Ach, hätte ich fast vergessen... gute, wenn auch nicht *sehr* bissige Kolumne, Jörg
Auch ein Respekt zu "Help", der uns hier mit seinem Blick über den Tellerrand hilfreich zur Seite steht. Und obwohl er scheinbar kritisch gegenüber der "Killerspiele" schreibt, fährt er teilw. mit dem selben Fahrzeug wie "wir Blutzocker"
(..visuelle Gewaltdarstellung, Beispiel Hieronymus Bosch..)
Bilder sind doch etwas völlig anderes. Bei einem Bild kannst du wegschauen, bei einem Spiel musst du handeln, um weiter zu kommen. Sie erfordern ein überschreiten bestimmter moralischer Grenzen & Werte.
Bei einem Bild ist das interaktive Element nicht vorhanden, das stimmt. ein "Handeln" findet nur im Wegschauen statt. Aber ist dies bei einem Spiel nicht gegeben ? Wird man gezwungen, hinzusehen ? Ich behaupte mal... Nein. Wenn der Spieldesigner, das Hirn hinter dem Produkt, es für sinnvoll hällt, Gewalt explizit darzustellen, dann hat dieser Herr seine Gründe. Und in den meisten Fällen ist es dem Spieler freigestellt, sich die Gedärme am Boden in Nahaufnahme anzusehen, oder doch ohne Blick weiter in den Raum zu gehen. In den meisten Spielen ist es möglich, den Torso, den Kopf oder die Beine zu treffen, dies ist im "Moorhuhn"-Manier Pflicht, um das Spielziel zu erledigen. Man befindet sich in einer virtuellen Gefahrensituation. Der Gegner befindet sich vor mir. Entweder schiesst er zuerst, mit der Konsequenz: Leben verloren = Game Over, oder ich bin schneller. Bei Pac-Man gab's das gleiche Thema... entweder bin ich schneller mit den Pillen fressen, oder die Geister haben mich. Bei Rennspiele wie das gute alte "Pole Position" sieht es genauso aus: Entweder schlage ich den High-Score, oder ich bleibe "Verlierer". Man wird angespornt, BESSER zu sein als andere. Diese Motivation ist der Motor eines guten Spieles. Dies ist im Grunde genommen aus der Natur entliehen. Im realen Leben gibt es dieses Spiel schon seit langem. Ist man nicht gut in der Schule, sieht's schlecht aus mit der Bewerbung. Ist man nicht besser als sein Kollege, ist man bei der nächsten Beförderung schnell von der Liste gestrichen. Man kann aber im realem Leben nur hoffen, dass Freunde und/oder Bekannte einem da stützen. Man kann nur hoffen, dass man eine Chance bekommt. Aufgrund der Situation auf dem Arbeitsmarkt und dem Handeln in der Schule allerdings "etwas" fragwürdig, oder ?

In einem Computerspiel ist es ein leichtes, sich abzureagieren. Und ist es mal verdammt schwer, sich durchzusetzen, kann man immer noch auf den Cheatmode setzen, FAQs durchblättern, "zusätzliche Gegner zwecks Punktzahl köpfen" oder einfach mal das ganze Ding ausschalten.
Die Frage lautet nicht, ob der moralische Aspekt in dieser Tat sich im Spiel wiederfindet. Auch sollte man nicht das Argument bringen, dass bluttriefende und abgetrennte Gliedmaßen nur was für "perverse" sei. Denn, irgendjemand hat sich was dabei gedacht. Irgendjemand hat den Pinsel geschwungen. Irgendwer hat die Kamera geführt und irgendwer hat sich bei dem Spieldesign und Programmierung was dabei gedacht.
Das Problem sehe ich einerseits in der grausamen Bevormundung durch den Staat - so wie Jörg es auch gesagt hat - und in der absolut laschen und lächerlichen USK-Einhaltung Seitens der Händler und Eltern.
"RAMBO - FIRST BLOOD", mit einem sich selbst operierenden Stallone (***** ACHTUNG ! NACHAHMUNGSGEFAHR ! NICHT MACHEN !!!! NUR GESCHULTE STUNTMÄNNER UND SCHAUSPIELER !!!! *****) hat einen anderen Status als ein pixeliger High-Score Spriter wie "Ikari Warriors" oder "Commandos" (*** OH GOTT !!! UNNÜTZE GEWALTDARSTELLUNG "" **). Doch... gibt man seinen 8-jährigen Sohn Rambo zum Geburtstag ? Schaut man sich mit der 10-jährigen Tochter "Stirb Langsam" an ? Schenkt man dem 13-jährigem Bub bedenkenlos die "Predator Uncut Box" ?
Obwohl diese Filme unnütze Gewaltdarstellung zeigen - sind sie *nicht* verboten. Die Eltern *wissen*, was ein Stallone ist und wie seine Filme sind. Aus diesem (aufgeklärtem) Grunde wissen sie, wie man das Kind davor schützen sollte. Andererseits haben sie als Erwachsene und Volljährige Menschen die Freiheit, sich diese Produkte bedenkenlos anzusehen. Ab einem gewissen Alter hat man das Recht, sich eine solche Film-DVD in's Regal zu stellen. Und als Elternteil hat man die Pflicht, den Nachwuchs gewisse Werte zu vermitteln, z.Bsp. das Bild, das solche Filme nur Filme sind und nur der Unterhaltung dienen. Diese Aufklärung haben wir nicht !!! Einzigst die USK vergibt versteckte "Tips", die wohl kaum groß erklärt wurden. Man kauft einfach das Ding, was der Sohnemann da will und übersieht wahrlich die Altersfreigabe. Im Grunde genommen habe ich, durch den Blindkauft und des Übersehens der Altersfreigabe, die Aufsichtspflicht der Eltern mit den Füßen getreten.
Wenn ich aber als 30+ Bewohner vor solchen "schädlichen" Produkten vom Staat bevormundet werde, sie schon pauschal verboten weren. Dann entzieht man mir die Freiheit, ein solches Produkt zu besitzen.
In sämmtlichen anderen Länder um uns herum ist es anscheinend kein Problem, "Amokläufer" und "Computerspieler" auseinander zu halten. Es sind schon viele Punkte aufgelistet worden, welche mit dem Massaker eher in Zusammenhang stehen als die reine visuelle Darstellung von Gewalt in den Medien.
Erschreckend ist aber (wie immer) die Ignoranz der Medien, "Aufklärungsarbeit" zu leisten. USK-Freigaben werden kaum auf RTL "beigebracht". Kein TV-Sender hat ein Bericht über die Schulproblematik gebracht. Und das, obwohl vor nicht allzulanger Zeit Gewaltvideos auf Handys in aller Munde waren. Ein zusammengeprügelter oder ein sich in den Selbstmord geflüchteter Azubi drückt auf die Tränendüse der Zuschauer und entfacht ein Feuer. Aber sind deshalb Handys verboten worden ? Wurde die Übertragungstechnik verbannt ? Haben die Kameras in den Handys eine automatische Gewalterkennung und melden es der Gewaltpolizei ? Der Hass des Amokläufers gegenüber den Mobbern seiner Klasse war im veröffentlichtem Brief nachzulesen. Davon war aber keine Zeile im TV diskuttiert worden. Alles konzentrierte sich auf das Unterhaltungsmedium "Computerspiel", und dort ganz speziell auf die populäre Ego-Shooter Familie. Würde ich eine Parallele ziehen wollen, müsste ich bei einem Amok-FAHRENDEN Freak eigentlich das Verbot von des "VW Golf" Fahrzeuges fordern. Der Mörder fuhr eins, genauso wie viele andere Mörder. Und es ist ein populäres Fahrzeug, viele andere Menschen sind ebenfalls davon "betroffen". Eines Tages könnten sie ebenso mit diesem Fahrzeug Amok fahren. Man würde täglich Bilder von Massenunfällen zeigen, in denen die Golf-Fahrzeuge involviert waren. Und ein Golf-Fahrer, der gerade gegen einen Manta-Fahrer ein Rennen fährt (in diversen TV-Filmen zu sehen) würde als sich ständig wiederholdendes Element in allen Medien breitgetreten.
Hier geht es aber nicht um EIN Computerspiel oder EIN Fahrzeug. Hier geht es um die Bevormundung eines volöjährigen und erwachsenen Bundesbürgers und der Abstempeln dieses Menschen als Verbrecher. CryTek würden gegen das Gesetz verstoßen. Herr Luibl würde mit einem simplen Test eines in USA, Japan, Östereich, Schweiz, Frankreich, England, Italien und Südkorea kommerziell sehr erfolgreichen Spieletitel (rein polemisch) mit einem Kinderschänder gleichgesetzt, verfolgt und mit viel Glück "nur" angezeigt. ~Schlage ich (m)eine Frau, kriege ich nur eine simple Verwarnung. Schlage ich jemand in einem Prügelspiel, komme ich in den Knast~. Brave New World sage ich da nur... Klar, es ist leicht zu sagen, dass man sich nur hinzusetzen braucht und in wenigen Tagen und Wochen sei das Thema "ausgesessen" - typisch Beamtendeutsch. Auch ist es ein leichtes, einfach auszuwandern. Aber das Bild des "Mörderspiel"-Spielenden Jugendlichen hat sich dank der hitzigen Diskussion längst bei Otto Normalverbraucher dort draussen eingebrannt. Eines Tages wird man den Penner dort drüben, der sich durch Ellenbogen-Technik in der Schlange vorgedrängelt hat, nicht mehr mit Ars**loch, Idi*t oder W*chser beleidigen, sondern mit "Killerspieler". Und die brave Schwester aus dem Altersheim, die in ihrer Freizeit klammheimlich und illegal einen CS-Frauenclan beigehört, senkt roten Hauptes den Kopf. Tja, einst musste man sich geducktem Hauptes entschuldigen, dass man diese elektronischen "Telespiele" spielt. In Zukunft wird man von der Gesellschaft gebrandmarkt, wenn man sie auch nur in einem Nebensatz erwähnt
