Der 4P-Kommentar: Call of Iran

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Minando
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Beitrag von Minando »

4P|T@xtchef hat geschrieben:@Rosa Elfe: Jep, das ist wichtig. Das darf keine pädogogische Predigt von der Kanzel werden, es müsste ein Abbild der Realität sein, die für sich spricht und mir evtl. eine Entscheidung abverlangt.
Ob DAS bei einer Spielergemeinde ankommt die Shooter eher von der Räuber-und-Gendarm- Perspektive angeht ? Peng Peng MIT Konsequenzen ? Das ist ja wie Hardcore-Teletubby-Fans mit Schindlers Liste zu malträtieren !
Das kannste nicht bringen...
johndoe530232
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Beitrag von johndoe530232 »

Ein Kommentar, der leider nur zu voraussehbar war und wahrscheinlich seit einem Monat auf der Festplatte geschlummert hat.

Aber okay, die hauseigenen Fans müssen auch bedient werden, schätze ich ^^
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Exuon
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Beitrag von Exuon »

Ich mag sowelche Shooter sowieso nicht. Da warte ich liebe auf Half Life 3 oder Bioshock Infinte :D
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Kajetan
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Re: Call of Iran

Beitrag von Kajetan »

Preasi hat geschrieben:Warum spielt man in allen gängigen "Kriegsspielen" eigentlich immer auf der amerikanischen Seite.
Warum strotzen Sie alle voller Patriotismus.
Dreimal darfst Du raten ...

1. Publisher und Entwickler sind US-Firmen.
2. Die US-Army gibt freudig Unterstützung in Form von beratenden Offizieren.
3. Diese Spiele werden in erster Linie für den US-Markt produziert, wo die US-Army der große Held ist und die Welt mit Gottes Segen in Frieden und Demokratie bombt.

Dass hierzulande Leute gerne solche Spiele zocken oder wie Hr. Luibl kritische Anmerkungen dazu verfassen, ist für diese Verhältnisse dort sowas von nebensächlich, da Joe Sixpack sich nicht darum kümmert, was irgendwo im Ausland toll oder mies gefunden wird. Joe Sixpack möchte seine Army heldenhaft feiern und das bekommt er auch. Erst wenn er das ausdrücklich nicht mehr möchte und MW17 ein gnadenloser Flopp wird, erst dann werden Activison und Co. sich was anderes überlegen. Nicht vorher.
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Howdie
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Beitrag von Howdie »

Was ist mit den physischen und psychischen Folgen des Krieges? Was ist mit Deserteuren auf allen Seiten? Was ist mit den hoch dekorierten Krüppeln? Was ist mit den Bomberpiloten, die mal ein ganzes Dorf einäschern? Was ist mit den Veteranen, die nach dem Krieg ohne Psychopharmaka nicht mehr leben können? Was ist mit dem Bundeswehrsoldaten, der nach seinem ersten Gefecht kotzen muss? Was ist mit dem zwölfjährigen Afghanen, der von den Taliban entführt und an die Front geschickt wird? Was ist überhaupt mit der Frage nach dem Sinn dieses Krieges?

Das kann ein Spiel nicht thematisieren? Oh doch - das kann es und das muss es endlich! Wenn es als Medium ernster genommen werden will, dann muss es auch Reife zeigen. Das verkauft sich nicht? Oh doch - man muss es nur genau so geschickt in die Schlagzeilen bringen wie das x-te idiotische Moorhuhnschießen in Uniform!
Nein das kann es nicht! Denn es ist ein Spiel! Es sind Pixel. Die können nicht die Gräuel des Krieges widerspiegeln. Ich kann mich nicht fühlen wie ein kotzender Soldat im Schützengraben.
Wir reden von Videospielen und nicht von Kriegssimulationen. Ein Spiel soll mich unterhalten und im besten Fall zum Nachdenken anregen. Aber mit Sicherheit soll es nicht dafür sorgen, dass ich mich schlecht fühle.

Lassen wir doch mal die Kriche im Dorf und sehen Shooter als das was sie sind: Unterhaltung. Ein Edutainment-Shooter macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, denn die Folge kann nur sein, dass das Töten der Gegner schlecht ist. Denn Krieg ist schlecht. Wenn ich das dem Spieler vermittele... wie soll er dann noch Spaß am spielen haben? Wie soll ich Gegner töten, wenn mir das Spiel ständigt sagt dass das was ich tue schlecht ist. Dass ich ein Mörder bin...

Sorry Jörg, aber die Forderung halte ich persönlich für völlig überflüssig und nicht praktikabel. Wenn sich ein interaktives Medium damit auseinandersetzt macht es den Spieler automatisch zum Täter, denn es gibt keine moralische Rechtfertigung für das Töten von Menschen... wer sollte so etwas spielen wollen? Ich jedenfalls nicht!
Zuletzt geändert von Howdie am 14.10.2010 14:17, insgesamt 1-mal geändert.
Kyanon
Beiträge: 26
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Re: Call of Iran

Beitrag von Kyanon »

Kajetan hat geschrieben:
Preasi hat geschrieben:Warum spielt man in allen gängigen "Kriegsspielen" eigentlich immer auf der amerikanischen Seite.
Warum strotzen Sie alle voller Patriotismus.
Dreimal darfst Du raten ...

1. Publisher und Entwickler sind US-Firmen.
2. Die US-Army gibt freudig Unterstützung in Form von beratenden Offizieren.
3. Diese Spiele werden in erster Linie für den US-Markt produziert, wo die US-Army der große Held ist und die Welt mit Gottes Segen in Frieden und Demokratie bombt.
haha sowas von /signed

xD

ich finde immer noch, das wirklich ironische ist doch, dass unsere Freunde aus Übersee diese Mediengaukelei und Farce immer noch nicht kapieren
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mr archer
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Beitrag von mr archer »

4P|T@xtchef hat geschrieben:
@mr archer: Der Shooter müsste sich neu erfinden - auch inhaltlich. Selbst wenn geschossen wird, was immer noch sehr wichtig wäre, müsste der Kontext ein anderer, die Inszenierung eine andere sein. Entscheidend ist nur, wie schon oben angemahnt, dass man so ein Thema nicht als Point&Click-Adventure oder Nischen-Survival-Horror angeht, sondern frontal mit der fortschrittlichsten Engine vor der Brust.
Ja, man muss versuchen, sich in den Action- und Grafik-Konventionen des Genres zu bewegen. Einerseits. Allerdings fehlt mir da im Moment die Phantasie, wie das gelingen soll. Im Shooter schieße ich auf Pixel, die auf mich schießen. Bin ich nicht schneller/besser als diese, "sterbe" ich. Thats it. Macht Spass und ist spannend. Ein Anti-Kriegsshooter der trotzdem reiner Shooter gemäß dieser Definition bleiben will, bekommt damit ein strukturelles Problem: Der Vorgang des Schießens auf die Pixel muss moralisch aufgeladen werden, damit er hinterfragbar/problematisierbar wird. Gelingt das, habe ich keine Lust mehr, auf die Pixel zu schießen (wenn mit meinen moralischen Systemen soweit alles im Lot ist...) Damit sind meine Handlungsmöglichkeiten innerhalb der Shooter-Mechanismen aber erschöpft. Das Spiel ist vorbei.
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Infi88
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Beitrag von Infi88 »

Barzano hat geschrieben:
Prinz Eisenstange hat geschrieben:Die, die Medal of Honor bereits gekauft haben wollens nicht anders, und die die es nicht gespielt haben, koennen hier nicht mitreden...
Das hier ist keine Diskussion über MoH, sondern eine Grundsatzdiskussion. Hier darf jeder mitreden der lustig ist, dafür muss man kein MoH gespielt haben :roll:
Du hast den Post nicht richtig verstanden.
Er meinte wohl damit, das wer den Verfall des Shooter Genres nicht versteht oder verstehen will, MOH gespielt haben muss, sonst kann man sich dazu gar nicht äußern ;).
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Kajetan
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Beitrag von Kajetan »

Howdie hat geschrieben: Wir reden von Videospielen und nicht von Kriegssimulationen.
Und was unterscheidet Videospiele von Büchern und Filmen, wo solche Thematiken selbstverständlich behandelt werden?
Ein Spiel soll mich unterhalten und im besten Fall zum Nachdenken anregen. Aber mit Sicherheit soll es nicht dafür sorgen, dass ich mich schlecht fühle.
Was es soll oder nicht, entscheidest nicht Du, sondern derjenige, der so ein Spiel macht. Du entscheidest nur, was Dir gefällt oder eben nicht. Wenn Dir sowas nicht gefällt, dann spiele es nicht. Es zwingt Dich ja auch niemand Apokalypse Now anzuschauen, wenn Du eigentlich nur den Tag mit einer netten Komödie abschliessen willst.

Ist eigentlich ganz einfach, nicht?
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Barzano
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Beitrag von Barzano »

Infi88 hat geschrieben:
Barzano hat geschrieben:
Prinz Eisenstange hat geschrieben:Die, die Medal of Honor bereits gekauft haben wollens nicht anders, und die die es nicht gespielt haben, koennen hier nicht mitreden...
Das hier ist keine Diskussion über MoH, sondern eine Grundsatzdiskussion. Hier darf jeder mitreden der lustig ist, dafür muss man kein MoH gespielt haben :roll:
Du hast den Post nicht richtig verstanden.
Er meinte wohl damit, das wer den Verfall des Shooter Genres nicht versteht oder verstehen will, MOH gespielt haben muss, sonst kann man sich dazu gar nicht äußern ;).
Ahja, ich hab den Post nicht richtig verstanden. Großzügige Interpretation deinerseits, aber meine Antwort würde die gleiche bleiben. MoH hat mit dem Thema hier nur indirekt zu tun und es ist furchtbar egal, wer das Spiel gespielt hat und wer nicht. Der Verfall des Shooter Genres wurde schließlich nicht erst durch MoH eingeläutet.
Kyanon
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Beitrag von Kyanon »

@ Howdie:

Entschuldige mal, aber hast du jemals ein Buch gelesen? Ein gutes wäre nicht schlecht...
Bücher sind wie Filme und Spiele zur Unterhaltung da, aber darin kann ein guter Autor so viel mehr verpacken. Auch kritisches und viele Dinge die eine andere Perspektive ermöglichen und zum Denken anregen.
Ich weiß nicht wie sich das von den Spielen unterscheiden sollte.
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Redd1990
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Beitrag von Redd1990 »

@ Howdie

Warum kann ein Spiel die schlechten Seiten des Krieges nicht thematisieren?
Was hindert das Spiel daran? Klar, soll das Spiel nicht den Spieler vorm Monitor/TV zum kotzen bringen bzw das Spiel soll dir nicht dein Leben lang sagen, dass du ein Mörder bist. Das verlangen wir auch nicht, bzw ich nicht ^^

Aber es ist ja wohl möglich ein Kriegsspiel zu entwickeln, welches mehr Anspruch hat. Wo man eben nicht, sinnlos Pixelmännchen umschiesst und sich zum Schluss darüber freut: "YEAH ich habe 56 Feinde gekillt, ich bin Gott" (im übertriebenen Sinne). Es ist nicht so, als würde ich solche Spiele nicht spielen, aber mit der Zeit wird es einfach öde und man sehnt sich nach mehr Story ( nach mehr Wahrheit ). Ich persönlich gebe mich nicht mehr mit Spielen zufrieden, die nur solides Ballergemetzel bieten.
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Jörg Luibl
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Beitrag von Jörg Luibl »

In den besten Filmen und Büchern leidet man mit den Helden. In den wichtigsten Filmen und Büchern geht es um Mord, Totschlag, Hass, Rache, Schuld und Sühne. Von Dostojewski bis Coppola ist es nicht sehr weit. Man wird beim Zuschauen und Lesen von den Abgründen der eigenen Spezies erschreckt - weil man sich dabei vielleicht selbst entdeckt.

Das soll ein Spiel nicht leisten können? Natürlich kann es das. Und es kann das weit über einem Niveau inszenieren, das mich zum reinen Serientäter degradiert. Es gibt ja Ansätze.

So ein Spiel kann keine Zielgruppe über Käufe oder Nicht-Käufe erzwingen, so ein Spiel muss ein mutiger Publisher mit einem visionären Entwickler erzwingen.
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Howdie
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Beitrag von Howdie »

Kajetan hat geschrieben:
Howdie hat geschrieben: Wir reden von Videospielen und nicht von Kriegssimulationen.
Und was unterscheidet Videospiele von Büchern und Filmen, wo solche Thematiken selbstverständlich behandelt werden?
Ein Spiel soll mich unterhalten und im besten Fall zum Nachdenken anregen. Aber mit Sicherheit soll es nicht dafür sorgen, dass ich mich schlecht fühle.
Was es soll oder nicht, entscheidest nicht Du, sondern derjenige, der so ein Spiel macht. Du entscheidest nur, was Dir gefällt oder eben nicht. Wenn Dir sowas nicht gefällt, dann spiele es nicht. Es zwingt Dich ja auch niemand Apokalypse Now anzuschauen, wenn Du eigentlich nur den Tag mit einer netten Komödie abschliessen willst.

Ist eigentlich ganz einfach, nicht?
Nein, eben nicht. Wenn du in einem Film ein KZ, eine Vergewaltigung oder einen Kriegsverbrecher siehst fühlst du dich schlecht. Wenn du siehst wie in Platoon Menschen hingerichtet werden ist das schon eine harte Nummer. Wenn man dann den Flughafen-Level dagegen stellt ist das ein Witz. Da es keinerlei Emotionen weckt. Es sind Pixel.

Stellt man das Spiel jetzt auf die Stufe eines Antikriegsfilms bin ich nicht mehr nur der Beobachter. Ich agiere und ich töte Menschen. Der Unterschied zwischen Spaß und Simulation ist eben, die Emotion. Wenn ich Krieg ernsthaft simulieren will, dann läuft das nur über Schrecken und Grauen.

Wenn ein Spiel das wirklich schaffen würde könnte es niemand mehr spielen. Wenn ich wirklich das Gefühl hätte im Krieg zu sein und eben nicht nur auf Pixel schieße... dann könnte ich nicht mehr abdrücken und viele andere eben auch nicht. Das ist die Crux beim Spiel. Der aktive Part. Deswegen gibt es in dem Fall auch eine nicht zu überwindende Kluft zwischen Film und Spiel. Während Filme sehr realistisch und hart sein können um den Zuschauer zu packen müssen Spiele immer sagen: Hallo ich bin nur ein Spiel. Es sind nur Pixel auf die du schießt. In dem Moment wo diese Grenze fällt wird es pervers. Diese Grenze soll doch bitte unantastbar werden, denn sonst droht durch Spiele wirklich die Verrohung der Gesellschaft. ;)

@Jörg: Ich sehe einen großen Unterschied zwischen dem Beobachten in Büchern und dem Agieren in Spielen. Zumindest in Bezug auf deine Forderung. Es ist etwas anderes in einem Buch über eine Vergewaltigung zu lesen oder eine "nachzuspielen". Das sind ganz klar 2 Paar Schuhe.

@Kya: Ich sage ja auch nicht, dass Spiele nicht kritisch sein dürfen. Mir geht es nur um die konkrete Forderung mit dem Kriegsspielen. ;)
Zuletzt geändert von Howdie am 14.10.2010 14:31, insgesamt 2-mal geändert.
Kyanon
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Beitrag von Kyanon »

Dankeschön Red1990 ^^
Ist schön hier viele geteilte Meinungen lesen zu können.

Red hat das gut thematisiert, du sollst ja nicht kotzen vor deinem Screen. Es soll mit bewegen. Die Leute, die Inception gut fanden sollten dies vll als Bsp. nehmen.

Wieso haben wir etwas so episches nicht in der Spieleindustrie?