Kajetan hat geschrieben: ↑02.01.2021 00:45
Das Problem dabei ist aber in den USA, dass die republikanische Partei mittlerweile so dermaßen weit ins Land der Irren und Realitätsverleugner abgedriftet ist, dass man mit den ganz normalen, moderaten Republikanern, die noch den alten, normal-konservativen Werten folgen, kaum noch reden kann. Da ist kein Dialog mehr möglich, wenn der Gegenüber einem Präsidenten zujubelt, der kein Problem hat sich mit rechtsradikalen Milizen ins Bett zu legen und von einem militärisch/politischen Umsturz träumt, nur weil er eine Wahl verloren hat.
Dies. Ja, es gibt in den USA einen bedauernswerten Trend dazu, einen eigentlich dringend notwendigen inhaltlichen Dialog über bestimmte politische Themen weitgehend untergehen zu lassen im ideologischen Grabenkampf zwischen den (viel zu grob gefassten) Lagern "liberals" und "conservatives". Und ja, beide Seiten haben da ihren Anteil dran.
Aber, und das kann man gar nicht oft genug betonen,
nicht zu gleichen Teilen. Die sogenannte "Alt-Right" ist es, die mit einer bewussten, zielgerichteten Vergiftung des Diskurses bereits vor geraumer Zeit begonnen hatte und die sich in jüngerer Vergangenheit, wann immer Dinge, die man eigentlich als Fakten anerkennen müsste (aktuell z.B. der Wahlausgang), der eigenen Ideologie widersprechen, in völlig abstruse Wunschdiskurse flüchtet, die mit der Realität nichts mehr zu tun haben. Ein Dialog ist immer nur ausgehend von einem Minimalkonsens, in diesem Fall einer gemeinsamen Faktenbasis, möglich. Wer der eigenen politischen Agenda gegenläufige Sachverhalte einfach leugnet, der macht die Diskussion unmöglich. Und das machen nunmal primär die Anhänger der Alt-Right.
Um den Bogen zurück zum Spiel zu schlagen, bzw. zu den hier zuvor geäußerten Bedenken bezüglich dessen ideologischer Färbung: Es ist ja erstmal nicht verwunderlich, dass Spiele, die ein gesellschaftliches Zwei-Fronten-Klima thematisieren und sich innerhalb dieses Klimas auch positionieren, dies unter Umständen entlang einer zweidimensionalen Leiste zwischen den Polen "Wir" und "Die" tun (oder wäre das eindimensional? Bin nicht so gut in Mathe...

). Nicht sonderlich differenziert, okay - und dahingehend, dass eine solche Parteinahme hier stattzufinden scheint, würde ich Vogelpommes ja sogar Recht geben; der Trailer zeigt halt eine tendenziell diverse, mit Identifikationspotenzial angereicherte Gruppe, die einer betont uniformen, tendenziell weißen und als Antagonisten charakterisierten Gruppe gegenübersteht. Das ist natürlich nicht so wahnsinnig originell, vor allem weil der Antagonist als im militärischen Sinne überlegen dargestellt wird. Klassisches "sympathische, individualistische Underdogs vs. unsympathische, uniformistische Übermacht" also.
Aber: Was soll daran jetzt eigentlich so schlimm sein? Es gibt genügend Beispiele für Spiele, Filme, Bücher, pipapo, die sich klar positionieren und
trotzdem die "Gegenseite" nicht komplett undifferenziert darstellen. Und selbst wenn sie dies tun - dann beinhalten sie halt ein deutliches Statement für die eine oder andere Position, was aber noch lange keiner stumpfen Pauschal-Verleumdung jeglicher realweltlichen Anhänger der Gegenposition gleichkommen muss - geschweige denn einem Angriff auf den realweltlichen politischen Diskurs als solchen. Es muss nicht immer ein "gesunder Mittelweg" beschritten werden. Wenn ich mich als Kunstschaffender positionieren möchte, dann möge ich das doch bitte authentisch tun und nicht krampfhaft auf "Ausgewogenheit" achten.
Anzunehmen, dass dies sogleich den politischen Dialog zwischen zerstrittenen Lagern torpediere, finde ich relativ abwegig. Was diesen Dialog zerstört, ist die im obigen ersten Absatz skizzierte Negierung des für eine Diskussion nötigen Minimalkonsens seitens gewisser politischer Akteure (vom Keyboard-Ideologen bis -leider- hin zum US-Präsidenten). Aber doch nicht irgendwelche Spiele, die ideologisch eindeutig Position beziehen.