mir is auch egal wie viel RPG das Spiel am Ende ist. Hauptsache das Spielgefühl stimmt.
Ich habe jetzt einfach mal dieses Zitat hier genommen, da es den Standpunkt zum Thema "RPG" recht gut zusammenfasst.
Ich will diesen Standpunkt auch gar nicht unbedingt bewerten, denn das muss jeder so sehen, wie er denkt!
Dennoch frage ich mich, wieso diese Sichtweise ausgerechnet im Hinblick auf das RPG-Genre so gerne für legitim gehalten wird.
Man stelle sich eine solche Aussage mal im Bezug auf ein beliebiges anderes Genre vor, z. B.:
"Ist doch egal, wieviel Shooter am Ende in der Neuauflage von Call of Duty steckt. Hauptsache das Spielgefühl stimmt"
oder
"Spielt doch keine Rolle, wieviel Fußball im neuen PES steckt, Hauptsache das Spielgefühl stimmt".
Spätestens bei letzterem Beispiel stößt es mir persönlich sauer auf und es wird deutlich, wie absurd diese Aussage eigentlich ist. Wieso soll es keine Rolle spielen, ob ein Fußballspiel auch ein Fußballspiel und nicht sonst irgendwas ist?!
Wieso soll es egal sein, ob ich, wenn ich mir einen Ego-Shooter kaufe, auch einen solchen bekomme und nicht irgendwas anderes?!
Ebenso wie jedes andere Genre hat das Genre des "Fantasy-Rollenspiels" eine gewisse Tradition. In klassischen P&P-RPGs wie D&D, DSA etc. finden sich zahlreiche Elemente, die zumindest jeder "alte Hase" untrennbar mit diesem Genre verknüpfen und daher auch folgerichtig ganz bestimmte Erwartungen und Ansprüche an ein neues Spiel - übrigens völlig egal, ob nun ein P&P oder ein Videospiel - stellen wird, welches er als diesem Genre zugehörig anerkennen soll.
Ein Rollenspiel wird nicht allein dadurch zum Rollenspiel, dass man als Spieler eine Rolle spielt! Wäre dem so, dann müsste man im Grunde praktisch jedes Spiel als Rollenspiel bezeichnen, denn in einem Fußball-Simulator spiele ich auch die Rolle von Bastian Schweinsteiger...
Wie jedes andere Genre hat auch ein Rollenspiel bestimmte Merkmale, an denen man erkennen kann, dass es sich um ein solches handelt.
Und: Es gab durchaus eine Zeit, in der wenigstens versucht wurde, den Vorstellungen der speziellen (!) Zielgruppe der Rollenspieler möglichst gerecht zu werden, indem diese Merkmale markant herausgearbeitet und in den Mittelpunkt gestellt wurden, so, wie das in jedem anderen Genre eigentlich ganz selbstverständlich ist.
Das heißt nicht, dass man ewig beim Alten bleiben muss und sich nicht weiterentwickeln darf! Ein Apfelkuchen, dem ein besonders feines Rezept zugrunde liegt, kann auch davon profitieren, wenn einmal etwas neues probiert bzw. das Rezept leicht variiert wird, solange es trotzdem ein Apfelkuchen bleibt. Bekomme ich aber irgendwann einen Schweinebraten, obwohl ich einen Apfelkuchen bestellt habe, dann ist das einfach am Thema vorbei, völlig egal, ob der Schweinebraten auch gut ist - ich habe einen Apfelkuchen bestellt!
Die Erwartungen, welche die spezielle Zielgruppe der "Traditionsrollenspieler" ganz folgerichtig an ein Rollenspiel stellt, werden seit Jahren kaum im Ansatz befriedigt! Für die Richtigkeit dieser Feststellung spielt es überhaupt keine Rolle, ob es auch Leute gibt, die dem modernen Genre des "
Casual
action
shooter
hackandslay
jumpandrun
adventure-Rollenspiels" (Kurzform: "Cash-ja-RPGs") etwas abgewinnen können und wie viele das sind. Ich gönne ihnen von Herzen, dass sie seit Jahren reichlich bedient werden, doch: Sie gehören zu einer anderen Zielgruppe - vermutlich zu mehreren verschiedenen!
Tatsache ist und bleibt: Die angesprochenen RPG-Tugenden - und jeder Rollenspieler der "alten Schule" wird wissen, welche dies sind - finden sich seit Jahren - wenn überhaupt - allenfalls vereinzelt und marginal in den sogenannten "Rollenspielen".
Bei "den Rollenspielern" handelt es sich ebenso um eine ganz bestimmte Zielgruppe, wie bei "den Shooter-Spielern" oder "den Fußball-Spielern".
Ich denke, es ist wirklich mal wieder an der Zeit, für ein "richtiges" Rollenspiel, das vor allem von den "alten Hasen" des Genres auch als solches erkannt wird derart, wie auch ein Hardcore-Shooter-Freak einen "richtigen" Ego-Shooter von einem weichgespülten "Waffensoftporno" unterscheiden kann, gerade
weil er eben sehr zu Recht ganz bestimmte Erwartungen an "sein" Genre hat!
Auch das RPG-Genre hat ein solches eigenes Profil und das wird in den ganzen Diskussionen um Inventare, Kampfsysteme & Co., die sicher nicht das Wesentliche sind, leider viel zu oft vergessen bzw. immer mehr verwaschen...
Deshalb sollte es jedem Rollenspieler ein Anliegen sein, dass das RPG-Genre nicht weiterhin zu einem "von-allem-etwas-aber-nichts-richtig"-Eintopf verkocht wird.
Es ist an der Zeit für eine klare Trennung der Genres des "Cash-ja-RPGs" und des "klassischen RPGs", welches ein ebenso scharfes Profil besitzt wie andere Genres. Beides mag seine Berechtigung haben, aber Letzteres eben auch!