"Killerspiele": Neues Dittmayer-Video

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Mauricius
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Beitrag von Mauricius »

4P|TGfkaTRichter hat geschrieben:
Oberdepp hat geschrieben:Ist auch das gute Recht der Gaming-Gemeinschaft auf sowas aufmerksam zu machen. Nennt sich Lobbyismus und hat zurecht seine Daseinsberechtigung.

Und deswegen sehe ich es auch eher als unrealistisch, dass Shooter komplett verboten werden. Es wird vielleicht stärker indiziert und zensiert, solange aber kein allgemeines Verbot verarbschiedet wird, muss es mich als erwachsener Spieler nicht kümmern.
Ich gehe fest davon aus, dass langfristig weniger zensiert und indiziert wird. Ich hab schon früher in diesem thread geschrieben, dass die Tendenz klar in Richtung weniger Verbote zeigt. Die Hysterie, die einige Politiker des konservativen Lagers kurz vor irgendwelche Wahlen schüren, durch deren Übertriebenheit leider auch jede vernünftige Diskussion im Keim erstickt wird, wird ja außerhalb der Fachmedien kaum wahrgenommen.
Ähm, den derzeitigen Aktionismus sehe ich leider nicht ganz so locker wie du. Stichwort Paintball. Habe ich nie gespielt, interessiert mich auch nicht, aber das evtl. bevorstehende Verbot lässt meine Alarmglocken schrillen.
Allein aufgrund der Hintergründe, vor denen es verboten werden soll, denn tatsächlich hat niemals ein Amokläufer auf einer solchen Anlage "trainiert".
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Hacker88
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Beitrag von Hacker88 »

Mauricius hat geschrieben:
4P|TGfkaTRichter hat geschrieben:
Oberdepp hat geschrieben:Ist auch das gute Recht der Gaming-Gemeinschaft auf sowas aufmerksam zu machen. Nennt sich Lobbyismus und hat zurecht seine Daseinsberechtigung.

Und deswegen sehe ich es auch eher als unrealistisch, dass Shooter komplett verboten werden. Es wird vielleicht stärker indiziert und zensiert, solange aber kein allgemeines Verbot verarbschiedet wird, muss es mich als erwachsener Spieler nicht kümmern.
Ich gehe fest davon aus, dass langfristig weniger zensiert und indiziert wird. Ich hab schon früher in diesem thread geschrieben, dass die Tendenz klar in Richtung weniger Verbote zeigt. Die Hysterie, die einige Politiker des konservativen Lagers kurz vor irgendwelche Wahlen schüren, durch deren Übertriebenheit leider auch jede vernünftige Diskussion im Keim erstickt wird, wird ja außerhalb der Fachmedien kaum wahrgenommen.
Ähm, den derzeitigen Aktionismus sehe ich leider nicht ganz so locker wie du. Stichwort Paintball. Habe ich nie gespielt, interessiert mich auch nicht, aber das evtl. bevorstehende Verbot lässt meine Alarmglocken schrillen.
Allein aufgrund der Hintergründe, vor denen es verboten werden soll, denn tatsächlich hat niemals ein Amokläufer auf einer solchen Anlage "trainiert".
Muss ich auch zustimmen, obwohl ich die Zukunft nich so schwarz sehe und glaube, dass sich nich allzuviel veraendern wird, aber ich verurteile diese Willkuerlichkeit der Politiker...
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johndoe869725
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Beitrag von johndoe869725 »

Das Paintball Verbot ist ja scheinbar schon wieder umgefallen. Also kein Grund zur Panikmache.
Oberdepp
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Beitrag von Oberdepp »

Selbst die Berliner Polizei hat gesagt, dass ein Gotcha-Verbot schwachsinnig sei. Auf so einer Basis kann man so ein deartigen Verbot nicht durchboxen. Zum Glück gibt es auch noch immer die Opposition ;).
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Hacker88
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Beitrag von Hacker88 »

Ein Hoch auf die Berliner^^!!!

Naja, es waer schon gut, wenn die Tendenz wirklich in die von 4P|TGfkaTRichter genannte Richtung gehen wuerde... trotzdem ist es schon fragwuerdig, dass sich vorm Wahlkampf Politiker derart weit aus dem Fenster lehnen duerfen... Meiner Meinung nach sollte die Ansicht, man koenne sich mal eben auf Stereotypen der Gesellschaft stuerzen, schon im Keim erstickt werden!

PEACE
ZockerManiac
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Beitrag von ZockerManiac »

Hi Leute! Sorry, dass ich mich eine Weile leider nicht mehr an der Diskussion hier beteiligen konnte – das werde ich jetzt nachholen!


@4P|TGfkaTRichter:

Zunächst ein denkwürdiges Zitat von Dir:
Wenn zweifelsfrei nachgewiesen werden würde, dass Gewaltspiele das Aggressionspotential der Spieler unter bestimmten Umständen in gefährlichen Maße erhöhen, müsste man sie eigentlich verbieten.
Eine solche Feststellung aus Deinem Munde beeindruckt mich jetzt aber schon schwer! Auf diese Einsicht habe ich lange vergeblich gewartet... Woher der plötzliche Meinungswechsel?! Das ist genau das, was ich seit Wochen versuche, Dir klar zu machen! Ich habe nie behauptet, dass man alle „Killerspiele“ sofort verbieten soll (genau genommen habe ich sogar an vielen Stellen gegenteilig argumentiert...). Ich habe nur dafür plädiert, dass man die Befundlage, die – weshalb auch immer – bislang eher gegen als für diese Spiele spricht (völlig gleichgültig, ob das für immer so bleiben wird), nicht einfach wegignorieren darf, nur, weil „nicht sein kann, was nicht sein darf“ und dass man für den Fall, dass sich hier die Befundlage weiter erhärten sollte, Konsequenzen ziehen muss.

Dass „Gewaltspiele das Aggressionspotential der Spieler unter bestimmten Umständen (...) erhöhen“, ist übrigens in zahlreichen Studien zweifelsfrei belegt worden ebenso, wie die Tatsache, dass diese Aggression dazu in der Lage sein kann, das tatsächliche Handeln von Menschen negativ zu beeinflussen. Das wird ja nicht einmal von Kutner & Olson in Frage gestellt (siehe unten!), die lediglich die ökologische Validität dieser Ergebnisse anzweifeln, jedoch nicht die Ergebnisse an sich!
Fraglich ist neben der ökologischen Validität, die in weiteren longitudinalen (Feld?) Studien zu prüfen sein wird, ob hier die Effektstärken ausreichen und die Effekte stabil genug sind, um Verbote zu rechtfertigen oder Veranstaltungen abzusagen und dafür ist es natürlich viel zu früh!

Zu den von Dir zitierten Studien:

Ah, endlich kommen mal Fakten auf den Tisch - sehr schön! Leider muss ich Dich dennoch enttäuschen...

1. & 3. Link (diese beiden Links beziehen sich auf dieselbe Studie von Kutner & Olson):
Einmal davon abgesehen, dass die Art der Berichterstattung in diesem Fall absolut unseriös daher kommt (wofür natürlich nicht die Autoren der Studie verantwortlich zu machen sind), gibt es hier gravierende methodische Mängel, die von zahlreichen führenden Forschern kritisiert wurden und die ich hier nicht alle diskutieren kann, da ich sonst wohl meinerseits ein Buch schreiben müsste. Daher hier nur die Kurzfassung:

Die Methode der Befragung in solchen Fällen im Allgemeinen und in der Art und Weise, in der sie hier zur Anwendung gekommen ist, im Besonderen, ist sehr kritisch zu betrachten (Suggestivfragen, zweifelhaft zusammengestellte Stichproben, Antwortverzerrungen durch soziale Erwünschtheitstendenzen...). Außerdem ist die Selektion der Quellen – insbesondere die Auswahl der Referenzstudien -, die die Autoren hier zugrunde legen, mehr als fragwürdig (wer Interesse an genauen Details hat, möge sich bitte bei mir melden :wink: ).
Genau genommen hast Du hier tatsächlich die einzige aktuelle Studie ausgegraben, die im Moment international von noch mehr Fachleuten hart kritisiert wird als diejenigen von Christian Pfeiffer (wobei man dazu sagen muss, dass Pfeiffer an einem kriminologischen Forschungsinstitut beschäftigt ist, d.h., positive testing in Richtung Gewalt und damit korrelierte Faktoren ist quasi sein Job. Die hier zitierten Autoren nehmen jedoch für sich in Anspruch, völlig unvoreingenommene, neutrale und unabhängige Wissenschaftler zu sein – da lachen ja die Hühner! :lol: ).

Von methodenkritischen Aspekten einmal abgesehen - jetzt mal im Ernst: Du selbst kritisierst doch (durchaus zu Recht) so gerne Christian Pfeiffer für seine bisweilen merkwürdigen Kausalzusammenhänge. Andererseits ist doch aber die Feststellung der Autoren, „dass das Nichtspielen ein Zeichen von fehlender Sozialkompetenz“ sei und dass Kinder ohne Kontakt zu Videospielen mehr Probleme in der Schule bzw. im Elternhaus hätten, auch allenfalls eine Korrelation, deren kausale Interpretation sich ebenfalls verbietet und obendrein ziemlich abenteuerlich wäre (überleg’ mal, was das bedeuten würde: Damit würde allen Kindern, die selten oder nie Videospiele spielen, ein extrem gestörtes Sozialverhalten unterstellt! Hast Du eine Vorstellung davon, wie viele Kinder und Jugendliche in diese Kategorie fallen würden 8O ?! Und was haben Kinder & Jugendliche eigentlich gemacht, bevor es die rettenden „Killerspiele“ gab, durch die sie endlich zu besseren – und v. a. sozialeren – Menschen werden konnten? Haben sie da am Ende etwa auch manchmal völlig gewaltlose Spiele gespielt, die ihr Sozialverhalten geschult haben, ohne dass sie dafür mit einer Kettensäge virtuell-menschliches Hackfleisch produzieren mussten? Wie war das möglich?!).

Wo wir schon bei seltsamen Kausalhypothesen sind: Hier wird einerseits behauptet, dass „ein Zusammenhang von Games und der Gewalt an Schulen (...) nicht zu beweisen“ sei, wobei die Grundsätzlichkeit dieser Gegebenheit unterstellt wird , andererseits behauptet man aber, einen Zusammenhang des Nichtspielens mit fehlender Sozialkompetenz grundsätzlich sehr wohl nachweisen (und evtl. sogar kausal interpretieren!) zu können. Rein statistisch und versuchsmethodisch ist diese Feststellung Quatsch, da die Erhebungs- und Auswertungsmethoden exakt dieselben sind, also weshalb sollten sie im einen Fall zu einem aussagekräftigen Ergebnis führen können und im anderen Fall nicht?
Nun könnte man natürlich argumentieren, dass das daran liegen könnte, dass es eben nur im einen Fall Zusammenhänge gibt und im anderen nicht. Stimmt, dem könnte tatsächlich so sein, was ich gar nicht bewerten oder in Frage stellen möchte. Nur war diese Kritik seitens der Autoren ja keineswegs so gemeint. Hier wurde ja die generelle Nachweisbarkeit im ersten Fall bestritten, im zweiten (methodisch im Wesentlichen identischen) Fall jedoch befürwortet und das ist nun einmal methodischer Unsinn, der sich auch nicht damit begründen lässt, dass in vielen Versuchen nur fünf Minuten ein „Killerspiel“ im vergleich zu einem „neutralen Spiel“ gespielt und die Aggressionssteigerung gemessen wurde.
So wurde zwar tatsächlich manchmal vorgegangen, aber erstens wurden Schlüsse auf Langzeiteffekte stets nur aus longitudinalen Analysen gezogen und zweitens ist die Annahme von Kutner & Olson, dass sich hier ein anderes Datenbild ergäbe, rein spekulativer Natur, denn überzeugende Daten können sie hierfür nicht vorlegen!

Außerdem: Ob dieses Paradigma nun ökologisch valide ist oder nicht: Es liefert Ergebnisse und auch, wenn das Spielen gewalthaltiger im Vergleich zu neutralen Spielen nach nur fünf Minuten Aggression & Gewaltbereitschaft signifikant ansteigen lässt, sollte einem dies mindestens zu denken geben. Zweifelsohne lassen sich diese Befunde nicht unbedingt dahingehend interpretieren, dass auch das Spielen solcher Spiele über einen längeren Zeitraum zu einem höheren Aggressionslevel führt. Die Annahme „je mehr, desto schlimmer“ muss in diesem Fall nicht zwingend zutreffen. Hier wären verschiedene andere Varianten zumindest vorstellbar, wenn auch die hier üblicherweise von nicht-Fachleuten angeführte Annahme, dass sich die Aggression bei längerem Spielen durch Gewohnheits- oder Abreagierungseffekte wieder reduzieren könnte (= Katharsis-Hypothese v. S. Freud), empirisch längst widerlegt ist. In diese Richtung werden solche Ergebnisse aber im Allgemeinen auch gar nicht interpretiert (von einigen unverbesserlichen Fanatikern einmal abgesehen).

Es ist in der Wissenschaft übrigens auch nicht ungewöhnlich, dass bestimmte Leute sich v.a. dadurch hervortun, dass sie in unzulässig verallgemeinernder Weise gegen die Arbeit fast aller anderen Forscher polemisieren, ihre eigene jedoch als die einzig wirklich umfassende und natürlich völlig neutrale darstellen. Ein wenig lächerlich wirkt dies insbesondere, wenn sich ein Forscherteam, in dem zu einem großen Teil Psychologen vertreten sind, dahingehend äußert, dass die meisten anderen Studien „von Psychologen durchgeführt (werden), die keine Ahnung von Videospielen haben“. Frau Olson entstammt dem Fachbereich Public Health und ihr Kollege Kutner ist Psychologe. Bei beiden ist keine fachlichliche Expertise im Videospiel-Bereich festzustellen. Natürlich werden sie sich mit der Thematik eingehend beschäftigt haben, aber das ist bei jedem anderen einigermaßen seriösen Forscher auf diesem Gebiet ebenfalls anzunehmen.

Auch sollte hier jedenfalls ein Aspekt kritisch betrachtet werden: Interessant ist nämlich, dass es den Autoren nicht reicht, ihre – noch nicht einmal replizierten (!) – Ergebnisse in einer Fachzeitschrift zu publizieren und Reaktionen der Fachwelt abzuwarten. Vielmehr wollen sie ein populärwissenschaftliches, reißerisch aufgemachtes Buch verkaufen, was immer am Besten funktioniert, wenn man das schreibt, was nicht so viele andere Leute schreiben, was aber eine ganz bestimmte Klientel gerne lesen möchte (auch hier ist der Unterschied zu dem, was Pfeiffer tut, nicht wirklich erkennbar, mit dem Unterschied, dass dieser im Allgemeinen keine Bücher damit verkaufen will und die Autoren halt auf der anderen Seite stehen...).
Interessant wird es dann immer wieder mal, wenn die Autoren bemerken, dass sich dieselbe Voreingenommenheit, die sie selbst den „Kontra-Killerspiel“-Studien vorwerfen, ebenso jenen Studien vorwerfen ließe, „die Videospiele in ein ungemein positives Licht rücken“. Beispielsweise sei laut Olson „von der Gamesindustrie selbst finanzierte Forschung ebenso mit Vorsicht zu genießen“. Na, sowas! :roll:

Ob die Schlussfolgerungen der Autoren im Endeffekt richtig sind - wobei sie diese in ihrer Arbeit ohnehin viel (!) vorsichtiger formulieren, als das aus den von Dir verlinkten (ziemlich überzeichnenden) Artikeln hervorgeht - bleibe dahingestellt. Wie ich es von Anfang an in dieser Diskussion unterlassen habe, mich selbst auf eine Seite in dieser Debatte zu schlagen, so werde ich mir auch jetzt sicher nicht anmaßen, die Befundlage abschließend kommentieren zu wollen.

Tatsache ist dennoch, dass die Vorgehensweise von Olson & Kutner vielfach kritisiert wird und ihre Ergebnisse bislang nicht repliziert werden konnten. Ob sich ihre Befunde bewähren können, ist noch zu demonstrieren und nicht unbedingt wahrscheinlich. Demgegenüber stehen jedoch zahlreiche sehr wohl vielfach replizierte Ergebnisse, die gegenteilige Befunde vorweisen.

Immerhin kann man festhalten, dass “Killerspiele” nicht allein (aber im Zusammenhang mit anderen Faktoren eben doch?!) an der steigenden realen Gewalt schuld sind, Ob das nun aber als Argument für ihre generelle Unbedenklichkeit gewertet werden kann, wage ich stark zu bezweifeln!

Fast immer wird in „Pro-Killerspiel“-Studien argumentiert, dass sich gezeigt habe, dass nur emotional labile Personen durch Killerspiele negativ beeinflusst werden. Zu diskutieren wäre hier, wie viele „emotional labile Personen“ es tatsächlich gibt (die Zahl ist bedeutend höher, als die meisten Menschen glauben würden) und ob eine solche Feststellung nicht mindestens Anlass zur Sorge gibt (denn es gibt ja andererseits auch genügend Videospiele, bei denen es überhaupt nicht zur Debatte steht, ob sie solcherlei negativer Auswirkungen haben könnten und mit denen man sich kein solches Risiko erkaufen würde. Die Argumentation gegen „Killerspiele“ ist also i. d. R. keineswegs eine Argumentation gegen Videospiele an sich).

Es gibt auch bestimmte Drogen, deren Besitz, Konsum und Verbreitung untersagt ist, obwohl vielfach belegt ist, dass nur ein Bruchteil derer, die diese Drogen eine Zeit lang konsumieren, dauerhaften Schaden erleiden, abhängig oder beschaffungsdelinquent werden. Dennoch reicht dieser Prozentsatz aus, um die entsprechende Gesetzeslage zu rechtfertigen, da sich gerade der Jugendschutz eben an den „Risikofällen“ ausgerichtet ist und nicht an den „Stabilen“. Damit will ich weder Drogenkonsum mit „Killerspielen“ vergleichen, noch will ich dafür argumentieren, dass auch „Killerspiele“ verboten werden sollten. Ich will damit nur feststellen, dass so nun einmal Jugendschutz funktioniert und es bislang auch keine Anhaltspunkte dafür gibt, die für eine Änderung dieses Konzepts sprechen würden.

Insgesamt bleibt nochmals zu betonen, dass selbstverständlich noch kein eindeutiger, transsituativ konsistenter und zeitlich stabiler Zusammenhang zwischen medialer und realer Gewalt nachgewiesen werden konnte (ob dies einmal der Fall sein wird oder nicht, ist Spekulation), aber eines ist vielfach belegt: Gewalthaltige Spiele können Menschen unter bestimmten Umständen negativ beeinflussen. Fraglich ist, ob diese Tatsache bereits ausreicht, um Verbote oder Indizierungen auszusprechen (meine persönliche Meinung zu dieser Frage dürfte ja inzwischen hinreichend bekannt sein...)

Die Studie von Kutner & Olson ist jedenfalls als äußerst problematisch einzustufen, weshalb sie keineswegs als überzeugender Beleg für die Unbedenklichkeit oder gar positive Auswirkungen gewalthaltiger Medien gewertet werden kann.

Was die Studie der Tübinger Arbeitsgruppe angeht, die ich übrigens gut kenne und schätze, so möchte ich nur ein paar Zitate kommentieren, aus denen schnell hervorgehen dürfte, dass diese Studie keineswegs gegen meine Auffassung spricht, sondern diese sogar unterstützt:
Nach amerikanischen Studien haben nun auch deutsche Psychologen erkannt dass der intensive Konsum von Bildschirmblut und virtuellen Gewalttaten nur bei den wenigsten Jugendlichen die reale Gewaltbereitschaft steigere“
Das widerspricht nicht meiner Meinung, sondern entspricht ihr eindeutig! Sicher steigert der intensive Konsum solcher Medien nur bei den wenigsten Jugendlichen die reale Gewaltbereitschaft – aber bei denen eben doch! Hier geht es mal wieder um die Frage, ob wir die Gewalttaten, die eventuell (nicht nur, aber auch) auf den Konsum gewalthaltiger Medien zurückzuführen sind, einfach billigend in Kauf nehmen wollen, weil es ja nicht so viele sind... Ansichtssache - den Opfern dieser Gewalttaten dürfte das aber ziemlich egal sein!

Auch die Feststellung der Autoren, dass der Konsum gewalthaltiger Medien nie der alleinige Auslöser für Ausraster im echten Leben sei, entspricht voll und ganz meinen Ausführungen. Fraglich ist jedoch, ob es nicht bereits ausreichend sein sollte, dass diese Medien in Interaktion mit weiteren Faktoren eben doch zu solchen „Ausrastern“ beitragen können...

Angesprochen wird hier wörtlich ein „Quintett an Faktoren, in dem der Medienkonsum den Schlüsselreiz einnehmen kann”. Sorry, aber das bestätigt nicht Deine Auffassung, sondern meine! :D
Exakt, weil man bei so etwas niemals auf einen Nenner kommt und übertrieben formuliert am Ende entweder alles erlaubt oder alles verbietet. Allerdings muss man den Killerspielgegnern, die so vehement nach einem Verbot schreien (wobei sie nicht mal so genau wissen, was sie eigentlich verbieten wollen) dennoch entgegenhalten, was alles erlaubt ist.
Das ist ja mal wieder ein ganz besonders differenziertes Statement: Richtig schöne, polarisierende Schwarzweißmalerei vom Allerfeinsten – aber Hauptsache plakativ :roll: ! Weil man „bei so etwas niemals auf einen Nenner kommt“, soll man nun also lieber einfach alles naiv und kritiklos geschehen lassen... tolle Idee!
Es geht gar nicht darum, alles verbieten zu wollen, ebenso wenig, wie es darum gehen sollte, prinzipiell alles zu erlauben und nichts mehr zu hinterfragen! Es gibt aber einen Punkt, ab dem man „Konsumgüter“ (im weitesten Sinne) entweder verbieten oder zumindest streng reglementieren sollte, nämlich genau dann, wenn sie erwiesenermaßen schädlich für den Konsumenten und letztendlich auch für dessen Umwelt sein können (im Hinblick auf Videospiele hast Du das übrigens sogar selbst geschrieben, vgl. erstes Zitat!). Da bilden Videospiele prinzipiell ebenso wenig eine Ausnahme, wie Zigaretten (zumindest in Anfängen reglementiert), Drogen (verboten), Waffen (streng reglementiert oder verboten) und was weiß ich, was noch alles! Auch Alkoholkonsum ist zumindest in den meisten Bereichen reglementiert, in denen er potentiell Schaden anrichten könnte.

Wo ich gerade beim Thema bin: Bei Deinen Vergleichen mit den Themen „Rauchen“ und „Alkohol hinterm Steuer“ steht mir jedes einzelne meiner Haare zu Berge (und anscheinend Gott sei Dank nicht nur mir...):
Wenn Leute ein Killerspiel spielen, tun sie das auch nicht, um Amok zu laufen, genauso wenig wie Menschen, die sich besoffen ans Steuer setzen sich und andere töten wollen. Der entscheidende Unterschied ist, dass Killerspiele allein Menschen niemals zu Amokläufern machen (wenn überhaupt spielen sie dabei nur eine untergeordnete Rolle), während Alkohol in der Kombination mit einem Auto ganz sicher gefährlich ist.

Man könnte es auch mit dem Rauchen vergleichen. Wenn von 10000 Killerspielspielern einer evntuell Amok läuft, richten Killerspiele immer noch deutlich weniger Kolletralschanden als Raucher an.
Zum Rauchen: Und deshalb sollte man das Deiner Meinung nach einfach akzeptieren?! Außerdem: Sofern die Raucher andere Menschen schädigen, wurde ihr Laster ja bereits (wenn auch bislang unzureichend) reglementiert und sofern sie nur sich selbst schädigen (von Krankenkassenkosten einmal abgesehen), wird man das wohl ihnen selbst überlassen müssen. Ob Killerspiele tatsächlich weniger Schaden anrichten, steht ja gerade zur Debatte. Sollte sich tatsächlich die Befundlage dahingehend erhärten, dass Gewaltspiele einen signifikanten Beitrag zu solchen grauenvollen Ereignissen wie Amokläufen leisten (ob nun allein oder gemeinsam mit anderen Faktoren), dann finde ich schon, dass der gewaltsame Tod von Kindern und Jugendlichen ein „Kollateralschaden“ ist, dessen Vermeidung über die Bedürfnisse einer Spieler-Community gestellt werden muss!

Zum Alkohol: Um es mal mit den Worten Herbert Wehners auszudrücken: „Das (mit den Zigaretten) war schon Quatsch. Und das hier ist noch viel quätscher!“. Dass Menschen, die ein „Killerspiel“ spielen, dies deshalb tun, um Amok zu laufen, hat nie jemand behauptet (nicht einmal Christian Pfeiffer!). Und was die Feststellung betrifft, dass Killerspiele allein Menschen niemals zu Amokläufern machen: Das stimmt! Dafür braucht es noch andere Faktoren, wie z.B. eine vulnerable Persönlichkeitsstruktur, Provokation, eine üble Lebensgeschichte usw.. Das ist aber beim Alkohol auch nicht anders: Nur davon, dass ich mir 2,5 Promille ansaufe, habe ich noch niemanden umgebracht! Dazu brauche ich ein Auto, einen Zündschlüssel usw.. Auch, wenn wir das Auto mal beiseite lassen (es gibt ja auch negative Auswirkungen von Alkohol, die nichts mit Straßenverkehr zu tun haben) – betrachten wir mal Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss: Diese passieren auch nicht immer bei jedem Menschen auf genau dieselbe Art und Weise. Sicher ist Alkohol in Kombination mit einem Auto ganz sicher gefährlich, aber ein Killerspiel in Kombination mit einer vulnerablen Persönlichkeit und einer entsprechenden Auslösesituation ebenso (und das geht sogar aus der Studie der Tübinger Arbeitsgruppe hervor, die Du selbst zitiert hast!). Du kannst nicht die Ungefährlichkeit eines „Killerspiels“ als Einzelfaktor mit der Gefährlichkeit von Alkohol in Kombination mit dem Faktor x vergleichen. Das ist Unsinn!
Deine Behauptung, dass Killerspiele allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen, verweise ich ins Reich der wilden Spekulationen! Wo sind die Belege?!

Und nochmal zum Thema „es gibt aber auch Experten, die das Gegenteil behaupten“: Die gibt es immer und überall! Es gibt sogar „Experten“, die den Holocaust leugnen (die gibt es tatsächlich!)... Fraglich ist, ob sie ernst zu nehmen sind!

Schließlich möchte ich nochmals betonen, dass ich selbst sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte gewalthaltiger Medien sehe und berücksichtige! Problematische Aspekte und positive Potenziale bilden, wenn sie nicht in populärwissenschaftlicher Überspitzung
aufeinander treffen, nicht notwendigerweise einen Widerspruch, sondern
zeigen unter Umständen die tatsächliche Ambivalenz des Themas. Vielleicht wäre es vernünftig, anstatt immer nur über ein „entweder oder“ einmal über ein „sowohl als auch“ nachzudenken. Fraglich wäre dann wiederum, ob man die positiven Aspekte von Videospielen nicht auch haben könnte, ohne sich dafür die negativen Eigenschaften gewalthaltiger Spiele mit zu erkaufen...

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johndoe869725
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Beitrag von johndoe869725 »

@ ZockerManiac

Zu den ganzen Geschichte bzgl. der Studien werde ich nichts schreiben, weil ich die Materie zu wenig kenne, um sicher zu sagen, welche Studie vertrauenswürdig ist und welche nicht. Außerdem muss ich hinzufügen, dass ich dich als bewertende Instanz der einzelnen Studien auch nicht wirklich benutzen kann, was du aber bitte nicht persönlich nimmst.

(Aber wenn du mir vorwirfst, plakativ zu sein, so muss ich dir sagen, dass ich das Niveau deines Holcaust-Experten Vergleich leider noch nicht erreicht habe.)

Was meine Beispiele angeht:

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: In unserer Gesellschaft gibt es einige Dinge, die erlaubt sind, obgleich ihr gefährlicher Einfluss wissenschaftlich zu 100% bewiesen ist. Alkohol und Zigaretten sind die da einfach die populärsten Beispiele, weil es sich bei beiden auch um Genussmittel handelt, die sonst keinen Zweck erfüllen (im Gegensatz zum gemeingefährlichen Straßenverkehr).Die Gefährlichkeit von "Killerspielen" ist (und da kannst du mir das Gegenteil nicht weismachen) bei weitem noch nicht so sicher und in dem Umfang nachgewiesen wie die Gefährlichkeit der beiden oben genannten Rauschmittel. Wenn man also Killerspiele vor allem aus Jugendschutzgründen für alle verbieten wollte, müsste man Zigaretten und Alkohol auch für alle verbieten. Jugendlichen ist der Zugang zu Zigaretten, starkem Alkohol und Spielen bereits verboten, aber nur bei den Spielen diskutiert man über ein Verbot für jedermann und da muss man einfach die Frage stellen: Wieso so inkonsequent? Oder um es noch einfacher zu sagen: Wer A sagt, muss auch B sagen (gesellschaftlich gesehen völlig unrealistisch, ich weiß, aber man kann es trotzdem mal anmerken).

Nochmal zur Verbotsdiskussion: Zigaretten und Alkohol sind trotz ihrer bekannten gefährlichen Auswirkungen gesellschaftliche akzeptiert, Spiele nicht. Es geht bei der zumindest in der Öffentlichkeit geführten Verbotsdiskussion (leider) überhaupt nicht um wissenschaftliche Zusammenhänge oder sinnvolle Überlegungen, sondern nur darum, auf ein neues, vielen noch fremdes Medium einzuprügeln. Leider wird dadurch jede sinnvolle Diskussion sowohl für als auch wider gewalthaltiger Spiele im Keim erstickt. In der Öffentlichkeit erzählen Leute wie Bosbach, dass man Spiele verbieten müsste, weil es sich eben so gehört und irgendwelche CS Süchtis erklären auf der Gegenseite, dass Herr Bosbach natürlich keine Ahnung hat. Das ist das Niveau der öffentlichen Diskussion, die nur funktioniert, weil so viele so wenig Zugang zu diesem Medium haben.

Das wirklich Üble daran ist, dass in einigen Jahren, wenn das Medium endlich in der Breite der Gesellschaft akzeptiert sein wird, es niemanden mehr wirklich interessieren wird, wie gefährlich Spiele sind, denn dann wird die Akzeptanz jeden Zweifel beiseite wischen, wie es bei Alkohol und Zigaretten noch immer der Fall ist, die strikteren Gesetze zum Schutz der Nichtraucher sorgen dort für einen kleinen Fortschritt. Finde ich das gut? Ich weiß es nicht, aber ich fürchte, es ist ein Vorgang, der in einer hochkomplexen Gesellschaft wie der unsrigen wahrscheinlich nicht vermeidbar ist.

Was die Vermeidung des Kolleteralschadens angeht: Ich fürchte, ich bin einfach viel zynischer als du. Nehmen wir mal an, dass Spiele tatsächlich die Wahrscheinlichkeit von Amokläufen erhöhen und so ca. pro Jahr 10 Jugendliche in einem Amoklauf ihr Leben lassen müssten. 10 Tote im Verhältnis zu den Gewinnen eines immer stärker werdenden Indurstriezweiges und einigen 10000, die viel Spaß mit diesen Spielen haben, sind eine durchaus akzeptable Opferzahl. Das ist wirklich wie Jugendlichen, die sich zu Tode saufen. (Nur tun die es leider immer nicht alle auf einmal, so dass der Amoklauf besser in die Schlagzeilen passt.) Aber wie bereits gesagt: Aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht scheint es so oder so um akzeptable Verluste zu handeln.
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Beitrag von ZockerManiac »

@4P|TGfkaTRichter:

Dass Du mich "als bewertende Instanz der einzelnen Studien auch nicht wirklich benutzen" kannst, nehme ich keineswegs persönlich. Das ist nachvollziehbar, da ich ja eine andere Meinung vertrete. Dennoch möchte ich immer wieder betonen, dass es falsch wäre, mich einfach in die Kategorie "Killerspiel-Gegner" einzuordnen, denn in die gehöre ich ganz und gar nicht.

Fakt 1: Ich stehe auf Seiten der Zocker, sonst wäre ich sicher nicht hier (oder schauen Pfeiffer & co. hier etwa auch ab und zu mal vorbei, um sich mit Euch auszutauschen?) und hätte vermutlich auch einen anderen Nick... Shooter zählen zwar nicht zu den von mir bevorzugten Genres (RPGs aller Art), ich lehne sie aber auch nicht grundsätzlich ab (eines meiner bevorzugten RPGs war Mass Effect und da wird ja nun auch reichlich geballert...).

Fakt 2: Ich stehe aber ebenso auf Seiten der Wissenschaft, deren Argumente und Befunde in dieser Diskussion von beiden Seiten viel zu wenig beachtet werden. Dass ich hier eher die Kontra-Studien betone, liegt nicht daran, dass ich die Pro-Studien ignoriere, sondern dass die Befundlage zum jetzigen Zeitpunkt viel eher auf negative als auf positive Auswirkungen gewalthaltiger Medien hindeutet. Dies könnte sich natürlich irgendwann ändern, was aber reine Spekulation ist.

Da ich es grundsätzlich für wünschenswert halte, dass sowohl "Killerspiel"-Befürworter als auch -gegner irgendwann zu einer etwas nüchterneren und sachlicheren Betrachtung der Fakten finden (und die kommen nun einmal idealerweise aus der Forschung), werde ich in solchen Diskussionen immer versuchen, jene Aspekte zu betonen, die in der jeweiligen Diskussionsrunde unterrepräsentiert sind. Es würde nicht viel Sinn machen, hier gegen Pfeiffer, die Bayerische Regierung & Co. zu wettern, denn das tun hier ohnehin schon alle. Das hebe ich mir dann für die nächste Diskussion unter "Killerspiel"-Gegnern auf ;).
(Aber wenn du mir vorwirfst, plakativ zu sein, so muss ich dir sagen, dass ich das Niveau deines Holcaust-Experten Vergleich leider noch nicht erreicht habe.)
Was das "Niveau betrifft, so muss ich mir da spätestens nach dem letzten Absatz Deines aktuellen Beitrags wohl überhaupt keine Sorgen mehr machen...

Aber jetzt würde mich mal eines interessieren: Wieso wirfst Du mir eigentlich ständig irgendwelche "Vergleiche" vor?! Ist es "es gibt auch..."-Satz den zwangsläufig ein inhaltlicher Vergleich? Wohl kaum! Vielmehr handelte es sich in diesem Fall um ein "Beispiel": "Es gibt Forscher, die das Gegenteil behaupten" - "es gibt zu ALLEN Themen Forscher, die das Gegenteil behaupten" - "es gibt sogar zum Thema "Holocaust" Forscher, die das Gegenteil behaupten" - "es gibt auch Forscher, die in der krassen Minderheit einfach irgendeinen Unsinn faseln"! Ich hoffe, ich habe jetzt einigermaßen verständlich machen können, weshalb das hier absolut überhaupt nichts mit einem "Vergleich", sondern mit der Anführung eines "Beispiels" zu tun hatte. Ein Beispiel wird übrigens auch nicht zwangsläufig niveaulos, nur, weil darin der Begriff "Holocaust" vorkommt...

Zu Deinem Alkohol-Zigaretten-Beispiel: Dieses ist und bleibt Unsinn: Zwar ist die Gefährlichkeit beider Genussmittel in der Tat bewiesen, jedoch auch nicht für jeden Menschen in vergleichbarem Maße, zu jeder Zeit und in jeder Situation (wie im Falle von "Killerspielen"). Ebenso wie im Falle gewalthaltiger Medien ist hier immer die Interaktion mit anderen Faktoren erforderlich, damit es zur Katastrophe kommt (z.B. genetische Prädispositionen, Persönlichkeit, Umweltfaktoren usw.). Ebenso wie die meisten Counterstrike-Spieler niemals zu Amok-Läufern werden, bekommen auch die meisten Raucher bzw. Mitraucher niemals Lungenkrebs und fahren auch die meisten Alkoholiker niemals einen Menschen tot!

Außerdem muss man hier zwei Fälle unterscheiden: Den der Eigen- und jenen der Fremdgefährdung. Im ersten Fall wird man von staatlicher Seite ohnehin nicht viel ausrichten können, da Du niemanden daran hindern kannst, die eigene Gesundheit zu ruinieren, wenn er/sie das unbedingt möchte. Für den zweiten Fall - also den der Fremdgefährdung (und um den geht es hier) - gibt es sowohl im Falle von Alkohol als auch in jenem von Nikotin diverse Gesetze zum Schutz von Menschen. Beispiele hierfür wären die Promille-Grenze für Auto- bzw. Berufskraftfahrer, das Rauchverbot in bestimmten, öffentlich zugänglichen Einrichtungen im weitesten Sinne oder das Verbot von Zigarettenwerbung.

Es ist also schlicht falsch zu behaupten, dass diese Dinge uneingeschränkt erlaubt wären, obwohl ihre Gefährlichkeit zu 100 % bewiesen sei: In den meisten Zusammenhängen, in denen die Gefährlichkeit für andere tatsächlich bewiesen ist, ist der Konsum dieser Produkte entweder gänzlich verboten oder aber streng reglementiert. Sollten sich die Hinweise auf die potentielle Gefährlichkeit von "Killerspielen" für Mitmenschen weiterhin erhärten, müsste man hier konsequenterweise ebenso verfahren und den Konsum solcher Medien entsprechend hart reglementieren (das hast Du übrigens selbst ähnlich geschrieben, wobei Du sogar von "verbieten" gesprochen hast...).

Dass die Gesetzeslage zum Schutz von Nichtkonsumenten insbesondere im Falle von Nikotin noch ausbaufähig ist, bleibt unbestritten. Nur ändert dies an der Frage, wie man im Falle von "Killerspielen" verfahren müsste, absolut nichts. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Community, deren "Genussmittel" (Killerspiele, Alkohol, Nikotin...) aus irgendwelchen Gründen verboten oder eingeschränkt werden soll, sich dagegen wehrt mit dem Hinweis, man solle doch erstmal bei "den anderen" anfangen. Immer soll erst bei "den anderen" begonnen werden, deren "Laster" natürlich viel schlimmer und schädlicher ist als das eigene, aber irgendjemand muss auch "die anderen" sein...

Ich bin der Meinung, dass idealerweise - und selbstverständlich kann das nur ein Idealziel sein - alles, was durch Gebrauch und Missbrauch des Einzelnen für die Allgemeinheit nachgewiesendermaßen immer oder auch nur in bestimmten Situationen gefährdend oder schädlich sein kann, staatlich zu reglementieren - nicht: Zu verbieten - ist (generell oder eben für die jeweiligen Situationen). Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es sich nun um Zigaretten, Alkohol, Drogen, Pornographie, Killerspiele oder sonst was handelt.

Wenn heute herausgefunden würde, dass Kristallzucker im Zusammenhang mit der Substanz XY unter bestimmten Herstellungsbedingungen (die auf der Packung nicht ersichtlich sind) hochgradig krebserregend ist, müssten Produkte, die diese Inhaltsstoffe enthalten und die kritischen Herstellungsbedingungen erfüllen, ebenso vom Markt genommen oder streng reglementiert werden, ungeachtet der Tatsache, dass es natürlich auch hier mit Sicherheit Leute gäbe, die diese Produkte weiterhin konsumieren und sich fürchterlich darüber aufregen würden.

Diese Leute würden dann auch ganz schnell sämtliche Produkte aufzählen, die ganz bestimmt in noch viel größerem Maße krebserregend sind und daher noch lang vor ihrem eigenen Produkt vom Markt genommen oder reglementiert werden müssten - nur würde das an der Gefährlichkeit IHRER Produkte nichts ändern und es wäre auch für andere Menschen nicht zumutbar, dass diese sich dem hohen Risiko aussetzen, versehentlich auch ein solches Produkt zu konsumieren.

Fazit: Die Gefährdung von vielen zum Schutz der freien Selbstentfaltung einer bestimmten Communitiy ist inakzeptabel, völlig egal, um welche Community es sich handelt!
Ich fürchte, ich bin einfach viel zynischer als du
Das fürchte ich auch... Nur, dass Zynismus in dieser Debatte niemanden weiterbringen wird! Zynismus auf der einen Seite wird fast immer mit Zynismus auf der anderen Seite beantwortet und genau auf diesem Wege verkommt dann eine an und für sich wichtige Diskussion zu einer Schlammschlacht zwischen Zynikern, denen es vermutlich gar nicht mehr um Fakten und Lösungen, sondern nur noch um Polemik geht. Glücklicherweise bemerke ich durchaus, das auf Deiner Seite neben dem Zynismus auch die Bereitschaft existiert, sich auf der Basis von Fakten auseinanderzusetzen - und genau diese Bereitschaft möchte ich gern ansprechen!

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johndoe869725
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Beitrag von johndoe869725 »

Um eines noch mal klar zu sagen:

Eine staatliche Reglementierung für Spiele haben wir doch schon und sie ist der für Alkohol und Zigaretten nicht unähnlich. Es geht auch nicht darum, dass hier z.B. Doom 3 nur ab 18 verkauft werden darf, sondern darum, dass einige Politiker (teils aus Überzeugung, teils wahrscheinlich wirklich aus Wahlkampfgründen) gewisse Spiele generell verbieten möchten und wenn das durchkommen würde, müsste man wirklich nach Konsequenz fragen. Es wird nicht durchkommen und wie ich schon öfters schrieb: Die Tendenz zeigt in eine andere Richtung und daran werden Forschungsergebnisse, eigentlich recht egal, was sie aussagen, nichts ändern.
Fazit: Die Gefährdung von vielen zum Schutz der freien Selbstentfaltung einer bestimmten Communitiy ist inakzeptabel, völlig egal, um welche Community es sich handelt!
Aus moralischer Hinsicht richtig, aus Sicht der gesellschaftlichen Wirklichkeit falsch.