Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

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Jörg Luibl
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Beitrag von Jörg Luibl »

muecke-the-lietz hat geschrieben:dass man sehr wohl pazifist als auch konsument von gewaltspielen sein kann.
Klar. Ich sehe da kein Dilemma. Das kann ja auch katharsische Wirkung haben! :wink:
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muecke-the-lietz
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Beitrag von muecke-the-lietz »

aber es ist schon schön, dass es zumindestens eine seite im netz gibt, die games auch als teil der popkultur annehmen und sie auf eine tiefgehendere art behandeln.
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Sevulon
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Beitrag von Sevulon »

Crewmate hat geschrieben:
4P|T@xtchef hat geschrieben:Ja, du hast natürlich Recht - auch das einfache Ballern muss erlaubt sein, ohne dass man gleich die Menschenwürde zitiert; gar keine Frage. Aus kreativer Sicht ist das rein Destruktive aber immer auch das Einfachste. Wenn sich das Genre entwickeln will, braucht es jedoch mehr als das.
Es mangelt den Shooter spielfiguren an Charakter.
Na, da gibt es schon ein paar. Max Payne, The Darkness, Battlefield BC, Kane & Lynch..
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ColdFever
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Beitrag von ColdFever »

4P|T@xtchef hat geschrieben:auch das einfache Ballern muss erlaubt sein, ohne dass man gleich die Menschenwürde zitiert.
Heh, auch ich baller mal gern! Aber wann wird ein Shooter gefährlich? Früher gabs keine Probleme. Als wir vor bald 30 Jahren mit Begeisterung "Asteroids" oder "Wizard of War" geballert haben, war völlig klar, dass es bei diesen Pixelhaufen um nichts Menschliches und beim Ballern nur um Spaß und Sport ging. Erst seitdem die Spiele zunehmend realistisch menschliche Konflikte umsetzen, wird es heikel. Solange es wenigstens noch "fair" blieb, wie z.B. bei Counterstrike, konnte man das Ganze ja noch als sportliches Ballern interpetieren. Auch wenn es mal um die differenzierte Darstellung menschlicher Dramen ging, war noch Luft bei der Bewertung drin. Aber warum wird es denn nunbei "Ballerspielen" noch notwendig, wehrlose Menschen zu töten, um Level erfolgreich zu bestehen? Wenn auch noch angefangen wird, wahllosen Mord, Vergewaltigung, Folter usw. "spielerisch" umzusetzen, ist da für mich eine rote Linie der Menschenwürde überschritten. Wer sich bei Polizei und Armee mit so etwas auseinander setzen muss, hat schwer genug daran zu tragen. Aber solche Themen als *Spiel zur Unterhaltung* in eine zunehmend in Gewalt abdriftende Gesellschaft tragen?
Zuletzt geändert von ColdFever am 06.11.2009 16:48, insgesamt 3-mal geändert.
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Damidias
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Beitrag von Damidias »

freda hat geschrieben:
Damidias hat geschrieben:
Willkommen in der Steinzeit - denn mit der Einstellung wären wir da immer noch. Gerade Kunstformen müssen sich weiterentwickeln, um ihre Daseinsberechtigung zu erhalten. Stagnation... führt irgendwann zur Beliebigkeit.
Das war eine Bestandsaufnahme, oder würde dir eine Innovation (die diesen Titel auch verdient) einfallen, die ich übersehen habe? Und ich rede nicht von grafischer Opulenz.
Natürlich gab es keine sonderlichen Innovationen, nur kleine Schritte allerhöchstens. Meine Aussage bezog sich eher darauf, dass du keine "Innovationsorgien" möchtest - was ich wiederum aber für sehr konservativ halte (ist nicht als Beleidigung gedacht). Gerade im Bereich des Storytellings muss einfach eine große Innovation kommen, denke ich.
Liebe.Frieden.TNT
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von Liebe.Frieden.TNT »

ColdFever hat geschrieben: Hmm, ich habe jetzt drei Seiten lang versucht, sachlich im Sinne der Menschenwürde zu argumentieren, und was von den Vertretern uneingeschränkter virtueller Gewalt primär zurückkommt, sind Beleidigungen, also in Worte gefasste Gewalt. Als Krönung sogar ein Aufruf zum Genozid der Humanisten durch überlegene Aliens.
Da wird schon klar, warum man als Computerspieler immer so mitleidig angeguckt wird. :?
uneingeschränkt? dann hast du aber nicht aufmerksam gelesen. von mir kam sehr wohl noch argumente und der aufruf von aliens humanisten zu töten ist sollte eigentlich ein sehr bekanntes sein. komisch, daß von dir nur die unterstellung zurückkommt man würde beleidigen. gegenargumente dazu leistest du dir nicht. offensichtlich sind dir keine eingefallen und die reduktion auf beleidigung muss als universelle diffamierung meiner worte herhalten.

wenn ich dich jetzt bigott nenne ist das keine beleidigung mehr. jedes wort hat in erster linie eine beschreibende funktion gehabt.
RosaElfe hat geschrieben: Ich dachte du bist der Meinung, Gewalt kann nie gerechtfertigt werden? woher der plötzliche Sinneswandel?
nein, du hast nicht aufmerksam gelesen. ich sprach von moralischer rechtfertigung.
allgemein kann man natürlich für jede tat, sei sie noch so grausam, eine rechtfertigung finden. du tötest aus spaß jemanden? schön, das ist zwar nicht moralisch, aber immerhin eine rechtfertigung.
Wenn es für dich keine Grenzen gibt, ist das traurig. Ich rufe allerdings nicht nach Verboten und Zensur, sondern ich erwarte dass ein Erwachsener mit gewissen Überzeugungen von sich aus auf das Spielen solcher Inhalte verzichtet. Und wenn er das nicht tut, sondern am virtuellen missbrauchen und foltern auch noch Spaß hat, dann nehme ich mir das Recht heraus, dass als abartig und krank zu empfinden (Stichwort: Antisoziale Persönlichkeitsstörung).
ich gestehe dir dieses recht ja auch ein, allerdings solltest du genauso eingestehen, daß dies in keinster weise einer objektiven wahrnehmung entspricht, sondern lediglich dein eigener geschmack.

im übrigen gibt es auch für mich grenzen. ich bin gesellschaftlich und vorallem moralisch sicher besser geschult als die meisten anderen menschen. das beschränkt sich aber nur auf mein tuen, nicht auf mein denken.
das ist wieder eine ganz andere kategorie. die grenzen meines denkens werden, genau wie bei dir und allen anderen, nur durch die beschränktheit des eigenen verstandes gesetzt.
Nö, es ist aber ein bedenklicher Indikator für den Geisteszustand mancher Menschen.
und in welcher hinsicht bedenklich? red doch nicht so um den heissen brei herum. sag mir doch wovor du eigentlich angst hast.
oder ist es etwa doch nur ein blosses hirngespinst?
Es gibt bestimmte "Normen", die von der Gesellschaft akzeptiert werden. Wenn du die Normen dieser Gesellschaft bezweifelst, dann musst du überlegen ob es nicht einen Ort gibt, der dir besser gefällt weil dort andere Normen herrschen.
oder ich wähle option 2 und passe die normen einer gesellschaft einfach an. es ist ja nicht alles vernünftig was die gesellschaft als normal ansieht. in den 30er jahren oder im mittelalter war antisemitismus auch etwas völlig normales. würdest du also sagen wir mal in den 30er jahren leben und du würdest jemanden treffen, der keine juden hasst, wäre der folgerichtig für dich auch gestört, weil er sich zu sehr von der allgemeinheit entfernt? ^^

was wir heute als normal ansehen, da wird man vielleicht in 50 jahren einfach nur den kopf drüber schütteln und uns auslachen, wie lächerlich und dumm wir doch gewesen sein müssen. also versteif dich nicht zu sehr darauf. das ist keine garantie für richtigkeit.
Der Gewalttrieb sollte dich allerdings überlebensfähig machen im Kampf gegen Fressfeinde etc....
Und das Niedermähen hunderter Zivilisten hat nichts mit dem natürlichen "Gewalttrieb" zu tun. Abgesehen davon, dass ich in der Psychologie auch noch nie von einem Gewalttrieb gehört habe, höchstens vom Freud'schen Destrudo, der aber nun als Konstrukt der Psychoanalyse nun auch nicht unbedingt etwas feststehendes bewiesenes ist (sofern in dem Fachgebiet überhaupt möglich).
ich kenne mich auch nicht mit psychologie aus, also lassen wir das lieber. schauen wir uns doch lieber argumente an, die unserem intellekt entsprechen.

fressfeinde haben wir ja keine mehr. der trieb sich gegen diese aber zur wehr zu setzen immer noch. wie lösen wir also dieses dilemma? mit gottvertrauen, daß alles gut gehen möge? mit einer hormonellen umstrukturierung des menschen? töten wir einfach jeden menschen mit aggressionspotential?
oder nehmen wir doch lieber die ersatzbefriedigung?
Ein absolut infantiles Argument, wenn man das überhaupt so nennen kann. Wie ernst soll ich das jetzt nehmen?
Als ob das etwas mit der Existenz von Spielen zu tun hätte ob so etwas nun geschieht oder nicht.
nein natürlich nicht bedingungslos. aber es ist schon abzusehen, daß die reicheren gesellschaften, die sich eben gewaltmedien konsum leisten können, viel weniger zur realen gewalt neigen. deren staaten haben auch einfach einen stabileren eindruck. da gehören sicherlich noch tausend andere gründe dazu, aber ganz verachten würde ich das argument jetzt nicht.
wahrscheinlich sind gewaltmedien auch eher ein begleiteffekt einer friedlichen gesellschaft.
Nein, es gibt einfach Verhaltensweisen die man (als Gesellschaft) als "krank" oder falsch akzeptiert. Du kannst nicht einfach alles als persönlichen Geschmack umdefinieren. Ansonsten negierst du jegliche moralische Einordnung und Bewertung von Handlungen. Das wäre dann einfach Nihilismus. Wobei für viele, vorallem viele Jugendliche, es natürlich besonders cool erscheint, sich so zu präsentieren.
es gibt keinen gegenbeweis, daß es nicht nihilistisch ist. also warum sollte man davon nicht ausgehen?
alles andere ist erstmal rein axiomatisch. selbst moral entsteht nur durch das, was wir in unserem umgang mit anderen menschen lernen. da ist erstmal keine vernunft vorhanden. die kommt später, wenn überhaupt.

also wie du siehst, kann ich eigentlich sehr wohl alles in persönlichen geschmack umdefinieren. in diesem falle wäre das nur garnicht nötig gewesen, weil wir hier über ein kulturgut sprechen. etwas subjektiveres gibt es afaik garnicht.
das ist nicht wie beim auto, wo man dennoch objektiv feststellen kann, daß es nur 2 türen hat und eine blaue lackierung.
freda
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Beitrag von freda »

ColdFever hat geschrieben: Aber warum wird es nun auch noch notwendig, wehrlose Menschen in Spielen zu töten, um Level erfoglreich zu bestehen? Wenn jetzt angefangen wird, wahllosen Mord, Vergewaltigung, Folter usw. "spielerisch" umzusetzen, ist da für mich eine rote Linie der Menschenwürde überschritten. Wer sich bei Polizei und Armee mit so etwas auseinander setzen muss, hat schon schwer genug daran zu tragen. Wie aber mag man solche Themen nun auch noch zur *Unterhaltung* in eine zunehmend in Gewalt abdriftende Gesellschaft tragen?
Das ist nicht das erste Mal, siehe MW1. Vergewaltigungsspiele gibt es auch schon, guck mal auf den asiatischen Markt. Ich glaub das erste Game, bei dem man wehrlose abgeknallt hat war auf dem C64, Commando Lybia.

Im Krieg gibt es immer 2 Seiten, nur weil man jetzt einmal die Seite wechselt, es davor aber ganz normal findet alles abzuknallen was sich bewegt...oder beruhigst du damit dein Gewissen: Der war ja bewaffnet, der muss der Feind sein?

Ich weiß noch wie groß die Aufregung bei C&C Generals war, weil man Terroristen spielen konnte. Gott was haben sich die Leute aufgeregt. Das man sowas im Namen des Abendlandes schon Jahrzente lang konnte, das hat da keinen interessiert.

Wie viele Zivilisten konnte man in Postal über den Jordan schicken? oder in GTA?

Also bitte....
freda
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Beitrag von freda »

Damidias hat geschrieben: Natürlich gab es keine sonderlichen Innovationen, nur kleine Schritte allerhöchstens. Meine Aussage bezog sich eher darauf, dass du keine "Innovationsorgien" möchtest - was ich wiederum aber für sehr konservativ halte (ist nicht als Beleidigung gedacht). Gerade im Bereich des Storytellings muss einfach eine große Innovation kommen, denke ich.
Habe ich auch so nicht aufgefasst ;) Aber bei einem Shooter geht es darum: Da der Feind, hier meine Wumme.

Ich brauche bei Shootern keine tolle Story, mir hat Quake 1 genau so Spaß gemacht wie Max Payne. Bei Shootern geht es mir um gute Steuerung gute KI, gutes Level Design, Waffenbalancing und Präzision. Shooter sind für mich Popcorn Kino. bei Crank etc erwarte ich keine durchdachte Story oder Charkaterentwicklung, das soll fetzen und gut ist.

Wenn ich den Kaufmann von Venedig sehen will (eine der besten Rollen Al Pacinos btw) habe ich natürlich andere Erwartungen.
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ColdFever
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von ColdFever »

Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben:Wir sprechen hier über ein kulturgut.
freda hat geschrieben:Vergewaltigungsspiele gibt es auch schon, guck mal auf den asiatischen Markt. Ich glaub das erste Game, bei dem man wehrlose abgeknallt hat war auf dem C64, Commando Lybia... Wie viele Zivilisten konnte man in Postal über den Jordan schicken? oder in GTA? Also bitte.
Verzeiht meine Unwissenheit. Dass es sich bei virtuellen Vergewaltigungen, Zivilistenerschießungen usw. um bereits lange etablierte Kulturgüter handelt, ist mir irgendwie entgangen. Von wem kamen denn diese vielen Kulturgüter? Von den Amerikanern? Oder den Taliban? Ich Kulturbanause!
husld
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Beitrag von husld »

ColdFever hat geschrieben:
4P|T@xtchef hat geschrieben:auch das einfache Ballern muss erlaubt sein, ohne dass man gleich die Menschenwürde zitiert.
Heh, auch ich baller mal gern! Aber wann wird ein Shooter gefährlich? Früher gabs keine Probleme. Als wir vor bald 30 Jahren mit Begeisterung "Asteroids" oder "Wizard of War" geballert haben, war völlig klar, dass es bei diesen Pixelhaufen um nichts Menschliches und beim Ballern nur um Spaß und Sport ging. Erst seitdem die Spiele zunehmend realistisch menschliche Konflikte umsetzen, wird es heikel. Solange es wenigstens noch "fair" blieb, wie z.B. bei Counterstrike, konnte man das Ganze ja noch als sportliches Ballern interpetieren. Auch wenn es mal um die differenzierte Darstellung menschlicher Dramen ging, war noch Luft bei der Bewertung drin. Aber warum wird es denn nunbei "Ballerspielen" noch notwendig, wehrlose Menschen zu töten, um Level erfolgreich zu bestehen? Wenn auch noch angefangen wird, wahllosen Mord, Vergewaltigung, Folter usw. "spielerisch" umzusetzen, ist da für mich eine rote Linie der Menschenwürde überschritten. Wer sich bei Polizei und Armee mit so etwas auseinander setzen muss, hat schwer genug daran zu tragen. Aber solche Themen als *Spiel zur Unterhaltung* in eine zunehmend in Gewalt abdriftende Gesellschaft tragen?
Jaja die gute alte Zeit... Früher, als Spiele nichtmal versucht haben, etwas zu transportieren. Als wir noch fröhlich auf der Jump'n'Run Blümchenwiese herumgetollt haben...

Heute angekommen, bin ich froh, dass sich Spiele weiterentwickeln! Das sie durchaus in Richtung ernsthaftes Medium gehen und ab und an mal ein Titel für Erwachsene erscheint, der wenigstens versucht, seriös zu wirken. Natürlich gibt es Spiele die es besser schaffen, als andere - die Mehrheit schafft es sowieso nicht, den Funken einer Aussage zu treffen. Aber warum darf ein Spiel den Protagonisten nicht in eine moralisch anspruchsvolle Situation führen, so wie es Filme und Bücher auch tun? Warum darf ein Spiel keine ernsthaften Konflikte aufzeigen? Ich merke, meine Formulierung ist hier falsch - warum darf ein Spiel nicht "mehr" werden?

Du reißt diese Situation, diesen "Level", aus dem Zusammenhang. Es ist wohl kaum das Ziel, unschuldige Zivilisten zu töten - es wird wohl mehr hinter dieser Situation stecken, in der ein Undercover Agent das Vertrauen der Terroristen gewinnen muss, um evtl. ein "größeres Übel" zu bekämpfen.

Natürlich ist hier der Spieler mehr in das Geschehen involviert, als in einem Film, aber immerhin ist der Titel ab 18. Es wird also ein gewisses Maß an geistigen Potential athestiert, um mit dieser Situation umgehen zu können. Grenzen sind eine eigene Sache, die sicher nicht von einem einzelnen gesteckt werden können.

Solange es genügend Leute gibt, die es Spielen nicht gestatten, sich auch mit ernsthaften Themen sich auseinander zu setzen, werden Sie wohl auch weiterhin in der Gesellschaft belächelt und als kulturell belanglos abgestempelt werden. Natürlich will ich auch meinen sinnlosen Spaß vor PC/Konsole, aber ich will auch mal Inhalt "spielen" dürfen, wenn ich es will.
husld
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Beitrag von husld »

freda hat geschrieben:
Damidias hat geschrieben: Natürlich gab es keine sonderlichen Innovationen, nur kleine Schritte allerhöchstens. Meine Aussage bezog sich eher darauf, dass du keine "Innovationsorgien" möchtest - was ich wiederum aber für sehr konservativ halte (ist nicht als Beleidigung gedacht). Gerade im Bereich des Storytellings muss einfach eine große Innovation kommen, denke ich.
Habe ich auch so nicht aufgefasst ;) Aber bei einem Shooter geht es darum: Da der Feind, hier meine Wumme.

Ich brauche bei Shootern keine tolle Story, mir hat Quake 1 genau so Spaß gemacht wie Max Payne. Bei Shootern geht es mir um gute Steuerung gute KI, gutes Level Design, Waffenbalancing und Präzision. Shooter sind für mich Popcorn Kino. bei Crank etc erwarte ich keine durchdachte Story oder Charkaterentwicklung, das soll fetzen und gut ist.

Wenn ich den Kaufmann von Venedig sehen will (eine der besten Rollen Al Pacinos btw) habe ich natürlich andere Erwartungen.
Es gibt Shooter und Shooter. Vielleicht darf ich ein paar Shooter mit Inhalt auch spielen (nicht, dass jetzt mw2 ein Inhaltswunder wäre, aber immerhin)? Geschmäcker und so, u know?
RosaElfe
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von RosaElfe »

Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: allgemein kann man natürlich für jede tat, sei sie noch so grausam, eine rechtfertigung finden. du tötest aus spaß jemanden? schön, das ist zwar nicht moralisch, aber immerhin eine rechtfertigung.
Wieso kehrst du hier unsere Standpunkte um? Ich finde es ja gerade bedenklich, dass du aus dem "aus Spaß unschuldige Töten" eine Frage der individuellen Vorliebe machst. Ich eben nicht.
Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: ich gestehe dir dieses recht ja auch ein, allerdings solltest du genauso eingestehen, daß dies in keinster weise einer objektiven wahrnehmung entspricht, sondern lediglich dein eigener geschmack.
Man kann natürlich auch jede Diskussion per sé irrelevant machen, weil man allem die Objektivität abspricht und sich bequem zurücklehnt.

Dann kannst du doch die forensischen Psychiatrien öffnen, da sitzen dann eben nur Leute fest, die weggesperrt wurden, weil wir als Gesellschaft so böse böse waren, unsere eigenen Wertmaßstäbe anzulegen und die Leute für ihre persönlichen Geschmäcker zu verurteilen und einzusperren.
Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: im übrigen gibt es auch für mich grenzen. ich bin gesellschaftlich und vorallem moralisch sicher besser geschult als die meisten anderen menschen. das beschränkt sich aber nur auf mein tuen, nicht auf mein denken.
das ist wieder eine ganz andere kategorie. die grenzen meines denkens werden, genau wie bei dir und allen anderen, nur durch die beschränktheit des eigenen verstandes gesetzt.
Wenn man sich nur an die Regeln der Gesellschaft hält, weil man nicht ins Gefängnis kommen will, spricht das nicht für hohe moralische Überzeugung (also wenn man die ganzen knusprigen Passanten gerne verspeisen würde, es sich aber wegen der Polizei verkneift)...

Wobei ich denke, du meinst eher den einen oder anderen destruktiven Gedanken, der jedoch sofort mit der eigenen Überzeugung kollidiert und deswegen nicht ausgeführt wird, klingt allerdings trotzdem etwas missverständlich.
Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: und in welcher hinsicht bedenklich? red doch nicht so um den heissen brei herum. sag mir doch wovor du eigentlich angst hast.
oder ist es etwa doch nur ein blosses hirngespinst?
Das Wort Angst hast du ins Spiel gebracht, von daher brauche ich das nicht zu kommentieren. Bedenklich ist fehlendes Bewusstsein von Unrecht, Werten, Moral usw. usf. Da ist kein heißer Brei, das habe ich jetzt so oft dargelegt das ichs nicht zum 10. Mal wiederholen möchte.

Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: oder ich wähle option 2 und passe die normen einer gesellschaft einfach an. es ist ja nicht alles vernünftig was die gesellschaft als normal ansieht. in den 30er jahren oder im mittelalter war antisemitismus auch etwas völlig normales. würdest du also sagen wir mal in den 30er jahren leben und du würdest jemanden treffen, der keine juden hasst, wäre der folgerichtig für dich auch gestört, weil er sich zu sehr von der allgemeinheit entfernt? ^^
Mit den Normen unserer Gesellschaft meine ich den Verzicht auf Gewalt untereinander (sofern möglich, bevor du mir jetzt mit Notwehr kommst), die Anerkennung des Lebensrechts der Mitmenschen, die "goldene Regel, etc.

Und da gibt es nichts anzupassen.

Daher tangieren mich deine Beispiele ehrlich gesagt nicht. Wenn ich heute in einem anderen Land geboren werde, in dem Völkermord eine Normalität ist und da gleich Kindersoldat geworden wäre, dann werde ich auch andere moralische Überzeugungen haben (und zwar schlechtere). Aber das bin ich nicht, ich habe das Glück im post-Aufklärungs-Europa geboren zu sein, und ausgehend davon habe ich entsprechende Überzeugungen.

Wenn diese für jemanden nichts sind, empfehle ich ihm ein Höllenloch seiner Wahl, es gibt auf der Welt sicherlich noch genug und bestimmt auch viele interessante Berufsbilder, wenn einem entsprechende moralische Normen fehlen.
Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: was wir heute als normal ansehen, da wird man vielleicht in 50 jahren einfach nur den kopf drüber schütteln und uns auslachen, wie lächerlich und dumm wir doch gewesen sein müssen. also versteif dich nicht zu sehr darauf. das ist keine garantie für richtigkeit.
Eine finstere Zukunft, wenn wir lachend auf Grundsätze wie Menschenwürde, Gleichberechtigung usw. lachend zurückblicken.

Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: ich kenne mich auch nicht mit psychologie aus, also lassen wir das lieber. schauen wir uns doch lieber argumente an, die unserem intellekt entsprechen.

fressfeinde haben wir ja keine mehr. der trieb sich gegen diese aber zur wehr zu setzen immer noch. wie lösen wir also dieses dilemma? mit gottvertrauen, daß alles gut gehen möge? mit einer hormonellen umstrukturierung des menschen? töten wir einfach jeden menschen mit aggressionspotential?
oder nehmen wir doch lieber die ersatzbefriedigung?
Was du mit dem Intellekt meinst, dafür reicht meiner scheinbar an dieser Stelle nicht.

Ansonsten ist das gerade aber ziemlich wirr was du da schreibst, das kann ich nicht anders sagen.

Grundlegend war Aggression immer eine Nothandlungsweise. Denn Verletzung zog meistens Tod nach sich, da der Nahrungserwerb schwierig wurde. Daher hat der frühe Mensch sofern möglich Flucht bevorzugt.

Sein natürliches Aggressionspotential zu kontrollieren sollte nicht derartig schwer sein, zumindest im normalen Leben und sofern man eine normale Entwicklung durchgemacht hat.

Wenns überquillt, kann das Ganze auch mit Sport ausgeglichen werden. Auch mit einer kleinen Sparringrunde des Kampfsports seiner Wahl. Ersatzbefriedigungen gibt es genug.
Computerspiele sind nicht unbedingt DAS Mittel des Aggressionsabbaus. Vorallem da man zwar auf "Kampf" geschaltet wird, der Körper aber inaktiv bleibt und sich nicht bewegt.

Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: nein natürlich nicht bedingungslos. aber es ist schon abzusehen, daß die reicheren gesellschaften, die sich eben gewaltmedien konsum leisten können, viel weniger zur realen gewalt neigen. deren staaten haben auch einfach einen stabileren eindruck. da gehören sicherlich noch tausend andere gründe dazu, aber ganz verachten würde ich das argument jetzt nicht.
Und einen Zusammenhang zwischen Frieden und der Anwesenheit von Videospielen herzustellen ist einfach kindisch und undurchdacht.
Frieden entsteht vorallem aus gesicherten Lebensbedingungen, Wohlstand und Zufriedenheit. Der Tatsache das keine bärtigen Horden an der Grenze stehen, die deine Weiber, dein Bier und dein Essen rauben wollen.

Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: wahrscheinlich sind gewaltmedien auch eher ein begleiteffekt einer friedlichen gesellschaft.
Da stimme ich dir zu. Ich würde nur "wahrscheinlich" durch "Auf jeden Fall" ersetzen.
Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: es gibt keinen gegenbeweis, daß es nicht nihilistisch ist. also warum sollte man davon nicht ausgehen?
alles andere ist erstmal rein axiomatisch. selbst moral entsteht nur durch das, was wir in unserem umgang mit anderen menschen lernen. da ist erstmal keine vernunft vorhanden. die kommt später, wenn überhaupt.
Naja, weil Nihilismus nunmal nicht cool ist, sondern ziemlich zum Kotzen.
Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben: also wie du siehst, kann ich eigentlich sehr wohl alles in persönlichen geschmack umdefinieren. in diesem falle wäre das nur garnicht nötig gewesen, weil wir hier über ein kulturgut sprechen. etwas subjektiveres gibt es afaik garnicht.
das ist nicht wie beim auto, wo man dennoch objektiv feststellen kann, daß es nur 2 türen hat und eine blaue lackierung.
Nein, man kann eben nicht alles als persönlichen Geschmack bezeichnen. Dafür habe ich dir ja nun genug Gründe geliefert. Sofern du selber sicher leben willst, kannst du nicht jede Verhaltensweise von Menschen akzeptieren. Denn wenn jemand deine Haut gar so knusprig findet, dann wird aus diesem persönlichen Geschmack doch plötzlich ein für dich existenzielles Problem.

Zu dem Kulturgut:

Nicht jedes Bild was gemalt wird, ist Kunst. Ich bin kein Kunstexperte. Aber ich bin der Ansicht, wenn ich ein Bild male, ist es zwar ein Bild, hat mit Kunst aber nichts zu tun (außer vieleicht mit seehr abstrakter)...

Ebensowenig ist jedes Spiel gleich ein Kulturgut mit irgendeinem Wert. Eher sogar sehr wenige. Und das kann ich mir auch als Spieler eingestehen.
Zuletzt geändert von RosaElfe am 06.11.2009 17:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Jörg Luibl
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Beitrag von Jörg Luibl »

Können wir die Diskussion über den reifen Einsatz von Gewalt auch weiter führen, ohne Vergewaltigungs-, Folter oder Auschwitzgespenster an die Wand zu malen? Das führt zu rein gar nichts, denn um so einen Dreck geht es doch nicht...

...aber vielleicht ist das einfach das Problem an Forendiskussionen: Was man vor einer Seite schrieb, interessiert auf der nächsten nicht mehr. Schönes Wochenende - egal ob mit Dragon Age oder Modern Warfare 2!
Makorus
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Beitrag von Makorus »

Sehr interessanter und gut geschriebener Kommentar! :wink:

Und allgemein diese Flughafenszene setzt meiner Meinung, dass Kriegsspiele hohle, langweilige und absolut primitive Spielekost sind, die Krone auf.

Schon bei World at War hatte ich das Gefühl, dass bei den Entwicklern frei nach dem Motto "Je grausamer, desto besser" entwickelt wird. Da können die Gründe des Charakters noch so driftig und logisch erklärbar sein.

Ich finde es geschmacklos und auch wenn ich Leute verstehen kann, die den "Schnitt" in der deutschen Version als lächerlich und sinnlos bezeichnen, was er imo auch ist, so ist das für mich kein Grund, das Spiel nicht zu kaufen. Wer unbedingt Zivilisten abschiessen will, der soll sich GTA kaufen.
Na schön, dann macht diese Szene eben keinen Sinn und dann haben Activision ihr Versprechen eben nicht ganz halten können. Aber sich wegen so einer kleinen Szene ein (nach IGN) solches "Topspiel" entgehen zu lassen...

Vielleicht kann ich als Kriegsspiel-Hasser das nicht nachvollziehen, dann verzeiht mir das, aber ich finde die Aufregung um das Ganze übertrieben.
Ich stimme jedoch jedem zu, der den Schnitt an sich unsinnig findet, wie gesagt.

Und Jörg hat verdammt Recht mit dem, was er sagt. Das Spiel und die Flughafen-Szene sind ein gefundendes Fressen für jeden Politiker und Spielekiller...
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JoeDreck
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Beitrag von JoeDreck »

Wenn sich schon sogar die Spieler dazu kritisch äußern, dann werde ich die Spielszenen gleich in den 20Uhr Nachrichten sehen.

Die Trottel haben damit vielleicht den letzten Tropfen geliefert, für ein Verbot von Gewaltspielen, auch wenn manche doch wirklich nur als digitaler Zeitvertreib anzusehen sind.

Die können doch nicht in Zeiten von Terror eine Mission aus Sicht einer Agenten machen, der bei einem Terroranschlag mitmacht und nichts dagegen Unternimmt.

Ich arbeite am Flughafen und sehe die schwer bewaffneten Plizisten und man denkt schon öffters, wer einen zuerst erwischt. Die Schweinegrippe oder ein Terrorist.