Gute Grafik hat das Gaming an sich doch eben in das Dilemma der Eintönigkeit geführt. AAA-Spiele haben heutzutage den Charme eines Hollywood-Actionfilms. Diese Art von Geschichtenerzählung wird einem interaktiven Medium wie es Videospiele nunmal sind kaum noch gerecht. Gerade die grafisch hochwertigen Spiele sind eben mehr wie Filme geworden, bei denen man zwischendurch auch mal ein paar Knöpfe drücken darf. Ich weiß nicht, was daran nun so toll sein soll.
Cineastische Zwischensequenzen, vollvertonte Audiosynchronisation...all das verschlingt Unmengen an Entwicklungskosten, die an viel wichtigeren Stellen eingespart werden müssen. Eben beim Gameplay, das dann stark zusammengeschnitten wird, oder bei der Erstellung einer glaubwürdigen, komplexen und umfangreichen Spielwelt. Deswegen haben wir ja heutzutage das Problem, daß sich alle audiovisuell aufwändigen Spiele nahezu gleichen und ziemlich eintönig und herausforderungsarm spielen. Wenn schlechtere Technik numal der notwendige Kompromiß ist um wieder mehr Abwechslung zu schaffen, warum soll das dann so schlecht sein?
Natürlich hätte ich auch lieber wenn solche Spiele in Hochglanzoptik daherkommen, aber das scheint bei der derzeitigen Marktsituation einfach nicht möglich zu sein. Das Problem betrifft nicht exklusiv den PC. In den letzten Jahren empfand ich es schon so, daß Handheld-Konsolen teilweise bessere Exklusivspiele boten als die Heimkonsolen.
Der Vorwurf, daß man in den Videos nichts von dem guten Gameplay erkennen könnte, halte ich für unüberlegt. Gerade der Fokus auf diese Art von Marketing hat die heutige Situation noch verstärkt. In kurzen Videoclips kann man eben nur audiovisuelle Qualitäten bewerben. Wenn ein Spiel komplexes , aber spaßiges Gameplay bietet, dann lässt sich das wohl kaum in einem 30-Sekunden Trailer vermitteln. Das ist doch schon seit Jahrzehnten bekannt und auch irgendwie logisch

Wenn man Interesse an Gameplayalternativen hat wird man sich wohl die Mühe machen müssen ein paar Lets Plays anzusehen oder mal einen ganzen Artikel zu dem Spiel zu lesen, wo das Gameplay seinem Umfang entsprechend beschrieben wird.
Hätte ich mich nur auf Trailer und Werbevideos verlassen hätte ich mit Demons Souls eines der besten Spiele der letzten Konsolengeneration verpasst.
Ich erwähne mal die Elder Scrolls Reihe als Beispiel. Daggerfall habe ich zwar nie gespielt, aber Morrowind war mit großem Abstand der beste Teil der letzten drei. Die Grafik war bescheiden, das Marketing kaum vorhanden. Die Vertonung beschränkte sich auf ein paar Sätze. Die ganze Story wurde in Textboxen erzählt, die Questanweisungen musste man in einem Journal nachlesen und konnte nicht einfach einem Markierungspfeil folgen. Trotzdem war für mich der Spaß weitaus größer, die Immersion weitaus intensiver, als in den technischen Prachtkulissen von Oblivion oder Skyrim. Die Komplettvertonung hat in den beiden Spielen nur dazu geführt, daß es weniger Umfang, weniger Quests gab, weil es sonst einfach zu teuer geworden wäre. Die Animationstechnik und Inszenierung einzelner Storyabschnitte hat die einfallslose Geschichte ebenso wenig aufwerten können. Was ist so schlimm daran, ein paar Texte zu lesen, wenn man dadurch ein Mehr an Geschichte und Gameplay gewinnt? Das ist es für mich allemal wert.
Und wenn ich aus ein paar Textfetzen mir in meinem Gehirn erst einmal die Lösung für ein Quest zusammenreimen muss, dann hat das für mich weitaus mehr Immersion als jede Zwischensequenz jemals vermitteln könnte. Weil ich mich dann aktiv mit meinem Verstand an dem Spiel beteilige, statt es einfach nur passiv zu konsumieren wie eben einen Film.
Vor 2 Jahren habe ich zum ersten mal Planescape: Torment gespielt. 2D-Grafik aus der Steinzeit und ellenlange Texte zum lesen. Im Grunde bestand das Spiel zu 90% aus textlastigen Dialogen. Es war trotzdem die beste Geschichte, die ich in den letzten Jahren in Videospielen erlebt habe. Da kommt kein Mass Effect und kein Dragon Age ran, kein Elder Scrolls und auch kein Heavy Rain oder The Last of us. Nicht einmal die beiden Witcherspiele hatten so eine gute Geschichte zu erzählen und das will schon was heissen.
Warum sollte also Vollvertonung und grafische Inszenierung schon so wichtig sein? Wie ensteht dadurch ein Mehrwert für das Medium Spiel? Warum sollte ich dann nicht einfach nur einen Film schauen wollen, wenn mir so etwas eher zusagt?
Au man, was für ein Pamphlet. Hoffentlich war das nicht zuviel Text ^^