Also ich denke, man sollte zu beiden Punkten (Verfügbarkeit der Spiele und zeitliche Begrenzung von Demos) und zu Steam im allgemeinen nochmal etwas anfügen, ohne gleich in großes Geflame auszubrechen.
Dass Steam in der ganzen aktuellen DRM-Debatte meistens so aussen vor ist, ist eigentlich etwas verwunderlich, wenn auch im Prinzip durch den Hintergrund verständlich. Die Aufregung und Diskussionen gab es ja bereits schon durch Einführung von Steam und die Bindung von HL2 an die Plattform. Dass jetzt, wo es um die Securom-"Vorstöße" geht, kaum noch jemand darüber redet, mag vielleicht daran liegen, dass man sich an Steam gewöhnt hat. Und Valve hat ja damit letztlich (nach einigen Problemen) auch eine sehr bequeme und prinzipiell stabile Plattform geschaffen, die einem viel Gefrickel mit DVDs, Patches, Serverbrowsern und Freundeslisten zentral abnimmt.
Aber gleichzeitig greift Steam auch invasiver in meine Spielmöglichkeiten ein als Securom es wahrscheinlich jemals könnte. Allein schon die erzwungene Bindung der Spiele an die Softwareplattform ist eigentlich ein Unding. Muss ich denn wirklich jedes Mal erst Steam starten, damit ich an ein beliebig kleines Spiel herankomme? Das machen andere Firmen mit digitaler Distribution doch schon besser. Stardock z.B. verkauft Spiele auch online, direkt zum runterladen (mit der Option, zusätzlich eine retail Version geschickt zu bekommen!) und stellt noch eine zentrale Software zur Verfügung, um Spiele nachzupatchen. Und trotzdem kann ich z.B. mein Galactic Civilizations II direkt starten. Ohne dazwischengeschaltete DRM-Maßnahme.
Was die Verfügbarkeit von Spielen angeht:
Habt ihr mal versucht, auf einer LAN von 650 Leuten ohne allgemeinen Internetzugang einen häufig upgedateten Steam-Titel überall in der gleichen Version im Offline-Modus vorliegen zu haben? Man kann eben nicht einfach den letzten Patch irgendwo auf einen File-Server legen, sondern muss Leuten einzeln für einige Minuten den Internetzugang freischalten, damit sie nachpatchen können. Weil vielleicht noch ein paar Stunden vor der LAN ein neues Update kam, das nun die Hälfte der Halle hat und die andere nicht.
Genauso ist die zeitliche Begrenzung einer Demo doch keine irgendwie - ausser durch vielleicht verständliche Interessen Valves - erklärbare Verhaltensweise. Hier wird potentiellen Kunden schlicht die Möglichkeit genommen, nach Release ein Produkt anzutesten, nichts weiter. Wenn man in dieser einen schlappen Woche, die die Demo nun verfügbar war, keine Zeit hatte, diese mal ordentlich anzuschauen, bleibt einem nur a) das Spiel ungesehen kaufen (gut für Valve, schlecht für den Kunden) oder b) das Spiel illegal als "erweiterte Demo" zu besorgen (einfacher für den Kunden, aber für ihn noch für Valve besonders gut). Dass Valve natürlich auf die erste Möglichkeit spekuliert, dürfte klar sein, umso mehr muss man sich hier als Endverbraucher etwas vorgeführt vorkommen.
Wie gesagt, ich empfinde Steam auch als komfortabel, aber dass man sich dadurch (wie auch andere schon bemerkten) einige Freiheiten beschränken lässt, mehr vielleicht noch als durch Securom, kann man schlecht wegdiskutieren.
Oh und nicht, dass der Eindruck entsteht, ich würde diese neue Entwicklung zu DRM in Spielen begrüßen. Ich hoffe momentan wirklich, dass sich da nicht der gleiche Gewöhnungseffekt wie bei Steam einstellt und die Leute weiter auf die Barrikaden gehen, bis die großen Publisher die ganze Geschichte genauso kippen wie schon bei MP3s geschehen.
(Und eine kleine Entschuldigung wegen des langen Kommentars. Ich dachte aber, man sollte das nicht in drei, vier Zeilen pressen.

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