Du hast nicht nur Arkham Asylum nicht verstanden, Du hast die komplette Figur Batman nicht verstanden.
Verzeihung, ich hätte es etwas umfangreicher beschreiben sollen. Weiterhin möchte ich anmerken, dass ich mich nur auf die Spiele beziehe.
Und in diesen ist er eindeutig "nur gut". Wortwörtlich. Es ist die einzige Eigenschaft über die man ihn definiert - er verzeiht den größten Schurken, er tut stets das richtige, er tötet nie.
Es geht mir nicht einmal darum, dass er nie tötet, sondern darum, dass es einfach so als das bestmögliche hingenommen wird. Die Schurken töten, also werden sie zusammengeschlagen und verlieren (oder sterben sogar, aber natürlich nicht durch Batmans Hand). Batman tötet nicht, also gewinnt er.
Und nein, das ist auch keine Kritik daran, dass der Held gewinnt - aber nenne mir eine einzige Szene in den Spielen, in denen seine Vorgehensweise ernsthaft in Frage gestellt wird.
Zeig mir eine Szene, in der er verliert, weil er eben niemanden tötet.
Das ist es, was ich an dieser Figur so hasse. Batman wird als jemand beschrieben, der aus Prinzip nicht tötet - aber es ist eben nicht aus Prinzip. Prinzip bedeutet, dass ich etwas tue, obwohl ich dafür etwas opfern muss. Aber in den Spielen opfert er nichts. Er gewinnt nicht, obwohl er niemanden tötet sondern er Gewinnt, WEIL er nicht tötet.
Es gibt am Ende von Bastion einen sehr starken Moment, als der Held nämlich einen leblosen Körper im Feindesland aufnimmt, gegen seine Waffe tauscht und zum Ausgang schleppt (es ist optional, man kann ihn auch liegen lassen). Zuerst wird er von allen Seiten beschossen, dann halten die Feinde aber inne und, was den Moment sogar noch verstärkt, als einer das Feuer wieder eröffnet, wird er von einem Kameraden nieder gestreckt.
Das ist eine verdammt einfache Szene, aber sie setzt sich mit dem Thema weitaus tiefgründiger auseinander als Batman. (und dauert kürzer als die Spiele). Der Held (The Kid) entscheidet sich, aus Prinzip, einen Nachteil hin zu nehmen, es erscheint, dass es sich falsch entschieden hat, dennoch schafft er es. (und er könnte natürlich auch einen komplett anderen Weg einschlagen und die Waffe behalten, dann muss er sich durchkämpfen)
Was haben wir hingegen bei Batman? Bleib gewaltlos oder du wirst von einem Typ im Fledermauskostüm verprügelt. Hui, tiefgründig.
Ein zweiter Faktor, der sich ebenfalls darum dreht, dass die einzige Thematik seine Gewaltlosigkeit ist, ist das völlige Ignorieren aufkommender Fragen/Konflikte. Batman ist nicht nur immer gut, er ist auch immer der Gewinner, abgesehen von einigen Stellen, die nicht überzeugen können.
Erneut, eines meiner beliebtesten Beispiele für schlechte Heldencharakterisierungen: Die Szene in Arkham Asylum nach dem ersten Albtraum in der Leichenhalle. Batman halluziniert unter anderem, dass Gordon tot ist und Oracle verschwunden.
Was sagt er nach Ende der Sequenz? Absolut nichts. Das Thema wird völlig weggeschmissen. Warum muss Batman immer der perfekte, emotionslose Held sein? Er hat offensichtlich gewisse Ängste, warum werden die nicht thematisiert? Der ganze Part um Scarecrow im allgemeinen ist völlig verhunzt. Zu Beginn hat er mit wirklichen Ängsten zu kämpfen, bspw. seinen toten Eltern, die ihm Vorwürfe machen, gegen Ende ist es nur noch Skelett-Klopperei. Selbst wenn man das mit der völligen Überdosierung des Angstgases erklärt wird, führt es direkt zum nächsten Punkt, der Auflösung der Scarecrow-Geschichte.
Leichte Spoiler:
Er entkommt irgendwie aus der Traumwelt, Scarecrow meint, dass die Menge einen Elefanten hätte umhauen können und Batman sperrt ihn in die nächstbeste Zelle.
Ernsthaft, das wars? Er hat gewonnen, weil er so awesome ist? Gott, was hätte man daraus machen können, stattdessen das wiederkehrende "Batman ist toll und ein Pazifist, also muss er gewinnen".
Anderes Beispiel für eine schlechte Auflösung ist die Hugo Strange-Story in Arkham City.
Große Spoiler:
Hugo Strange meint, dass Batman die eigentliche Ursache für die Existenz der Schurken ist. Durchaus berechtigter Einwand, da er sie eben immer wieder nur bewusstlos schlägt und manche sogar offen liegen lässt, statt sie zu arrestieren. Und natürlich dadurch, dass er der ideale Gegenspieler ist.
Was macht Batman? Er schlägt ihn gegen die Fensterscheibe und sagt in ungefähr, dass er böse ist, weil er ja tötet.
Daraufhin kommt Ras al Ghul und tötet Strange (erneut: tötende Schurken werden selbst sterben). Batman und er stürzen aus dem Fenster, Ras tötet sich selbst (indirekt, zumindest stirbt er nicht durch Batman. Und da er generell immer wiederbelebt werden kann, wäre das auch keine Peripetie der Figur.)
Erneut: Ernsthaft, das wars? Eine derart grundlegende Frage ("Bekämpft Batman die Schurken, oder bekämpfen nicht vielmehr die Schurken ihn?") aufwerfen und dann einfach weiter wie gehabt?
(Bevor ichs vergesse, bei der Sidequest mit dem Hutmacher gibt es wieder eine ähnliche bescheuerte Auflösung wie bei Scarecrow: Warum kann Batman die Hypnose überwinden? Weil er Batman ist! Und Batman tötet nicht! Und deshalb ist Batman toll! Und deshalb gewinnt Batman! Batman!)
Je länger ich über diese Story nachdenke, desto mehr erscheint sie mir wie "Punch people in the face to be awesome and win".
Ich möchte abschließend zum Vergleich einfach mal Assassins Creed anbringen. Das leistet sich auch ein paar Storyschwächen (aus Revelations hätte man beispielsweise sehr viel mehr für Ezios Charakter heraus holen können), aber es schafft es, bedeutend tragischere Helden zu erschaffen, die töten, dafür mit Konsquenzen leben, aber dennoch nicht nach dem Motto "sie haben getötet, also mussten sie sterben" verschwinden.
Mittelgroße Spoiler für Revelations und Embers im Anmarsch:
Altair stirbt einsam und allein in seiner unterirdischen Bibliothek, nachdem ihn der Edenapfel abhängig und wahnsinnig gemacht hat. Vorher verlor er Frau und Sohn an Abbas, der den Edenapfel wollte, und tötete schließlich diesen, womit er einen ehemaligen Freund endgültig verlor.
Ezio stirbt auf einer Bank an einer Lungenerkrankung, war aber eigentlich an einer Stelle in seinem Leben angekommen, an der er sich seiner Familie hingeben wollte.
(Nur meine persönliche Vermutung, aber ich möchte darauf spekulieren, dass die Edensplitter das Leben eines Menschen erst verlängern und aufrecht erhalten können, bei zu langer Abstinenz aber sogar verkürzen. Wie gesagt, nur meine These, aber es würde passen.
Der Punkt ist, dass beide eben NICHT für das Töten an sich bestraft werden. Sicher, sie haben gewisse Konsequenzen zu tragen.
Ezio zum Beispiel den Tod seines Onkels. Indirekt auch den seines Vaters und seiner Brüder, da sein Vater ebenfalls Assassine war.
Aber es wird ebenso klar gestellt, dass es sich um etwas handelt, das getan werden muss, oder sagen wir es anders, dass nötig zur Einlenkung gewisser Ereignisse war. Inwieweit diese Ereignisse gut oder schlecht waren, ist fraglich, aber es ist eine differenziertere Sicht als "wer das Schwert erhebt, wird durchs Schwert umkommen".
Altair opfert sein gesamtes Leben für einen Orden von Meuchelmördern. Er wird wahnsinnig, weil er die Geheimnisse einer untergegangenen Zivilisation bewahren will. Er verliert geliebte Menschen, weil er nicht bereit ist, diese Geheimnisse in falsche Hände geraten zu lassen.
Ezio ist Zeit seines Lebens stets nur der Bote für Desmond in der Zukunft und auch die Taten, die er in seiner Epoche vollbringt, gewähren ihm keinen Frieden. Er sucht ein friedliches Leben, erkennt aber nicht, dass er es längst hatte und sich eigentliche nur selbst hindert, es zu genießen - aber auch damit findet er sich kurz vor seinem Tod ab.
Und was ist Batman?
Ein Typ im Fledermauskostüm, der nichts sein kann aus awesome und gewaltlos.
Weil er weiß, dass er sich nicht über das Gesetz stellen darf.
Was er ja eigentlich tut und in den Comics auch thematisiert wird. Batman gilt ja eigentlich als eines der Muster-Gegenbeispiele für die 3x3Grid-Character-Alignment-Einteilung. Nur sieht man davon in den Spielen absolut nichts.
Wir leben also in einer gewaltverherrlichenden Gesellschaftsform?
Gewalt um ihrer selbst Willen ist also nicht primitiv und rückständig?
Woher genau kommst du?
Gewaltverherrlichung wäre es, die Gewalt als schön oder erstrebenswert zu zelebrieren.
Gewalt in Videospielen übt eine Faszination aus, weil sie im echten Leben verboten ist. Wir können selbst ausloten, wie weit wir gehen würden, wie wir reagieren würden, alles in einer kontrollierten und immer noch recht abgemilderten Umgebung.
Es fiel einmal der Begriff Torture Porn, das beschreibt es recht gut, droht aber auch, das Ziel völlig zu verfehlen.
Niemand wird sich Saw ansehen und einen runterholen. (Ok, irgendjemand bestimmt. Das hier ist schließlich das Internet.)
Und man sieht es sich auch nicht an, weil man es nachmachen will. (erneut... welcome to TEH INTERNET)
Ich stelle hier eine meiner Lieblingsthesen in den Raum:
Sämtliche erzählende Kunst der letzten Jahre handelt eigentlich von Kontrollverlust (jede, egal wie gut oder schlecht). Von der Unfähigkeit, die Ereignisse zu kontrollieren. Und wir lieben dieses Thema so, weil es eben vollkommen dem widerspricht, was wir tagtäglich erleben. Wir sind behütet, relativ geschützt gegen Katastrophen, ... Wir haben eigentlich nichts zu fürchten und gerade deswegen wollen wir uns fürchten.
Nicht vor einem Rieseninsekt vor unserer Haustür, vor Blut, Gore, was weiß ich, nein, vor Kontrollverlust. Vor der Unfähigkeit, durch unser Handeln zu gewinnen... oder auch nur zu versagen. Ja, selbst das kann erschreckend sein.
Leider ist das sogar noch zu viel und mir fällt da noch der Prozentwert für ü16 was du bewusst ausgelassen hast um zu verschleiern wieviel von den Einzelstücken in deinem Besitz sind. Wenn wir eines Tages bei 1 % angekommen sind, melde dich wieder bei mir, dann bin ich zufrieden.
Heute kein Kindergarten offen?