Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

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ColdFever
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Beitrag von ColdFever »

cdd hat geschrieben:Es sollte jedem selbst überlassen sein, was er sich antut und was nicht...Jeder sollte selbst dafür verantwortlich sein, niemand kann sich anmaßen zu wissen, wo die Grenze für den Einzelnen liegt.
Diese Meinung ist legitim. Sie kann jedoch meiner Meinung nach nicht für eine zivilisierte Gesellschaft gelten. Wenn jeder die totale Freiheit für sich selbst in Anspruch nehmen dürfte, dann müssten beispielsweise bei Sportlern auch alle Dopingmittel freigeben werden, oder jeder Geschäftsmann dürfte in seine AGB hineinschreiben, was er wollte. Oder im Straßenverkehr bräuchten wir auch keine Regeln mehr. Die Gemeinschaft hat jedoch gelernt, dass es Sinn macht, sich auf bestimmte Regeln zu verständen und diese in Gesetze zu gießen, um auf Basis bestimmer Einschränkungen letztlich ein Maximum an Freiheit und Lebensqualität für alle Bürger zu gewährleisten.

Es wäre in ähnlicher Weise bei uns nicht erlaubt, wieder Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod einzuführen. Selbst wenn alle Beteiligten damit einverstanden wären - dieses würde unsere soziale Lebensgemeinschaft verletzen. Um derartige Entgleisungen zu verhindern, definiert unser Grundgesetz den Begriff der "Würde des Menschen". Dieser unglaublich weitsichtige Maßstab ließe sich m.E. auch auf die Freiheit virtueller Gewalt in Videospielen anwenden. Wenn dort also, wie in diesem Beispiel, Zivilisten abgeschlachtet werden müssen, um einen Level zu bestehen, sehe ich persönlich die Würde des Menschen verletzt. Deswegen möchte ich persönlich so ein Spiel nicht im Verkauf sehen.
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Vidarr
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Beitrag von Vidarr »

Denn wenn sich virtuelle Abenteuer irgendwann reifen Themen öffnen sollen, wenn dieses Medium wachsen soll, dann muss man auch die heißen Eisen anfassen, die diese Gesellschaft erhitzen - dazu gehören auch Krieg, Terror und Gewalt. Ob so eine Szene überhaupt nötig ist, hat auch nicht die gesellschaftliche Moral oder gar die Politik zu entscheiden, sondern einzig und allein die Regie.
Mich würde an dieser Stelle einmal interessierren ob das als absolut gilt, also ist ein Spiel wie Rapelay für Jörg(oder 4players) demnach auch legitim ?
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dobpat
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Beitrag von dobpat »

ColdFever hat geschrieben:
cdd hat geschrieben:Es sollte jedem selbst überlassen sein, was er sich antut und was nicht...Jeder sollte selbst dafür verantwortlich sein, niemand kann sich anmaßen zu wissen, wo die Grenze für den Einzelnen liegt.
Diese Meinung ist legitim. Sie kann jedoch meiner Meinung nach nicht für eine zivilisierte Gesellschaft gelten. Wenn jeder die totale Freiheit für sich selbst in Anspruch nehmen dürfte, dann müssten beispielsweise bei Sportlern auch alle Dopingmittel freigeben werden, oder jeder Geschäftsmann dürfte in seine AGB hineinschreiben, was er wollte. Oder im Straßenverkehr bräuchten wir auch keine Regeln mehr. Die Gemeinschaft hat jedoch gelernt, dass es Sinn macht, sich auf bestimmte Regeln zu verständen und diese in Gesetze zu gießen, um auf Basis bestimmer Einschränkungen letztlich ein Maximum an Freiheit und Lebensqualität für alle Bürger zu gewährleisten.

Es wäre in ähnlicher Weise bei uns nicht erlaubt, wieder Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod einzuführen. Selbst wenn alle Beteiligten damit einverstanden wären - dieses würde unsere soziale Lebensgemeinschaft verletzen. Um derartige Entgleisungen zu verhindern, definiert unser Grundgesetz den Begriff der "Würde des Menschen". Dieser unglaublich weitsichtige Maßstab ließe sich m.E. auch auf die Freiheit virtueller Gewalt in Videospielen anwenden. Wenn dort also, wie in diesem Beispiel, Zivilisten abgeschlachtet werden müssen, um einen Level zu bestehen, sehe ich persönlich die Würde des Menschen verletzt. Deswegen möchte ich persönlich so ein Spiel nicht im Verkauf sehen.
So ein Spielt steht mit GTA bereits seit langem im Verkauf. Aber weis jetzt nicht ob du das auch kritisdierst. Wäre ja ok. Nur CoD2 ist da nicht das erste Spiel "dieser Sorte".
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youyousensen
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Beitrag von youyousensen »

Was mich an dieser Diskussion (stellvertretend für andere themenbezogene Diskussionen) am meisten stört, ist wohl diese erschreckend widerwärtige (deutsche) Doppelmoral.

Eine für sich allein stehend sicher als extrem zu bezeichnende, jedoch für die Berichterstattung einfach mal so aus dem Kontext gerissene Szene eines Videospiels (kann man jetzt gerne mit Film/Buch/Medium/Kunst/Geschichte ersetzen) wird verteufelt. Dazu fällt mir leider nur der Begriff "Sensationsjournallie" ein; unabhängig von der schriftstellerischen Qualität. Ist so eine perspektivisch unzureichende Berichterstattung nicht genau das, was andernorts (z.B. bei Berichterstattungen über Killerspiele im Junk-TV) von Spielern so angeprangert wird? Herrn Luibls Abneigung der CoD - Reihe teile ich, seine schwankende Meinung bzgl. expliziter Szenendarstellung in Videospielen allerdings nicht.

Weiterhin: Die teiweise heuchlerischen "Bääh,wie geschmacklos!" - Kommentare der Leserhaft hier. Ekelhaft. Was wäre wohl beim Ausbleiben einer solchen Kolumne geschehen? CoD - Spieler und Interessierte hätten das Spiel gespielt, den Kontext so erfahren, wie er inszenatorisch vorgesehen war, wie sie sich Berichterstattungen von Frontal 21 wünschen. Keiner hätte aufgrund von aufgezwungener Selbstscham oder Herdentrieb gemuckt. CoD - Kostverächter hätten um das Spiel ohnehin einen Bogen gemacht.

Die Sezierung eines Spiels bringt erst die ganzen Weltverbesserer auf den Plan, perspektivische Beleuchtung, wie gehabt. Aber dergleichen kann man aus der Hüfte mit 20 anderen Spielen/Filmen/Büchern etc. anstellen. Ich erinnere an "Lust" von Elfriede Jelinek - da fliegt einem Unbedarften nach einer perspektivischen Beleuchtung erst so richtig das Blech weg.

Aber wir sind ja grundsätzlich neutral. :roll:
Zuletzt geändert von youyousensen am 06.11.2009 11:30, insgesamt 3-mal geändert.
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KING_BAZONG
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Beitrag von KING_BAZONG »

Tabuthemen hin oder her, es kommt immer auf den Kontext, das Wie, an !
Wie ist die Darstellung ? Billig provokativ oder intelligent und subtil ?

Natürlich kann ich Themen wie Kindesmißbrauch auch in Spielen thematisieren, ganz klar. Aber ich muß deshalb nicht die Aktion als solche für den Spieler spielbar machen, um es entsprechend zu verdeutlichen, wie verabscheuungswürdig diese Tat ist.

Auch muß ich keine nackten KZ-Häftlinge per Genickschuß ins Massengrab befördern, um klarzumachen, dass das Unrecht ist.

Hier soillte das gewisse Fingerspitzengefühl bewahrt werden. In MW2 sehe ich das leider nicht.

Hier dient die Flughafenszenerie nur als billiges Vehikel, möglichst stark zu provozieren. Eine richtige Verarbeitung der Thematik findet nicht statt.
Zumindest nicht in dem Level. Vielleicht folgt später was ? Ich weiß es nicht.
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Sevulon
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Beitrag von Sevulon »

In Büchern gan es diese "Weiterlesewarnung" übrigens auch schon. Und zwar vor dem Ende von Band 7 der "Turm"-Reihe von S. King. Hier wird man vor die Wahl gestellt, das richtige 'gute' Ende zu akzeptieren oder weiterzulesen und das 'richtige', verstörende Ende zu erfahren.
Liebe.Frieden.TNT
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Beitrag von Liebe.Frieden.TNT »

ColdFever hat geschrieben:Um derartige Entgleisungen zu verhindern, definiert unser Grundgesetz den Begriff der "Würde des Menschen". Dieser unglaublich weitsichtige Maßstab ließe sich m.E. auch auf die Freiheit virtueller Gewalt in Videospielen anwenden. Wenn dort also, wie in diesem Beispiel, Zivilisten abgeschlachtet werden müssen, um einen Level zu bestehen, sehe ich persönlich die Würde des Menschen verletzt. Deswegen möchte ich persönlich so ein Spiel nicht im Verkauf sehen.
au man, wie kann man nur so sehr von seiner eigenen gattung eingenommen sein? das ist arrogant.

also ich bin auch ein mensch, aber irgendwie fühlt sich meine würde nicht durch so eine szene verletzt. ich wüsste auch nicht warum. es sind immer noch menschen die auf menschen ballern.

ich könnte eher hinterfragen ob es würdelos ist, in einem spiel auf ein wehrloses tier zu schiessen. aber das nimmt ja auch jeder an, also scheint dem nicht so zu sein.
warum also bei dem menschen? weil wir angeblich die intelligentesten sind? reine spekulation. weil gott uns so liebt? bestimmt...der einzige grund ist, daß man als mensch schnell einen ignorant beschränkten blick auf so etwas kriegt.
tiere im wald zu erschiessen, da lässt sich nur schwer für den beschränkten menschen vorstellen wie es ist dieses tier zu sein. aber bei der cod szene kriegen sie es alle hin, sich in die lage des hilflosen zivilisten am flughafen zu versetzen. das bekümmert nunmal viele, ist aber dennoch bigott.

hoffentlich kommen irgendwann mal überlegene aliens auf die erde, töten uns und sperren die überlebenden in käfige um an uns ihre nagellackentferner und lippenstifte zu testen. dann wird den ganzen schwätzern mit ihrer MENSCHENwürde mal ein licht aufgehen, wie unmoralisch sie mit ihrer eingenommenheit vom menschsein eigentlich gehandelt haben.

an der stelle darf ich ja dann auch mal polemisch: so eine argumentation finde ich abstoßend :)
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genecide
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Beitrag von genecide »

es geht hier auch gar nicht um die moralische frage
sondern um die darstellung der szenen .
spiele werden immer realistischer und trotzdem gibt es diese diskussion schon seit es computerspiele gibt.

schliesslich war es auch schon vor 20 jahren moralisch fragwürdig
in spielen wie gunship aufm c64 etc. (auch indiziert) krieg zu spielen
:!:
aus heutiger sicht würde es nicht mehr indiziert werden ......

und warum ? weil es nur simple grafik hat ,aber trotzdem hat sich am inhalt nichts geändert!

wenn man mit der moralkeule kommt müsste mann alle kriegsspiele verbieten! (wie jeden krieg,aber selbst das schafft man ja nicht),und das in der realität

also schönen krieg im multiplayer das rockt un is nich echt 8)
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Jörg Luibl
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von Jörg Luibl »

ColdFever hat geschrieben:Dann oute ich mich halt als so genannter "Primitivpolemiker": Ich finde es entsetzlich, wie man beim "Spielen" von derartigen Geschmacklosigkeiten eine Form von "Vergnügen" empfinden kann.

Was wollt Ihr nach "Zivilistenkiller am Flughafen" als Nächstes spielen?
"Bombenleger im Irak?"
"Folterer in Guantanamo"?
"Vergaser in Auschwitz"?

K R A N K
Hallo Kai,

kennst du den Roman "Die Wohlmeinenden"? Ich zitiere mal die Süddeutsche:

"Ein SS-Mann reflektiert über das Töten in großem Ausmaß. Denn für jede Abscheulichkeit gibt es eine Schublade. Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie umfangreich Gewalt in Littells Roman geschildert wird..."

Modern Warfare 2 ist natürlich in seiner Darstellung von Gewalt zehn, wenn nicht sogar elf Lichtjahre entfernt von diesem Buch. Was beide Zielgruppen trotz (vermutlich) unterschiedlicher Bildungsgrade allerdings gemeinsam haben: Sie sind fasziniert von Gewalt, sie versetzen sich scheinbar gerne in diese Szenarien. Das ist eher ein all zu Menschliches als all zu krankes Phänomen.

Die Kontroverse des Machbaren und Darstellbaren hat uns ja schon mal beschäftigt - ich weiß, dass es Grenzen gibt, die jeder Erwachsene für sich ziehen muss. Ich will weder Folter- noch Vergewaltigungssimulationen. Und es gibt ja auch genug Gesetze und Behörden, die manches zu Recht verbieten. Aber es muss auch immer die Freiheit der Regie geben, egal ob im Film, Buch oder Spiel, die sich über gutmenschliche Geschmäcker und political correctness schamlos hinweg setzt.

Uns unterscheidet, dass meine Grenze des virtuell Darstellbaren weiter gesteckt ist als deine. Aber du müsstest mich mittlerweile so gut kennen und den Kommentar sicher auch so verstanden haben, dass das kein Plädoyer für sadistsche Gewaltorgien auf Spannerniveau war. Natürlich polemisierst du gerade primitiv, indem du mit Auschwitz die größte deutsche Moralkeule auspackst. Aber da ich selbst ein Freund der Überspitzungen bin, ist das okay - manchmal bringt Polemik die Sache auf den Punkt.

Was ist mein Punkt? Ich will Inglorious Bastards, Apocalypse Now, Hamburger Hill, 84 Charlie Mopic, Natural Born Killers, 300, Das Gesetz der Ehre, Sin City, München oder Waltz with Bashir, wo der Nahostkonflikt bedrückend thematisiert wird, auch im Spiel erleben.

Ich will in Zukunft erwachsene Szenarien und Themen in Spielen erleben, die mich bewegen. Und ich will - vielleicht in einem Jahrzehnt - miterleben, dass Gewalt im Spiel genau so gefeiert wird wie in Cannes, Berlin und Venedig all die schonungslosen Filme; da klatscht das kulturelle Establishment samt Politikern bei Prosecco, Häppchen & Co Beifall, wenn das Blut fließt. Da dürfen Erwachsene ihr Vergnügen an fiktiver Gewalt ausleben. Aber in Spielen ist es verwerflich? Das ist unerträgliche Doppelmoral.

Die Spielewelt befindet sich hinsichtlich der Darstellung von und Reflektion über Gewalt noch auf einer höchst primitiven Ebene. Es gibt so viel billigen Gore-Schund. Es muss gerade deshalb noch viel mehr Mut zu schonungslosen und drastischen Inszenierungen geben. Es müssen vor allem moralische Köpfe rollen.
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Warslon
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von Warslon »

4P|T@xtchef hat geschrieben:
Kajetan hat geschrieben:ist nichts weiter als ein Lebensabschnittspiel
Das ist doch ein Bonmot zum Feierabend! :wink:
Ach Jörg, als du dich für die Spielebranche entschieden hast, warst du wohl noch ziemlich grün hinter den Ohren und hast mit Freunden alles geschluckt, was dir die Entwickler zum Fraß vorwarfen!
Damals hatte man nicht viel Wahl also war nicht viel Kritik an den Machwerken gestattet, sonst bringt man sich um ein Wochenende voller Spielerlebnis.
Man sieht die Enttäuschung bei jedem deiner Kommentare an und nun kommt die Frage: Bist du in dieser Branche überhaupt noch, weil du pseudozynische Kommentare schreiben möchtest oder weil du das Spielen an sich liebst?
Mir scheint der erste Teil zutreffender!
Klar schwanken Qualitätsunterschiede in der Spielebranche wie Tag und Nacht, dennoch sollte man nicht unbedingt zu einer detailierten Saftpresse mutieren, nur um irgendwelche Fanboys auf deine Seite zu ziehen!
Zwar versuchst du jedesmal deinen Standpunkt auf jede erdenklich Weise herauskristallisieren zu müssen, dennoch sehe ich deinen Kommentaren die Fragen eines kleinen verängstigten Mädchens!
Du entkräftest ja selbst deinen Kommentar durch die Aussage, dass du CoD nicht magst, dich dennoch mit deiner neointelektueller Art einmischst.

In der geschnitten Szene kann man als "Spieler (Zuschauer)" einfach mal selbst wählen wie man sich fühlt und zu fühlen hat.
Man könnte die sterile Art der Darstellung als Animation zur freien Handlung sehen oder lässt du dich gerne in ein emotionales Korsett zwängen? Laut deiner Wortwahl und deiner Schreibweise, wohl kaum.
Ich verfolge deine Kommentare seit geraumer Zeit und habe auch eine Zeitlang deinen Freigeist bewundert, der seit längerem zu einem verkümmerten Weinen in der Ecke geworden ist...
derdurd
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von derdurd »

Sehr guter Kommentar und volle Zustimmung.

Ich sage ja zur Gewalt in Computerspilen, weil ich der Meinung bin, dass es ein Teil unserer täglichen Lebenswirklichkeit ist. Was im Kino geht muss auch am PC gehen.

Aber diese Gewalt muss stets reflektierbar sein, sie muss etwas auslösen, Emotionen mit sich bringen....

Vor allem die Aussage es sei nicht geschnitten scheint in diesem Fall eine Vortäuschung falscher Tatsachen zu sein.

Eine Szene, in der unreflektiert gemordet wird, dass es aufgesetzt wirkt, ja das gibt Stoff für all die Polemiker da draußen. Da wird man sich wieder in Jugendschutzphrasen verlieren, ohne jede Beachtung, dass dieses Spiel für dieses Gruppe überhaupt nicht frei gegeben ist.

Denn wir wissen alle, dass es hier nicht mehr um Jugendschutz geht, denn eine Spiel ab 18 ist für Erwachsene, hier geht es um Zensur.
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GermanDad
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Beitrag von GermanDad »

Sehr guter Kommentar.
Schön das es noch Menschen gibt die sich mit solchen Themen auseinander setzten und auch etwas weiter denken.
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AEV-Fan
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Beitrag von AEV-Fan »

Liebe.Frieden.TNT hat geschrieben:
ColdFever hat geschrieben:Um derartige Entgleisungen zu verhindern, definiert unser Grundgesetz den Begriff der "Würde des Menschen". Dieser unglaublich weitsichtige Maßstab ließe sich m.E. auch auf die Freiheit virtueller Gewalt in Videospielen anwenden. Wenn dort also, wie in diesem Beispiel, Zivilisten abgeschlachtet werden müssen, um einen Level zu bestehen, sehe ich persönlich die Würde des Menschen verletzt. Deswegen möchte ich persönlich so ein Spiel nicht im Verkauf sehen.
au man, wie kann man nur so sehr von seiner eigenen gattung eingenommen sein? das ist arrogant.

also ich bin auch ein mensch, aber irgendwie fühlt sich meine würde nicht durch so eine szene verletzt. ich wüsste auch nicht warum. es sind immer noch menschen die auf menschen ballern.

ich könnte eher hinterfragen ob es würdelos ist, in einem spiel auf ein wehrloses tier zu schiessen. aber das nimmt ja auch jeder an, also scheint dem nicht so zu sein.
warum also bei dem menschen? weil wir angeblich die intelligentesten sind? reine spekulation. weil gott uns so liebt? bestimmt...der einzige grund ist, daß man als mensch schnell einen ignorant beschränkten blick auf so etwas kriegt.
tiere im wald zu erschiessen, da lässt sich nur schwer für den beschränkten menschen vorstellen wie es ist dieses tier zu sein. aber bei der cod szene kriegen sie es alle hin, sich in die lage des hilflosen zivilisten am flughafen zu versetzen. das bekümmert nunmal viele, ist aber dennoch bigott.

hoffentlich kommen irgendwann mal überlegene aliens auf die erde, töten uns und sperren die überlebenden in käfige um an uns ihre nagellackentferner und lippenstifte zu testen. dann wird den ganzen schwätzern mit ihrer MENSCHENwürde mal ein licht aufgehen, wie unmoralisch sie mit ihrer eingenommenheit vom menschsein eigentlich gehandelt haben.

an der stelle darf ich ja dann auch mal polemisch: so eine argumentation finde ich abstoßend :)
Da muss jetzt ich mal doch intervenieren :)

1) Tiere und Menschen kann man natürlich nicht gleichsetzen! Und ja, es liegt am Verstand. Eigtl. bisschen absurd, dass man das erklären muss, aber gut... Insekten z.B. handeln nur nach Instinkt, können nicht "lieben" oder "lachen". Katzen und Hunde sind natürlich weiter, Affen und Schweine hingegen schon ziemlich "schlau". Trotzdem sind es Lebewesen, die man zwar nicht töten (und schon garnicht quälen) soll, keine Frage :!: Aber jetzt eine direkte Parallele zu einem Menschenleben zu ziehen, ist eine relativ kindliche Perspektive. Ich denke man weiß, was ich meine ;)

2) Es geht hier immer um abstrakte Begriffe. "Ich will frei entscheiden, was ich spiele", "In anderen Medien sieht man auch solche Schreckenstaten", "Pixelleben A in GTA ist nicht weniger Wert als Pixelleben B in COD" usw. ...

Aber denkt doch mal ganz praktisch:
Natürlich ist man von Grund auf immer sensationsgeil. Deshalb gibt es Stau neben einem Unfall. Daher erkauft sich Splattermovie XY sehr gut. Daher liest "man" Feuchtgebiete. Und aus diesem Grund will man auch Spiele, die diesen Trieb befriedigen. Jedoch hat man sich im Laufe der Zeit schon an vieles gewöhnt... Ein zerplatzer Kopf ist Standart, Jugendliche fraggen jeden Tag hunderte Figuren. Und das finde ich ja nichtmal allzu bedenklich! Es ist völlig normal, unsere Urgroßväter haben auch lieber mit Holzgewehren und Zinnsoldaten Krieg gespielt im Wald, als dass sie einen Drachen steigen ließen ;)

Was mich jedoch stört (ich versuch mal zum Punkt zu kommen ^^):
In COD wird bewusst und billig eine Grenze überschritten. Flughafen, Terror, Amoklauf und der Spieler als Täter mittendrin. Natürlich großer Aufschrei seitens der Spieler, die die dt. Fassung bestellt haben, in der man dem Blutbad nur visuell beiwohnen kann und nicht selbst die Zivilisten hinrichten kann. JEDER will es spielen. Die Kiddies werden angelockt, die älteren können sich ja ihre Grenzen selbst stecken.

Das erschreckende für mich hierbei ist die Erkenntnis, dass die Spieler anscheinend wirklich auf tumbe Gewalt und Tabubrüche anspringen. Evtl. doch nicht viel intelligenter, als so manches Schweinchen ;) ?
Was ich damit sagen will:
Entwickelt einen KZ-Manager. Gaszufuhr muss im Auge behalten werden, die Moral der Wächter soll nicht sinken... Frauen, Männer und Kinder muss man natürlich trennen. Bestimmt ein anspruchsvolles Strategie-Spiel!
Entwickelt mir ein Spiel, in dem man Frauen (Kinder?) misshandeln kann. Natürlich nur, da man einen Psychopaten spielt, der Ausbricht aus seiner Zelle. Und es gibt nur dann keine Punkt-Abzüge für brutale Vergewaltigung, wenn man seine Pillen nicht eingeworfen hat, ist ja klar.
Entwickelt einen Hooligan-Prügler. Als Undercover-Polizist muss man Väter und ihre Söhne zu Krüppeln prügeln, Polizisten erstechen und natürlich gegnerische "Fans" so brutal wie nur möglich ausschalten. Je größer die virtuelle Schlagzeile in der Levelabrechnung, desto besser hat man gespielt.

Diese spiele würden (werden??) sich verkaufen, wie geschnitten Brot! Alles uncut natürlich, man will ja nicht auf die engl. Originaltonspur verzichten. Und auch nur für Erwachsene, eh klar. Denn die können ja
entscheiden, was sie spielen. Natürlich spielen sie alles...aber das steht ja nicht zur Debatte!
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AEV-Fan
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von AEV-Fan »

4P|T@xtchef hat geschrieben:
Die Spielewelt befindet sich hinsichtlich der Darstellung von und Reflektion über Gewalt noch auf einer höchst primitiven Ebene. Es gibt so viel billigen Gore-Schund. Es muss gerade deshalb noch viel mehr Mut zu schonungslosen und drastischen Inszenierungen geben. Es müssen vor allem moralische Köpfe rollen.
Prinzipiell gebe ich dir ja Recht. Aber man sollte realistisch bleiben, wieviele 14-Jährige lesen Littells "Die Wohlgesinnten" (nicht Wohlmeinenden, interessantes Buch übrigens!)? Und wieviel Taschengeld von 14-Jährigen braucht COD um wirtschaftlich Erfolg zu haben?
Und wollen die (in meinen Augen zum Großteil langsam wirklich nicht besonderst hellen) Gamer überhaupt differenzierte Moralaspekte? Ich denke Spiele, wie ich sie auf der Seite davor beschrieben habe, kämen weitaus besser an.
lord-matte
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Re: Der 4P-Kommentar: Call of Blutbad

Beitrag von lord-matte »

AEV-Fan hat geschrieben:
4P|T@xtchef hat geschrieben:
Die Spielewelt befindet sich hinsichtlich der Darstellung von und Reflektion über Gewalt noch auf einer höchst primitiven Ebene. Es gibt so viel billigen Gore-Schund. Es muss gerade deshalb noch viel mehr Mut zu schonungslosen und drastischen Inszenierungen geben. Es müssen vor allem moralische Köpfe rollen.
Prinzipiell gebe ich dir ja Recht. Aber man sollte realistisch bleiben, wieviele 14-Jährige lesen Littells "Die Wohlgesinnten" (nicht Wohlmeinenden, interessantes Buch übrigens!)? Und wieviel Taschengeld von 14-Jährigen braucht COD um wirtschaftlich Erfolg zu haben?
Und wollen die (in meinen Augen zum Großteil langsam wirklich nicht besonderst hellen) Gamer überhaupt differenzierte Moralaspekte? Ich denke Spiele, wie ich sie auf der Seite davor beschrieben habe, kämen weitaus besser an.
also ich freu mich immer über solche moral-sachen in spielen. auch wenn ich schon 15 bin :oops: