Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlaubt

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Fiddlejam
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von Fiddlejam »

Recht ändert sich, weil sich die Moral und Überzeugungen der Menschen und die Rahmenbedingungen ändern, in denen die Menschen leben. Was gestern noch ehernes Gesetz war, ist heute belächelter Unsinn und morgen schon komplett vergessen.
Was für wunderbar inhaltsloses Gelaber.

Nach dieser Logik kannst du nichts rechtfertigen, kein Verbot von Mord, Diebstahl, alkoholisiertem Fahren oder was auch immer.
Wir können geistiges Eigentum kopieren. Schön. Muss es deshalb erlaubt sein?
Wir können auch links statt rechts fahren. Schön. Ist es deshalb erlaubt?
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Kajetan
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von Kajetan »

Fiddlejam hat geschrieben:
Recht ändert sich, weil sich die Moral und Überzeugungen der Menschen und die Rahmenbedingungen ändern, in denen die Menschen leben. Was gestern noch ehernes Gesetz war, ist heute belächelter Unsinn und morgen schon komplett vergessen.
Was für wunderbar inhaltsloses Gelaber.

Nach dieser Logik kannst du nichts rechtfertigen, kein Verbot von Mord, Diebstahl, alkoholisiertem Fahren oder was auch immer.
Wir können geistiges Eigentum kopieren. Schön. Muss es deshalb erlaubt sein?
Wir können auch links statt rechts fahren. Schön. Ist es deshalb erlaubt?
Du verstehst es nicht. Aber das macht nix :)
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Wigggenz
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von Wigggenz »

Fiddlejam hat geschrieben:
Recht ändert sich, weil sich die Moral und Überzeugungen der Menschen und die Rahmenbedingungen ändern, in denen die Menschen leben. Was gestern noch ehernes Gesetz war, ist heute belächelter Unsinn und morgen schon komplett vergessen.
Was für wunderbar inhaltsloses Gelaber.

Nach dieser Logik kannst du nichts rechtfertigen, kein Verbot von Mord, Diebstahl, alkoholisiertem Fahren oder was auch immer.
Wir können geistiges Eigentum kopieren. Schön. Muss es deshalb erlaubt sein?
Wir können auch links statt rechts fahren. Schön. Ist es deshalb erlaubt?
Es ist für mich negativ auffällig, dass du immer Raubkopiererei oder Softwarepiraterie mit Mord vergleichst. Diebstahl geht ja noch, denn das ist es ja irgendwo auch, aber deine Moralkeule ist da an der Stelle für meine Begriffe um ein hohes Maß überdimensioniert.

Andererseits war Kajetans Post auch sehr allgemein formuliert und eigentlich könnte man über deine Antwort drauf auch nicht meckern, wenn es nicht so charakteristisch für bereits mehrere Posts von dir wäre.

Um trotzdem mal auf das Allgemeine einzugehen:
Die Geschichte gibt Kajetan teilweise Recht. Der heutige Maßstab für die Verfassungen und Gesetze der meisten westlichen Staaten sind die Menschenrechte, die auf Werten wie Freiheit oder Gleichheit beruhen. Diese, oder deren allgemeine Akzeptanz, ist aber noch relativ jung. Denk mal ca. 200 Jahre zurück, da war etwas wie Meinungsfreiheit noch eine Utopie, und wenn man noch weiter zurückgeht, z.B. vor die Aufklärung, wird man ein uns heute völlig abstoßend vorkommendes Wertesystem vorfinden.

Dennoch gibt es gewisse Konstanten in Zivilisationen (auch über die Jahrhunderte hinweg), z.B. ist Mord in fast allen Kulturkreisen so weit ich weiß grundsätzlich nicht erlaubt oder erlaubt gewesen. Wann die Tötung eines Menschen aber als "Mord" angesehen wird/wurde, variiert(e). Deshalb hat Kajetan meiner Ansicht nach auch nur teilweise Recht, auch wenn er etwas derartiges, was du daraus abgeleitet hast, vielleicht gar nicht meinte.

Auf die eigentliche Copyright-Diskussion gehe ich an dieser Stelle gar nicht erst ein.
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Kajetan
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von Kajetan »

Wigggenz hat geschrieben:Deshalb hat Kajetan meiner Ansicht nach auch nur teilweise Recht, auch wenn er etwas derartiges, was du daraus abgeleitet hast, vielleicht gar nicht meinte.
Doch, genau das meinte ich. Mord ist in fast allen Kulturen ein Verbrechen. Aber weil es manchmal ziemlich nützlich war, wenn bestimmte Menschen vorzeitig ihr Lebensende finden, hat man allerlei lustige Gesetze erfunden, um diese Handlung unter bestimmten Umständen zu legitimieren.

Das beginnt beim sog. Tyrannenmord, der sogar als moralisch gut gilt. Wenn zum Beispiel ein englischer Adliger des 18. Jahrhunderts ein paar faule irische Bauern totprügeln lässt, weil diese sich nicht tief genug verbeugt hatten, als der hohe Herr vorbeiritt ... dann war das kein Mord, sondern das gute und verbriefte (!) Recht des Earls diesem Pöbel Respekt einzuflößen. Und dann haben wir noch Krieg, wo dutzendfacher, hundertfacher, tausendfacher Mord aus der Hand eines Menschen sogar mit Medaillen und Beförderungen belohnt wird. Recht ist eine vollkommen subjektive Sache. Als Recht gilt das, was die meisten Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt als richtig empfinden. Manchmal ist Recht auch das, was wenige, aber besonders mächtige Menschen allen anderen aufzwingen.

Das sollte man alles nicht ausser Acht lassen, wenn man sich über Recht und Unrecht unterhält. Als Recht gilt das, was wir in unserer Gesellschaft uns selbst als Regeln auferlegen. Da ist nix in Stein gemeißelt, alles ist im Fluß und steter Veränderung unterworfen. Recht ist nur dann absolut, wenn man Vergangenheit und Zukunft ausblendet und so tut, als gäbe es nicht ausser der unmittelbaren Gegenwart.
johndoe702031
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von johndoe702031 »

Fiddlejam hat geschrieben:Wir können geistiges Eigentum kopieren. Schön. Muss es deshalb erlaubt sein?
Wir können auch links statt rechts fahren. Schön. Ist es deshalb erlaubt?
Ich greife mir das mal raus, weil es symptomatisch ist. Man sollte mal lernen, in dieser Raubkopierer-Debatte die rechtliche, moralische und ökonomische Ebene nicht zu einem argumentativen Brei zu verrühren.

1. Rechtlich: Das Kopieren von urheberrechtlich geschütztem Material ist verboten. Punkt. Nix nada Rechtfertigung. Verboten! (Bestimmte Privatkopien jetzt mal ausgeklammert) Ich glaube, es war genau ein User hier im Thread unterwegs, der die ersatzlose Streichung des Urheberrechts forderte. Speziell bei gewerblichem Ausmaß drohen Raubkopierern harte Strafen, und die Wenigsten dürften da vor Mitleid zerfließen. Was die Forderung nach Abschreck-Strafen für Otto Normalkopierer angeht: Fragt mal den Staatsanwalt eures Vertrauens, was die von Abmahnwellen und damit zusammenhängenden Strafanzeigewellen halten und ob die gesteigerten Bock haben, darüber hinaus auch noch Hinz und Kunz zu verfolgen und dem müßig seinen schnarchigen Erst-Download nachzuweisen. Die werden dich mit Freude umarmen und dir für die Zusatzarbeit danken, weil die ja so wenig zu tun haben. Rechtsverfolgung heißt und hieß immer, Prioritäten zu setzten, und da sind nicht die wirren Law&Order-Fantasien einiger zeigerfingerfuchtelnder Moralisten maßgeblich, sondern das tatsächlich Machbare im Einklang mit der akuten schwere der Tat.

2. Moralisch: Können wir uns schenken. Wer sich illegales Kopieren wie und warum individuell schönredet oder rechtfertigt, ist für die Debatte (zumindest die, die wir hier grad führen) eigentlich total unspannend. Und auf der Gegenseite: Dass die Spielefirmen Raubkopierer schon aus Prinzip total oberscheiße finden, versteht sich doch wohl von selber, muss man ebenfalls nich groß diskutieren.

3. Ökonomisch: Was hier von vielen gefordert wird, ist ein freiwilliges Umdenken der Spielefirmen auf Basis der ganz nüchternen Erkenntnis, dass ich mit DRM viel eher die zahlenden Kunden belaste, als dass ich die wahren Übeltäter von ihren Übeltaten abhalte. Vor allem, wenn ich es zunehmend mit älter werdenden Gamern als Zielgruppe zu tun bekomme, die bei der Beurteilung solcher Zwänge und Gängelungen schon etwas anders ticken als der konsumgeile 16-jährige, der beim Anblick des neuesten CoD-Teils ne Latte und Schaum vorm Mund bekommt und dem jeglicher DRM in diesem Moment aber sowas von scheißegal ist. Kein Mensch will die Firmen zu irgendwas zwingen. Und wenn sie den fiesesten DRM aller Zeiten einbauen und 1000 Abmahn-Anwälte mit Baseballschlägern und Kampfhunden bei den Raubmordkopierern persönlich klingeln lassen - pfff, sollen sie doch. Wer gern an die Wand fahren will, den soll man nicht aufhalten. Die Forderung eines freiwilligen (dreimal !!!) Kurswechsels aus schnöder ökonomischer Erkenntnis der Zusammenhänge im digitalen Zeitalter ist doch denkbar unspektakulär und kommt ja mittlerweile auch längst aus branchennahen Kreisen, und es ist mir schleierhaft, was da wieder alles reininterpretiert wird. Wenn man sowas mal vorsichtig andenkt, wird gleich Zeter und Mordio geschriehen, Leute packen die Rechts- und Moralkeule aus, malen irgendwelche absurden Szenarien vom Untergang des geistigen Eigentums. Man man man...Echt ey! :mrgreen:
Zuletzt geändert von johndoe702031 am 12.07.2012 09:20, insgesamt 1-mal geändert.
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The Incredible Hojo
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von The Incredible Hojo »

Ich habe ja jetzt mehrmals zwischen DRM und illegaler Beschaffung getrennt. Weiss nicht, wie oft ich das noch machen muss.
Auch wenn da jetzt wieder welche sagen, dass das zusammengehört, muss man es trotzdem erstmal einzeln betrachten.
Ich brauche als Publisher, egal ob Major oder Indie, Konzern oder Einzelunternehmer, irgendeinen Weg, der diese Kopien zwar nicht gänzlich ausmerzt, aber zumindest in einen halbwegs kalkulierbaren Maß hält. Wenn alle drei Staatsgewalten keine Lust oder Zeit haben, sich um den Schutz meines Eigentums zu kümmern, muss ich damit leben oder versuchen über Verbände, Lobbyarbeit oder sonstwas dahingehend was zu erreichen. Kommt da nix, muss ich halt selber was machen. Ich habe aber eben gesagt, dass es hier um Kulturgut geht, ob Musik, Film, Spiele oder Programme und es im Interesse des Staates sein müsste, dieses Gut und geistige Eigentum besser zu schützen. Das kann er entweder durch eigene DRM machen, die aber noch weniger bringen und noch mehr Schaden am Programm leisten würden oder er nimmt den Mißbrauch ins Visier und passt Strafen entsprechend an.
Beides kostet Zeit und Geld und gerade der Spielemarkt ist der Politik nur dann wichtig und für ihn interessant, wenn man wieder falsche Ursachen für Amokläufer sucht. Ich habe auch nie behauptet, dass mein Vorschlag einfach umzusetzen ist, dass es keine Punkte gibt, die man vorab klären müsste oder dass man eben mal "Strafe rauf - fertig!" sagen kann und das Ding läuft. Ich habe lediglich gesagt, dass bei einer höheren Chance, erwischt zu werden, gekoppelt mit einer hohen Geldstrafe, einmal weniger gesaugt würde und zum anderen weniger sich dazu hinreissen ließen.

Wenn sich der Staat nicht dafür interessiert, bleibt die Sache eben bei mir hängen. Supermärkte hängen Kameras auf, engagieren Ladendetektive und lassen sich sonstwas einfallen, damit weniger geklaut wird. Kostet auch einen Haufen Geld, aber verhindert auch nicht vollständig, dass geklaut wird. Aber es schreckt eben manche ab, auch wenn es ebenso Kunden gibt, die sich empören, dass sie pauschal als Ladendieb angesehen werden, bspw. durch wegsperren von Taschen vor Betreten des Geschäfts o.ä. Warum also machen das Märkte? Weil es abschreckt, weil es den Anteil der Diebstähle eindämmt und in einen überschaubaren Rahmen halten. Ich muss mir was anderes einfallen lassen, denn meine Ware ist ja digital. Ich kann also einen Appell an die Kunden da draußen richten, bei dem ich hoffe, dass er ankommt und die Leute dazu bewegt, mein Produkt zu kaufen. Da sind wir wieder bei der Moraldebatte, die hier ja so ungern geführt wird, weil Moral ja out ist. Ich bin ja ein wirtschaftliches Unternehmen und habe mit Moral ja per se nichts zu tun, warum also als Kunde moralisch sein?
Ich kann mich mit DRM auseinandersetzen, was mit Sicherheit von allen Möglichkeiten die schlechteste ist, weil sie ein Breitschwert und kein Skalpell ist. Ich treffe ehrliche Kunden, ich zahle einen Haufen Geld dafür, es ist fragwürdig effizient, es ist juristisch heikel, weil ich Daten von Kunden sammel etc. Aber ich sehe an anderen Beispielen in der Branche, dass es ganz ohne Augenmerk darauf und mit Scheuklappenblick auf mein Produkt, ohne anderes zu bedenken oder zu berücksichtigen, eben auch nicht geht.
_Semper_
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von _Semper_ »

The Incredible Hojo hat geschrieben:Wenn alle drei Staatsgewalten keine Lust oder Zeit haben, sich um den Schutz meines Eigentums zu kümmern
du scheinst immer noch nich begriffen zu haben, dass dein geistiges eigentum durch geltende gesetze ausreichend geschützt ist. keiner darf deine software außerhalb des privaten bereiches kopieren bzw. verbreiten. es is weiterhin nich erlaubt, kopierschutzmaßnahmen auszuhebeln oder code zu ändern. sollte jmd zuwiderhandeln und du ihn dabei erwischen, dann darfst du das schwarze schaf kostenpflichtig abmahnen und darüber hinaus eine lizenzentschädgigung im rahmen fordern.

sollte das schwarze schaf dem nich nachkommen, darfst du gerne ein gericht zur klärung auffordern. sollte das gericht wegen geringfügigkeit der tat den fall nich verfolgen oder eine außergerichtliche klärung im kleinen rahmen anweisen, dann is dem eben so und du hast damit zu leben.

gewerbliche verbreitung deiner software hat empfindliche geld- und freiheitsstrafen zur folge.

was du als abschreckungsmaßnahme forderst, is einfach überzogen und entbehrt jeglichem realen strafrahmen. da du aber persönlich betroffen bist, is deine lage nachvollziehbar. irrsinn bleibt es aber trotzdem.
The Incredible Hojo hat geschrieben:Supermärkte hängen Kameras auf, engagieren Ladendetektive und lassen sich sonstwas einfallen, damit weniger geklaut wird. Kostet auch einen Haufen Geld, aber verhindert auch nicht vollständig, dass geklaut wird.
was glaubst du eigentlich, was bei einem erwischten diebstahl passiert? kommt es zur anzeige, wird der fall bei erstem vergehen wegen geringfügigkeit mit auflage eingestellt, einen überschaubaren obolus (10 - 20 tagessätze) an eine gemeinnützige einrichtung zu stiften. der ladeneigentümer dürfte dir dann noch in eigenem ermessen ein hausverbot aussprechen und das war's... so ähnlich sind auch die gesetze zum schutz geistigen eigentums.

um bei deinem beispiel zu bleiben, wäre der ladeneigentümer auch damit nich einverstanden. es wirkt halt einfach noch nich abschreckend genug. warum fordert man nich direkt 10.000€ für einen geklauten kaugummi oder hackt ihnen die hand ab? sowas zieht doch gleich viel mehr und man spart sich sogar noch die teuren kameras.
The Incredible Hojo hat geschrieben:Aber ich sehe an anderen Beispielen in der Branche, dass es ganz ohne Augenmerk darauf [...] auch nicht geht.
welche beispiele wären das denn? an einer aufzählung is mir jetzt sehr gelegen. ich kenne zum beispiel nur negative auswirkungen von drm - vergraulte kunden stehen da ganz weit vorn.
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The Incredible Hojo
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von The Incredible Hojo »

Hm, ganz aktuell Witcher 2.
Klar, sind keine Heiligen, aber zumindest hatten die kein DRM. Von der PC Version wurden 4,5 Millionen illegal heruntergeladen. Kein DRM - brav. Spiel - geschmackssache, aber eigentlich schon gut. Was haben die falsch gemacht? Sie haben eine Abmahnwelle gegen die Leute gestartet, die erstmal aus ihrer Sicht das Spiel illegal beschafft haben. Böse Firma.
Nehmen wir Daedalic, nehmen wir Limbo, nehmen wir thatgamecompany - Alles tolle Titel oder Firmen, alle kein DRM, alle auf underdog Niveau, alle Millionenfach heruntergeladen ohne bezahlt zu haben.
Das zeigt, dass es eben nicht reicht, sich auf die Spiele zu versteifen und die Thematik außen vor zu lassen, denn das System funktioniert so nicht.

Auf der einen Seite sagst du, Firmen haben ja eine rechtliche Grundlage und können Abmahnwellen starten. Auf der anderen Seite sagst du, meine Forderung nach höherer Strafe ist überzogen. Ich verlege nur die Sache vom außergerichtlichen "Wir tun was wir wollen"- System in das gerichtliche. Da gibt es feste Gebühren und Sätze, abhängig vom Streitwert. Der wäre ja, da hier ja mehrmals behauptet wird, es gäbe keinen hochmultiplizierbaren Schaden beim Saugen, der Wert des Spiels. Der Sauger hätte es nicht saugen müssen, sondern kaufen. Wert: 69 EUR. Daraus ergeben sich Gebühren für das Gericht, Gebühren für den Anwalt der Firma etc. Das Strafmaß ist davon nicht betroffen. Ich habe ja auch gesagt, dass man da mit einer Amnestie arbeiten könnte: Du hast Titel xy runtergeladen, überweise 69 EUR + 10 EUR Gebühr an den Hersteller und Thema durch. Mach den Scheiß nicht mehr und gut ist. Erwischt man ihn ein zweites Mal, Folgeamnestie. Zahle 69 EUR für Spiel xy, + 30 Gebühr und wenn du das nächste Mal wieder saugst, kommt die Keule, weil du es anscheinend nicht kapierst.
Nur ich habe diese Sache lieber über ein reguläres Gericht oder Staatsanwalt laufen, als über Kanzleien, die meinen machen zu können was sie wollen.

Abgesehen mal davon: Es hat mich damals natürlich tierisch geärgert, aber ich bin darüber weg und ein Trauma habe ich davon auch nicht :wink:
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mr archer
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von mr archer »

The Incredible Hojo hat geschrieben:Hm, ganz aktuell Witcher 2.
Klar, sind keine Heiligen, aber zumindest hatten die kein DRM. Von der PC Version wurden 4,5 Millionen illegal heruntergeladen. Kein DRM - brav. Spiel - geschmackssache, aber eigentlich schon gut. Was haben die falsch gemacht? Sie haben eine Abmahnwelle gegen die Leute gestartet, die erstmal aus ihrer Sicht das Spiel illegal beschafft haben. Böse Firma.
Nehmen wir Daedalic, nehmen wir Limbo, nehmen wir thatgamecompany - Alles tolle Titel oder Firmen, alle kein DRM, alle auf underdog Niveau, alle Millionenfach heruntergeladen ohne bezahlt zu haben.
Das zeigt, dass es eben nicht reicht, sich auf die Spiele zu versteifen und die Thematik außen vor zu lassen, denn das System funktioniert so nicht.
Ich kann da nur für mich sprechen: ich besitze sowohl mehrer Daedalic-Adventure, Witcher 2 als auch Limbo in der Original-Version und habe sie nicht im Gebrauchthandel erworben (was aber auch kein Problem darstellen würde). Wären diese Spiele mit DRM versehen gewesen, hätte ich sie nicht gekauft (und auch nicht gesaugt, da ich von der Idee, für kreative Leistungen zu bezahlen überzeugt bin). Damit wäre ich als Kunde ausgefallen. In meinem Fall haben die angeführten Firmen also alles richtig gemacht. Und so Fälle wie mich gibt es gerade unter älteren Spielern mit eigenem Einkommen einige.
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The Incredible Hojo
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von The Incredible Hojo »

Ich habe auch nicht behauptet, dass der Verzicht von DRM ein Fehler war. Die Aufzählung war als Beispiel dafür gedacht, dass man das richtige bezüglich DRM tun kann, aber sich die Sache nicht so entwickelt, wie hier oft behauptet wird.
Ich habe auch diese Titel gekauf, aber wir beide != alle. Nimm Witcher. Seit dem Debut des Erstlings, sind ALLE Witcher-Spiele zusammengenommen knapp 4 Millionen mal verkauft worden. Ohne DRM. Toll. Dagegen stehen 4,5 Millionen illegale Downloads von Witcher 2 für den PC.
Die Frage dabei ist ja, hätte Limbo DRM gehabt und jemand hätte gesagt "dann kaufe ich es nicht", hätte er es dann runtergeladen? Wenn ja, warum? Weil es er damit ein (falsches) Statement setzen will oder weil es so schön einfach ist und die Gefahr, erwischt zu werden, so gering und selbst wenn, es da kaum Strafe zu befürchten gibt?
Würden die, die es dann eben der Einfachheit wegen herunterladen, einem höheren Risiko ausgesetzt sein, erwischt zu werden und wissen, dass sie, nach zwei Amnestien, empfindlich getroffen würden, dann auch mal eben schnell den Link anklicken?
Was ich bei der Geschwindigkeitsbeschränkung gesagt habe: Wenn ich von 50 mal, in der ich in der 30er Zone 50 fahre nur einmal erwischt und dann verwarnt werde oder mit 80 EUR davon komme - pffrrt, drauf gesch... (Bitte jetzt nicht annehmen, ich sei der gnadenlose Heizer - ist wirklich nur ein Beispiel!). Werde ich von 10 Fahrten 8 mal erwischt und muss jeweis 200 EUR zahlen - danke, dann lieber 30. Das eine sind 1,60 pro Fahrt, das andere 160. Nicht so toll.

Und nochmal: Ich beschreibe nur ein Modell, das meiner Meinung nach das Thema etwas eindämmen und verbessern, nicht aber auflösen würde. Es ist ein Modell, kein Ergebnis eines juristischen Arbeitskreises. Ein Vorschlag, eine Meinung, ein mögliches Instrument ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Berücksichtigung jeglicher juristischen Feinheiten, die das mit sich bringen. Meine Aussage: Eine höhere Strafe und höhere Wahrscheinlichkeit beim Saugen erwischt zu werden, würde die Zahl der ibi's senken.
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mr archer
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von mr archer »

Ich glaube einfach, wir drehen uns hier bereits seit mehreren Seiten im Kreis, weil hier eine moralistische Diskussion geführt wird, die zu keinem Ende kommt, da jeder da seinen eigenen Standpunkt entwickelt hat.
Aus meiner Sicht habe ich als Entwickler und Publisher die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:

1. DRM. Das ist die pessimistische Sicht, in der ich mich auf "entgangene Umsätze" fokussiere. Wie auch immer ich die faktisch bemessen will (was bekannterweise ein Ding der Unmöglichkeit ist).
2. Kein DRM. Das ist die optimistische Sicht, in der ich mich auf die tatsächlichen Umsätze und damit meinen erreichbaren Markt fokussiere.

Ich habe also beispielsweise als CDP die Wahl, ob ich mich darüber ärgere, dass es unter der Sonne verkommenes Gesocks gibt, welches selbst 5,-€ Titel von gog.com noch saugt. Das wäre aber einfach ein sinnloser wie kräfteraubender Kampf gegen die Windmühlenflügel der menschlichen Idiotie. Das ist so, als ob ein Arte-Redakteur sich darüber beklagt, dass RTL 2 soviele Zuschauer hat. Kann man machen. Ändert bloß nix. (So gesehen hoffe ich, dass die Aktion mit den Abmahnkanzleien, auf die hier berechtigterweise hingewiesen wurde, eine einmalige emotionale Überreaktion war).
Oder ich freue mich über die wachsende Zahl der Menschen, die mein Angebot mit ihrem Geld zu würdigen wissen und setze alles daran, deren Zufriedenheit zu vergrößern. Denn sie werden anderen von mir erzählen und damit meine Einnahmen verbessern.

Bei welcher Option ist das Magengeschwühr am Ende des Tages wohl kleiner?
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Lumilicious
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von Lumilicious »

The Incredible Hojo hat geschrieben:Die Frage dabei ist ja, hätte Limbo DRM gehabt und jemand hätte gesagt "dann kaufe ich es nicht", hätte er es dann runtergeladen? Wenn ja, warum? Weil es er damit ein (falsches) Statement setzen will oder weil es so schön einfach ist und die Gefahr, erwischt zu werden, so gering und selbst wenn, es da kaum Strafe zu befürchten gibt?
Würden die, die es dann eben der Einfachheit wegen herunterladen, einem höheren Risiko ausgesetzt sein, erwischt zu werden und wissen, dass sie, nach zwei Amnestien, empfindlich getroffen würden, dann auch mal eben schnell den Link anklicken?
Jo, und jetzt raten wir mal, welche Version von The Witcher 2 am meisten runtergeladen wurde. Ich geb dir nen Tipp: Es war nicht die DRM Freie Version die es auch im Netz zu finden gab.

Indiedevs (zumindest 90% davon) bieten ihre Spiele DRM-Frei an. Wo werden sie am meisten gekauft? Nicht etwa die DRM-Freien versionen auf der Dev Homepage, oder auf Gamersgate und GreenmanGaming. Nein. Auf Steam. MIT DRM.
Welche Versionen werden am meisten heruntergeladen? Nicht etwa "geleakte" DRM-Freie Versionen, die auf GG/GmG/GoG gekauft wurden, nein. Gecrackte Steamversionen werden im Netz heruntergeladen. Selbst dann, wenn es eine "legale" DRM Freie Version im Netz gibt.

Aus welcher Sparte liest man in den letzten 12 Monaten immer mehr:"<Spiel XY> war ein großer Erfolg. Mehr als 500000 mal verkauft."? Richtig, aus der DRM-Freien Indieszene.

Bei der Vielfalt an Titeln (und vor allem bei den Nischenspielen wie Limbo!) die es in der Indieszene gibt, ist es dann auch mal nicht Verwunderlich, dass der ein oder andere Titel, trotz guter Reviews, untergeht. Ist einfach so. Da kann man nichts dran ändern. Passiert den besten Spielen, mit oder ohne DRM.

DRM ändert nix zum positiven (auch nicht für die Vertreiber - man erinnere sich an Starforce). Das hat die Vergangenheit schon mehrmals deutlich gemacht. Es interessiert die Piraten auch herzlich wenig, ob ein Programm DRM hat, oder nicht. Geladen wird trotzdem.
Ich gehe auch soweit und behaupte mal, der Großteil der Sauger würde sich auch nicht um erhöhte Strafen kümmern. Der Großteil der Sauger dürfte die Schicht sein, die saugt, weil sie es sich sonst nicht anders leisten kann (Arbeitslose, Kinder/Schüler die das "ab 18 Spiel mit Sexszenen nicht kaufen dürfen" um mal TW2 zu nennen, Studenten und Menschen die trotz Arbeit den Pfennig mehrmals wenden müssen um zu schauen ob sich noch ein weitere Pfennig irgendwo versteckt).
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The Incredible Hojo
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von The Incredible Hojo »

Ach ja, da sind wir alle gleich. Sirtaki anstimmen und sich dann daran stören, wenn im Kreis getanzt wird. Bin ich ja auch nicht besser.

Das mit arte und RTL2 ist recht von Haaren herbeigezogen. Der eine ist subventioniert, Gebührengetragen und kann als Programm machen, was er will. Der andere ist von Werbeeinnahmen abhängig und muss möglichst viele seiner Zielgruppe an das Gerät bekommen.

Aber als Hersteller hast du nicht nur die Frage ob DRM oder nicht, das ist auch eine völlig andere Diskussion. Die Frage ist, was kann ich tun, damit das nicht ausartet? Wie bei Witcher geschildert: Da sitzen 4,5 Millionen, die das Spiel gut finden, sonst würden die es ja nicht runterladen. Gut, nehme ich ein paar Fragmente von Jägern und Sammlern oder Prinzipdowonloadern mal raus, dann reden wir von 2,5-3 Millionen. Ich habe extra kein DRM eingesetzt, der Preis war sogar recht günstig, also was läuft schief? Von den 2,5 Millionen sollen keine dabei seien, die das Spiel nicht zahlen würden, wenn die Umstände anders wären?
Natürlich muss ich mich um die kümmern, von denen ich Geld erwarten kann, aber diese Gruppe hat auch sein Potenzial. Ist das erschöpft, kann ich sagen "okay, Markt maximal abgegrast, Thema durch." Aber das sind 2,5 Millionen, die mein Spiel gut finden, es einfach nur nicht zahlen wollen. Warum nicht?
Ich habe (Ausschließlichkeitsklausel) nicht gesagt, man muss sich NUR auf die Sauger kopieren, das ist falsch. Aber sie ganz außer Acht lassen geht auch nicht, weil dort noch Käuferpotenzial liegt. Denn Aussage war ja: Macht eine Firma alles richtig, laden es weniger runter (ist nicht mein Argument! Kommt von der anderen Seite), kaufen es mehr, alles grün
Ich habe gesagt, dass man an Witcher sehen kann, dass es nicht so ist.
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von The Incredible Hojo »

Lumilicious hat geschrieben: Ich gehe auch soweit und behaupte mal, der Großteil der Sauger würde sich auch nicht um erhöhte Strafen kümmern. Der Großteil der Sauger dürfte die Schicht sein, die saugt, weil sie es sich sonst nicht anders leisten kann (Arbeitslose, Kinder/Schüler die das "ab 18 Spiel mit Sexszenen nicht kaufen dürfen" um mal TW2 zu nennen, Studenten und Menschen die trotz Arbeit den Pfennig mehrmals wenden müssen um zu schauen ob sich noch ein weitere Pfennig irgendwo versteckt).
Dann, sorry wenn das so arrogant klingt, haben die das falsche Hobby.
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Wigggenz
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Re: Allgemein: EU: Weiterverkauf von Download-Software erlau

Beitrag von Wigggenz »

Die Verkaufszahlen sollten interessieren, nicht die Zahl der Raubkopien, die sowieso nur geschätzt werden kann.

Soweit ich weiß, sind CDP mit ihren 1,7 Millionen verkauften Exemplaren von TW2 (korrigiert mich wenn ich falsch liege) zufrieden und haben ihr Ziel erreicht, und das ist es was zählt. Nicht die Frage: "OMG, wie viele Verkäufe uns wohl durch die Lappen geganen sind, nur wegen den Raubkopien?" - Denn diese Frage ist unmöglich zu beantworten.

Und durch den Verzicht auf DRM kann man die Verkaufszahlen erhöhen, denn alle DRM-Boykottierer geben dann freudig Geld aus. Während man mit DRM nur die treue Stammkundschaft hat. Denn egal ob DRM-frei oder nicht, ein bekanntes Spiel ist und wird immer einfach illegal zu saugen sein für jene die absolut nicht zahlen wollen.

Solange DRM also ehrlichen Kunden mehr schadet als Saugern, hat es absolut keine Existenzberechtigung.