ZappesBPD hat geschrieben:ElWebs hat geschrieben:Deshalb habe ich ja geschrieben: fiktive Kinderpornographie. Ich würde die Grenze auch da schon ziehen.
OK, fiktive Kinderpornographie ist böse. Lass mich nachdenken... Das Gesetz müsste dann also jegliche erotische Darstellung umfassen, welche Kinder oder Jugendliche abbildet, auch wenn es sich dabei um eine fiktive Darstellung handelt? Dann zieh schon mal los, such Dir ein Museum und zerstöre mit dem wütenden Mob das eine oder andere Exponat:
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Verdammte Griechen
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Geknutscht wird auch noch
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TIERE?!?
Über modernere Werke wie die Comics der Herren Colber und Crepax, die gemeinhin als Kunst gehandelt werden, diverse japanische Zeichentrickfilme und Comics oder ein gewisses Buch von Herrn Nabokov müssen wir nicht diskutieren, die sind dann ganz selbstverständlich Brennstoff für einen kalten Wintertag auf dem Marktplatz. Aber immerhin haben wir dann ja die armen Tuschen- und Pixelkinder geschützt, das ist schon ziemlich gut.
Du scheinst ein Mensch zu sein, für den es keine Grautöne gibt. Für Dich ist man entweder vorbehaltlos für oder gegen Zensur. Dass es dabei Zwischentöne gibt, und dass eine differenzierte Herangehensweise, offene Diskussionen und Kompromisse oft zu den besten Lösungen führen, scheinst Du nicht wahrzunehmen.
Nur so kann ich Deine polemische Reaktion zu meinen Äußerungen über Kinderpornographie verstehen.
Zum einen bedeutet Darstellung von Nacktheit oder auch Geschlechtsverkehr nicht automatisch Pornographie.
Zum anderen habe ich mich wiederholt für eine differenzierte Einzelbetrachtung solcher Fälle ausgesprochen, etwas, wozu Du offensichtlich nicht fähig bist.
ZappesBPD hat geschrieben:ElWebs hat geschrieben:Die mit Verboten oft verbundene Faszination ist natürlich ein Faktor, den man in seine Überlegungen einbeziehen muss.
Ich fände es auch nicht falsch, mein Kampf im Unterricht zu behandeln, und dass sich viele Träger von Good Night White Pride Shirts vor Gericht verantworten müssten, halte ich auch für ein Perversion.
Warum? Wenn man radikale Meinungen verbietet, ist Gerechtigkeit erforderlich. Warum sollte man sich als Anarchist oder Antifa-Mitglied outen dürfen, wenn man das als brauner Depp nicht darf? Freiheit muss für alle da sein, und jeder muss das Recht haben, sich als Arsch zu profilieren.
Auch hier scheinst Du mich nicht verstehen zu wollen. Man muss kein Antifadepp sein, um sich öffentlich gegen Nazis auszusprechen. Da wo ich wohne wäre das so, wie Eulen nach Athen tragen, aber in bestimmten Landstrichen ist so eine Haltung sehr mutig, und das respektiere ich.
Ich finde es unsinnig, wenn jemand wegen eines durchgestrichenen Hakenkreuzes auf seiner Kleidung für die Verbreitung verbotener Symbole bestraft wird. In diesem Fall ist die Justiz nämlich genauso unfähig zur Einzelfallunterscheidung wie Du. Das Gesetz gibt ihr aber genau diese Freiheit an die Hand. Diese Freiheit muss man nur nutzen. Es erfordert mehr Aufwand und Nachdenken, und das ist vielen wohl zu viel.
Ich sehe jedenfalls einen Unterschied zwischen einem durchgestrichenen Hakenkreuz auf einem T-Shirt und einer Hakenkreuzflagge an einem Fahnenmast vor einem Haus. Und ich bin dankbar dafür, dass die Justiz gegen letzteres Vorgehen kann.
ZappesBPD hat geschrieben:ElWebs hat geschrieben:Letzten Endes liegen wir wohl nur in der Frage auseinander, ob man diese Art der Zensur ganz abschaffen oder flexibler und transparenter handhaben sollte - ich würde Letzteres vorziehen, weil die absolute Informationsfreiheit meines Erachtens mehr schaden kann, als sie nützt.
Nein, unserer Ansichten unterscheiden sich fundamental voneinander. Während ich konsequent für Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit bin und dabei erkenne, dass sich in der Konsequenz für mich unnangenehme Dinge ergeben, die ich aber hinnehmen muss, ist es für Dich wichtiger, Deine persönlichen Wertvorstellungen durchzusetzen. Verschiedener könnten unsere Meinungen in der Sache nicht sein, glaub mir.
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Hm, konsequent für Meinungsfreiheit zu sein ist also keine persönliche Wertvorstellung? Da Du ja ein schlaues Kerlchen zu sein scheinst, sagt Dir bestimmt der Begriff "Paradox of relativism" etwas. In einem ähnlichen Kreis bewegst Du Dich mit Deiner Argumentation.
Du postulierst etwas als grundsätzliches Menschenrecht und begegnest jeder divergierenden Meinung mit Intoleranz.
Dass Du damit selbst massiv versuchst, Deine persönliche Wertvorstellung durchzusetzen, scheint Dir dabei zu entgehen.
Dass Du gleichzeitig eine für Dich sehr bequeme Haltung einnimmst, die, einmal gefasst, relativ wenig geistige Anstrengung erfordert, wohl auch.
Auf Diskussionen musst Du Dich gar nicht einlassen, denn die Meinung des anderen ist ja per se falsch..
Irgendwie putzig eigentlich..
Jemand hat hier gestern sehr gut erklärt, warum allgemeine Moralvorstellungen ein gemeinsames Gesellschaftskonstrukt und im ständigen Wandel, aber trotzdem wichtig sind. Lies Dir das doch bitte nochmal durch.