Julius82 hat geschrieben:
Schön! Freiburger Schule, Stuttgart. Warum müssen Vorurteile so oft der Wahrheit entsprechen?
Hm... dir wird bekannt sein das die FDP das vierte Reich beglückt hat und vorher formal nicht bestand. Ändert aber auch nichts daran das die FDP weniger für Ordoliberalismus steht als für Marktradikalismus. Die Unterschiede halten sich sozialpolitisch eher in Details! Soziale Marktwirtschaft in BRD Ausführung war jedenfalls nicht Ordoliberal. Diese Reduktion und Funktionsminderung erleben wir seit den 1990er jahren.
Du hast es auch selbst mehrfach dargelegt. Die Deregulierung der Finanzmärkte, umfassende Privatisierungen egal wie unsinnig und das zusammenkürzen des ganzen Sozialstaats sind per se nicht Ordoliberal. Die FDP ist seit langem Marktradikal. Viele Bestandeile habe ich bereits genannt. Das Buch "Die verblödete Republik" bringt es ganz unterhaltsam auf den Punkt.
Ich könnte ja einzelne Punkte aufzeigen oder das Programm der FDP auseiannder nehmen.
Letzlich sind andere Fakten interressanter, z.B. die immer drastischere Ungleichheit der Vermögen und EInkommen. Diese Probleme sind Neoliberal verursacht nicht mit dem selben Gift zu bekämpfen. Der Hauptpunkt bleibt ja der Anspruch der Neoliberalen, für allgemeinen Wohlstand zu sorgen, Fortschritt usw. Genau das kehrt sich ja seit Jahren total um und die FDP hat darauf die immergleichen - neoliberalen - Antworten.
Mindestlöhne führen zu keinem Arbeitsplatzverlust, das ist auch unlogisch, denn kein Unternehmen leistet sich mehr oder weniger Mitarbeiter als es brauch. Dafür gibts es im übrigen genügend Studien die das Gegenteil beweisen, die Sicht der FDP ist Ideologie.
Der böse Kündigungsschutz.. da fragt man sich wie das seit 60 Jahren geht.. Mensch! Ist ja nicht so das es nicht schon heute so ist das sich Firmen ihrer Mitarbeiter schnell entledigen können. Ist auch eine unsinnige Diskussion weil man grade an den bekannten Fällen ja sieht das Unternehmen sich durchsetzen auch wenn sie vor Gericht verlieren, los sind sie ihren Mitarbeiter auf jedenfall auch wenns etwas teurer wird.
Letzlich gehts im Kapitalismus eben um den Profit und nichts anderes. Da arbeiten hier in der Videothek eben die Leute für 4 Euro, sie haben keine Wahl und können davon nicht leben.
Aber das dreht sich jetzt wieder im Kreis. Ich würd ja gerne mal wissen ob man bei den empirischen Erbsenzählern da unten wirklich eine so pseudoliberale Brille aufgesetzt bekommt.
Zwar gibt es in Marburg da auch schon Tendenzen aber ich empfinde das hier als völlig neutral - trocken. Nächstes Jahr is Abschluss

Du bezeichnest die FDP also als "Neoliberal"? Dann triffst du genau in die Gruppe, die wir in unserem Studentenkreis als- ein in der Gamerwelt bekannter Begriff- "Noob" bezeichnen würden.
Wir haben uns intensiv mit den Parteien auseinandergesetzt und das trifft einfach nicht zu!
Du solltest dich nochmals mit der Freiburger Schle und deren Prinzipien auseinandersetzen.
Die FDP hat durchaus Lösungsansätze zu der von dir angesprochenen "Schere". Hast du schon einmal etwas von dem "Boni"-"Mali"-System gehört? Hierbei erhalten Manager an den Gewinn gekoppelte Boni bzw sie müssen für Verluste gerade stehen. Dieses System muss man allerdings global regeln. Die Aktien sollen nur noch auf langfristigen Handel fixiert sein. Heißt: Man kann keine Aktien mehr kurzfristig für den Gewinn verkaufen.
Das sind alles Punkte, die Global verhandelt werden müssen. Die FDP hat da gute Lösungsansätze.
Zum Thema Kündigungsschutz und Mindestlohn. Das beste Beispiel, was passiert wenn wir einen Mindestlohn zusammen mit einem starken Kündigungsschutz einführen, sehen wir in Frankreich: Dort gehen die Menschen auf die Straßen. Es gibt eine sehr hohe Rate von Menschen, die als "arm" bezeichnet werden können.
Unternehmen stellen diese nicht ein. Wegen des Kündigungsschutzes und des hohen Mindestlohns sind die Hemmungen entsprechend groß.
Natürlich ist da auch das Arbeitslosengeld nicht ganz so hoch, wie in Deutschland, aber die Unternehmen haben Mindestlohn und Kündigungsschutz selbst als Gründe angegeben. Wir alle kennen die Straßenschlachten, die brennenden Autos, die Barrikaden bei politischen Gipfeln. In Frankreich extremer, als irgendwo anders. Genau da hättest du deinen Mindestlohn (angesetzt im 7€ Bereich). Und du siehst, dass dies auch zu Arbeitslosigkeit führen kann.
Deine Theorie mag so logisch klingen, aber dass sie in der Praxis nicht funktioniert, siehst du in diesen Ländern sehr gut. Übrigens ist bei unseren lieben Nachbarn nach Einführung des Mindestlohns die Arbeitslosigkeit sprunghaft angestiegen. Sie pendelt konstant zwischen 8 und über 10Prozent (vorher: 5-7%). Und das würde bei dem Bürgergeld der FDP niemals so eintreten.
Trotzdem: Glückwunsch zum Abschluss im nächsten Jahr.
Ich schlage vor, wir lassen diese Diskussion sein. Wir haben eine völlig unterschiedliche Sicht der Dinge und ich glaube kaum, dass wir je eine Einigung finden werden (und dazu sind Diskussionen eigentlich da^^).