@Ikar: Gutes Beispiel mit den Jogginghosen

Aber Spaß beiseite, es gab auch in unserer Jugend Leute, die sich wie die letzten Idioten verhalten haben, und es gibt sie heute eben auch - manchmal viell. noch ein bisschen extremer und auf jeden Fall irgendwie anders, aber das Phänomen ist nicht neu. Man sollte sowas sicher im Auge behalten, vor allem aber differenziert betrachten und nie vergessen, dass man selber natürlich auch einem Wandel unterzogen ist. Wir werden alle alt und spießig
Zu den Komasaufstatistiken kann ich jetzt nicht viel sagen. Sollte dem so sein, wärs schon gruselig. Den Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft (besonders in ländlichen Gebieten) finde ich aber ohnehin furchtbar. Wie auch immer, ich wollte nur zeigen, dass Vieles medial extrem aufgebauscht und als völlig neues Phänomen verkauft wird. Sehr viele Erwachsene haben auch diese von-oben-herab-Mentalität und tun so, als wären sie früher immer lammfromm gewesen. Ich will weder eine lammfromme Jugend, noch eine Jugend, die keine eigenen Merkmale (seien sie negativ oder positiv) entwickelt. Aufbegehren, rebellieren, Grenzen überschreiten, das gehört zur Jugend dazu. Und ich kann dir versichern, die meisten Jugendlichen haben eine Fassade und einen "echten" Kern. Und soweit ich das in meinem begrenzten Umfeld beurteilen kann, ist dieser Kern nach wie vor bei den meisten sehr in Ordnung.
Zur Inszenierung von Kriegsshootern: du hast ja prinzipiell Recht. Infinity Ward waren auch noch nie für Subtilität bekannt und MW2 verschenkt beispielsweise mit der Flughafen-Mission unglaublich viel Potential. Hätte man das Ganze interessanter inszeniert, hätte man die Motive der Täter näher beleuchtet und vor allem realistischer gewählt (in MW2 dient das Massaker ja nur dazu, um einen Krieg anzuzetteln und damit hat's sich. Aber was ist denn der wirkliche Nährboden für Terrorismus? Unzufriedenheit, Unterdrückung, Armut usw.). Die COD-Reihe inszeniert Krieg als Spektakel und dafür MUSS man sich definitiv nicht begeistern. Man DARF es aber und kann gleichzeitig absoluter Pazifist sein. Nur mal als Beispiele, wobei auch diese Vergleiche ein bisschen hinken: Das Brettspiel Risiko oder noch deutlicher Axis & Allies inszeniert Krieg. Im Fußball wird Aggressivität gefordert. Gotcha ist Kriegspielen, selbst Cowboy & Indianer. Menschen haben diesen kriegerischen Trieb in sich (manche mehr, manche weniger) und Spiele sind eine Form dies auszuleben, ohne anderen Menschen zu schaden.
In Medal Of Honor ist man die Sache z.b. anders angegangen. Da hat man die Unmittelbarkeit des Mediums voll ausgenutzt und das Mittendrin-Gefühl viel deutlicher dazu eingesetzt, um die Schrecken des Krieges zu zeigen (jedenfalls habe ich das beispielsweise bei der Normandie-Landung so empfunden). Aber selbst wenn es irgendwann ernst zu nehmende Anti-Kriegs-Spiele geben würde, müssten die ja auch irgendwie Spaß machen, weil sie sonst niemand zocken würde. Eine endlose Diskussion dazu gibt es bei Filmen (Stichwort: Gibt es Anti-Kriegsfilme?). Ich bin der Meinung es ist völlig legitim und sogar wünschenswert, dass man die Faszination von Waffen, Gewalt und Krieg weder tabuisiert noch glorifiziert. Ebenso sollte man SEHR vorsichtig sein, die Rezipienten/Konsumenten von Medien zu beurteilen. Insofern finde ich Kritik an einem Spiel wie MW2 absolut berechtigt und wichtig, allerdings sollte man nie den Fehler begehen das gesamte Genre und die Spieler zu verurteilen. Es ist und bleibt ein Spiel, und das bezieht i.d.R. viel von seiner Faszination daraus, dass man eindeutig zwischen virtueller und realer Welt unterscheidet, dass man im Spiel ungestraft Dinge tun kann, die man in der Realität nie machen würde. Würde auch nur 1/4 der MW2-Käufer tatsächlich Soldat werden, hätten die USA ihr Rekrutierungsproblem längst gelöst
Außerdem wiederhole ich noch mal: die Verkaufszahlen von MW2 sind in Europa ebenfalls extrem hoch! Das ist kein amerikanisches Phänomen, sondern mindestens ein europäisch-amerikanisches. In Japan hingegen sieht es wirklich anders aus...
@Watchful_Eye: Die Motive für Kriege sind vielfältig. Ich sprach aber auch nicht von Soldaten, denn die sind ja nur eine Art menschliches Werkzeug, sondern von denen, die Kriege anzetteln, den Machthabern also. Bei denen muss ein nicht unerhebliches Maß an Aggression vorhanden sein. Natürlich hätten Egoshooter Hitler nicht zu einem netten Typen gemacht. Es geht mir ja nur darum, dass der Konsum von Gewalt meiner Ansicht nach etwas "Reinigendes" haben KANN und wie gesagt, ein MW2-Spieler überzeugter Pazifist sein kann.
Dazu gibt es eine interessante These von Fritz/Fehr (Medienpädagogen), die sich in weiten Teilen mit dem deckt, was Masakado geschrieben hat. Physische Gewalt wird in unserer Gesellschaft abgelehnt, bestraft und oft auch tabuisiert. Gleichzeitig spricht man aber auch von einer Ellenbogen-Gesellschaft. Durchsetzungsvermögen wird gefordert, teilweise sogar Rücksichtslosigkeit. Die Menschen stehen unter enormen Druck, sollen häufig einfach nur funktionieren, Leistung bringen, Konkurrenten übertreffen usw.. Burn-Out-Syndrom und Depression werden die neuen Volkskrankheiten. Hinzu kommt psychische Gewalt (mobbing etc.). Zusätzlich sehen wir Bilder von Kriegen, die hunderte, tausende Kilometer entfernt statt finden. Wir haben im Prinzip keinen Einfluss darauf. Wollen wir diese Kriege? Wollen wir sie nicht? Spielt das überhaupt eine Rolle? In der Welt der Spiele gibt es mich, den Spieler, ich bin der Gute. Dann gibt es da die Bösen, die ballere ich ab und am Ende des Tages habe ich die (virtuelle) Welt gerettet, habe mich bewährt, habe Erfolg, Kontrolle, alles Dinge, die in der realen Welt viel schwieriger zu erlangen und viel komplexer sind. Es kann einfach befreiend sein, sich in ein Spiel zu begeben und sich auszutoben (sogar "verbotene" Dinge zu tun). Das hat auch nichts mit Realitätsverlust zu tun (daran leidet nur ein sehr, sehr kleiner Teil).
Um trotzdem auf die Soldaten zurück zu kommen: warum wird denn jemand Soldat? Bei einem Pädophilen (die ich um Gottes Willen nicht in Schutz nehmen möchte!) handelt es sich um eine Störung, die sich niemand freiwillig aussucht. Im Gegensatz dazu hat der Soldat in einer modernen Gesellschaft zahlreiche andere Berufsmöglichkeiten. Auch wenn es etwas populistisch/plakativ sein mag: wer Soldat wird, erklärt sich bereit im Ernstfall andere Menschen zu töten.