Gewaltspiele in der Kritik

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Linden
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Beitrag von Linden »

Puhh... war sehr interessant die Meinungen und Erklärungen von Fachleuten zu lesen, auch wenn ich das Wörterbuch zur Hilfe nehmen musste. Zu viele Informationen, hätte mir beim Lesen mal Notizen machen sollen.

Wenn die Medien hetze betreiben gegen PC- oder Videospielen im allgemeinen, dann geht man nunmal als Laie/Spieler an die Decke.

Beim Amoklauf in England behaupteten die Medien Slipknot sei Schuld weil in ihren Texten angeblich vorkam "Rennt in die Schule bringt alle um." (Nicht genauer Wortlaut). Was natürlich völliger Unsinn war (Den Text gab es nie), dass war einfach nur um einen Sündenbock zu finden.

So geht es mir auch mit Spielen. Nen Junge geht in die Schule ballert um sich und Schuld sind Videospiele und nicht seine Mitschüler die ihn Jahrelang mobbten, sein Vater der ihn Verprügelte. Wo er die Waffen her hatte war ja egal, er hat Metal gehört und CS gespielt.

Ich habe einfach diese Abneigung gegen diese Studien, weil man mich als potentiellen Mörder darstellt. Wer sagte das nochmal? Beckstein? Einer unserer Politiker der meinte wir sollten genauso Hard bestraft werden wie Kinderschänder, wenn wir solche Spiele besitzen/spielen. Dann kommen da noch Studien wo 2 Jahrelang 1000 Leute beobachtet wurden, die überhaupt nicht für mein Umfeld reprasentativ sind und anhand der Daten wird dann ein Urteil gefällt, dass über 1000 weitere Menschen entscheidet. Bitte jetzt nicht noch mal eine Erklärung zu Daten/Forschern und das Auswerten. Ich will auch niemanden seinen akademischen Rang absprechen. Ich will nur sagen, solange die Medien freiehand haben und wie die Bild berichten dürfen, wird nur das aus den Berichten gegriffen was für Schlagzeilen und Meinungsmache sorgt.
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MaxDetroit
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Beitrag von MaxDetroit »

Bei diesen ganzen Diskussionen müssen beide Seiten doch mal merken das es einen gesunden Mittelweg geben kann.
Killerspiele und gewaltätige Spiele haben meiner Meinung nach nichts in den Händen von Kindern und Jugendlichen zu suchen. Da diese Spiele jene Menschen in ihrer Entwicklung negativ beeinflussen können, das weiß ich auch so, da brauch ich auch keine Studie für, da reicht gesunder Menschenverstand.
Viel wichtiger ist mir aber das erwachsenen Menschen nicht die Freiheit genommen wird (durch Verbote und Zensur) diese Spiele spielen zu dürfen. Dies sind laut Gesetz mündige Bürger und dürfen nicht mehr durch den Staat beformundet werden. Deshalb, Jugenschutzgesetz: Ja! Zensur: Nein!
Man sollte schon klar kennzeichnen und auch den Zugang zu diesen Spielen so gestalten das nur über 18 jährige da ran kommen, das geht doch auch mit Horror- und Porno-DVDs, also wieso nicht auch vernünftig mit Spielen?
Auch als Hilfe für die Eltern, damit diese wissen was geeignet ist für Kinder und was nicht. Aber keine kompletten Indizierungen und Verbote bitte, unter den erwachsene Leute leiden müssen, denn diese stellen eindeutig eine Zensur da, und ich bin eindeutig gegen eine Zensur durch den Staat und diese sollte auch nicht unter dem Deckmäntelchen des Jugenschutzes stattfinden.
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24BitOldschoolGamer
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Beitrag von 24BitOldschoolGamer »

8O
Die Beiträge von Vicarocha sind ja mal echt der Hammer (ohne Wertung)!

:wink:
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GehirnZelle
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Beitrag von GehirnZelle »

Vicarocha fachlich bist du in dem Bereich wirklich ein Experte und hast mit vielen Recht. Kommen wir doch von der Metaebene wieder runter und lass uns über gesellschaftliche Normen und Moral reden. Ich brauch kein Psychologie Studium um sagen zu können das es mit Sicherheit Grenzen gibt die nicht unter dem Deckmantel der Kunst etc. laufen sollten, dürfen! Ich habe, wie du sicher jetzt denkst, wirklich keine Objektiven Argumente weil es die nicht gibt. Unsere Gesellschaft basiert auf vererbeten Werten, nichts formelles, alles informell in unseren Köpfen verankert. Später durch Bildung lernt man Informationen zu Differenzieren. Manche genießen eine besser Bildung als andere. Manche wurden mit einem höheren IQ beschenkt. Gehen wir von der Normalverteilung des IQ aus, gibt es sicher viele Menschen die noch die sozialen Rahmenbedingungen mitbringen, bei denen manche Spiele die Abwärtsspirale sicher noch verstärken, oder? Sollten wir da nicht einen Riegel davorschieben??? Klar ist die Grenze schwammig und bei jeder Entscheidung gibt Zocker die sagen, he was soll der Mist, ich bin doch auch kein Amokläufter. Ich finde wir sollte benoch unsere Jugend und Kinder vor manchen Titeln schützen. Sicher ist das die Meinung eines Laien und übersteigt nicht das Niveau einen Stammtisches.
Glaubst du jeder Mensch kann mit der gleichen Objektivität wie du Medien konsumieren und differenzieren? Ich selber liebe GOW und co, aber es gibt eifnach grenzen, wenn es ins perverse und sardistische geht. Ich weiss das ist sehr subjektiv, aber es gibt definitiv Grenzen die wir einhalten sollten. So und jetzt beschimpft mich :P
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24BitOldschoolGamer
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Beitrag von 24BitOldschoolGamer »

Bin ja mal gespannt, wie sich dieser Thread weiterentwickeln wird...
Hier einige interessante Literaturempfehlungen für Diskussionfreudige:

http://www.amazon.de/Rationale-Argument ... 969&sr=1-5

http://www.amazon.de/Das-andere-Fremdw% ... 897&sr=8-4

und für alle Fälle:

http://www.amazon.de/Argumentieren-unte ... 969&sr=1-2



:wink: :wink: :wink:
van Leuween
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Beitrag von van Leuween »

verschlechterung in deutsch und englisch ??

ich weiß ja nicht , wenn manche nicht zocken würden und sachen wie "hauptmenü" oder " drücke start" lesen müssten , würden sie doch die nächsten zehn jahre keine geschriebene sprache mehr erblicken oder ? zumindest diese /böse dumme jungend/ die die forscher da ansprechen ...

außerdem war mein englisch durch videospiele aufm nes und selbstaneignung schon in der grundschule besser als dass meines lehrers , der nur nen paar brocken konnte und alles nur vorgelesen hat ohne es zu verstehen . war halt so nach der wende hier *gg*
Frustrierter Held
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Vermischt

Beitrag von Frustrierter Held »

@ GehirnZelle: Kein schlechter Beitrag, aber Du vermischt da ein paar Sachen, die Vica geschrieben hat mit Dingen, die ich geschrieben habe (nicht weiter schlimm, aber da das Durcheinander hier schon groß genug ist, dachte ich, das es sinnvoll wäre, das kurz zu klären :D)
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Vicarocha
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Beitrag von Vicarocha »

@ Alpha eXcalibur :

Was das "rape-Spiel" angeht finde ich es jedoch als weitaus anders als vielleicht einen Ego-Shooter. Ein Ego Shooter z.B. verkörpert ja doch meistens ein Ideal dahinter: "Rette die Welt vor Aliens", "beseitige einen bösen Diktator" oder ähnliches. Das "töten" ist also eher Mittel zum Zweck. Bei Multiplayer Shootern ist es ja sogar wieder ganz anders, weil man diese eher unter dem Gesichtspunkt Sport/Wettbewerb sehen darf.

Wäre das aber bei einem Rape-Spiel so? Gut, ich bin nicht kreativ genug mir ein Drumherum vorzustellen. Quasi eine "moralische" Legimation. Denn ein Spiel, das quasi nur auf dieses eine Thema hinzielt stelle ich mir doch irgendwo menschenverachtend vor. Und da mag es dennoch sein, das ja keine wirklichen Opfer entstehen. Doch wie bei vielen geistigen Entwicklungs Störungen, gibt es halt immer einen Stein des Anstosses. Das Problem eines Rape-Spiels schlichtweg: es soll ja "Spaß" machen. Also müsste ja quasi der Inhalt selbst, sofern er nicht kritisch vom Background begleitet oder gemaßregelt wird, als etwas lustiges präsentiert werden. Wer programmiert schließlich ein Spiel das keinen Spaß machen soll?
Das erste grundsätzliche Missverständnis ist hier wohl, dass Spielinhalte irgendeiner moralischen Legitimation bedürften. Spiele können und dürfen aber durchaus auch durchweg amoralisch sein!
Das zweite Missverständnis ist folgendes:
Eine Unvereinbarkeit der Spielinhalte mit den geltenden Normen eines geregelten Zusammenlebens zu postulieren und daraus eine Verbotsforderung abzuleiten ist im Grunde absurd. Wer z.B. meint, dass fiktive Realitäten die bundesdeutsche Realität (bis ins Detail) darstellen müssen, bzw. das sich die internen Gesetzmäßigkeiten dieser fiktiven Realität (bis ins Juristische) an denen der BRD orientieren müsse, dass Moral im Spiel der Moral in der Realität gleichen müsse, übersieht elementares: Fiktive Realitäten definieren sich de facto dadurch, dass sie fiktiv sind, dass schließt Modifikationen unserer Realität explizit per definitionem mit ein. Ich würde sogar behaupten, dass ist Teil der grundrechtlichten Kommunikationsfreiheit, Ausdruck eines agilen Geisteslebens und somit (u.U.) zutiefst demokratisch! Wer tatsächlich fordert, für fiktive Inhalte sollten alle Normend er Realität gelten, der ist schlichtweg realitätsfremd. Der Fiktion an sich würde quasi das Hauptelement entzogen, selbst Fiktionen, welche sich eng an historischen oder einfach nur außerdeutschen Fakten orientieren würden somit unmöglich. Spiele sind eben keine unverzerrte, spiegelbildliche Abbildung unserer Realität, nehmen für sich also erst gar nicht in Anspruch, neue Normen, resp. ein Orientierungsmodell für (oder besser gegen) ein Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu liefern. Das Spiel zeichnet eine rein fiktive Welt, die sich u.U. eng an unserer Realität orientiert, welche aber keinesfalls Gefahr laufen würde, vom Rezipienten mit dessen Realität verwechselt zu werden (was bereits als Annahme absolut absurd ist)! Anders: Spiele vermitteln keine Verkehrung der Normen eines geregelten Zusammenlebens in unserer Gesellschaft, es liefert keine Umkehrung dieser Werte, sie stellen lediglich eine adäquate, weil erzwungene und ohne Alternativen bleibende Verhaltensorientierung für fiktive Charaktere in der jeweiligen fiktiven Welt. Die Werte, die der Spieler dort vermittelt bekommt, die Perspektive auf die Gesellschaft, gelten nur für die Realität diesen einen Spieles, mehr nicht. Nur so als Exkurs…
Selbst ein Kassenknaller wie CoD4 war spielerisch bestenfalls auf Augenhöhe mit der Moorhuhnjagd.
Naja… Qualitätsurteile sind hier auch nur subjektive Wertungen. Da steht es jedem frei, dass auch anders zu sehen.
Aber insgesamt finde ich das pers. schlimmer als die Gewalt in Spielen an sich. Gears, RTCW oder Conker? Ja bitte, mehr davon. Brutal? Ist mir egal, hauptsache das Spiel dazu ist ein Knaller. Die meisten sind leider genau das aber nicht, und eben nur seelenloser Dreck wo die Entwickler/Vermarkter dahinter genau wussten: es wird sich verkaufen weil es +18 ist, egal obs ein Drecksgame ist oder nicht.
Das ist ja an sich kein generelles Problem, dass für das Thema entscheidende Relevanz hätte. Es ist das gute Recht der Verantwortlichen, es so zu gestalten, die müssen dann nur damit rechnen, dass Kunden (du, ich und andere) wegbleiben.
Für jedes brave Adventure wäre miese Qualität der Untergang am Ladentasch. Und mich ärgert es. Denn die Kunden die rein auf Uncut aus sind, tragen mit ihrem Verhalten aktiv dazu bei das die Publisher sich diesem anpassen und folglich lieber einfach gestrickte Spiele mit hohem gorepegel auf den Markt schmeissen, statt ein anspruchsvolles Spiel mit einer echten Spielidee im Rücken zu machen.
Ist das dein Hauptbeweggrund oder nur ein zusätzlicher Teilaspekt?

@ MaxDetroit und Co.:
Bitte… vermeidet in Zukunft die unreflektierte, unkritische Nutzung des Terminus „Killerspiele“!

Die aktuelle Debatte verdeutlicht, dass der Terminus „Killerspiele“ inzwischen weitverbreitet unkritisch so übernommen/verwendet wird, als ob es sich dabei um einen festdefinierten Begriff handelt. Angenommen wird er mittlerweile sowohl von den Massenmedien, als auch von Politikern - ein Eingang in den Sprachgebrauch der gemeinen Bevölkerung ist annehmbar und hat sich hier bestätigt, d.h.: Der vom damaligen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber nach Erfurt geprägte Begriff der „Killerspiele“ ist inzwischen in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen.
Tatsächlich ist dieser Begriff jedoch ein relativ undefiniertes Konstrukt G. Becksteins: Nach vermeintlichen Amokläufen (post-)adoleszenter Täter 1999/2000 zunächst für entsprechende Computerspiele verwendet, wurde er seit 2002 nach dem sog. Amoklauf von Erfurt Synonym für Laserdrom-, Paintball- und Airsoft-Spiele genutzt, bis zum Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD 2005, dessen „Killerspiel“-Passus diese Definitionsprobleme des Terminus verdeutlichte. Seitdem sind (nach einigen Anlaufschwierigkeiten und vielen unterschiedlichen Interpretationen) wieder vornehmlich Computerspiele damit gemeint – allerspätestens seit dem sog. Amoklauf von Emsdetten. Insgesamt stellte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion fest: „Eine rechtliche Definition des Begriffs ‚Killerspiel’ ist der Bundesregierung nicht bekannt.“
Ungeachtet dieser Problematik (und unter Berücksichtigung einer hypothetischen Angemessenheit des Begriffes): Während dem Terminus „Killerspiel“ synonym auf Sportarten wie Laserdrom, Paintball und Airsoft angewandt zumindest ansatzweise klare Definitionsgrenzen inhärent wären, ist eine Anwendung auf Computerspiele problembehaftet. Eine pauschale Synonymisierung mit bestimmten Genres ist offensichtlich unangemessen, eine Definition müsste also in konkreten Einzelfällen inhaltsabhängig anhand der Qualität von Gewaltdarstellungen erfolgen. Wobei:
Dennoch ist die Tendenz erkennbar, insbesondere sog. Ego-Shooter (ein im englischen Sprachraum unbekannter Begriff, dort gemeinhin als 1st-person-Shooter bezeichnet) pauschal als „Killerspiele“ zu deklarieren, zudem werden von offensichtlich Medienunkundigen z.T. Spiele anderer Genres diesem Genre zugeordnet. Die Synonymisierungstendenzen von diesen Medienunkundigen sind zusammengefasst abzulehnen, da unklar ist, was diese eigentlich meinen, wenn sie sich über bestimmte Genres u./o. „Killerspiele“ artikulieren...

Aber nunja, solche Objektivierungstendenzen sind konträr zur Intention des Begriffes: Nicht eine bestimmte Qualität von Gewaltdarstellungen soll erfasst werden, sondern Gewaltdarstellung per se werden Empörungsgegenstand. Vereinzelte Inhaltsbeschreibungen von entsprechenden Computerspielen durch Mediengewaltgegner (verzerrt durch pornographischen Blick) belegen dies. Eine Bestätigung hierfür liefert auch das JuSchVerbG. Bestätigung für die Annahme, das Gewaltdarstellungen generell Legitimität und Legalität entzogen werden soll, liefert auch der Umstand, dass es solche (inhaltlich identischen) Empörungsdebatten bereits gab, als die grafische Qualität von Computerspielen erst auf Strichmännchenniveau war, explizite Gewaltdarstellungen also quasi unmöglich realistisch darstellbar war.

D.h.: Es existiert keine dezidierte Definition für „Killerspiele“ bei Computerspielen. Entsprechend wird eine solche auch durch diejenigen konsequent vermieden, welche den Begriff maßgeblich präg(t)en - selbst exemplarische Beispiele fehlen größtenteils: E. Stoiber definiert als „Killerspiele“, solche „in denen Mord und Totschlag propagiert und dazu angeleitet wird.“ Ähnlich definiert sie U. Schünemann: "Das sind Gewalt verherrlichende Computerspiele, in denen menschenverachtende Szenen gezeigt werden. Das Töten von Menschen ist Sinn und Inhalt dieser Spiele. Ich meine Computerspiele, in denen zum Beispiel Passantinnen hinterrücks mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten wird, in denen Gliedmaßen mit einer Kettensäge abgetrennt werden, in denen Blut spritzt oder man Blutlachen sieht. Als Beispiele möchte ich die Spiele GTA San Andreas (GTA:SA) und Der Pate anführen.“ - dabei ist GTA:SA in der dt. Version erst ab 16 Jahren freigegeben und ohnehin zensiert, Der Pate ohnehin mit KJ klassifiziert. Ähnlich definiert er anderorts: „Bei den ‚Killerspielen’ geht es darum, dass die Spieler selbst zum Töten animiert werden. Sie müssen auf einen Knopf drücken. Dadurch wird etwa ein Arm mit einer Kettensäge abgetrennt. Diese Handlung wird zudem positiv bewertet, wenn man sein Opfer zuvor quält. Fürs Arm-Abtrennen gibt es 100 Punkte, fürs Kopf-Abtrennen 1000 Punkte.“ Kritisch betrachtet ist anzumerken, dass unklar ist, auf welche Realitätsebenen sich diese Definitionen beziehen, d.h.: Werden die Spieler zum Töten in der virtuellen oder in der ‚realen’ Realität animiert? Die konsequente Vermischung bzw. Verwechslung von Realität und Virtualität, sonst selbst als pathologisch eingestuft, wird vom Redner hier rhetorisch vollzogen, um einen nach seiner Meinung im Spielen verborgenen krankhaften Zug zu offenbaren. Welches Spiel U. Schünemann hier meint, wird von ihm nicht genannt (noch ist es nach umfassender Recherche ersichtlich). G. Beckstein definiert: „Es sind Spiele, in denen Menschen virtuell zu Objekten menschenrechtsfeindlicher, grausamer oder besonders erniedrigender Handlungen werden. In einem dieser Spiele sind Menschen geschlachtet worden, in einem anderen wurde gezielt auf sie geschossen, um Blut spritzen zu lassen, um sie zu lähmen, um sie langsam zu töten.“ Er Meint letztlich Spiele, „in denen es alleine darum geht, am Bildschirm grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeiten zu begehen.“ Neben Schünemann nennt nur er konkrete Beispiele für das, was er als „Killerspiele“ deklariert: Counter-Strike und Medal of Honor (MoH). Welche Teile er meint, ist unklar. Counter-Strike existiert derzeit in drei Fassungen, nämlich Counter-Strike, Counter-Strike: Condition Zero und Counter-Strike: Source, welche allesamt in den dt. Versionen massiv um Gewaltinhalte geschnitten wurden, wobei Counter-Strike: Condition Zero dennoch nur eine KJ-Klassifikation der USK erhielt, die anderen beiden Freigegeben ab 16 Jahren sind. Die MoH-Spieleserie umfasst inzwischen 14 Teile - einzig der Erstling ist schlicht nur als MoH (ohne Subtitel) betitelt. Dieser Teil und MoH: Underground - beide für Sonys Playstation - sind in der dt. Version ohnehin indiziert, die restlichen Titel fast alle mit KJ-Klassifiziert (außer MoH: Infiltrator und MoH: Underground - beide für Nintendos GameBoy Advance - welche jeweils Freigegeben ab 12 Jahren sind) - zusätzlich sind fast alle Teile (außer den beiden indizierten) um verfassungsfeindliche Symbole zensiert worden, sofern diese vorhanden waren. Fest steht insgesamt, dass keiner dieser Politiker die angeprangerten Spiele (adäquat) kennt, für U. Schünemann und G. Beckstein gilt, dass sie diese nur aus (verzerrten) Präsentationen C. Pfeiffers und entsprechenden Medienberichten kennen. G. Beckstein bestätigt bei dieser Gelegenheit gleich den pornographischen Blick: „Allerdings habe ich stundenlange Killerspiel-Vorführungen mitgemacht. Die letzte, beim Kriminologen Christian Pfeiffer aus Hannover, war so abschreckend, dass sie mir manchmal immer noch nachgeht.“ Fazit ist also, dass die Reaktionen der Politik u.a. auch auf Unwissen basieren: Der alarmistische Ton einiger Politiker soll darüber hinwegtäuschen, dass sie zu geringe bis garkeine Kenntnisse haben.

Der Begriff bietet vielmehr ein eingängiges Schlagwort mit Wiedererkennungswert und leistet gewollte Diskursverzerrungen: Wie bereits oben angedeutet, ist das Wort eigentlich ein referenzloses Wort, ein englisch-deutscher Neologismus, der viel weniger auf eine Sache als auf einen Diskurs verweist: Wer heute das Wort "Killerspiele" benutzt, der tut dies nicht innerhalb einer zur Neutralität verpflichteten Unterhaltung […]. […] Vielmehr wird das Wort genau dann benutzt, wenn man möchte, dass sich beim Zuhörer oder Leser bestimmte Evokationen einstellen. Wenn jemand ‚Killerspiele’ sagt, schwingen sofort Diskurse über ‚Gewalt und Medien’ und nicht zuletzt eben auch über ‚Amoklauf und Schule’ mit. Aufgrund der Tatsache, dass ‚Killerspiele’ immer dann auftauchen, wenn etwas Schreckliches passiert ist, was angeblich mit ihnen zu tun haben soll, kann man das Wort gar nicht benutzen, ohne das mit ihm in Verbindung gebrachte schreckliche Geschehen mitzumeinen.

Der Begriff „Killerspiel“ ist dabei ein Dysphemismus und dient sog. framing. Derartige Begriffe u./o. Formulierungen erliegen zudem der sog. „Reduktionsfalle" , versimplifizieren also Ursachen realer Gewalt. Zudem fördern sie eine inadäquat überhöhte Aufmerksamkeitswirkung und be- bzw. entwerten den betroffenen Gegenstand im Vorfeld, sind somit in der sog. „Skandalisierungsfalle" und der antianalytischen sog. „Moralisierungsfalle“ , welche ein dichotomes Gut-Böse-Schema konstruiert. D.h.: Als „Killerspiele“ diffamierte Computerspiele werden der Objektivierung entzogen und per se für suspekt erklärt. Neutrale u./o. opportune Positionen werden (implizit) als verharmlosend und amoralisch zurückgewiesen (ein drastisches Beispiel dieser Zurückweisung lieferte Angela Merkel mit ihrer Rede in der Bundestagsdebatte vom 03. Juli 2002: „Wer das Unverständliche verstehbar und das Unerklärbare erklärbar machen möchte, der muss aufpassen, dass er sich nicht - zumindest unterschwellig - auf die Seite des Täters stellt und versucht, das Unentschuldbare mit irgendwelchen Umständen zu erklären.“ D.h.: Angesichts der Weigerung von Angela Merkel, die Tat von Robert Steinhäuser analytisch zu durchdenken, scheinen tiefer gehende Analysen aber ohnehin wenig willkommen zu sein. Dabei ist anzumerken, dass A. Merkel sich bereits seit 1993 eindeutig gegen Gewalt in den Medien äußerte), vom dazugehörigen hermetischen Diskurs ausgeschlossen (diese ausgrenzende Haltung demonstrierte bspw. U. Schünemann, als er in einem Interview durch ihn dort nicht näher definierte „Killerspiele“ als pervers diffamierte, d.h.: „Er geht über von einem spiel-technischen zu einem sexual-moralischen Diskurs; darin kennt er sich offenbar besser aus und dort liegt auch das Ziel seiner Argumentation“ - also im Perversionsvorwurf an Rezipienten und oppositionelle Haltungen. U. Schünemann führte aus: „Aber über die brutalen Varianten darf es überhaupt keine Diskussion geben. Da braucht man auch kein Gutachten. Das ist so pervers, dass es keine Alternative zum Verbot gibt. […] Wenn man sich diese Spiele selbst ansieht, kann man auch keine andere Position vertreten.“) - übrig bleibt nur negative Kritik.
Diese ermöglicht entsprechend drastische Konsequenzen, deren Befürworter aus Eigenperspektive moralisch rechtschaffend sind. D.h.: Wenn man jemandem ohne kenntnis der Materie unterbreitet, man will etwas gegen "Killerspiele" unternehmen und verlangt eine Stellungnahme des Gegenübers, wird dieses natürlich zustimmen und ebenfalls etwas gegen "Killerspiele" verlangen...
Es geht beim Begriff „Killerspiel“ also darum, jeder Inszenierung von Gewalt, ungeachtet ihrer Bedeutung, Funktion und Aussagebezüge mindestens moralische Illegitimität zu unterstellen, wenn nicht gar ihre Legalität zu bestreiten und so dem rechtlichen Vorgehen gegen sie von vorneherein eine Plausibilitätsbasis zu geben.

Fazit zum Begriff: Er soll vor allem emotionalisieren und die Gefahr verdeutlichen, die angeblich von bestimmten Computerspielen ausgeht. Durch die Verwendung solcher Begriffe werden die Spiele und damit deren Konsumenten von der Normalität abgegrenzt. Es kann nicht ‚normal’ sein, dass Jugendliche wie Robert Steinhäuser und Sebastian Bosse sich mit diesen Spielen beschäftigen. Einen ähnlichen Effekt erzielt die Verwendung des Begriffes ‚Amoklauf’. Der Amoklauf als etwas Plötzliches, das von außerhalb des Rationalen auf die Opfer einbricht unterstützt den Versuch, von einer rationalen Begründung der Tat abzusehen. Eine ‚Amoktat’ selbst steht außerhalb jeglicher Rationalität. Durch die Platzierung von Tätern und Tat außerhalb der Normalität, entfällt auch die Suche nach möglichen Ursachen innerhalb der Normalitätsgrenzen. Denn wer sich in seiner Freizeit mit solchen anormalen Dingen beschäftigt, kann auch kein normaler Mensch sein und von daher auch keine normalen Gründe für eine solche Tat haben. […] Daran zeigt sich wieder einmal, dass ein ganzheitlicher Blick auf die Tat, der möglichst umfassend die möglichen Faktoren beleuchtet und auch nach Ursachen für diese Taten fragt, selten von Interesse und in den wenigsten Fällen erwünscht ist, da er keine einfachen Lösungen vorgibt und unangenehme Fragen an sämtliche gesellschaftliche Instanzen stellt.

Gerade getroffene Feststellungen gelten auch für artverwandte Begriffe und Formulierungen und natürlich entsprechende Pendants im Filmbereich (bspw. “Mordsimulatoren” bzw. „Mordsimulationsspiele“ oder „Tötungs-Trainings-Software“, aber auch bereits für geläufigere, vermeintlich unbedenklichere Termini wie schlicht „Gewaltspiele“ und bspw. „Gewaltfilme“ bzw. „Gewaltvideos“), jedoch auch bereits für durch den pornographischen Blick verzerrte Beschreibungen bzw. (bewusste) skandal-/empörungsträchtige Falschdarstellungen des Inhalts (wenn man bspw. eine Spielszene beschreibt und diese als genüßlichen, bestialisch-sadistischen Mord an Menschen schildert, was dem Spiele - sofern man es denn zeigen würde - aber in keinster Weise gerecht würde und wo man eigentlich nur vom Ausschalten einer gegnerischen Spielfigur sprechen sollte), sowie - in der aktuellen Debatte geschehen - die (impliziten) Gleichsetzungen von Computerspielen mit Kinderpornographie oder die pauschalen, kriterienlosen Attributierung von medialen Gewaltdarstellungen als gewaltverherrlichend (und somit strafrechtlich relevant). Fazit: Letztlich ist die Diskursverzerrung durch Dysphemismen ein Instrument (von Mediengewaltgegnern) zur Erzeugung/Überhöhung von (vermeintlichen) Problemfeldern mit hohem Profilierungspotential, da (aus genannten Gründen) überwiegend Unterstützung für ein rigides Vorgehen erwartet wird, welches auf einen Reputationsgewinn bei ebenfalls antipathisch Prädispositionierten und die Durchsetzung eigener bzw. gruppenspezifischer moralischer/ethischer Maxime und Geschmacksvorstellungen abzielt. Es leistet also politischem Aktionismus Vorschub, ist explizit abzulehnen: Gerade in den politischen Kontexten, in denen ‚Killerspiele’ immer wieder genannt werden, ließen sich sicherlich erstaunliche Erkenntnisse über das Weltverständnis und die Medienkompetenz der Sprecher gewinnen.
Killerspiele und gewaltätige Spiele haben meiner Meinung nach nichts in den Händen von Kindern und Jugendlichen zu suchen. Da diese Spiele jene Menschen in ihrer Entwicklung negativ beeinflussen können, das weiß ich auch so, da brauch ich auch keine Studie für, da reicht gesunder Menschenverstand.
Nimm es mir nicht übel, aber wir sollten alle hoffen, dass du mit der Einstellung niemals in irgendeine Position gelangst, in der du zum Entscheidungsträger für andere Menschen wirst…

Deine Alltagshypothese (das es ja so etwas wie negative Wirkungen geben muss) definiert sich ja gerade nur dadurch, dass sie nicht auf Fakten basiert, sondern auf derjenigen "Eigenschaft", die im Alltag als sog. "gesunder Menschenverstand" bezeichnet wird. Eine "Eigenschaft", von der jeder meint, genügend zu besitzen, egal zu welchem Thema. Es wird nicht auf faktischer Basis argumentiert, stattdessen "erdenkt", d.h. erfindet man sich seine eigenen Resultate. Der Ausgangspunkt ist hier wohl mangelnde Fachkenntnis, d.h. man weiß nichts über den inkriminierten Sachverhalt, außer vielleicht diverse Ausgangstermini. Alles was du (und übrigens auch die Verantwortlichen im Jugendmedienschutz – aber das ist ein anderes Thema) machen kannst, ist einen subjektiv definierten Risikopunkt zu setzen, dessen subjektiv festgestelltes Überschreiten zu der Feststellung einer potentiellen Jugendgefährdung führt. Dies kann aber nicht wissenschaftlich begründet sein und entspricht eher deinem „gesunden Menschenverstand“… dir ist dringend angeraten, den kompletten thread zu lesen. Nur weil du Spiele spielst und eine Meinung zum Thema hast, hast du nicht automatisch Expertise. Alles was du betreibst ist ja prinzipiell nur DIYSS (do it yourseld social science) – also im Grunde genau das Gleiche, wie z.B. polemische Populisten wie G. Beckstein: Du meinst nur und darum soll es so sein. Und noch mal: Es gibt keine „gewalttätigen“ Spiele! *seufz*………
Um es dir mal deutlich zu sagen: Als einziges „Argument“ vorzubringen, dass etwas ja aufgrund seines „gesunden Menschenverstandes“ klar ersichtlich sei, disqualifiziert im Grunde genommen. Ist nicht böse gemeint, dem Rest deines Beitrages ist ja immerhin zuzustimmen.
Ich brauch kein Psychologie Studium um sagen zu können das es mit Sicherheit Grenzen gibt die nicht unter dem Deckmantel der Kunst etc. laufen sollten, dürfen! […] Gehen wir von der Normalverteilung des IQ aus, gibt es sicher viele Menschen die noch die sozialen Rahmenbedingungen mitbringen, bei denen manche Spiele die Abwärtsspirale sicher noch verstärken, oder? Sollten wir da nicht einen Riegel davorschieben??? Klar ist die Grenze schwammig und bei jeder Entscheidung gibt Zocker die sagen, he was soll der Mist, ich bin doch auch kein Amokläufter. Ich finde wir sollte benoch unsere Jugend und Kinder vor manchen Titeln schützen. Sicher ist das die Meinung eines Laien und übersteigt nicht das Niveau einen Stammtisches.
Glaubst du jeder Mensch kann mit der gleichen Objektivität wie du Medien konsumieren und differenzieren? Ich selber liebe GOW und co, aber es gibt eifnach grenzen, wenn es ins perverse und sardistische geht. Ich weiss das ist sehr subjektiv, aber es gibt definitiv Grenzen die wir einhalten sollten. So und jetzt beschimpft mich
beschimpfen ist absolut nicht meine Intention, eher zum Nachdenken anregen. Aaalsooo…
Nun, wer soll denn die Grenzen der Kunst definieren? Solange andere Menschen (bzw. Lebewesen) nicht definitiv, ohne dass sie sich dagegen wehren könnten, negativ tangiert werden, ist hier doch kein großartiges Problem, eine absolut freie Kunst zu fordern – zumal Provokation ja auch durchaus zum Spektrum der Kunst gehört und man hierzulande gemeinhin den traditionellen Künsten mehr Rechte einzuräumen bereit scheint, als den neueren?
BTW: Der IQ scheint ersten Indizien nach recht irrelevant für die potentiellen „Wirkungen“ (ich sträube mich aus oben genannten Gründen gegen den Begriff) zu sein. Die Abwärtsspirale ist ja rein hypothetisch, ihr fehlt das Grundelement: Eine adäquate Fundierung des Gefährdungspotentials, resp. eines überhaupt irgendwie relevanten, signifikanten Gefährdungspotentials. Ich bin ja der vermeintlich antiquierten Meinung, dass sich ein Schutzniveau an einem vermeintlichen Gefahrenpotential orientieren sollte (Stichwort: Verhältnismäßigkeit). Nun ist aber die Möglichkeit des Gefahrenpotentials von z.B. medialen Gewaltdarstellungen wenig konkret, warum sollte man also direkt zu Verboten u.ä. greifen (ganz abgesehen von den anderen Argumenten dagegen, z.B. die illegitime Bevormundung Erwachsener)? Warum reichen verbindliche Altersfreigaben nicht aus?
Und nein, ich glaube nicht, dass jeder Medien so rezipiert, wie ich (was ich übrigens auch gar nicht als objektiv bezeichnen mag), darum geht es ja gerade, dass ist ein Hauptpunkt der ganzen Argumentation: Menschen rezipieren individuell, keine Rezeptionsperspektive kann ohne weiteres verpflichtende Dominanz über alle anderen fordern.
s.o.: Wer setzt diese Grenzen? Sadismus, Perversion etc. entsteht erst durch die Perspektive des Werturteilenden, ist vollkommen subjektiv zu definieren (von den bereits getätigten Ausführungen zur Perversion ganz zu schweigen). Warum reicht es nicht, wenn Erwachsene Menschen sich die Grenzen selsbt auferlegen, solange sie anderen Menschen nicht schaden? Und wenn du z.B. einem Gremium die Kompetenz auferlegst, die Grenzen zu ziehen, wer versichert dir dann, dass sie nicht „GoW und co“ als pervers, als sadistisch definieren?

@ 24BitOldschoolGamer:
Die Beiträge von Vicarocha sind ja mal echt der Hammer (ohne Wertung)!
ich habe unzählige solcher Diskussionen geführt. Inzwischen bedarf es nur noch copy’n’paste und kleinerer Modifikationen und schon habe ich so einen „Hammer“-Beitrag. ;-)
Frustrierter Held
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Beitrag von Frustrierter Held »

Hi, Vica! Schön, dass Du wieder da bist, dann können wir wenigstens wieder gemeinsam "Aufklärungsarbeit" leisten :D! Nachdem wir hier anscheinend tatsächlich ziemlich allein auf weiter Flur stehen, möchte ich mich natürlich erstmal in vollem Umfang den Ausführungen Deines letzten Beitrags anschließen!

@ masshiro_no:
kenne sogar viele Studenten die von diesen "Studien" garnichts halten.
Findest Du es besonders logisch, einerseits gestandenen Wissenschafltern jegliche Kompetenz abzusprechen und Dich andererseits aber auf die Meinung von Studenten zu stützen?! Von wem werden diese Studenten denn ausgebildet? Was lernen die denn und was wollen sie später machen? Sind diese Studenten und deren Profs dann auch alle unfähig und inkompetent oder gilt das vielleicht nur für Akademiker, die Du nicht persönlich kennst...??
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Vicarocha
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Beitrag von Vicarocha »

Wenigstens wird es gelesen (wenn ich da an "Diskussionen" in anderen Foren denke)! ;-)
So umfangreiche Beiträge schrecken ja erfahrungsgemäß eher ab... obwohl: Viele schreiben ihre Einzeler auch, ohne auch nur irgendein Wort aus den vorangegangenen Beiträgen gelesen zu haben, so dass dann x Leute das gleiche sagen, obwohl dass schon beim ersten mal ausführlich dekonstruiert wurde. Ist ein typisches Problem so großer, öffentlicher Foren.

Aber was ich eigentlich sagen wollte:
Wir sollten vor allem wieder wegkommen vom sexual-moralischen/ethischen Diskurs, hin zum Diskurs über nonsexuelle Gewaltdarstellungen (also auch weg vom Bereich der Gewaltpornographie) - darum geht es ja auch eigentlich (und hier muss man sich weniger mit Totschlagargumenten rumplagen). Nicht grundlos hat unser StGB zu beiden Sachverhalten separate Reglementierungen, denn die Argumentationen und Implikationen unterscheiden sich z.T. erheblich - der thread droht ansonsten auszuufern (und eigentlich ist ja bereits alles dazu gesagt). Nur mal so ganz allgemein... wollte ich bereits im letzten Beitrag erwähnen. Aber ich tippe ja nur so nebenbei, da vergisst man schon mal was. ;-)
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GehirnZelle
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Beitrag von GehirnZelle »

@ Vicarocha und Gehilfe Frustrierter Held :twisted:

ihr stützt euch auf eine Unzerstörbare Säule, die menschliche Psyche. Die Wissenschaft wird in diesem Bereich nie adäquate Ergebnisse liefern können.
Ursache Wirkung von Handlungen eines Individuums zu Determinieren ist unmöglich. Und wenn in der Korrelation tausend Variablen mit eingebracht werden, die menschliche Seele wird empirisch niemals transparent werden. Wie soll das auch gehen? Die Probleme kennt ihr ja selber:

-Methodische Probleme -Stichgrößenumfang-, kausalber Zusammenhang der Variablen.
-Adäquationsproblem, gerade in diesem Bereich will ich was Theoretisches Untersuchen aber in der Praxis gestaltet sich die suche nach quanitifizierbaren Variablen sehr schwer. --> wie willst du die aggressivität wirklich messen? welche Abstufungen. Bösartige Gedanken die evtl. von Medien inspiriert worden sind.
All das auch noch bei der Bandbreite an Menschen mit verschiedenen Erfahrungen, Genmaterial und Bildung. Jede Forschung im übrigen auch deine These wird im Raum stehen bleiben weil eine klare Falzifizierung in dem Bereich unmöglich ist! Haben die Computerspiele jetzt auswirkungen oder nicht? Also auf die Clustergruppe unter ceteris paribus evtl. zu 15% schon. Alles schwachsinn. Deshalb hilft bei dem Thema fast nur noch "gesunder Menschenverstand" und die einbeziehung von Gesellschaftlichen Normen und Werten. Alleine der Gedanken, dass alles ok wäre und nichts zensiert werden dürfte ist mir zuwider.Natürlich ist da die Gefahr auch sehr groß zuviel zu zensieren, was wirklich nicht Notwendig wäre(ich weiss widerspricht alles, da subjektiv). Ich rede von Extremen die von der wirklichen Mehrheit der Menschen auch als Extreme definiert oder empfunden werden. Konkret würde das heißen, objetive Merkmale auszuarbeiten und eine Systematik herzustellen die vor Willkür schützt. Ich habe natürlich keine Vorschläge dafür, aber es könnte in folgende Richtung gehen:extrem sardistisches Verhalten in virtuellen Welten wird belohnt --> das könnte man als Indikator nutzen um zu sagen, he leute sowas kommt uns nicht auf dem Markt. Mir geht es einfach darum, nicht gleich zu sagen alles ist ok, keine Zensur tralala. Es gibt einfach Inhalte(ich rede von den dunkelsten Ecken der menschlichen Selle) die einfach nichts in einem Videospiel verloren haben. Und wenn die Chance nur gegen 0 % geht, dass ein Kind die Möglichkeit hat diese Inhalte zu konsumieren, bin ich halt einfach dafür die Wahrscheinlichkeit stärker einzuschränken. Das Problem ist wie ihr schon sagtet, ab wann wird es wirklich Menschenverachtend etc.... sehr komplex alles, dennoch sollte die Gesellschaft Instumente zur Zensur besitzen. Gradwanderung zwischen Freiheit und Schutz. Aber beides sind doch Extreme Ansichten oder?
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Vicarocha
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Beitrag von Vicarocha »

*seufz*

Ich formulier es mal simplifiziert, für ausführlichere Informationen sei bereits erwähntes angeraten. Neues wird jetzt nicht unbedingt erfolgen, aber das bereits erwähnte wird offenbar nicht oder nur falsch verstanden, deshalb ist eine vereinfachte (nicht konkretere, denn konkret genug war das Erwähnte bereits) Wiederholung (und nur quasi stichwortartig) angebracht, auch wenn die Diskussion jetzt eine gewisse interne Zirkulation entwickelt hat (wie es zu erwarten war):
Deshalb hilft bei dem Thema fast nur noch "gesunder Menschenverstand" und die einbeziehung von Gesellschaftlichen Normen und Werten.
Abgesehen davon, dass ich dem Rest so nicht direkt zustimme (das müsste man viel detaillierter schildern, ist aber momentan nicht notwendig): Zum „gesunden Menschenverstand“ habe ich mich bereits geäußert, zum anderen Aspekt auch, will es aber abermals tun:
Alleine der Gedanken, dass alles ok wäre und nichts zensiert werden dürfte ist mir zuwider. […] Mir geht es einfach darum, nicht gleich zu sagen alles ist ok, keine Zensur tralala. Es gibt einfach Inhalte(ich rede von den dunkelsten Ecken der menschlichen Selle) die einfach nichts in einem Videospiel verloren haben
Warum? Wo ist dein Problem dabei, dass andere erwachsene Menschen unzensierte Spiele mit nur virtuellen Inhalten spielen dürfen? Willst du die Inhalte wirklich zensieren, gar generell verbieten oder willst du sie nur Minderjährigen vorenthalten? Das dir der Gedanke an umfassender, andere Menschen nicht negativ tangierende Medienfreiheit bereits zuwider ist, kann als Indikator dafür gewertet werden, dass du das Thema eher irrational, überemotionalisiert wahrnimmst. Ganz einfach: Was wäre für dich und noch viel wichtiger, den Rest der Menschheit (oder zumindest der Bevölkerung der BRD) verloren, wenn Erwachsene vollkommen problemlos unzensierte Medien rezipieren dürften? Worin ist diese Angst/Furcht vor Fiktionen begründet?
Vielleicht sollte man hier so etwas wie einen kategorischen imperativ fordern: Man soll die eigene Meinung nicht zum nonplusultra deklarieren.
Natürlich ist da die Gefahr auch sehr groß zuviel zu zensieren, was wirklich nicht Notwendig wäre(ich weiss widerspricht alles, da subjektiv).
Wer soll denn für die Zensuren verantwortlich sein? Auf welcher Grundlage sollen Zensuren erfolgen? Was wäre denn das Notwendige und wer hat das Definitionsrecht? Anders: Wie würdest du mir gegenüber begründen, dass du mir (und allen anderen) etwas unzensiertes vorenthalten würdest (und was ist z.B. mit demokratischem Minderheitenschutz)? Oder plädierst du einfach für ein Diktat der Masse (was nicht unbedingt demokratisch wäre)?
Ich rede von Extremen die von der wirklichen Mehrheit der Menschen auch als Extreme definiert oder empfunden werden. Konkret würde das heißen, objetive Merkmale auszuarbeiten und eine Systematik herzustellen die vor Willkür schützt. Ich habe natürlich keine Vorschläge dafür, aber es könnte in folgende Richtung gehen:extrem sardistisches Verhalten in virtuellen Welten wird belohnt
Wer soll denn messen, was hier menschlicher Grundkonsens ist? In einer pluralen Gesellschaft ist die Diversität der Empfindungen, Meinungen und Wahrnehmungen die Norm – allenfalls ein Minimalkonsens ist annehmbar (und hierzulande allenfalls durch das Grundgesetz definiert). Es kann keine objektiven Merkmale geben!
Einfach: Selbst wenn du z.B. einen statischen, quasi nomologischen Kriterienkatalog entwickeln würdest, anhand dessen z.B. Indizierungen erfolgen sollten, wirst du mit zwei Problemen konfrontiert:
1.) Einen direkten Widerspruch zu den grundsätzlichsten Erkenntnissen der Wirkungs-/Rezeptionsforschung. D.h.: Wenn du z.B. Kriterien hast, wie z.B. das die Menge des vorkommenden Blutes relevant für eine Indizierung sein solle, dann widerspricht das dem sog. ganzheitlichen Ansatz. Die Wirkung von Gewaltdarstellungen ist eben nicht objektivierbar und vor allem nicht dekontextualisiert wahrzunehmen, es kommt auf den Kontext an, die Intertextualität und die Wahrnehmung der Gewaltdarstellung durch den Rezipienten. Diese Faktoren zu analysieren ist eine Grundbedingung, um überhaupt erst so was wie eine Hypothese zum Gefährdungspotential durch Gewaltdarstellungen aufzustellen! Ich empfehle dazu auch meine umfangreichen Ausführungen zur Definition/Wahrnehmung von Gewalt/Aggression… Du kannst schlichtweg nicht einfach einen abzuhakenden Kriterienkatalog mit all zu engen Kriterien aufbauen, sondern musst unweigerlich weit gefasste Kriterien nutzen. Und das führt und zu Problem Nummer 2:
2.) Weit gefasstere Kriterien (die dem ganzheitlichen Ansatz gerecht werden), sind immer auch nur subjektiv mit Inhalten zu füllen. Wenn es also z.B. heißt, dass „extrem sadistische“ Gewaltdarstellungen ein Indizierungskriterium sein sollen, besteht das Problem, dass nicht objektiviert werden kann, was „extrem sadistisch“ ist und was nicht – es ist individuelle Auslegungssache (hier abermals auch der Verweis auf die sog. Rahmungskompetenz). Außerdem kommt es (wie erwähnt) nicht auf eine dekontextualisierte Darstellung an, man muss das Gesamtwerk analysieren, letztlich individuell subjektiv interpretieren, was zu extrem divergierenden (aber jeweils durchaus legitimen) Ergebnissen führen kann (vgl. bspw. die hier vertretenen unterschiedlichen Perspektiven zu Manhunt)
Fazit: Es läuft absolut zwangsläufig auf Willkür hinaus.
Und wenn die Chance nur gegen 0 % geht, dass ein Kind die Möglichkeit hat diese Inhalte zu konsumieren, bin ich halt einfach dafür die Wahrscheinlichkeit stärker einzuschränken. Das Problem ist wie ihr schon sagtet, ab wann wird es wirklich Menschenverachtend etc.... sehr komplex alles, dennoch sollte die Gesellschaft Instumente zur Zensur besitzen. Gradwanderung zwischen Freiheit und Schutz. Aber beides sind doch Extreme Ansichten oder?
Als Anregung:
"Censorship is telling a man he can't have a steak just because a baby can't chew it."
~ Samuel L. Clemens alias Mark Twain (* 30.11.1835 - ? 21.04.1910)

Das Problem ist nicht ab wann es menschenverachtend wird. Das Problem ist, dass es darauf niemals eine objektive Antwort geben wird, solange wir nur über fiktive Darstellungen diskutieren. Die Gesellschaft hat doch Schutzmöglichkeiten, z.B. das Boykott. Aber dem Staat sollte kein Zensurinstrumentarium zugestanden werden (und wird es auch nicht wirklich… darum vermeidet man ja auch Indizierungen z.B. als Zensur zu klassifizieren, aber das ist ein anderes Thema).

Ich wüßte zudem nicht, was an der Idee, einem jeden ein maximum an Freiheiten zu gewähren, solange es seine Mitmenschen nicht negativ trifft, im negativen Sinne als extrem zu werten wäre.
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GehirnZelle
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Beitrag von GehirnZelle »

du bist ein Tier, mich kannst du trotzdem nicht (ganz)überzeugen, nicht weil ich ingnorant oder auf meine Meinung beharren muss, ist eher eine Bauchgeschichte. Es gibt rein hypothetisch für mich einfach Spiele die eine Beschlagnahmung verdienen. z.B. alle Filmusetzungen :twisted:
Ach ja ist so ernst geworden der Thread, jetzt reagiere ich mich erstmal bei paar headshots ab. :wink:
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GehirnZelle
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Beitrag von GehirnZelle »

eine Frage habe ich jedoch noch. Ab wann tangiert man denn jemanden? ist das nicht genauso subjektiv, es gibt menschen die fühlen sich von blicken schon tangiert. andere erst durch physischen schaden....
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Vicarocha
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Beitrag von Vicarocha »

Hatte ich das nicht erwähnt? Wenn nicht, dann ist es mein "Fehler", obwohl klar sein sollte, was ich meinte. Aber iirc habe ich irgendwo erwähnt (vielleicht auch in 'nem andern Forum *hüstel*), dass die Tangierung signifikant/relevant sein muss und es natürlich nicht zählt, dass man sich bereits durch den Geschmack eines anderen Gestört fühlt. Der Mitmensch muss realen Schaden haben, der eben nicht daraus resultiert, dass er bspw. in seinem Geschmacksvorstellungen, seinen (u.a. auch religiösen) Gefühlen, seinen Moral-/Ehtikvorstellungen etc. gestört fühlt. Der Schaden muss natürlich nicht ausschließlich direkt physisch sein, psychische kommt natürlich auch in Frage, genauso wie Formen strukturell neggativer Tangierung sind bspw. natürlich auch gemeint (dürften aber bei der Medienrezeption irrelevant sein). Aber ausser den irrelevanten Formen der Tangierung kommt ja in Bezug auf die Medienrezeption nicht wirklich viel in Frage...

Anders: Wenn dein Nachbar nebenan derartige Spiele spielt und du dich davon alleine um das Wissen darum gestört fühlst, dann ist das wohl eine zu vernachlässigende Tangierung (oder fordert man etwa Konsequenzen für das Kochverhalten der Nachbarn, wenn diese mit Vorliebe das verspeisen, was man selbst nicht mag?). Wenn er aber nun die Musik des Spiels so laut aufdreht, dass du vom Lärm gestört wirst, wäre das eine relevante Tangierung (die aber nicht unbedingt mit dem Inhalt des Spiels an sich zu tun hat).

Sollte aber eigentlich klar sein... aber Deutschland ist ja das Land der Querulanten, wie unzähliche Nachbarschaftstreitigkeiten um Nichtigkeiten beweisen. ;-)