The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Hier findet ihr die entsprechenden Kommentare - inkl. Link zur News!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Benutzeravatar
mr archer
Beiträge: 10329
Registriert: 07.08.2007 10:17
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von mr archer »

opium1981 hat geschrieben:
Wenn wir sagen, dass die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte unsere universelle Moral ist und eine Gruppe von Menschen sich dazu entscheidet, diese zu ignorieren, egal wie gut der Grund, dann ist sie entweder nicht universell, oder diese Gruppe von Menschen handelt irrational, unmoralisch. Auch dann, wenn sie Europa aus den Klauen eines irren Massenmörders befreien.
Zwei Sachen. Erstens setzt Du schon wieder Dinge synonym, die das nicht sind. "Irrational" und "unmoralisch" sind in Deinem Satz eben nicht einfach nur Entsprechungen. Sie stehen sich vielmehr gegenüber.

Zweitens kannst Du die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte mit dem Dritten Reich nicht verknüpfen wie Du es hier tust. Denn sie wurde NACH dem Krieg IM EINDRUCK DES GESCHEHENEN verfasst. Nicht vorher. Damit stellte sich zumindest dieses moralische Dilemma wie Du es hier schilderst bei Kriegseintritt den Allierten nicht.

Und wenn sie 1939 schon gegolten hätten - dann greift in diesem Fall meiner Meinung nach auch moralisch das gute alte Verursacherprinzip. Nicht der Angriff der Allierten auf Nazi-Deutschland ist demnach das amoralische Handeln. Sondern die faschistische Kriegsgesellschaft des 3. Reichs.

Und eben um solch ein Dilemma künftig zu vermeiden, wurde ja die UNO gegründet und die Charta verfasst. Seither sollte zwischen UNO-Staaten eigentlich der Grundsatz "Nie wieder Krieg" gelten und die Bürger dieser Staaten müssten ihre unveräußerlichen individuellen Rechte besitzen. Schließlich haben sich ja alle auf die Erklärung verpflichtet. Es müsste jetzt also laufen.

Leider scheitert hier mal wieder das Tun aller Handelnden an ihren eigenen, in guter Überzeugung für moralisch über alle kulturellen Divergenzen hinweg als auf dem gesamten Planeten allgemeingültig erklärten Grundsätzen. Das nimmt diesen moralischen Gesetzen aber nicht ihre universelle Gültigkeit oder stellt sie irgendwie zur Disposition. Es zeigt nur, dass Menschen Moral gerne mal verbiegen und zurechtstutzen, wie es gerne passt.
Zuletzt geändert von mr archer am 21.12.2011 15:15, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Almalexian
Beiträge: 1368
Registriert: 23.04.2011 14:47
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von Almalexian »

Und die 100.000-Euro-Antwort lautet:

In der Kulturgeschichte sehr lange und ganz überwiegend die jeweils Mächtigen aus Staat und Religion.

Und seit der Bürgerlichen Revolution und den Erkenntnissen der Aufklärung und deren Überzeugungen und Einsichten in die Freiheit und Ethik des Individuums im Idealfall eine Gemeinschaft solcher freier Individuen, die dabei immer den Blick für die Bedürfnisse des anderen behalten. Kant halt. Wie schon gesagt - man beschäftige sich mit der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte.

Unterm Strich bleibt in beiden Fällen festzustellen: Moral ist keine Einzelentscheidung.
Für die Frage "Wer legt die Moral fest" mag das stimmen, eigentlich aber lautet die Antwort "Man weiß es nicht". Jahrhundertelang galt: Die Kirche hat das Sagen, und wer moralisch davon abweicht, ist a) Im Unrecht b) ein Sünder und c) nicht meinungskonform mit Gott. Leute fanden sich damit nicht ab, und erhoben Anspruch auf eine eigene, selbstdefinierte Moral. Aufklärung war geboren. Wenn jetzt gilt, dass keine Moral außer diesen beiden etablierten und vielleicht noch ein paar weniger mainstreamige geben darf, führt dies in gewisser Weise die Erkenntnisse der Aufklärung ad absurdum, denn Moral leitet sich immer aus einer Meinung ab und diese ist bekanntlich frei (Nein, Moral und Meinung ist nicht das gleiche, aber man kann schon sagen, dass Moral meistens eine Sammlung von Meinungen zu verschiedenen Themen ist).

PS: Wenn du mir mit Kant kommst, schießt du dir selbst übel ins Bein. Einerseits, weil der von ihm propagierte Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit durchaus den Schluss zulässt, dass ein freier, vernunftbegabter Mensch mit entsprechend gutem Willen auch ohne kategorischen Imperativ eine von Kant gewünschte Moral zulässt, insofern die selbstdefinierte Moral des Einzelnen mit dem was "gut" ist übereinstimmt....und andererseits, weil Kant der Auffassung ist, dass sich moralisch gute Handlungen aus der Vernunft ableiten lassen, welche aber bei jedem Menschen nachweisbar unterschiedlich ist (Fragebogen mit Fragen, was Vernunft ist und was nicht, es gäbe Abweichungen), auch wenn Kant das nicht wahr haben will.
opium1981
Beiträge: 72
Registriert: 18.02.2010 22:50
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von opium1981 »

mr archer hat geschrieben: Zwei Sachen. Erstens setzt Du schon wieder Dinge synonym, die das nicht sind. "Irrational" und "unmoralisch" sind in Deinem Satz eben nicht einfach nur Entsprechungen. Sie stehen sich vielmehr gegenüber.
Das tue ich, weil ich mich auf den Begriff der universellen Moral beziehe. Bedeutet, wie vorher schon mehrmals erklärt: eine universelle Moral hast du dann, wenn du moralische Grundregeln aufstellen kannst, denen jeder rational denkende Mensch zustimmt.

Daraus folgt, dass jeder Mensch, der diesen Regeln nicht zustimmt, irrational sein muss. Da jemand, der nach diesen Begriffen irrational ist, nicht der universellen Moral folgt, ist er folglich auch gleichzeitig unmoralisch.
mr archer hat geschrieben: Zweitens kannst Du die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte mit dem Dritten Reich nicht verknüpfen wie Du es hier tust. Denn sie wurde NACH dem Krieg IM EINDRUCK DES GESCHEHENEN verfasst. Nicht vorher. Damit stellte sich zumindest dieses moralische Dilemma wie Du es hier schilderst bei Kriegseintritt den Allierten nicht.

Seither gilt zwischen UNO-Staaten eigentlich der Grundsatz "Nie wieder Krieg".

Leider scheitert hier mal wieder das Tun aller Handelnden an ihren eigenen, in guter Überzeugung für moralisch richtig erklärten Grundsätzen. Das nimmt diesen moralischen Gesetzen nicht ihre universelle Gültigkeit. Es zeigt nur, dass Menschen Moral gerne mal verbiegen und zurechtstutzen, wie es gerne passt.
Ist mir bewusst, deshalb habe ich hier auch keine weiteren Namen genannt. Das lässt sich nämlich allgemein anwenden: wenn du die allgemeinen Menschenrechte als universelle Moral bezeichnest, darfst du auch keinen Befreiungskrieg führen, wie es hier geschehen ist.

Und ja, Menschen biegen Moral und stutzen sie zurecht. Das zeigt, dass sie entweder irrational sein müssen, oder dass es keine universelle Moral gibt.
Benutzeravatar
FuerstderSchatten
Beiträge: 5146
Registriert: 13.07.2010 01:03
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von FuerstderSchatten »

mr archer hat geschrieben:
opium1981 hat geschrieben:
Ich bin jedoch der Meinung, dass Menschen, ihre Lebensumstände und ihre Ansichten zu unterschiedlich sind, als dass etwas derartiges praktisch umzusetzen wäre. Innerhalb einer einzelnen Kultur hingegen lässt es sich umsetzen. Nur nicht kulturübergreifend.

Ach ja. Kulturrelativismus. Mein liebstes. Unterdrückung elementarster Frauenrechte bei den Taliban? Von Homosexuellenrechten im rechtskonservativen katholischen Milieu? Die Massaker der Roten Khmer? Appartheit in Südafrika in den 1980ern? Sklaverei in den USA-Südstaaten vor dem Bürgerkrieg? Sowas steht uns gar nicht an, zu kritisieren. Das ist schließlich deren Kultur.

Die Erklärung der Menschenrechte gilt übrigens universal. Nicht scheibchenweise für "Kulturen".
Archer schreibt es hier noch etwas prägnanter und auch widerspruchsloser als ich. Man kann nicht einfach falsche Moralvorstellungen über Werte stellen, die einen einfach der gesunde Menschenverstand diktiert. Nur Moralvorstellungen die mit diversen Menschenrechten konform gehen, kann man akzeptieren.

Ich empfinde es auch als enttäuschend, wie Opium meinen Hinweis auf den Artikle 1 gegen mich verwendet, es setzt eben andere herab, die Moral zu haben, den einzig wahren Glauben zu haben oder z.B. das Frauen nichts wert sind. Das hat auch meiner Meinung nichts mit Pluralismus zu tun, auch eine Demokratie muss Grenzen diktieren, denn sonst ist sie einfach nur machtlos und widersinnig, sie hat ja die Aufgabe die Werte von Gleichheit und Brüderlichkeit zu verteidigen.
Zuletzt geändert von FuerstderSchatten am 21.12.2011 15:29, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
mr archer
Beiträge: 10329
Registriert: 07.08.2007 10:17
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von mr archer »

Almalexian hat geschrieben:
PS: Wenn du mir mit Kant kommst, schießt du dir selbst übel ins Bein. Einerseits, weil der von ihm propagierte Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit durchaus den Schluss zulässt, dass ein freier, vernunftbegabter Mensch mit entsprechend gutem Willen auch ohne kategorischen Imperativ eine von Kant gewünschte Moral zulässt, insofern die selbstdefinierte Moral des Einzelnen mit dem was "gut" ist übereinstimmt....und andererseits, weil Kant der Auffassung ist, dass sich moralisch gute Handlungen aus der Vernunft ableiten lassen, welche aber bei jedem Menschen nachweisbar unterschiedlich ist (Fragebogen mit Fragen, was Vernunft ist und was nicht, es gäbe Abweichungen), auch wenn Kant das nicht wahr haben will.
Tja, Kant. Ich bin mir dessen durchaus bewusst. Grundsätzlich davon auszugehen, dass der Mensch aus seinem rationalen Denken heraus zum Guten neigt, ist schon idealistisch bis dort hinaus. Aber ich finde diese moralische Utopie, wie sie auch im Imperativ formuliert ist, bis heute unter all den Auswahlmöglichkeiten am sympathischsten.

Aufs Beispiel der Steinigung der "Ehebrecherin" bezogen hieße das nämlich, die männlichen Steiniger müssten wollen, dass ihnen in der Rolle der Frau das gleiche widerführe. Und zwar nicht nur abstrakt rechtsphilosophisch. Sondern ganz konkret körperlich.

"Was Du nicht willst, dass man Dir tu - das füg auch keinem andern zu." Das ist so universell - das kann prinzipiell jeder Mensch verstehen. Ob man es immer schafft, danach zu handeln - tja.
Freakstyles
Beiträge: 2638
Registriert: 13.10.2004 10:07
User ist gesperrt.
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von Freakstyles »

Archer hat geschrieben: Sklaverei in den USA-Südstaaten vor dem Bürgerkrieg? Sowas steht uns gar nicht an, zu kritisieren. Das ist schließlich deren Kultur.
Wenns so einfach wäre... die "Kultur" aus den USA stammt aus Europa. Vor dem ersten Weltkrieg hat Europa Amerika wirtschaftlich diktiert. Jetzt werden wir von den alliierten diktiert. Beim Krieg der Nord vs Southler, waren von (ich hab nicht mehr die genauen Zahlen im Kopf) ca 180.000 Nördlern 100.000 Deutsche dabei. Die Rechte Hand von Abraham Lincoln war ein Deutscher, er hat es auch später nach dem Krieg bis ins Innenminesterium geschafft. Da also so viele Deutsche an der Befreiuung der Sklaven beteiligt waren, steht es uns natürlich zu darüber zu reden. Zu kritiseren gibts da nicht viel, wir standen ja ausnahmsweise mal auf der richtigen Seite.

Das Problem bei Moral sind oft die politischen Beziehungen und die geschichtliche Vergangenheit. Keiner steht da mal drüber und sagt, ach komm, das war vor 100 Jahren, wir machens jetzt mal besser. Alle haben Angst wieder ins hintertreffen zu geraten.

Bei Moral und Kriegen wäre ich immer sehr vorsichtig, da werden oft moralische Gründe angeführt um einen Krieg zu beginnen, aber letztlich geht es dabei nur um die Rohstoffe. Siehe Saddam und Gadaffi. Beide waren kurz davor eine eigene Währung fürs Öl einzuführen (Der Ölpreis wird seit Jahrzehnten nur in Dollar gerechnet, dadurch gleicht die USA übrigens ihre eigene Inflation aus, sie erhöhen den Ölpreis welcher ja in $ gehandelt wird und lassen dann die anderen Länder die den höheren Ölpreis bezahlen, ihre eigene Inflation ausgleichen), deshalb mussten die weg. Als Gründe wurden dann Atomprogramme (die niemals nachgewiesen wurden) und Menschenrechtliche Gründe aufgeführt. Wenn ein Land gegen ein anderes Land aus moralischen Gründen vorgeht, dann geht es dabei nie um moralische Dinge, sondern immer nur um die harte Währung und die Ressourcen. Wenn man den Ländern Schulen und Brunnen bringen will, dann geht das sicherlich auch ohne da vorher einzumaschieren.
Zuletzt geändert von Freakstyles am 21.12.2011 17:45, insgesamt 1-mal geändert.
opium1981
Beiträge: 72
Registriert: 18.02.2010 22:50
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von opium1981 »

FuerstderSchatten hat geschrieben: Archer schreibt es hier noch etwas prägnanter und auch widerspruchsloser als ich. Man kann nicht einfach falsche Moralvorstellungen über Werte stellen, die einen einfach der gesunde Menschenverstand diktiert. Nur Moralvorstellungen die mit diversen Menschenrechten konform gehen, kann man akzeptieren.
Sehe ich im Prinzip ja genauso, aber so funktioniert es leider nicht. :-/
FuerstderSchatten hat geschrieben: Ich empfinde es auch als enttäuschend, wie Opium meinen Hinweis auf den Artikle 1 gegen mich verwendet, es setzt eben andere herab, die Moral zu haben, den einzig wahren Glauben zu haben oder z.B. das Frauen nichts wert sind. Das hat auch meiner Meinung nichts mit Pluralismus zu tun, auch eine Demokratie muss Grenzen diktieren, denn sonst ist sie einfach nur machtlos und widersinnig, sie hat ja die Aufgabe die Werte von Gleichheit und Brüderlichkeit zu verteidigen.
Ich habe wie du Artikel 1 GG genannt, weil du den Standpunkt geäußert hast, dass es zum Durchsetzen moralischer Grundsätze innerhalb einer Gesellschaft legitim ist, andere dazu zu zwingen, diese anzunehmen. Und ja, so enttäuschend du das auch findest, ich habe damit ein Problem. Hier das Zitat:
FuerstderSchatten hat geschrieben: Natürlich müssen wir das sogar in unserer Gesellschaft, also den Menschen eine bestimmte Moralvorstellung aufzwingen, nicht nur damit eine Gesellschaft auch reibungslos funktioniert, obwohl man natürlich darüber streiten könnte, ob nicht die Gesellschaft des Atztekenreich effizienter ist als unsere Gesellschaft. Aber vielmehr haben wir nicht diesen Auftrag von den Humanisten und Aufklärern übernommen? Außerdem steht es ja in der Verfassung Artikel 1, dass die Würde des Meschen unantastbar ist, also können wir (oder zumindest der Staat) nicht einfach diese Würde partikular Intressen opfern.
Und ja, auch ich habe ein Problem mit Menschen oder Körperschaften, die von sich behaupten, sie hätten den einzig wahren Glauben. Zu behaupten, man hätte die einzig wahre Moral ist da nicht viel anders, daher auch mein Problem mit dem Begriff einer universellen Moral, vor allem in Verbindung mit der Aussage, dass man diese manchmal anderen aufzwingen muss.

Ich habe auch zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass man Menschen oder Gesellschaften, die Frauen herabsetzen, die Todesstrafe ausüben oder sich ähnliche Praktiken zu eigen machen einfach so hinnehmen soll. Ich habe gesagt, dass man, wenn man mit ihnen ins Gespräch treten will, um sie an eine universelle Moral heranzuführen, ihnen auf gleicher Augenhöhe begegnen muss, da sonst jedes Gespräch nichts bringt. Betrachte ich sie aber als irrational oder in irgendeiner Form als schrecklich oder minderwertig, wird mein Gegenüber das unweigerlich bemerken. Da kann ich mir das Gespräch auch gleich sparen.

Natürlich können wir losziehen und mal eben den kompletten mittleren Osten aufreiben, ihnen eine Demokratie aufzwingen, etc. Aber ist das der richtige Weg? Meint jemand ernsthaft, dass sowas funktioniert? Aber das soll ja auch gar nicht Thema sein. Thema war der Begriff einer universellen Moral und die Tatsache, dass diese weder umsetzbar noch wünschenswert ist, geht man von den gegebenen Definitionen aus.

@FreakStyles: Äh...editier mal bitte deinen Beitrag, denn diese Aussage kam gar nicht von mir, sondern von meinem Mitredner.
Freakstyles
Beiträge: 2638
Registriert: 13.10.2004 10:07
User ist gesperrt.
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von Freakstyles »

opium1981 hat geschrieben:
@FreakStyles: Äh...editier mal bitte deinen Beitrag, denn diese Aussage kam gar nicht von mir, sondern von meinem Mitredner.
Hab ich, sry.
opium1981 hat geschrieben: Ich habe auch zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass man Menschen oder Gesellschaften, die Frauen herabsetzen, die Todesstrafe ausüben oder sich ähnliche Praktiken zu eigen machen einfach so hinnehmen soll. Ich habe gesagt, dass man, wenn man mit ihnen ins Gespräch treten will, um sie an eine universelle Moral heranzuführen, ihnen auf gleicher Augenhöhe begegnen muss, da sonst jedes Gespräch nichts bringt. Betrachte ich sie aber als irrational oder in irgendeiner Form als schrecklich oder minderwertig, wird mein Gegenüber das unweigerlich bemerken. Da kann ich mir das Gespräch auch gleich sparen.
Da wäre man dann wahrscheinlich im Bereich Wissenschaft und Religion. Is halt schwierig die Menschen nach Jahrhunderten im Einklang mit Religion, ihnen jetzt etwas anderes beizubringen. Die Vorgehensweise von Dir find ich ok, aber die Diskussionen würden wahrscheinlich im Sumpf der Religion verlaufen. Religion ist sowieso immer von 2 Seiten zu betrachten, einmal die Seite des Glaubens, welche für viele Menschen wichtig ist und auch vollkommen in Ordnung geht und die Seite der Regeln innerhalb einer Religion welche nunmal sehr veraltet und oft Menschenverachtend sind.
opium1981
Beiträge: 72
Registriert: 18.02.2010 22:50
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von opium1981 »

Freakstyles hat geschrieben: Da wäre man dann wahrscheinlich im Bereich Wissenschaft und Religion. Is halt schwierig die Menschen nach Jahrhunderten im Einklang mit Religion, ihnen jetzt etwas anderes beizubringen. Die Vorgehensweise von Dir find ich ok, aber die Diskussionen würden wahrscheinlich im Sumpf der Religion verlaufen. Religion ist sowieso immer von 2 Seiten zu betrachten, einmal die Seite des Glaubens, welche für viele Menschen wichtig ist und auch vollkommen in Ordnung geht und die Seite der Regeln innerhalb einer Religion welche nunmal sehr veraltet und oft Menschenverachtend sind.
Ja, ich denke auch, dass da gerade aufgrund der starken religiösen Färbung der Geisteshaltung in manchen Ländern eher ein langwieriger Prozess angestoßen werden muss. Auf der anderen Seite: Vielleicht ist das gar nicht so sehr notwendig. Ich würde es für möglich halten, dass ein freier Zugang zum Internet schon von sich aus dafür sorgt, dass eine Kultur aufgeklärter wird. Was wohl der Grund sein wird, weshalb in vielen autoritären Regimes das Internet nur stark eingeschränkt (wenn überhaupt) verfügbar ist.

Aber wir sind inzwischen so weit OT, dass es mich wundert, dass sich hier noch keiner beschwert hat. An dieser Stelle auch: vielen Dank an die Mods, dass sie uns hier so frei diskutieren lassen! Und auch danke an meine Mitredner - ich hatte lange keine intellektuelle Diskussion mehr, die so interessant war! :)
Benutzeravatar
FuerstderSchatten
Beiträge: 5146
Registriert: 13.07.2010 01:03
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von FuerstderSchatten »

opium1981 hat geschrieben:
Ich habe wie du Artikel 1 GG genannt, weil du den Standpunkt geäußert hast, dass es zum Durchsetzen moralischer Grundsätze innerhalb einer Gesellschaft legitim ist, andere dazu zu zwingen, diese anzunehmen. Und ja, so enttäuschend du das auch findest, ich habe damit ein Problem. Hier das Zitat:
Ich fand es ja entäuschend, weil du gut Argumente für die falsche Denkweise geliefert hast. Ich war sozusagen enttäuscht, dass du meinen eigentlich vernünftigen Gedanken gegen mich verwendet hast. Und das auch leider noch in gewisser Hinsicht überzeugend.
Popobawa
Beiträge: 217
Registriert: 27.01.2010 16:44
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von Popobawa »

Schöne Diskussion, so am Rande.

Das Problem das hier besteht, ist wohl der von mir eingebrachte Begriff der universellen Moral. Dabei bezog ich mich zugebender maßen auf die etwas alte Theorie von Kohlberg. Wobei auch der das wiederum von irgendwo her hat.

Die universelle Moral bedeutet nicht das jeder ihr zustimmt, es bedeutet auch nicht das diese Moral für alles gilt, es spielt sich vielmehr auf einen abstrakten Level ab. So ordnet man den Spruch "behandle andere so wie du behandelt werden möchtest" dazu. Ein ebenso wichtiges Merkmal ist die Befreiung von Autoritäten (Religion) und gesellschaftlichen Normen, das heißt diese Moralbildung muss frei sein von solchen Einflüssen. Dies ist auch was Kohlberg damit meinte, das nur sehr wenige Menschen dazu imstande sind.

Auf das Thema bezogen bedeutete es, ob es moralisch Vertretbar ist, den Eigennutz weniger über den Wohl der Allgemeinheit zu stellen.

Meiner Meinung nach nein, es Fängt bei wichtigen Dingen an wie die Medikamenten und enden eben bei den Unterhaltungsmedien.
Benutzeravatar
Brakiri
Beiträge: 3482
Registriert: 19.09.2006 11:34
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von Brakiri »

opium1981 hat geschrieben:
Aber wir sind inzwischen so weit OT, dass es mich wundert, dass sich hier noch keiner beschwert hat. An dieser Stelle auch: vielen Dank an die Mods, dass sie uns hier so frei diskutieren lassen! Und auch danke an meine Mitredner - ich hatte lange keine intellektuelle Diskussion mehr, die so interessant war! :)
Hihi..ich wollte es ja nicht sagen! :)

Interessant ist die Diskussion schon.
ABER: Ich dreht euch im Kreis. Habt ihr mal überlegt, ob ihr vielleicht weitere Beurteilungskriterien in eure Diskussion zur moralischen Bewertung von Verhalten einbringen könntet, um den Deadlock aufzulösen?

Z.B. (jaja, bitte nicht hauen) das Nutzenkonzept?

In meinem Studium habe ich bemerkt, dass erstaunliche viele Dinge sich nach einem bestimmten Muster richten, wenn man das Kriterium des Nutzens einbezieht.

Problematisch ist natürlich hier, wie dieser zu messen ist. Bei so Sachen wie Strafen bei wirtschaftlichem Schaden lässt sich das leichter überwinden als bei Personenschaden.

Bei so Sachen wie Sklaverei wäre eine solche Abschätzung sehr interessant. Ist es volkswirtschaftlich besser, wenn es eine Gruppe Leute gibt, die rechtelos zu niedrigster Arbeit verdonnert wird, oder wenn diese Gruppe Bildung, Rechte usw. erfährt und so einen viel höheren Beitrag zur Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft leisten kann?

Da die grundsätzliche Moral, wie Aufopferung für die Gruppe usw. in den Genen als Instinkte verankert sind, wo das Nutzenkonzept indirekt anwendbar ist, kann ich mir gut vorstellen, dass auch in abstrakteren Moralkonstrukten diese Sicht hilfreich sein könnte.

Z.B. gibt es auch Nutzenberechnungen was Medikamente usw. angeht. Da man hier in einem Spannungsfeld zwischen Investitionsanreiz und Nutzenmaximierung operiert, gibt es dort gute zweitbeste Lösungen, indem man Patente z.B. solange verteilt, bis die Kosten wieder drin sind, und dann durch Konkurrenz eine bessere Versorgung für die Bevölkerung sicherstellt.
Ebenso könnte man auch bei digitalen Produkten verfahren.
Benutzeravatar
FuerstderSchatten
Beiträge: 5146
Registriert: 13.07.2010 01:03
Persönliche Nachricht:

Re: The Witcher 2: Assassins of Kings: CD Projekt lässt abmahnen

Beitrag von FuerstderSchatten »

Brakiri hat geschrieben:
opium1981 hat geschrieben:
Aber wir sind inzwischen so weit OT, dass es mich wundert, dass sich hier noch keiner beschwert hat. An dieser Stelle auch: vielen Dank an die Mods, dass sie uns hier so frei diskutieren lassen! Und auch danke an meine Mitredner - ich hatte lange keine intellektuelle Diskussion mehr, die so interessant war! :)
Hihi..ich wollte es ja nicht sagen! :)

Interessant ist die Diskussion schon.
ABER: Ich dreht euch im Kreis. Habt ihr mal überlegt, ob ihr vielleicht weitere Beurteilungskriterien in eure Diskussion zur moralischen Bewertung von Verhalten einbringen könntet, um den Deadlock aufzulösen?

Z.B. (jaja, bitte nicht hauen) das Nutzenkonzept?

In meinem Studium habe ich bemerkt, dass erstaunliche viele Dinge sich nach einem bestimmten Muster richten, wenn man das Kriterium des Nutzens einbezieht.

Problematisch ist natürlich hier, wie dieser zu messen ist. Bei so Sachen wie Strafen bei wirtschaftlichem Schaden lässt sich das leichter überwinden als bei Personenschaden.

Bei so Sachen wie Sklaverei wäre eine solche Abschätzung sehr interessant. Ist es volkswirtschaftlich besser, wenn es eine Gruppe Leute gibt, die rechtelos zu niedrigster Arbeit verdonnert wird, oder wenn diese Gruppe Bildung, Rechte usw. erfährt und so einen viel höheren Beitrag zur Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft leisten kann?

Da die grundsätzliche Moral, wie Aufopferung für die Gruppe usw. in den Genen als Instinkte verankert sind, wo das Nutzenkonzept indirekt anwendbar ist, kann ich mir gut vorstellen, dass auch in abstrakteren Moralkonstrukten diese Sicht hilfreich sein könnte.

Z.B. gibt es auch Nutzenberechnungen was Medikamente usw. angeht. Da man hier in einem Spannungsfeld zwischen Investitionsanreiz und Nutzenmaximierung operiert, gibt es dort gute zweitbeste Lösungen, indem man Patente z.B. solange verteilt, bis die Kosten wieder drin sind, und dann durch Konkurrenz eine bessere Versorgung für die Bevölkerung sicherstellt.
Ebenso könnte man auch bei digitalen Produkten verfahren.
Ich denke, dass war ja ein Teil auch meines Standpunkts, ich habe ja behauptet, dass falsche Moral vielerorts dem Machterhalt dient, also diesen legitimiert.
tzui123
Beiträge: 37
Registriert: 05.05.2006 13:37
Persönliche Nachricht:

Kommentar

Beitrag von tzui123 »

Kommentar hier eingeben...
GSGalaxy
Beiträge: 30
Registriert: 07.08.2002 08:23
Persönliche Nachricht:

Kommentar

Beitrag von GSGalaxy »

Diese ganzen Diskussionen sind vollkommen belanglos.
Das nennt man einfache, grundlegende Logik ...
Denn - wie CD-Projekt es beschrieben hat - ehrliche Käufer wurden mit dem Weglassen von Kopierschutzmassnahmen, DRM u. Co. belohnt. Warum soll man jetzt Witzbolde, welche sich ein solches Spiel (welches durch tägliche Arbeit, über Jahre hinweg, von vielen Mitarbeitern, welche damit ihr tägliches Brot für sich und ihre Familien verdienen, zusammengebaut wurde) für umme ziehen, einfach mal so weitermachen lassen. Sie sollten wissen, was sie da tun (oder vielleicht wissen sie es wirklich nicht ?? So wie es mit der heutigen Gewissens-Moral steht, scheinbar nicht ...).
So ein Spiel mit diesem Tiefgang und Grafik- und Programmier-Qualität schüttelt man nicht einfach mal so aus den Ärmeln. Wie kann das angehen, daß 100 % Spieler nach neuen, guten Spielen schreien, und wenn diese erscheinen, dann nur 20 % davon wirklich dafür bezahlen ?!
Da arbeiten z.B. Menschen in einer Produkt-herstellenden Branche - stellen Solches her - dann wird's ins Geschäft gelegt - aber nur ein geringer Teil bezahlt dafür an der Kasse, der Grossteil, steckt's einfach so in die Tasche und schummelt sich an der Kasse vorbei. Was geschieht dann nach bestimmter Zeit ? Ganz einfach, das was produziert wurde, kostete viel mehr in der Herstellung, als das, was schlussendlich verkauft wurde. Ergo - was macht der Betrieb ? Er geht pleite, schliesst seine Tore, entlässt die Mitarbeiter, das war's. Und dann ? Jetzt können Diejenigen, welche sich die Sachen einfach in die Tasche, ohne zu bezahlen, gesteckt haben, diese Produkte AUCH nicht mehr für umme mitnehmen, da es diese einfach nicht mehr gibt - nicht mehr produziert werden ...

Man kann es aber auch ganz einfach so formulieren:
Diejenigen, welche es regulär gekauft haben, müssen solche Meldungen überhaupt NICHT beachten, denn es betrifft sie nicht - sie haben ja mit ihrem (auch, möglicherweise, selbst mit irgendetwas Produziertem oder Dienstgeleistetem verdientem) sauer verdienten Geld das Spiel gekauft.
Die Einzigen, welche sich darüber wirklich aufregen (müssen), sind wohl Diejenigen, welche befürchten müssen, ertappt zu werden ...