Der 4P-Kommentar: Die wertvolle Gewalt

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Sid6581
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Beitrag von Sid6581 »

leeresRegal hat geschrieben:Ich habe heute, als ich von der schule kam, nur darauf gerwartet, dass die medien wieder ihr schubladendenken unterbeweis stellen und das wort "killerspiele" nennen.
Dazu kam es bis jetzt noch nicht (?).
Ach, das klappt schon zuverlässig:
Fernab dessen müsse zudem geklärt werden, ob Tim K. Killer- und Gewaltspiele auf dem Computer gespielt habe: "Nicht jeder Nutzer macht einen Amoklauf, aber ein hoher Anteil unter den Amokläufern hat Killerspiele genutzt", so Beckstein zu SPIEGEL ONLINE: "Da sollten wir nachbohren."
Quelle: spiegel.de
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Jesterdance
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Beitrag von Jesterdance »

Sid6581 hat geschrieben:
Fernab dessen müsse zudem geklärt werden, ob Tim K. Killer- und Gewaltspiele auf dem Computer gespielt habe: "Nicht jeder Nutzer macht einen Amoklauf, aber ein hoher Anteil unter den Amokläufern hat Killerspiele genutzt", so Beckstein zu SPIEGEL ONLINE: "Da sollten wir nachbohren."
Quelle: spiegel.de
Na dann haben die aber viel zu Bohren.. das wird malwieder eine tolle debatte voller pauschal-Argumente und Skandal-Reporten, in denen u.A. Counterstrike ein Capture the Flag modus zugesagt wird und nirgends erwähnt wird, dass die in den Sendungen angeprangerten Spiele schon längst nicht mehr offen im Handel verkauft werden dürfen.. aber Hauptsache aufregen. Was man nicht kennt ist leichter zu kritisieren.
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Sid6581
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Beitrag von Sid6581 »

Jesterdance hat geschrieben:Na dann haben die aber viel zu Bohren.. das wird malwieder eine tolle debatte voller pauschal-Argumente und Skandal-Reporten, in denen u.A. Counterstrike ein Capture the Flag modus zugesagt wird und nirgends erwähnt wird, dass die in den Sendungen angeprangerten Spiele schon längst nicht mehr offen im Handel verkauft werden dürfen.. aber Hauptsache aufregen. Was man nicht kennt ist leichter zu kritisieren.
Also bei stern TV wird gerade erzählt, dass er ein fanatischer Counterstriker war. Das wird hier wieder hoch hergehen :wink:
yoshua
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Beitrag von yoshua »

100% aller amokläufer essen brot. Los verbieten wir brot :lol:
so ein schwachsinn ...
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Yoshimon1
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Beitrag von Yoshimon1 »

ch persönlich habe ja nichts gegen Gewalt in Spielen. Games sind dazu da, Spaß zu machen. Damit will ich jetzt aber nicht sagen, dass nur Spiele mit Gewalt Spaß machen. Super Mario Bros. z.B. ist noch immer mein Lieblingsspiel. Aber wenn man zusammen mit ein paar Freunden auf einer Lan ist, dann kommt man um ein paar Shooter nicht herum. Mit 6 Leuten zusammen CoD4 zocken ist einfach toll und macht Spaß. Und dass ich beim ersten Mal CoD4 alle 10 Sekunden gestorben bin, hat mich einfach dazu gebracht, etwas zu trainieren, um meine Freunde zu besiegen. Dadurch wollte ich noch lange keinen Amoklauf begehen.
Help
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Beitrag von Help »

yoshua hat geschrieben:100% aller amokläufer essen brot. Los verbieten wir brot :lol:
so ein schwachsinn ...
Du weiß doch, dass Killerspiele und Brot zwei völlig unterschiedliche Dinge sind! Also lass den Schwachsinn...

Wir machen ein Experiment: 5 Jahre lang zockt ganz Deutschland keine Killerspiele mehr... mal sehen was geschieht. Ich wäre dabei.

Plasberg und Co. haben gezeigt: Killerspiele rücken ins Blickfeld. Also, ich wäre durchaus bereit auf Killerspiele zu verzichten... sei es für ein paar Jahre... um zu schauen, ob wirklich keine Amokläufe mehr geschehen, bzw. die Kriminalität, die mit solche Spiele korrelieren soll, abnimmt. Wenn man dann aber feststellt, das kein Zusammenhang besteht, soll man alles freischalten - uncut, frei & mündig! Keine Bevormundung mehr, schluss aus!!!
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North McLane
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Beitrag von North McLane »

Help hat geschrieben:
yoshua hat geschrieben:100% aller amokläufer essen brot. Los verbieten wir brot :lol:
so ein schwachsinn ...
Du weiß doch, dass Killerspiele und Brot zwei völlig unterschiedliche Dinge sind! Also lass den Schwachsinn...

Wir machen ein Experiment: 5 Jahre lang zockt ganz Deutschland keine Killerspiele mehr... mal sehen was geschieht. Ich wäre dabei.

Plasberg und Co. haben gezeigt: Killerspiele rücken ins Blickfeld. Also, ich wäre durchaus bereit auf Killerspiele zu verzichten... sei es für ein paar Jahre... um zu schauen, ob wirklich keine Amokläufe mehr geschehen, bzw. die Kriminalität, die mit solche Spiele korrelieren soll, abnimmt. Wenn man dann aber feststellt, das kein Zusammenhang besteht, soll man alles freischalten - uncut, frei & mündig! Keine Bevormundung mehr, schluss aus!!!
Wäre mal ne idee... dann würde die leute endlich mal sehen, dass nicht die Spiele sondern die gesellschaft schuld ist!
anigunner
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Beitrag von anigunner »

Help hat geschrieben: Sehe ich auch so. Es stehen ja nicht nur Shooter im Mittelpunkt. Wo war die spielerische Bestrafung für das Abmetzeln ganzer Dörfer/Heere beim Strategiespiel Rome - Total War??? Es wurde sogar belohnt! Tipp des Strategenguide in der Schlacht: "Jagen sie fliehende Soldaten, sie werden sich ihnen im nächsten Kampf wieder entgegenstellen." oder "Zur Verhinderung einer Rebellion sollten Städte gebranntschatz werden. Leider verringert sich dadurch die Bevölkerungszahl..."... Meiner Ansicht nach ein völlig verfehltes "Stilmittel" (wenn man das so nennen kann) mit moralisch negativer Wirkung!
Das Spiel ist das Abbild der damaligen Zeit. Und damals war es im Krieg üblich genau diese Methoden anzuwenden. Man sollte das nicht schönen oder "taburisieren", weil genau das ist der falsche Weg. Hier wird gezeigt wie dreckig und grausam Krieg wirklich ist, wenn ich mir dagegen so manches unkritisches Produkt ankucken... da kommt mir dann eher die Galle hoch.

Wobei man nicht sagen kann dass wir da heute schon wesentlich weiter sind... wenn ich mir den zweiten Weltkrieg ankucke bis hin zu aktuellen Konflikten erkennt man immer noch die gleichen schändlichen Taten wie damals im alten Rom. Ich kann mich z.B gut an ein Video in YouTube erinnern, in dem gezeigt wird wie amerikanische Soldaten lachend(!) auf einen verwundeten, am Boden liegenden Iraker schießen und töten. Das ist Krieg, daran ist nichts geiles oder gar heroisches, und je mehr Medien uns diese bittere Wahrheit um die Ohren hauen, umso besser. Es gibt noch zu viele junge Menschen die Krieg für ein Abenteuer halten, und erst vor Ort merken in was für einen Mist sie da hineingeraten sind...
Help hat geschrieben: Ich vermisse hier auch eine kritische Auseinandersetzung der Spielerschaft mit ihrem Hobby!
Dann scheinst du unter einem Stein zu leben... kuck dir doch mal die Foren an. Hier gibt es genug Diskussionen zu allen möglichen Aspekten unseres Hobbies. Aber bitte keine "moralischen Saubermanndebatten", wie wir sie sehr oft bei unseren Polikern sehen.... das bringt uns nicht weiter. Gewalt ist und wird immer ein Teil der Menschen sein, ein tägliches Element in unserem Leben. Es kommt darauf an wie wir damit umgehen.
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Jörg Luibl
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Beitrag von Jörg Luibl »

Guten Morgen liebes Forum,

erstmal kurz und kräftig den Kopf schütteln:
Help hat geschrieben:5 Jahre lang zockt ganz Deutschland keine Killerspiele mehr... mal sehen was geschieht. Ich wäre dabei.
Im Zweifel für all die pseudowissenschaftlichen Kläger - wo sind wir eigentlich? Im Land der idiotischen Selbstkasteiung? Aber vielleicht hätte Pfeiffer ja Lust, dieses Experiment in Europas Jugendschutzinternat Nr. 1 zu organsieren - es scheint ja Unterstützung zu geben.
ArthurDentist hat geschrieben:
Dimitri D. Demolition hat geschrieben:Omg was für ein grandioser Text!
Aber trotzdem bin ich der simple GewaltGame Fan :D
Egal, für mich is spielen einfach nen netter Zeitvertreib für zwischendurch, da interesier ich mich nich für irgendne Storey^^
eben!
Mission accomplished! 8)

sowas muss einem Redeakteur doch das Herz aufgehen lassen!!! :wink:
Ja.

Das tut es.

Denn selbst wenn du Dimitri so süffisant in die Ich-bin-blöd-Killerspieler-Ecke rücken willst: Er hat Recht. Er trifft den Kern. Er beschreibt ein Wesen des Spiels - den einfachen Zeitvertreib. Er hat mit mir und vielen anderen gemeinsam, dass wir einfach mal gerne den Alltag hinter uns lassen und im virtuellen Vorfeld erobern, umhauen, abschießen, verzaubern, niederstrecken, gewinnen, kaputt bomben und zerstören. In diesen Momenten sind wir alle simple GewaltGame Fans .

Ob diese eine Form der Gewalt im Sinne der Spielekritik oder der Kulturgeschichte qualitativ wertvoll ist, ist eine ganz andere Frage. Und genau um diese Frage drehte sich der Kommentar. Der Brawler, der Metzler und der Waffenporno gehören zu den Geburtswehen der Spielegeschichte und sie werden auch in Zukunft wichtig bleiben und genau den Spaß bereiten, für den sie da sind. Und das ist gut so. Die spannende Frage ist, welche Genres sich in Zukunft daraus entwickeln, weil es mittlerweile vielleicht genug davon gibt, weil manche Leute mehr wollen als die gewalthaltige Oberfläche.

Und die eine Antwort ist, dass die Spielewelt danach lechzt, andere Erfahrungen zu machen. Es gibt bereits Spiele mit diesem Ansatz und es werden weitere kommen, die Gewalt so als Stilmittel einsetzen, dass das Erspielte evtl. zum Nachdenken oder Diskutieren anregt.

Project Zero, Metal Gear Solid 4, KotOR und gerade eben Defcon (danke für den Hinweis, das hatte ich bei meinem Strategie-Kommentar ganz vergessen) wurden genannt. Heavy Rain, Alan Wake und andere werden kommen. Auf die freuen wir uns als Spielekritiker natürlich ganz besonders, weil sie für frische Impulse sorgen. Aber das heißt nicht, dass sich das gute alte Gemetzel in seiner modernen Inkarnation à la God of War III deshalb schämen müsste - ganz im Gegenteil: Manchmal will ich nicht nachdenken, manchmal will ich keinen moralischen Überbau, manchmal will ich einfach nur spielen.

Genau so wie Dimitri.
Zuletzt geändert von Jörg Luibl am 12.03.2009 10:07, insgesamt 2-mal geändert.
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mr archer
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Beitrag von mr archer »

@ anigunner

genau, gewalt ist teil unseres alltags. erklärst du mir dann jetzt noch, wieso wir alle (du, ich usw.) so geil darauf sind, sie in immer neuen realismusgraden im videospiel nachzuzocken? ist das nicht eigentlich absurd? krankheit und tot sind auch teil unseres alltags. gehen wir deswegen in unserer freizeit in die notaufnahme von krankenhäusern und gucken uns die unfallopfer an?
sorbey
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Beitrag von sorbey »

Der letzte Kommentar von mr archer lenkt auf eine Frage, die ich seit den ersten Killerspieldiskussion eigentlich schon immer interessanter fand, als die Frage, ob der Konsum von Killerspielen die Gewaltbereitschaft steigert oder gar als wesentlicher Bedingungsfaktor für das Ausüben von Amokläufen angesehen werden kann. Der Großteil der Diskussion (mitsamt den Pauschalargumenten der Kritiker und den häufig naiven Verteidigungsversuchen der Spieler) fand und findet dabei abseits der Fragen statt:

Warum haben wir eigentlich ein so großes Interesse an Gewalt in Spielen?
Warum sind Gewalt, Gore-Faktor, Blut usw. eigentlich ein so guter Indikator für Verkaufsschlager?
Warum müssen wir uns in unserer Freizeit damit vergnügen, den zweiten Weltkrieg nachzuspielen?

Das sind Fragen, bei denen wir Spieler uns auch mal an die eigene Nase fassen müssen. Und Jörgs Kommentar geht auch in diese Richtung; denn er prangert durchaus an, dass Gewalt in den Spielen derzeit noch genau diesem Zweck gilt: unser Verlangen nach Gewalt, nach Blut, nach realistischen Kriegsszenarien usw. zu stillen. Und ich finde, dass es durchaus angebracht ist, dabei den Blick auf sich selbst zu wenden: warum wollen wir das eigentlich?
Z101
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Beitrag von Z101 »

Die Lust auf und das Klammern an MadWorld hat auch damit zu tun, dass auf Wii nichts Besonderes mehr erscheint - unsere höchste Wertung dieses Jahr hat Deadly Creatures mit 80% erreicht.
Deadly Creature ist aber wenigstens etwas besonderes im Gegensatz zum Beispiel zu Re5 das nur ein schlechter Aufguß des genialen Vorgängers ist, aber trotzdem einen Award bekommen hat. Geschmäcker sind nun mal verschieden. Ich hatte mit Deadly Creatures sehr viel mehr Spass als mit Re5, das für mich die Enttäuschung des Jahres ist.
Also fixiert man sich aus Verzweiflung auf die Titel, die wenigstens etwas anders und "erwachsener" wirken.
Es geht nicht um die Gewalt oder das "erwachsener" wirken, sondern darum, dass MadWorld offensichtlich nicht mit einem Minibudget und gehetzt gemacht wurde sondern man sieht das die Entwickler des Spiels genug Zeit und Geld hatten um die Grafik so sensationell stilvoll zu gestalten wie sie ist und damit das wohl grafisch interessanteste Spiel der letzten Jahre zu entwickeln.
Und so weckt das monoton gewalthaltige MadWorld mehr Interesse als das innovativ gewalthaltige Deadly Creatures
Stupide Shooter, die sich kaum von den 10 Jahre alten Vorbildern unterscheiden, wie Halo3 oder Killzone2 sprechen halt die Massen an, die muskelstrotzende Helden spielen wollen und keine "Skorpione". MadWorld schlägt in dieselbe Kerbe. Was MadWorld über diese Spiele hinaushebt ist die stylische Grafik, endlich wagt sich ein Spiel mal völlig weg von dem albernen pseudorealistischen Ansatz fast aller HD-Spiele, bei dem die Grafik im Endffekt doch nur nach Plastik aussieht und nie "realistisch" wirkt.

Das MadWorld für die Wii erschienen ist hat den einfachen Grund, dass es kein Publisher wagen würde so ein grafisch anderes Spiel auf der PS360 zu veröffentlichen. Spiele die nicht stromlinienförmig auf die Masse ausgerichtet sind haben auf diesen Konsolen einfach zu schwache Verkäufe. Auf der Wii haben selbst solche Titel eine Chance, einfach weil auch die Masse an Käufern weitaus höher ist (in den USA war die Wii 2008 für die Hälfte des Videospieleumsatzes verantwortlich) und die Käufer sich aus allen Altersschichten zusammensetzen. Im Gegensatz zur PS360 deren Käuferschicht fast ausschließlich aus sehr jungen Männern besteht.

Nein, MadWorld konkurriert nicht mit den Regiearbeiten der Gebrüder Coen, eher schon mit dem garstig trockenen Stil eines Tarantino.
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Las51
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Beitrag von Las51 »

Laut Spiegel Online wurde mal wieder Counterstrike beim Amokläufer gefunden (das wohl auch ca. 1 Millionen andere Zocker bei sich zuhause rumliegen haben). Schon werden wieder die ersten RUfe nach totalverboten laut...
anigunner
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Beitrag von anigunner »

mr archer hat geschrieben:@ anigunner

genau, gewalt ist teil unseres alltags. erklärst du mir dann jetzt noch, wieso wir alle (du, ich usw.) so geil darauf sind, sie in immer neuen realismusgraden im videospiel nachzuzocken? ist das nicht eigentlich absurd? krankheit und tot sind auch teil unseres alltags. gehen wir deswegen in unserer freizeit in die notaufnahme von krankenhäusern und gucken uns die unfallopfer an?
Realismus ist so ein oberflächliches Wort. Und es auf ein Videospiel anzuwenden ist auch so eine Sache...
Man sollte sich im klaren sein das man nie die Realität in einem Computerspiel nachbilden kann... wenn ich bei Medal of Honor als Soldat am Omaha Beach sitze ist das nicht im geringsten mit dem Vergleichbar was die armen Schweine damals vor Ort wirklich mit durchgemacht haben. Man kann allenfalls eine Ahnung davon bekommen wie schlimm und mit welcher Angst die Soldaten damals konfrontiert waren.

Aber lassen wir uns den Begriff trotzdem mal weiterverwenden... Realismus in Computerspielen hat in dem Maß zugenommen dass immer akkurater die Einwirkung von Waffengewalt auf den menschlichen Körper dargestellt wird. War es bei Duke Nukem 3D damals noch ein Pixelhaufen, der in sich zusammengeklappt ist, ist es heutezutage teilweise möglich Körperteile gezielt ins Visier zu nehmen und demensprechende "Rückmeldungen" zu bekommen. Der berühmte Headshot ist eine davon.

Selbst diese Darstellungen sind von einer wirklich "wahrheitsgetreueren" Darstellung(Gott sei Dank) noch meilenweit entfernt. Die Frage ist aber eher, will ich das wirklich haben? Ich denke Leute, die nach Feierabend einen Shooter anwerfen und sich wirklich austoben wollen brauchen das nicht. Für sie muss es einfach krachen, fetzen, brachial zu Werke gehen. Genauso wie z.B in einem Film. Dass das gezeigte kaum der Realität entspricht juckt nicht weiter, es ist völlig belanglos. Oder interessiert dich es das Autos nach einem Schuss in den Tank nicht explodieren, oder das im Weltraum normal durch das Vaakum überhaupt nichts zu hören ist?

Vermutlich werden die Spielehersteller noch etwas an der Schraube drehen, und immer mehr ins Detail gehen was das Trefferfeedback angeht. Wegen mir persönlich müssen sie das nicht machen, da es für mich keinen "spielerischen" Mehrwert hat ob jemand nach einem Treffer zusammenklappt oder ich Gliedmaßen abschießen kann. Das mag bei den ersten Kills irgendwo seinen primitiven Reiz entfalten, aber schnell geht es auf das eigentliche zurück: Du stehst mir im Weg, ich habe hier nur die Option dich mit Waffengewalt aus dem Weg zu räumen, also werde ich von diesem Mittel gebrach machen... möglichst schnell und effektiv.

Und das reicht meiner Meinung nach voll aus. Akkuratere Tötungsdarstellungen brauche ich nicht... und will ich auch gar nicht. Es ist für mich kein Spiel mehr in der Hinsicht wenn ich jemaden die Finger abschneiden kann, oder das Hirn physikalisch korrekt nach einem Kopfschuß rausplatzt... nene. Das ist nach meinen moralischen Werten nur noch pervers. Ich selbst ziehe da für meine eine Grenze, die ich nicht überschreiten werde. Die kann ich anderen nicht aufzwingen, ganz klar... aber das gehört hier mit zur viel beschworeren Medienkompetenz, dem Umgang mit den Gewaltdarstellungen.

Ein Aspekt der Realität, der in allen Spielen zu kurz kommt, sind die Folgen seine Handelns. In den meisten PC-Spielen fahre ich in den Krieg, kann tun lassen was ich will, und habe klar definierte Rollenverteilungen. Meine Unifrom ist grün, die der anderen sandfarben, und alles was sandfarben ist kann ich abknallen. Zivilisten? Meistens nicht vorhanden. Und wenn ja interessiert es kaum ob ich diese ebenfalls abknalle oder nicht. Das die Wahrheit eigentlich komplett anders aussieht, das spiegeln diese Spiele gar nicht wieder. Es ist auch nicht ihre Absicht. Welcher Gamer fände es denn cool wenn man für das töten eines Zivilisten oder Kameraden vors Krieggericht kommt und sein digitales Ego im Bau verschwindet? Oder im Kriegsgebiet mit Zivilisten konfrontiert werden, deren Söhne und Väter er umgebracht hat? Mit Kameraden die sich vor Angst in die Hose machen, desertieren oder schlicht und ergreifend verrückt werden?

Realität und Computerspiele sind zwei verschieden Welten. Spiele picken sich das raus, was zur Unterhaltung dient.. und passen es gegebenfalls an. Ordnen es Trends unter und versuchen sich von anderen Spielen abzuheben. Zu viel "Realismus" würde genau das Gegenteil bewirken. Daher ist dein Vergleich mit dem Krankenhaus unangebracht, weil du hier Birnen mit Äpfel vergleichst. Das sind zwei verschiedene Welten, die kaum was gemeinsam haben. Wenn ich ein Unfallopfer sehe, dann sehe ich einen leidenden Menschen. Das weckt Mitleid, bedauern und sicher keine Lust am Blut. Wenn ich ein Spiel spiele dann weiß ich genau das ich einen Pixelhaufen vor mir habe, der sofort verschwindet sobald ich das Spiel ausmache. Und weiter noch, ich weiß das der Kerl an der gleichen Stelle wieder steht wenn ich wieder ins Spiel reingehe. Hier ähnliche Gefühle wie bei einem Unfallopfer zu entwickeln, das ist völlig abwegig.

Warum der Mensch "gerne" auf Gewalt zurückgreift ist einfach der Umstand dass das in unseren Augen der einfachste Weg ist. Man könnte fast sagen es ist die unterste Schicht in unserem "Menschsein", quasi das "Universalmittel" bei unbekannten oder gefährlichen Stuationen. Warum das manchmal so ungemein befriedigend ist diese Gefühle "auszuleben" kann ich dir nicht sagen. Es ist aber so das Spiele genau den Rahmen schaffen, um sich ohne schlechtem Gewissen, klar verteilten Rollen und ohne Folgen diesen primitiven Mitteln zu frönen. Nichts anderes wollen sie bezwecken.

Man sollte aber trotz allem immer kritisch mit dieser Art der Medien umgehen. Das ein Spiel auf dem Index landet ist kein Gütesiegel, Mehr Gewalt ist kein Spaßgarant wenn es nicht Mittel zum Zweck sondern der einzige Zweck im Spiel ist.... oder anders gesagt wenn ein Spiel hirnlos und scheisse ist ändert sich auch nicht daran wenn die Entwickler die "Gore-Schraube" etwas hochdrehen. Ein Spiel soll unterhalten, Angst machen, belustigen, im gewissen Maß schockieren, nachdenklich machen, Tiefgang und Herzblut haben, Interesse wecken, das Gefühl geben das man etwas geschafft hat.... das funktioniert aber nur bei guten Mischungen. Kloppmist kann Spaß machen, aber so richtig satt machen nur gute, ausgewogene Gerichte.
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Jörg Luibl
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Beitrag von Jörg Luibl »

sorbey hat geschrieben: Warum haben wir eigentlich ein so großes Interesse an Gewalt in Spielen?
Gute Frage, wichtige Frage, denn sie trifft den Kern. Warum also? Weil Gewalt vielleicht ein menschliches Ungeheuer ist, das in jedem von uns steckt - und genau deshalb erschreckt es uns genau so wie es uns fasziniert. Im Spiel kann ich das gesellschaftlich geächtete Ungeheuer für ein paar Stunden rauslassen und ohne Konsequenzen genau das tun, was ich in der Realität nie tun würde, nie tun könnte, nie tun darf. Das ist das heilsame an der Fiktion: Der Pazifist kann für einen Augenblick Krieger sein, der Ängstliche kann für einen Augenblick mutiger Held sein, der Büroangestellte kann für einen Augenblick nicht nur seinen Schreibtisch, sondern die ganze Welt unterjochen.

Die Hemmschwelle war schon immer genau so wichtig wie das Ausleben der Gewalt in Ritualen: Der Mensch spielt, schreibt und beschäftigt sich seit Urzeiten mit dem gewalttätigen Monster seiner eigenen Spezies, indem er sich Masken aufsetzt, indem er es beschwört und dann vernichtet, in Mythen erschafft und wieder zerstört oder wie Moby Dick gnadenlos jagt. Aber die Kulturgeschichte hat gezeigt, dass man die hässliche Seite der Gesellschaft einfach akzeptieren und verarbeiten muss.

Am Ende ist eine Stunde MadWorld vielleicht das primitive Überbleibsel einer jahrtausende alten Geschichte der in Tänzen, Mythen und Ritualen erkennbaren Beschäftigung mit dem Monster in uns. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein Spiel. Mit Sicherheit ist es aber bald verboten.