Der 4P-Kommentar: Traumjob Spiele-Entwickler?

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JesusOfCool
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Re: Guter Artikel, aber nicht überraschend

Beitrag von JesusOfCool »

Matia hat geschrieben:
mat81 hat geschrieben:
Matia hat geschrieben:Ich weiss nicht was ihr habt. Ich arbeite bei einer Consulting Firma und verdiene gutes Geld damit. Wir arbeiten sowohl beim Kunden selber, entwickeln aber auch Inhouse massgeschneiderte Software. Klar gibt es manchmal Überstunden nur werden die entweder irgendwann kompensiert oder ausbezahlt. Auch ansonsten wird niemand ausgequetscht wie eine Zitrone.

Klar liest man auch mal in der Freizeit ein Artikel über eine neue Technologie oder spielt etwas damit. Das wird dann auch nicht verrechnet. Wir kriegen aber 4 Wochen pro Jahr für Weiterbildung zur (mehr oder weniger) freien Verfügung.

Vieleicht ist das auch einfach in der Schweiz anderst, dass kann ich nicht beurteilen. Ich bin aber extrem glücklich, so wie es läuft.
- kein Überstundenausgleich
- keine 4 Wochen zur freien Verfügung (Weiterbildung)
- über Geld brauch ich nicht erst anfangen

Das hab ich. :/
Weisst du, ich weiss ja auch, dass es das gibt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Regel ist für studierte Informatiker (oder Physiker, Mathematiker und was noch so alles in der Spiele Branche benötigt wird). Das wollte ich mit meinem Post sagen.
Kein Überstundenausgleich ist wirklich nicht die Regel, der Rest mit Sicherheit schon. Das mit der Weiterbildung hängt sehr stark von der Tätigkeit der Firma ab. Bei uns fließt die Weiterbildung in den Arbeitsalltag ein. Viel verdienen tut man seit der .com Krise aber im allgemeinen nicht mehr in der Branche. Es ist vielleicht viel im Vergleich zu Leuten die nicht studiert haben, aber es gibt auch genug die nicht studiert haben und ca so viel verdienen.
Vandyre
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Beitrag von Vandyre »

Ich durfte den "Traumjob" Entwickler während meines Studiums kennenlernen. Unser Projekt lief ein Jahr lang und hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen, wie der Beruf sein kann. Und ich lehne dankend ab! :wink:
Es stimmt schon, es ist spaßig (mit den richtigen Leuten und den richtigen Projekten), aber das gilt auch für genug andere Berufe. Ich hab prinzipiell nichts gegen Crunchtime, (teilweise kostenlose) Überstunden oder ähnliches. Aber es muss in Relation stehen. Es sollte die Ausnahme sein, und nicht die Regel. Wenn man aber von Projekt zu Projekt hüpft, eine Crunchtime nach der nächsten machen soll/muss,d ann geht mir das einfach zu weit. Ähnlich ist es in der Marketing-/Werbe-Branche. Als wir mal einen Insider in der Uni hatten, und der erzählte, dass es gang und gäbe ist, 12-16 Stunden am Tag zu arbeiten, wurde diese Sparte aus meiner Berufswunschliste sehr schnell rausgestrichen.
Wer sich für die Arbeit kaputt machen will, der soll das tun. Aber ich für meinen Teil möchte das nicht.
Alandarkworld
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Beitrag von Alandarkworld »

Hi,

ich muss sagen ich bin ein wenig schockiert von dem was ich im Artikel so lesen musste...

Ja - ich gestehe, auch mein Traumjob ist der des Spieleentwicklers. Mir war schon immer klar, dass es weiß Gott kein Zuckerschlecken ist - privat bastle ich immer wieder an meinen Projekten (2D & 3D) und habe daher eine ungefähre Ahnung davon, *wie* viel Arbeit hinter einem fertigen Spiel steckt. Und obwohl die Arbeit nicht leicht ist und der Aufwand scheinbar nicht zu bewältigen ist, arbeite ich gerne an meinen Projekten, auch wenn es meine Freizeitsituation eigentlich oftmals gar nicht zulässt (studiere momentan Informatik im 1. Semester). Und: ja, ich würde gerne mit soetwas mein Geld verdienen.

Aber wenn man dann so liest, was sich in der Branche teilweise abspielt, dann stehen einem doch die Haare zu Berge. Dass man mal länger an einem Projekt sitzt, ist klar. Speziell ich bin ja so einer, der, wenn er etwas anfängt, die Sache auch zu Ende bringen will, egal, was die Uhr sagt und welcher Tag morgen ist. Aber dass das zum REGELFALL werden soll und man für die Überstunden praktisch keine Entlohnung erhält, das ist schon ein starkes Stück. Für das "Wohl" des Projektes wäre ich zwar bereit, das zwei, drei Wochen durchzuziehen, aber 12 Monate im Jahr bräuchte ich das wirklich nicht und ich verstehe die Mitarbeiter auch vollkommen, wenn sie sich - zurecht! - dagegen zur Wehr setzen.

Andererseits - gibt es solche Probleme heutzutage nicht nahezu überall? Stichwort "Wirtschaftskrise". Und die Arbeitsverhältnisse in den USA kann man mit denen in Europa meiner Meinung nach nicht so einfach in einen Topf werfen und vergleichen, da sind gravierende Unterschiede was die Einstellung zur Arbeit und die Mentalität der Menschen im Allgemeinen angeht. Vielleicht malt der Artikel diesbezüglich ein etwas *zu* düsteres Bild, vielleicht (ich bin "Außenstehender", ich weiß es nicht) ist Rockstargames hier ein Ausnahmefall - auf jeden Fall ist in Zeiten wie den heutigen nahezu kein Job mehr "einfach". Und bevor ich eine Arbeit machen muss, die mir gar nicht gefällt, mache ich doch lieber etwas, das mir inhaltlich zusagt. Wenn ich mich schon zu Tode schuften muss, dann wenigstens mit inhaltlichem Interesse an der Sache. Das Problem ist, dass man es als Österreicher schwer hat, in die Branche einzusteigen, weil sich in weitem Umkreis kein wirklich namhaftes Studio befindet...


Gruß,



Alan
Aron_dc
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Beitrag von Aron_dc »

Spieleentwickler wird man sowieso nicht so einfach. Finde immernoch das Image des Independentfreizeitentwicklers am günstigsten. Da kann man zwar nicht vollzeit an seinem Projekt arbeiten, aber man kann wenigstens tun was einem Spaß macht und wenn es gut wird könnte man sogar versuchen es unter die Leute zu bringen.

Bin immer wieder überrascht wie viele gute Independentspiele es da draussen gibt, die entweder kostenlos oder für geringes Geld verteilt werden.
SuperMario010
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Beitrag von SuperMario010 »

Man sollte vielleicht noch erwähnen das sich diese massig Überstunden größtenteils auf die "Spieleverpacker" beziehen und nicht auf die Spieleentwickler.
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JesusOfCool
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Beitrag von JesusOfCool »

SuperMario93 hat geschrieben:Man sollte vielleicht noch erwähnen das sich diese massig Überstunden größtenteils auf die "Spieleverpacker" beziehen und nicht auf die Spieleentwickler.
was meinst du mit spieleverpacker?
du hast dir wohl den artikel nicht durchgelesen. da gehts rein um die entwickler.

@alandarkworld: ein entwicklerstudio gibt es: sproing. die sind unabhängig und arbeiten mittlerweile auch plattformunabhängig und suchen immer leute. allerdings machen die reine auftragsarbeit. hab mich dort auch mal beworben, aber die haben damals scheinbar einen KI spezialisten gesucht. seit einiger zeit gibts dann noch die firma mipumi. ich kenn einen von den chefs dort. was für spiele die aber genau machen weiß ich nicht.
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Nekator
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Beitrag von Nekator »

Die Kommentare hier sind immer wieder interessant und regen zu Diskussionen an - Lob dafür. Es verwundert mich allerdings doch etwas die Überraschung und teilweise Empörung. Da dürften wirklich viele die Arbeit des Spieleentwicklers noch sehr mit ihren Traumvorstellungen vermischt haben. Arbeit ist nicht leicht und der Druck wird generell überall und immer grösser.
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Spaßbremse
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Beitrag von Spaßbremse »

Nekator hat geschrieben: Arbeit ist nicht leicht und der Druck wird generell überall und immer grösser.
...und weil's überall immer schlimmer wird, sollte man Deiner Meinung nach einfach Schlucken und den Mund halten? Aha.
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Dominius
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Beitrag von Dominius »

basta hat geschrieben:
Nekator hat geschrieben:Die Kommentare hier sind immer wieder interessant und regen zu Diskussionen an - Lob dafür. Es verwundert mich allerdings doch etwas die Überraschung und teilweise Empörung. Da dürften wirklich viele die Arbeit des Spieleentwicklers noch sehr mit ihren Traumvorstellungen vermischt haben. Arbeit ist nicht leicht und der Druck wird generell überall und immer grösser.

Nun von nichts kommt auch nichts ;-)... ganz einfach
Was ist das denn für ne Aussage? Soll heißen, weil mehr gefordert wird, ist es okay, miese Arbeitsbedingungen und teilweise rechtswidrige Verträge und Zustände zu akzeptieren? Bei sowas müssten doch alle aufschreien und nach Gewerkschaften etc. rufen. Solche Zustände sind einfach nicht hinnehmbar!

Natürlich, dann kommen bald wieder dieselben Argumente. Es muss ja gearbeitet werden, sonst gibts nichts zu essen/wohnen/etc. . Wieso muss denn so viel gearbeitet werden wie im Mittelalter und wohl noch weniger als in der Steinzeit? Wo ist denn da der ach so beschworene Fortschritt der westlichen Gesellschaften, wenn der Wohlstand, der so geschaffen wird, eh nicht nutzbar ist, wenn ich mit Mitte 40 ein physisches und psychisches Wrack bin?
Nein, da gibt es kein MUSS, da gibt es nur ein KANN und ein SOLL. Der heutige Wohlstand ließe sich auch mit wesentlich weniger Aufwand aufrecht erhalten.

Und zweitens muss gegen solche Zustände scharf vorgegangen werden, am besten natürlich von den ArbeiterInnen (in diesem Fall: EntwicklerInnen) selber. Dann wird halt mal die Firma bestreikt und für so komplexe Projekte wie ein PC-Spiel lassen sich sicherlich nicht einfach so mal StreikbrecherInnen engagieren. Sowas würde den ArbeitgeberInnen auch mal die Grenzen aufzeigen, denn die haben ja logischerweise andere Interessen als die Beschäftigten, nämlich, wie schon oft hier im Thread gesagt: Geld.
Natürlich müssten wir auf so ein bestreiktes Spiel länger warten, aber das wäre es mir wert.

Sicher, in anderen Branchen und Ländern ist es noch viel schlimmer, bla bla, aber macht es das die Situation besser? Macht das nicht eine allgemeinere Kritik am heutigen "Arbeitsethos" notwendig? Wenn es nur noch Branchen bzw. Jobs gibt, in denen mensch bis auf die Knochen ausgebeutet wird für nichts und wieder nichts, dann ist das kein Problemchen.
In Frankreich gabs doch schon gute Beispiele, da wurden ManagerInnen in den Firmen eingesperrt, die von den ArbeiterInnen besetzt worden sind. Sowas würde ich mir auch für Rockstar wünschen ;).
Help
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Beitrag von Help »

Zu diesem Thema gibt es auch noch ein interessantes Buch: "Der Spielemacher"... http://www.amazon.de/Spielemacher-Johan ... 638&sr=8-1
DeadPoet
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Beitrag von DeadPoet »

Als Spieleentwickler kann man aber wirklich froh sein, dass sich die XBLA, PSN, WiiWare Märkte entwickelt haben und dass die digitalen Plattformen boomen.
Das erinnert mich ein bisschen an die guten alten Zeiten, als viele kleinere innovative Projekte rauskamen. (das war nach den Beatles aber vor dem Internet ;))

Man kan so wenigstens entscheiden, wohin der Weg gehen soll und es muss nicht zwangsläufig ein 200 Mann Unternehmen sein.

Ich denke wichtig ist einfach, dass man sich Stück für Stück seine Projekte erarbeitet. So wie es z.b. Stalker mit dem letzten Teil gemacht hat.
Mag ja sein, dass dann die Presse hier und da über die Grafik meckert, aber für die Entwickler war das Spiel hoffentlich angenehmer als ihr Debut. ;)
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FreshG
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2 Seiten

Beitrag von FreshG »

Ich denke aber, dass es neben einigen stressigen Angelegenheiten in einem Entwicklerstudio, auch sehr schöne und aufregende Momente gibt.
Besonders wenn man das glück hat und in ein "Arbeiter freundliches Entwicklerstudio" kommt. Mich würde es interessieren wie so ein neues Spiel entsteht. Ich stelle mir vor, dass sich ein großes Team von Entwicklern an einen großen Tisch setzt und ersteinmal auf einen Whiteboard extrem Brainstorming veranstaltet :) Und danach wuseln alle an ihren rechner und gestalten irgentwelche Konzeptgraphiken von Charakären und Landschaften.
Bei solch einer Situation dabei zu sein muss unglaublich aufregend sein. :D