hat geschrieben:
Ice-H hat geschrieben:Wenn man finanziell erfolgreich sein will dann ist Gesichtsanimation für solch tiefschürfende Emtionen wie Liebe oder Trauer enorm wichtig.
Das denke ich eben nicht. Eine Geschichte muss gut erzählt sein, man muss die Handlung auf eine bestimmte Art erleben - dann kann sie Gefühle auslösen. So sehr ich in emotionalen Szenen die Nahaufnahmen großartiger Schauspieler vergöttere: Gesichter sind nur ein Mittel zum Zweck - eins von sehr vielen.
Da stimme ich auch vollkommen zu. (übrigens sollte die Kritik nicht persönlich gemeint sein - hoffe sie klang nicht zu hart. Ich setze mich gerne mit euren Kommentaren auseinander ^^)

Aber man merkt erst wie "leer" ein Film oder eine Szene wirken kann, wenn man die Gesichter einfach wegnimmt.
Als ich das erste Mal Final Fantasy 10 gespielt habe (Final Fantasy ist einfach mein Lieblingsbeispiel für viele Arten von Emotionen)
da traf eine tolle Geschichte auf klasse Grafik - und Gesichtsanimationen wie ich sie so in einem Spiel noch nie gesehen habe. Das Verhältnis von Tidus und Yuna hätte man lediglich in Gesichtsaudrücken erzählen können. Die Verzweiflung und Angst und der Druck und ... ich konnte das nachvollziehen nur bei dem Anblick.

Ich heule jedes Mal bei der Endsequenz von Crisis Core - und die zieht ja "nur" auf die Gesichter von Zach und Cloud.

Ich denke man unterschätzt die Mimik bei solch komplexen Emotionen doch sehr - und ich bin mir sicher: Das was ich hier in den Spielen beschreibe ist nur ein Vorgeschmack darauf wie sehr man sich emotional binden kann wenn die Grafik noch weiter ist
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crewmate
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Re: Kommentar

Beitrag von crewmate »

Ice-H hat geschrieben:
mr archer hat geschrieben:
crewmate hat geschrieben:
Nein. Und das ist nur ein Beispiel von Vielen.
http://www.youtube.com/watch?v=2kgZZ89mh-Q
Hab ich auch durch gespielt.
Limbo ist n klasse Indie Hit und ich liebe - sogar meine Freundin liebt es.
Aber es gibt auch genug Leute die damit garnix anfangen können
NATÜRLICH nicht. Was bitte gefällt schon jedem (außer Columbo)?
So viele Millionen Menschen auf der Welt, da muss man sich schon wirklich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner konzentrieren. Und es ist gut so, wenn Spiele das machen.

Ich habe kein Problem. Dank Download (Indi-)Spiele, Kickstarter etc haben wir die größte Auswahl aller Zeiten. Playdead und 2DBoy hatten doch nie die Absicht, an Call of Duty heran zu kommen. Das ist eine absurde Unterstellung.

Als "Geschäftsmann" solltest du auch wissen, das Marketing ein dicker Batzen Anteil daran hat. Deswegen war Inception zB ein Hit und Scott Pilgrim Kassengift. Charakterliche und gewisse psychologische Tiefe, krassen visuellen Effekten und Action. Und ein gutes Marketing mit geilen fetten Trailern. Trotzdem ein Kassenhit. Oder die beiden Portals, die Maschinen eine gewisse Persönlichkeit vermitteln konnten und ein großen Geheimnis um Apature Sciene aufbauen konnten. Geschickter Schachzug von Valve, den ersten Teil den Spielern in der Orange Box unterzujubeln. Die Spieler entdeckten es und machten es in den Magazinen zum Spiel des Jahres. Heavy Rain mit 2Mio Verkäufen weltweit. Achtungserfolg, auch: Dank des Marketings, bei Portal dank der pfiffigen Veröffentlichungsstrategie in der Orange Box.

New Vegas, mit den tollen Erweiterungen. Lonely Heats, Old World Blues, Dead Money. Meisterleistung der Autoren. Crysis 2, das sich überraschenderweise viele Zeitgeist Fragen stellte, wie die zunehmende Abhängigkeit von moderner Technik. 8O

Nein, das reicht noch lange nicht Call of Duties Zweistellige Millionenverkäufe. Das spielt auch keine Rolle. Denn so lange wir Vielfalt haben, beschwere ich mich nicht. So lange wir alle was geiles zu zocken bekommen, sollte niemand was zu kacken haben. 8) Deswegen befürworte ich die Rückkehr von XCOM als Strategiespiel, obwohl das nicht mein Genre ist. Ich gönne es den alten Säcken und Stratefiefans.

Da bin ich auch sehr gespannt auf die neue Konsolengeneration und der weitere Werdegang des PCs. Das war eine richtig geile Generation für mich. :D Tolle Spiele mit dem miesesten, korruptesten Geschäftsmodel aller Zeiten. DRM, Onlinepässe, Always-Online, Accountbindung, On-Disc-DLC.
Zuletzt geändert von crewmate am 03.08.2012 14:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Ice-H
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Re: Kommentar

Beitrag von Ice-H »

NATÜRLICH nicht. Was bitte gefällt schon jedem (außer Columbo)?
So viele Millionen Menschen auf der Welt, da muss man sich schon wirklich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner konzentrieren. Und es ist gut so, wenn Spiele das machen.

Ich habe kein Problem. Dank Download (Indi-)Spiele, Kickstarter etc haben wir die größte Auswahl aller Zeiten. Playdead und 2DBoy hatten doch nie die Absicht, an Call of Duty heran zu kommen. Das ist eine absurde Unterstellung.

Als "Geschäftsmann" solltest du auch wissen, das Marketing ein dicker Batzen Anteil daran hat. Deswegen war Inception zB ein Hit. Charakterliche und gewisse psychologische Tiefe, krassen visuellen Effekten und Action. Und ein gutes Marketing mit geilen fetten Trailern. Trotzdem ein Kassenhit. Oder die beiden Portals, die Maschinen eine gewisse Persönlichkeit vermitteln konnten und ein großen Geheimnis um Apature Sciene aufbauen konnten. Geschickter Schachzug von Valve, den ersten Teil den Spielern in der Orange Box unterzujubeln. Die Spieler entdeckten es und machten es in den Magazinen zum Spiel des Jahres. Heavy Rain mit 2Mio Verkäufen weltweit. Achtungserfolg, auch: Dank des Marketings, dank der pfiffigen Veröffentlichungsstrategie in der Orange Box.

New Vegas, mit den tollen Erweiterungen. Lonely Heats, Old World Blues, Dead Money. Meisterleistung der Autoren. Crysis 2, das sich überraschenderweise viele Zeitgeist Fragen stellte, wie die zunehmende Abhängigkeit von moderner Technik.

Nein, das reicht noch lange nicht Call of Duties Zweistellige Millionenverkäufe. Das spielt auch keine Rolle. Denn so lange wir Vielfalt haben, beschwere ich mich nicht. So lange wir alle was geiles zu zocken bekommen, sollte niemand was zu kacken haben.

Da bin ich auch sehr gespannt auf die neue Konsolengeneration und der weitere Werdegang des PCs. Das war eine richtig geile Generation für mich. Tolle Spiele mit dem miesesten, korruptesten Geschäftsmodel aller Zeiten.
/sign (abgesehen vom letzten Absatz - denn ich denke : Die korruptesten Geschäftsmodelle "are yet to come" ;) )
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sYntiq
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Re: Kommentar

Beitrag von sYntiq »

Ice-H hat geschrieben:Ja und genau DAS habe ich ja auch gerade behauptet.
Aber damals hatte man keine bessere Grafik. Da konnte man sich nur auf die Handlung limitieren.
Deswegen zieht auch heute "Action" als Genre mehr: Weil die Mimik nicht in betracht gezogen werden muss (oder nur sehr eingeschränkt). Und deswegen ist trauriges oder sowas wie Liebe einfach noch so limitiert.

Sobald das mit der Mimik möglich ist, wird es in Spielen kommen: Und es wird die Intensität der Gefühle vervielfachen. Die 90% - das ist der zwischenmenschliche Wert >>in der Realität<< - und in Spielen geht das einfach noch nicht
Dann haben wir da (evtl?) halbwegs aneinander vorbeigeredet. Für mich klang deine Aussage halt so als ob Emotionen auch in Spielen zu 90% nur durch Mimik und Gestik zu erzeugen ist.

Allerdings: Ja, wenn Mimik in Spielen glaubhafter rübergebracht werden kann, sorgt es nur für noch mehr Immersion. ABER: Wenn die Story, bzw. die Ausarbeitung des Charakters einfach völlig fehlen oder völlig lächerlich sind, würde mich reale Mimik eines Spielcharakters völlig kalt lassen. In sofern auch hier: Mimik und Gestik kann Emotionen unterstützen, der Schwerpunkt liegt aber bei der Glaubwürdigkeit/Ausarbeitung von Story, Welt und Charakteren.

Achja, dein "Die 90% - das ist der zwischenmenschliche Wert >>in der Realität<<" sehe ich auch anders. Wenn ich in Bus und Bahn jemanden sitzen sehe der weint/herumheult, dann frage ich evtl. was los ist, aber emotional ergriffen fühle ich mich nicht. Damit ich auch emotional mit eingebunden werde und evtl. gleich mitheule, muss ich die Person und das dahinter besser kennen. Womit wir wieder bei der Ausarbeitung des Charakters wären. ;)

Aber mir kommt gerade ein anderer Gedanke. Vieleicht meinen wir tatsächlich unterschiedliche Dinge:

Emotionen ERKENNEN tut man an seinem Gegenüber tatsächlich am ehesten (90%?) über dessen Gestik und Mimik.
Um Emotionen bei einem selbst zu ERZEUGEN (und darum ging es ursprünglich bei Hartmanns Aussage, denke ich) braucht es aber eher andere Dinge.
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Ice-H
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von Ice-H »

Jop. Ich stimme dir absolut zu was die Story angeht. Auch in einer Zeit, in der Fotorealismus der Standard der Spieleindustrie sein wird es noch Spiele geben..... die Kacke sind ^^
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sYntiq
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von sYntiq »

Ice-H hat geschrieben:Jop. Ich stimme dir absolut zu was die Story angeht. Auch in einer Zeit, in der Fotorealismus der Standard der Spieleindustrie sein wird es noch Spiele geben..... die Kacke sind ^^
Und trotzdem werden auch zukünftig Müll-Spiele und solche die voller Bugs sind und/oder ständig abstürzen bei mir ganz bestimmte Emotionen auslösen. :P
johndoe1197293
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von johndoe1197293 »

mr archer hat geschrieben:
Ice-H hat geschrieben: Allerdings gehöre ich auch, genauso wie der Hauptteil aller Personen die diesen Artikel lesen und kommentieren werden, zu der Gruppe der Core Gamer.
Ich bin mit Spielen aufgewachsen und die oben genannten Spiele waren für mich genauso traurig wie es erwähnt wird.
Allerdings, und so sehe ich es auch, geht es hier nicht um die Perspektive des einzelnen Spielers sondern um die eines Studios welches Geld verdienen muss. Eines, dass nicht wie die "ganz Großen" das Geld einfach mal raushauen kann sondern welches wirtschaften muss.

Ein solches Studio produziert Spiele für die breite Masse - die Rede ist von AAA-Titeln.
Das ist zynisch und ich finde dieses Argument, entschuldige bitte, erbärmlich. Denn es sagt letzlich nichts anderes als "Die Masse ist dumm". Ich finde das elitär. So einfach sollten wir es den Publishern nicht machen.

Außerdem stimmt es nicht. Nolans Batman - Filme sind AAA-Produkte reinsten Wassers. Und trotzdem haben sie Anspruch. Und die Masse geht hin. Es geht also sehr wohl. Übrigens auch im Videospiel: Bioshock. GTA IV. Für europäisches Verhältnisse auch Witcher 2. Und natürlich auch Mass Effect. Alles AAA. Finanziell erfolgreich. Und sicherlich nicht anspruchslos.

Was sol denn an dem Post "erbärmlich" sein? Das hat nichts mit Zynismus oder elitärem Denken zu tun. Es ist einfach eine realistische Sichtweise.
Es ist ein wenig arm, so etwas gleich als "erbärmlich" zu degradieren.

Dein "Dark Knight" Beispiel ist ziemlich daneben und Folge einer falschen Kausalitätskette.
Du glaubst doch nicht wirklich, dass "die Masse" sich die Reihe angeschaut haben, weil dort ach so viele sozial relevante und/oder wirtschaftliche Probleme behandelt werden oder, dass sie nur einen Bruchteil der Themen überhaupt mitbekommt oder verarbeitet. Das ist Unsinn! Der Großteil des Publikums schaut sich die Filme an, weil sie einfach bombastisch inszeniert sind und weil es sich hierbei um eine der erfolgreichsten Comicfiguren handelt. Darüberhinaus wird soviel Geld in die Promo gepumpt, dass jedes Kleinkind weiß wann der Film erscheint.

Ausserdem ist das Beispiel meiner Meinung nach fehl am Platz weil es sich um eine absolute Ausnahme handelt und weil viele Leute die Trilogie überbewerten, was den Anspruch angeht.
Easy Lee
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Beitrag von Easy Lee »

So viel Aufschrei um eine Aussage. Er sagt, dass die Robotermimik von Spielen nicht zu tiefgehender cineastischer Erzählung einlädt. Und das ist wahr.

Klar kann man auch mit einem Strichmännchen mitfühlen, wenn es jemand hübsch umsetzt, aber das meinte er nicht.

Dieser ganze Lärm darum hat einen ganz andernen Unterbau, den nur niemand gerne thematisiert - Überalterung der Zielgruppe, rücksichtsloses wirtschaften der Branche, allgemeine Finanzkrise, Umdenken der Menschheit hin zu einem Ressourcen-sparenden Lebensstil usw. usf.
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Nimi
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Re: Kommentar: Emotionslose Spielezukunft?

Beitrag von Nimi »

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass nach wie vor viel zu viele Spieleentwickler eigentlich lieber Filmemacher wären. So erklärt sich, dass man als Spieler immer öfter in vollgescriptete Schläuche gesteckt wird, komplett mit Cutscenes und "wir nehmen dir jetzt die Steuerung weg und zwingen dich dazu, dir passiv das anzugucken was wir dir zeigen wollen"-Sequenzen. Und es erklärt Aussagen wie die von Herrn Hartmann.

Da geht man wohl ins Kino, sieht wie auf der Leinwand die Schauspieler ein paar Tränen vergießen und wirft dann frustriert das Handtuch, weil die eigenen Ingame-Gesichter das nicht hergeben. Richtig ist, dass sich in der nächsten Gen da noch was tun muss - viele aktuelle Titel, die versuchen grafisch "realistisch" zu sein leiden darunter dass die Gesichter noch tief im Uncanny Valley hängen. Auch bei Heavy Rain war das an manchen Stellen sehr schlimm.

Authentische Gesichter wären sicherlich ein mächtiges Werkzeug um Emotionen effektiv rüberzubringen, aber es ist doch bei weitem nicht das einzige. Bücher schaffen es ganz ohne Bilder und viele sehr emotionale Szenen bei WALL-E kamen nicht nur ohne (menschliche) Gesichter, sondern auch völlig ohne Dialoge aus, nur um mal ein Beispiel zu bringen.

Gibt so viele Wege, eigentlich würde es schon reichen, einen speziellen Stil zu verwenden. Comicartig (Darkness 2), abgefahren/abstrakt (Psychonauts), Animestil (etliche JRPGs), oder auch was ganz eigenes wie der Pinselstrichstil bei Okami. Alles auf den aktuellen Konsolen machbar, man muss sich nur trauen.

Aber viel wichtiger wäre, wie gesagt, mal zu kapieren dass man Spiele machen muss und keine Möchtegernfilme. Dass man lernt die entsprechenden Eigenschaften des Mediums (vor allem Interaktivität) voll auszunutzen, statt zu versuchen sie bei jeder Gelegenheit dem Spieler wieder vorzuenthalten. Weil man nämlich selbst nicht damit klarkommt.