Obwohl bislang über Jahre hinweg eher stiller Mitleser und erst kürzlich - auf Grund der Entrüstung über die Haltung verschiedenster Printmedien zu dem Thema "elektronisches Entertainment" - hier registriert, sehe ich mich in dieser Diskussion doch irgendwie gezwungen, mich einmal zu äußern. Und das, obwohl ich mich als Nicht-Partizipant bei der ursprünglichen Diskussion des Tests eigentlich gar nicht angesprochen fühlen müsste.
Anstoß meines Beitrages - wenn man das Posting als solches auffassen darf und kann - ist leider erneut die Wortwahl in der Überschrift und im Fließtext des Kommentars, namentlich der "Mob".
Auf Wortdefinition und dergleichen möchte ich an dieser Stelle nicht noch einmal gesondert eingehen, der wurte bereits von mehreren Vor-Postern hinlänglich dargelegt.
Dies gilt insbesondere schon deshalb, weil sich aus folgenden Worten und den von anderen Postern angeführten Verweisen auf die Definitionen des Wortes Mob ein Umstand (siehe unten) klar ablesen lässt:
4P|T@xtchef hat geschrieben:
Nur darf man nicht vergessen, dass der "Mob" den ich meine, deshalb hysterisch war, weil da im Zuge der Entrüstung sehr viele unterschiedliche Dinge (DRM, Kopierschutz, Installation, Spielqualität, PC-Umsetzungen, GTA als Phänomen etc.) in einen Abwertungstopf geworfen wurden, damit er möglichst schnell überkocht.
Vergleicht man die verschiedenen Definitionen des Wortes "Mob" mit der hier eingebrachten persönlichen Färbung mittels
"der Mob, den ich meine", so ist doch deutlich zu erkennen, was generell in der Kommunikation ein Manko und gelegentlich wohl auch ein Segen ist:
Wie ein (Spiele)Test, wie eine (Spiele)Rezension oder jedes x-beliebige Blog z.B. auch, handelt es sich in der Kommunikation immer und zwangsläufig um den subjektiv gefärbten Ausdruck einer Meinung. Kommunikation als solche funktioniert auch nur deshalb, weil sich in unserer kulturellen Entwicklung Normen ergeben haben, die das inhaltliche Verständnis von gesprochenem und geschriebenem Wort regeln. Eine Person aus einem gänzlich anders geprägten Kulturkreis - einige kennen das evtl. von Reisen oder Aufenthalten in anderen Ländern - wird nie so flüssig, reibungslos und ungezwungen kommunizieren können, wie jemand, der in der jeweiligen Gegend seine Sozialisation erfahren hat, selbst dann nicht, wenn die hiesige Sprache rein formell perfekt beherrscht wird.
In diesem Zusammenhang wichtig ist einfach, dass Kommunikation
a) immer mindestens zwei Parteien involviert
b) das Ergebnis der Kommunikation zwangsläufig auch immer von beiden Parteien abhängig ist, egal, von wem die Kommunikation selber ausgeht.
Sender und Empfänger spielen gleichermaßen eine Rolle. Das gilt natürlich im Umkehrschluss genauso für den hier angesprochenen "Mob" im Forum.
Worauf ich - langer Rede kurzer Sinn - hinaus möchte, ist die Tatsache, dass eine intendierte Aussage also beim Empfänger, getreu dem Motto, dass der Ton die Musik macht, gänzlich anders aufgenommen werden kann und in der Regel sogar wird.
Dass dies hier teilweise der Fall ist, entnehme ich Jörgs Relativierung
"der Mob, den ich meine" sowie folgender, direkt angeschlossener Aussage:
4P|T@xtchef hat geschrieben:
Ich halte hier keine Fahne für den Kopierschutz, DRM oder sonstwas hoch - es ging mir nur um den nicht akzeptablen Versuch, unsere sauber erarbeitete, auf eigener Erfahrung beruhende Wertung mit lautem Gebrüll und teilweise unsinnigen Behauptungen ins Wanken zu bringen.
In diesem Sinne kann ich die Reaktion und auch die Bezeichnung als "Mob" vollkommen nachvollziehen und verstehen und muss ihr dementsprechend nicht nur zustimmen, sondern unverholenen Respekt zollen.
Was ich aber zu bedenken geben möchte - und das richtet sich wohl vor allem an Jörg - ist die Tatsache, dass eben dieses tiefere "Verständnis" der "eigentlich intendierten Aussage" erst durch diese Relativierung und Erläuterung zustande kam. Hier spielt wohl auch hinein, dass schon viele Vorredner - mit welcher eigener Intention auch immer - festgestellt haben, dass einige sich wohl erst für diese Diskussion angemeldet oder zumindest zum Ersten Mal seit der Anmeldung das Wort ergriffen haben.
Diesen Umstand lässt sich - meiner Meinung nach - auch nicht gänzlich mit folgender Aussage
4P|T@xtchef hat geschrieben:
Aber: Wer mir jetzt vorwirft, dass ich aufgrund dieser Wortwahl alle über einen Kamm scheren oder gar die 4Players-Community als Ganzes beleidigen oder sonstwas würde, der kennt mich sehr schlecht und ignoriert mein Engagement für all die wichtigen und sinnvollen Zwischentöne hier im Forum. Ich habe ganze Kolumnen genau diesem Thema gewidmet, die Spielkultur-Rubrik widmete sich teilweise diesen Strömungen, ich habe sogar Autoren und langjährige Brieffreunde aus diesem Forum gewonnen.
relativieren, da man - gerade bei einem Online-Magazin und der von beiden Seiten angeführten Anonymität, etc. - schlicht und ergreifend eine tiefergehende Kenntnis einer beliebigen Person und ihrer Ansichten und Standpunkte nicht voraussetzen kann, zumindest nicht von allen.
In diesem Zusammenhang spricht die gewählte Ausdrucksform zumindest für mich z.T. von Unprofessionalität, die ich - zugegebener Maßen - hier bisher selten beobachtet habe und die vielleicht als Reaktion auf das Verhalten in einigen Posts durchaus verständlich aber meiner Meinung nach trotzdem unnötig, wenn nicht sogar fehl am Platze ist.
Eine nicht zu unterschätzende Rolle in dem Zusammenhang spielt auch folgende Aussage:
4P|T@xtchef hat geschrieben:
Noch ein Wort zur Wortwahl "Mob", weil ich meine Rolle in deinem Bild schon erkenne: Nach acht Jahren Erfahrung in diesem Online-Magazin bleibe ich dabei, dass die Ähnlichkeiten zwischen der aufgebrachten Menge in einer Fankurve und in einem Forum den Begriff "Mob" rechtfertigen. Da wirken dieselben sozialen Phänomene der Massenpsychologie und Anonymität. Es geht mir bei der Hysterie und dem Mob nicht um alltägliche Wertungszickerei oder die Kritik an unseren Tests, sondern um die Art und Weise, wie Stimmungen entstehen und wie sie sich manchmal surreal potenzieren.
Die eigene Erfahrung mag eventuell die Bezeichnung als "Mob" rechtfertigen, ebenso wie die Ansicht, dass die demonstrierten und durch verschiedene Faktoren verstärkten Verhaltensweisen denen ähneln, wie sie gemeinhin als Ergebnisse massenpsychologischer Phänomene und Anonymität angesehen sind. Ich würde sogar der Beobachtung zustimmen, dass dies alles einer "surrealen Potentierung" zuträglich ist.
Dennoch ist es - teils aus oben genannten Gründen, teils aus anderen Gründen, wie z.B. den schlichten Gesetzen der Höflichkeit - ein wenig fragwürdig, ob man beim Leser, ob dieser nun involviert war/ist oder nicht, direkt eine negative Grundhaltung erzeugen sollte, mit dem alles folgende gewichtet wird, indem man bereits in der Überschrift einen in der heutigen Zeit durchaus mit negativer Konnotation behaftetes Wort verwendet.
Vielleicht bin ich einfach zu sehr von einer "alten Schule" geprägt und eventuell sehe ich es zu eng, aber zumindest bei mir hat allein diese Tatsache schon einen sehr schalen Beigeschmack hinterlassen und den gesamten, folgenden Kommentar arg versalzen, mir quasi in der Rolle als "Empfänger" einer Kommunikation eine möglichst objektive Aufnahme aller folgenden Kommunikationsinhalte erschwert, indem direkt ein bestimmtes Interpretationsschema wach gerufen wurde. Ich sehe es einfach als Teil des höflichen Umgangs, eine angesprochene (anonyme) Menschenmenge nicht generalisierend in einen Topf zu werfen, was de facto hier geschehen ist und erst wesentlich später durch die bereits zitierte Relativierung entkräftet wird.
Man ist sicherlich nicht immer in der Lage, alle seine Worte auf die Goldwaage zu legen und das entgegengebrachte Verhalten im Forum war sicherlich auch nicht immer astrein, doch sollte sich ein jeder, so denke ich, fragen, ob eine Reaktion auf ein Verhalten in vergleichbarer Form wirklich immer die beste Reaktionsweise ist, getreu dem Motto "wie es in
den Wald hineingeschrien wird...".
Es ist sicherlich schwierig diesem Motto immer Folge zu leisten, aber ich denke auch, dass es hier eventuell nicht schlecht gewesen wäre, über den Dingen zu stehen und trotz einiger radikalerer Äußerungen im Forum ein wenig Distanz zu wahren, anstatt sich - zumindest oberflächlich und auf den ersten Blick - der eigenen Reaktanz- oder Trotz-Haltung nachzugeben und sich auf dieselbe Ebene zu begeben.
Darüber hinaus hinkt - aus psychologischer Sicht - der Vergleich zwischen einem "Fußball"- und einem "Foren"-Mob, da in beiden Fällen einfach teils sehr stark voneinander differierende Faktoren eine Rolle spielen, von denen einige Wenige z.B. eine real empfundene Verletzbarkeit, Herabsetzung eben dieses Gefühls in der Gruppe, unterschiedliche Anonymitätskonzepte, etc. eine Rolle spielen.
Weiterhin würde ich mir persönlich, als Mensch und Individuum, immer auch den Begriff des "Mobs", also die Stigmatisierung, denn nichts anderes ist es, als Teil eines "Mobs" angesehen zu werden, verbitten, da dies grundsätzlich nicht immer die negative Konnotation haben muss, mit der das Wort in der Regel gebraucht und intendiert ist und man hinterher zumindest häufig ein Problem hat, glaubhaft darzulegen, dass das Wort eben nicht mit dieser Intention auch absichtlich genutzt worden ist.
Wir sind - zumindest, soweit ich informiert bin - noch immer wohnhaft in einem demokratischen Rechtsstaat, der dem Volk eindeutig das Recht zuweist, eigene Meinungen auch in Gruppen zu vertreten und zu äußern und der - zumindest pro forma - dem Volke das Recht zubilligt, Widerstand zu leisten.
In diesem Zusammenhang kommen mir dann auch gerne Erinnerungen an die Äußerungen eines unserer ehemaligen und 1998 abgewählten Bundeskanzler in Erinnerung, der sich mit der Äußerung "Ich spreche nicht mit dem Mob" weigerte, mit seinem eigenen Volk und der eigenen Wählerschaft zu kommunizieren.
Darüber hinaus gäbe es, wahrscheinlich, ohne den "Mob" weder eine demokratische Grundordnung noch eine deutsch-deutsch Revolution, wie sie 1989 stattgefunden hat.
Was ich wohl, grundsätzlich und auf den Punkt gebracht, ausdrücken möchte, ist Folgendes:
1.) Ist die Wortwahl des "Mobs" als solches ziemlich schlecht gewesen, da es gewollt oder ungewollt vielen vor den Kopf gestoßen haben wird.
2.) Wäre es in dem Zusammenhang zu bedenken gewesen, dass eine Kommunikation auch immer vom Empfänger abhängig ist.
3.) Man daher auch nicht davon ausgehen kann, dass jeder weiß, wie eine Aussage gemeint ist.
4.) Diese Formulierung wohl am Ziel vorbei geschossen ist und bei einigen - mich eingeschlossen - einfach als demonstrierter Mangel von Respekt der eigenen Person gegenüber zumindest zu einer Reduktion des Respekts der Redaktion gegenüber geführt hat.
5.) Strategisch ungünstig für den Beginn dieses Kommentars war, da er weit davon entfernt war, Verständnis für die Interesse derjenigen Leute zu signalisieren, die zumindest teilweise für den eigenen Broterwerb notwendig sind (siehe Altkanzler).
In diesem Sinne - und in der Hoffnung, dass es nicht zu viele Wellen schlägt - danke ich allen, die so weit gelesen haben und wünsche ohnehin allen noch einen schönen Sonntag Abend. Außerdem möchte ich für alle Beteiligten Hoffen, dass sich die Gemüter in den kommenden Tagen mehr und mehr abkühlen und man das Ganze vielleicht mit ein wenig Ruhe und Gelassenheit sehen kann, wenngleich auch ich mich als "Geschädigter" von Rockstars Veröffentlichungspolitik sehe, trotz NVidia-GPU.