Call of Duty: Modern Warfare 2: Karte "Favela" aus dem Spiel genommen

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Kajetan
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Beitrag von Kajetan »

Broco hat geschrieben:- Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit können Hand in Hand gehen
- vor Fundamentalismus sollte nie zurückgewichen werden, sonst wird er schlimmer
Du verstehst nicht, was er Dir erklären will ...

Stures Beharren auf einer bestimmten Linie und Auffassung mag zwar toll fürs eigene Selbstbewusstsein sein, sowas fördert aber den Extremismus in diesen Ländern, weil die Extremisten ganz einfach sagen können: "Schau her, so treten die Ungläubigen unseren Glauben mit Füßen! Sie reden von gegenseitigem Respekt, zeigen aber nicht, dass sie unsere Religion respektieren!".

Deswegen ist dieses "Kein Fingerbreit dem Extremismus nachgeben!" eine extreme und dumme Haltung, die NICHTS zur Entspannung beiträgt. Extremismus "bekämpft" man nicht mit ebenso sturem und unnachgiebigem Verhalten. Extremismus verschwindet aber allmählich durch gegenseitige Aufklärung und viel gegenseitiger Kommunikation.
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LP 90
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Re: Kommentar

Beitrag von LP 90 »

Kajetan hat geschrieben:
Broco hat geschrieben:- Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit können Hand in Hand gehen
- vor Fundamentalismus sollte nie zurückgewichen werden, sonst wird er schlimmer
Du verstehst nicht, was er Dir erklären will ...

Stures Beharren auf einer bestimmten Linie und Auffassung mag zwar toll fürs eigene Selbstbewusstsein sein, sowas fördert aber den Extremismus in diesen Ländern, weil die Extremisten ganz einfach sagen können: "Schau her, so treten die Ungläubigen unseren Glauben mit Füßen! Sie reden von gegenseitigem Respekt, zeigen aber nicht, dass sie unsere Religion respektieren!".

Deswegen ist dieses "Kein Fingerbreit dem Extremismus nachgeben!" eine extreme und dumme Haltung, die NICHTS zur Entspannung beiträgt. Extremismus "bekämpft" man nicht mit ebenso sturem und unnachgiebigem Verhalten. Extremismus verschwindet aber allmählich durch gegenseitige Aufklärung und viel gegenseitiger Kommunikation.
Dannn bleibt aber die Frage inwiewit man den Nachgeben soll bis der Rubikon überschritten ist?
imo ist meine Auffassung das eine Gesellschaft die allgemein auf Provokation mit Gewalt reagiert bzw. sich dazu ansacheln lässt nicht wirklich bereit zu kommunizieren.
Desweiteren könnte dann ja auch jede Hanswurst-gruppierung daher kommen und verlangen keine kritische Berichterstattung zu erhalten, weil sie sich provoziert fühlen. Auch in religiöseren Gefilden kannn Protest friedlich sein wie der Hinduismus zeigt.
Desweiteren ist Extremismus für mich vor allem eine Frage der Bildung
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Usul
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Re: Kommentar

Beitrag von Usul »

LP 90 hat geschrieben:Dannn bleibt aber die Frage inwiewit man den Nachgeben soll bis der Rubikon überschritten ist?
imo ist meine Auffassung das eine Gesellschaft die allgemein auf Provokation mit Gewalt reagiert bzw. sich dazu ansacheln lässt nicht wirklich bereit zu kommunizieren.
Desweiteren könnte dann ja auch jede Hanswurst-gruppierung daher kommen und verlangen keine kritische Berichterstattung zu erhalten, weil sie sich provoziert fühlen. Auch in religiöseren Gefilden kannn Protest friedlich sein wie der Hinduismus zeigt.
Desweiteren ist Extremismus für mich vor allem eine Frage der Bildung
Wenn es um kritische Berichterstattung geht, stellt sich aber wieder die Frage: Was will damit erreicht werden? Was erreicht man mit einer Karikatur, in der Mohammed eine Bombe im Turban trägt? Geht es einem wirklich darum, irgendetwas zu kritisieren und damit eine Besserung herbeizuführen? Oder will man einfach nur provozieren um der Provokation willen?

Ob man es mag oder nicht, es steht fest, daß man mit solch einer Karikatur die Anhänger des Islam höchstens vor den Kopf stößt. Also ist nichts Konstruktivistisches daran, man provoziert einfach, schürt weitere negative Energien. Wenn man nicht allzu naiv ist, weiß man ganz genau, daß man damit nichts weiter erreicht als noch weitere Unruhen. Und lustig ist die Karikatur auch nicht, meiner Meinung nach zumindest.

Nun sage ich nicht, daß man so etwas verbieten sollte... jeder soll machen, was er mag. Aber wir sollten um Himmels willen nicht so tun, als ob - exemplarisch genommen - eine Mohammedkarikatur ein Symbol der Freiheit und der Menschenrechte wäre... und ein Protest dagegen die gelebte Rückständigkeit. Im Übrigen waren die Proteste in großem Maße nicht gewalttätig, von einigen Ausnahmen abgesehen, die dann natürlich zurecht durch die Medien gehen.

Zusammengefaßt: Freiheit hin, Recht auf Meinungsäußerung her... eine Meinungsäußerung um der reinen Provokation willen ist meiner Meinung nach nicht OK. Und dann verstehe ich auch, wenn dagegen protestiert wird.

Der Islam ist hier übrigens nur ein Beispiel von vielen.
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Kajetan
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Beitrag von Kajetan »

LP 90 hat geschrieben:Dannn bleibt aber die Frage inwiewit man den Nachgeben soll bis der Rubikon überschritten ist?
Es geht hier nicht um Nachgeben, sondern um Nachdenken. Was erreiche ich durch eine Mohammed-Karikatur? Will ich einfach nur provozieren? Dann darf ich mich nicht beschweren, wenn sich irgendwo jemand angegriffen fühlt und ebenso austeilt.
imo ist meine Auffassung das eine Gesellschaft die allgemein auf Provokation mit Gewalt reagiert bzw. sich dazu ansacheln lässt nicht wirklich bereit zu kommunizieren.
Schön, wie Du einige wenige gewaltsame Aktionen von Extremisten gleich mit der ganzen Gesellschaft gleichsetzt.
Desweiteren ist Extremismus für mich vor allem eine Frage der Bildung
Dann sorge dafür, dass mehr Bildung verbreitet wird. Gegenseitiges Anstacheln und stures Beharren auf irgendwelchen Prinzipien, von denen man genau weiß, dass die Gegenseite damit tief getroffen wird ... das führt doch zu nix! Das ist nicht gebildet, das ist schlichtweg dumm!
marschmeyer
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Beitrag von marschmeyer »

Kajetan hat geschrieben: Schön, wie Du einige wenige gewaltsame Aktionen von Extremisten gleich mit der ganzen Gesellschaft gleichsetzt.
Möchtest du das südländische Naturell in Zweifel ziehen? Das könnte rein empirisch sehr schwer werden.
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Wigggenz
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Beitrag von Wigggenz »

Kajetan hat geschrieben:Extremismus verschwindet aber allmählich durch gegenseitige Aufklärung und viel gegenseitiger Kommunikation.
Diese idealistische Einstellung, die sich glaube ich mit dem Neo-Institutionalismus aus der int. Politik vergleichen lässt, halte ich ehrlich gesagt für utopisch.

Man kann nicht von außen Aufklärung und Verständnis bewirken, während extremistisch religiöse Mächtige von innen genau in die andere Richtung arbeiten.

Beispiel:
Ein finanziell schlecht gestellter, einfacher Arbeiter z.B. im Iran wird eher der ihm einen Lebenssinn gebenden Religion (und damit ihren mächtigen Vertretern, die vielleicht ganz gegen Aufklärung sind) folgen, anstatt irgendwelchen außenstehenden, westlichen Aufklärern, die an seinem Weltbild rütteln wollen.
Das ist auch völlig verständlich, zeigt aber die in meinen Augen unüberwindbare Schwierigkeit der Aufklärung.

Ich muss mich da leider wirklich Huntington zurechnen.
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Oldholo
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Beitrag von Oldholo »

Kajetan hat geschrieben: Du verstehst nicht, was er Dir erklären will ...
Danke, Kajetan. Das war in der Tat, was ich ausdrücken wollte. :)
Broco hat geschrieben: Oh, wenn jemand es als Teil seiner Religion ansieht, seine fremdgehende Ehefrau zu steinigen oder seine Tochter zu töten, weil sie unverheirateter Weise eine Beziehung führt, dann ist das also auch ok?
Selbstverständlich nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. Geschieht so etwas im Iran, in Libyen oder einem anderen Land, das völkerrechtlich nicht an eine grundlegend ähnliche Menschenrechtsauffassung gebunden ist, können wir das eben maximal verurteilen.
Broco hat geschrieben:In einer freien Gesellschaft darf es keine Tabus geben, was die Meinungsäußerung betrifft.
Doch, und die gibt es auch. Es gibt viele Rechte, die der Ansicht sind, dass das Hakenkreuz auch "nur" eine Meinungsäußerung wäre, und "freie Meinungsäußerung" wird auch immer wieder gern angeführt, wenn es um rohe Beleidigungen geht. Aber auch die Meinungsäußerung braucht Grenzen - gerade dann, wenn eine Meinung aufhört, lediglich Meinung zu sein, sondern einem anderem, destruktiveren Ziel folgt. Jeder Menschen darf jederzeit jede Meinung haben, die er will. Will er sie jedoch äußern, kennt auch dies aus guten Gründen Grenzen.
Broco hat geschrieben:Und der Zorn der Fundamentalisten wird nicht nur durch Schmähvidios oder Karikaturen erregt, sondern auch durch simplere Dinge, wie zum Beispiel einem harmlosen Satz in einer Videospieletextur.
Kaum. Um Dich daran zu erinnern: In diesem Falle (der CoD-Textur) hat der Youtuber lediglich erwähnt, dass ihn das stört. Keine Drohungen, keine Gewalt, nichts dergleichen. Er ist wahrscheinlich auch weder Fundamentalist noch Terrorist. Er hat lediglich von dem Recht Gebrauch gemacht, das Du selbst für schützenswert hältst; Freie Meinungsäußerung.
Ansonsten ist mir zu diesem Beispiel kein aggressiveres Verhalten bekannt.
Broco hat geschrieben:Artikel 5 des GG wird übrigens NICHT von der Religionsfreiheit eingeschränkt und kein Richter würde dir Recht geben, wenn du auf der Grundlage der Ehrverletzung argumentierst, denn damit würdest du auch Ehrenmorde rechtfertigen.
Jain. Du hast zwar Recht, indem Du sagst, dass Art. 5 nicht von der Religionsfreiheit eingeschränkt wird, durchaus aber von anderen, "höherwertigeren" Gesetzen und Abkommen. Es kommt auf den Einzelfall an.
Ehrenmorde indes sind ein untreffendes Beispiel, denn das beißt sich schließlich nicht mit Art. 5, sondern mit Art. 1 und 2 GG und dem staatlichen Gewaltmonopol. Vielleicht handelt es sich (in einem undefinierten Beispiel) um eine tatsächliche Ehrverletzung, aber dann wäre der Weg zur Genugtuung eben dennoch der Rechtsweg.
Broco hat geschrieben: Nein, natürlich bin ich dagegen, die Souveränität islamischer Staaten zu verletzen, aber ich bin genau so wenig bereit, die Souveränität westlicher Staaten verletzt zu sehen und genau das tun Fundamentalisten, wenn sie Botschaften aufgrund von solchen Dingen stürmen.
Streng genommen tun sie das nicht. Der Sonderstatus von Botschaften unterscheidet sich von Staat zu Staat, und gerade in "kritischen" Nationen ist er ziemlich unsicher. Aber diese Hollywood-Geschichte von "Staatsgebiet des jeweiligen Landes" ist nicht wirklich zutreffend.
Aber ich weiß natürlich, was Du meinst.
Broco hat geschrieben:Ich bin dagegen, dass sich Botschafter für die Aussagen und Bilder heimischer Künstler entschuldigen müssen.
Ich im Prinzip auch. Aber..nun ja. Ein Botschafter/Diplomat weiß, welche Gefahren sein Job mit sich bringt, und letztlich ist es eben auch irgendwie die Aufgabe eines Diplomaten, genau solche Fälle zu behandeln - auch dafür befinden sie sich ja schließlich überhaupt dort. Wird eine Botschaft dennoch von einem wütenden Mob überrannt, wo Diplomatie wohl sowieso kaum mehr Wirkung zeigt, ist das in meinen Augen hauptsächlich ein Versagen der Sicherheits- und Polizeikräfte vor Ort, aus welchem man entsprechende Konsequenzen für den Weiterbetrieb der Botschaft ziehen sollte, aber wir sollten das nicht als Argument gegen den respektvollen Umgang mit einer ganzen Religion heranziehen.
Broco hat geschrieben: Und andere Gesellschaften haben zu akzeptieren, dass wir damit lockerer umgehen als sie, genauso wie wir ihre Souveränität anerkennen und NICHT einmarschieren, wenn dort mal wieder eine Flagge verbrannt wird oder ein Mensch wegen Blasphemie gelyncht wird.
Aber hier marschiert doch auch niemand ein. Ich hab' jedenfalls noch von keiner Kriegserklärung gehört, Du etwa?
Es handelt sich nach wie vor lediglich um einzelne Gruppen. Das hier ist schließlich kein "Kalter Krieg der Ethik und des Glaubens", in welchem es darum ginge, als Sieger hervorzugehen, auch wenn PI-News und co das beinahe so darstellen. Es geht einfach nur um eine gesunde Portion Rücksicht und Respekt vor einer anderen Religion. Eine Portion, die von jedem aufgeklärten Menschen erwartet werden kann und auch sollte.


LP 90 hat geschrieben: Dannn bleibt aber die Frage inwiewit man den Nachgeben soll bis der Rubikon überschritten ist?
Vielleicht sollten wir überhaupt mal festlegen, aus welcher Perspektive wir eigentlich gerade schreiben.
Ich persönlich empfinde es nicht als Nachgeben, wenn ich bspw. eine Karikatur als Provokation bezeichne und nicht gutheiße. Nachgeben könnte nur der Zeichner (indem er nicht mehr zeichnet) oder der Gesetzgeber (wenn er es verbietet).
Ich bin ebenso wie Usul nicht der Meinung, dass alles, was als Angriff auf den Islam oder seine Anhänger empfunden werden könnte, verboten werden sollte, sofern es keine hetzerischen Ausmaße annimmt. Aber es nicht gutheißen, mögen oder unterstützen kann ich eben doch.
LP 90 hat geschrieben:imo ist meine Auffassung das eine Gesellschaft die allgemein auf Provokation mit Gewalt reagiert bzw. sich dazu ansacheln lässt nicht wirklich bereit zu kommunizieren.
Auch im Islam gibt es nicht nur Fundamentalisten. Was ist mit den gemäßigten Muslimen, die durch derartige Provokationen ebenfalls getroffen werden und infolge dessen überhaupt erst zu Fundamentalisten werden? Kollateralschäden?

Edit:
marschmeyer hat geschrieben:
Kajetan hat geschrieben: Schön, wie Du einige wenige gewaltsame Aktionen von Extremisten gleich mit der ganzen Gesellschaft gleichsetzt.
Möchtest du das südländische Naturell in Zweifel ziehen? Das könnte rein empirisch sehr schwer werden.
Was soll das denn bitte heißen?
Zuletzt geändert von Oldholo am 18.10.2012 15:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Sindri
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Re: Call of Duty: Modern Warfare 2: Karte "Favela" aus dem S

Beitrag von Sindri »

@oldholo
Habe mit großem Interesse deine Beiträge gelesen, auch von Kajetan und Usul.
Schön zu sehen, dass es noch Leute gibt, die sich wirklich mit Thema befassen und sich auch richtig informieren. Eine sehr interessante Diskussion :)

MfG
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5Finger
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Re: Kommentar

Beitrag von 5Finger »

Oldholo hat geschrieben:
LP 90 hat geschrieben:imo ist meine Auffassung das eine Gesellschaft die allgemein auf Provokation mit Gewalt reagiert bzw. sich dazu ansacheln lässt nicht wirklich bereit zu kommunizieren.
Auch im Islam gibt es nicht nur Fundamentalisten. Was ist mit den gemäßigten Muslimen, die durch derartige Provokationen ebenfalls getroffen werden und infolge dessen überhaupt erst zu Fundamentalisten werden? Kollateralschäden?
Das Pendel schlägt leider auch in beide Richtungen aus. Wenn sich zu sehr Entschuldigt, zu sehr auf die Befindlichkeiten der anderen Rücksicht genommen wird, riskiert man eine Radikalisierung in der eigenen Bevölkerung, da einige eben ihre Interessen und Befindlichkeiten nicht mehr geschützt / ernstgenommen sehen. Diese kann sich auch in einer gruppenbezogenen Menschenfeindlicheit äußern (aka Antisemitismus, Islamfeindlichkeit etc.). Dann wird die Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen noch größer und eine Integration noch schwieriger.
Das Ganze ist leider ein ziemlich Drahtseilakt in dem sich alle Partein bewegen sollten, damit es sich nicht über kurz oder lang in eine gänzlich falsche Richtung entwickelt.
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Kajetan
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Re: Kommentar

Beitrag von Kajetan »

Wigggenz hat geschrieben:Man kann nicht von außen Aufklärung und Verständnis bewirken, während extremistisch religiöse Mächtige von innen genau in die andere Richtung arbeiten.
Du sollst auch nicht von Außen wie der große, tolle Onkel auftreten, der mal zeigt, wo es richtig geht. Genau DAS, diese paternalistische Anspruchshaltung und Arroganz ist es ja, die man dem Westen immer wieder vorwirft.

Sowas muss anders ablaufen. Je mehr die Leute sich gegenseitig kennen, desto weniger finden Extremisten Zulauf, weil man ihre Lügen besser erkennen kann. Den größten Beitrag zur Europäischen Einigung haben daher auch nicht irgendwelche Sonntagsreden und wohlmeinenden Symposien gehabt, sondern gelebter Alltag. Städtepartnerschaften. Schüleraustausch. Urlaub. Da war der Franzos nicht mehr der Franzos, in den man stößt (frei nach diesem netten Propagandagedicht aus dem 1. WK), sondern der Jean und die Monique. Da wurden aus fremden Aussenseitern die Nachbarn.

Deswegen findest Du den größten Anteil an Anhängern der NPD in Gegenden, wo kaum Ausländer leben, während in der Großstadt, wo Du in der Strassenbahn in fünf Minuten gefühlt vierzig Sprachen hörst, der Anteil dieser Leute minimalst ist.

Und das meinte ich mit gegenseitiger Aufklärung und viel Kommunikation. Allmählich lernen, dass da drüben auch nur Menschen leben, die in Ruhe ihrem Tagwerk nachgehen wollen. Dass dies dauert und schwierig ist und ohne zumindest halbwegs offizielle Unterstützung noch schwieriger ist und noch länger dauert, keine Frage. Aber nur DAS führt langfristig und nachhaltig zum Abbau von Vorurteilen und entzieht Extremisten die Zustimmung.
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Wigggenz
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Beitrag von Wigggenz »

Kajetan hat geschrieben:
Wigggenz hat geschrieben:Man kann nicht von außen Aufklärung und Verständnis bewirken, während extremistisch religiöse Mächtige von innen genau in die andere Richtung arbeiten.
Du sollst auch nicht von Außen wie der große, tolle Onkel auftreten, der mal zeigt, wo es richtig geht. Genau DAS, diese paternalistische Anspruchshaltung und Arroganz ist es ja, die man dem Westen immer wieder vorwirft.

Sowas muss anders ablaufen. Je mehr die Leute sich gegenseitig kennen, desto weniger finden Extremisten Zulauf, weil man ihre Lügen besser erkennen kann. Den größten Beitrag zur Europäischen Einigung haben daher auch nicht irgendwelche Sonntagsreden und wohlmeinenden Symposien gehabt, sondern gelebter Alltag. Städtepartnerschaften. Schüleraustausch. Urlaub. Da war der Franzos nicht mehr der Franzos, in den man stößt (frei nach diesem netten Propagandagedicht aus dem 1. WK), sondern der Jean und die Monique. Da wurden aus fremden Aussenseitern die Nachbarn.
In sich richtig, schließlich leben auch die meisten Muslime hierzulande sehr gemäßigt (wenn auch noch nicht im wünschenswerten Maße).

Aber wie will man ein "Kennenlernen" zustande bekommen? Das ist logistisch doch überhaupt nicht möglich. Die Betroffenen leben in Nordafrika oder im nahen und mittleren Osten, wir leben in Europa, Nordamerika, etc. Man hat als Durchschnittsbürger nichts miteinander zu tun, kennt sich nur über Medien. Und die wirken da eher kontraproduktiv.

Davon abgesehen kannst du hier nicht Europa als Beispiel ins Feld führen. Europäer haben sich schließlich seit Jahrhunderten den gleichen Kulturkreis geteilt.

Wenn so grundverschiedene Kulturkreise aufeinandertreffen, ist es meiner Auffassung nach kaum möglich, ein weitreichendes gegenseitiges Verständnis irgendwie herbeizuführen, die verankerten Werte und Normen sitzen viel zu tief (denk dran: wir haben genau so wenig Verständnis für ihre Kultur wie sie für unsere).
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Beitrag von Usul »

Wigggenz hat geschrieben:In sich richtig, schließlich leben auch die meisten Muslime hierzulande sehr gemäßigt (wenn auch noch nicht im wünschenswerten Maße).
Was wäre denn das wünschenswerte Maß, wenn es nach dir ginge?
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Kajetan
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Beitrag von Kajetan »

Wigggenz hat geschrieben:Davon abgesehen kannst du hier nicht Europa als Beispiel ins Feld führen. Europäer haben sich schließlich seit Jahrhunderten den gleichen Kulturkreis geteilt.
Was sie nicht daran gehindert hat sich über Jahrhunderte hinweg mit Inbrunst gegenseitig den Schädel einzuschlagen.
Wenn so grundverschiedene Kulturkreise aufeinandertreffen, ist es meiner Auffassung nach kaum möglich, ein weitreichendes gegenseitiges Verständnis irgendwie herbeizuführen, die verankerten Werte und Normen sitzen viel zu tief (denk dran: wir haben genau so wenig Verständnis für ihre Kultur wie sie für unsere).
Natürlich ist das möglich. Durch gegenseitiges Kennenlernen und allmähliches Sich-aneinander-gewöhnen. Das heisst nicht, dass man sich gegenseitig ständig um den Hals fällt, sondern dass man zumindest friedlich nebeneinander her leben kann.

Schau Dir zB. das alte Jerusalem in der Zeit vor den Kreuzzügen an. Da haben Juden, Christen und Moslems friedlich zusammengelebt bis sie Opfer der üblich kurzsichtigen rein weltlich orientierten Machtpolitik von Päpsten und Sultanen geworden sind.

Wer behauptet, bestimmte Kulturkreise seien zu fremd, da würde es nie zu einer Verständigung kommen, der leidet entweder an einer ausgeprägten Paranoia oder teilt die Menschen absichtlich in klar getrennte Gruppen auf, um besser die eigenen Ziele verfolgen zu können.
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Beitrag von Wigggenz »

Usul hat geschrieben:
Wigggenz hat geschrieben:In sich richtig, schließlich leben auch die meisten Muslime hierzulande sehr gemäßigt (wenn auch noch nicht im wünschenswerten Maße).
Was wäre denn das wünschenswerte Maß, wenn es nach dir ginge?
Ein wünschenswertes Ergebnis wäre z.B.: Das Ausbleiben von kleinen und großen Parallelgesellschaften die sich teilweise bilden (in meiner Heimatstadt gibt es das nämlich), in denen westliche Werte und Normen und teilweise auch die Grundrechte völlig missachtet werden.
Kajetan hat geschrieben:Wer behauptet, bestimmte Kulturkreise seien zu fremd, da würde es nie zu einer Verständigung kommen, der leidet entweder an einer ausgeprägten Paranoia oder teilt die Menschen absichtlich in klar getrennte Gruppen auf, um besser die eigenen Ziele verfolgen zu können.
Ich zitiere dich mal:
"Durch gegenseitiges Kennenlernen und allmähliches Sich-aneinander-gewöhnen. Das heisst nicht, dass man sich gegenseitig ständig um den Hals fällt, sondern dass man zumindest friedlich nebeneinander her leben kann."
Und jetzt frage ich dich nochmal: wie soll dieses Kennenlernen vonstatten gehen, wenn man tausende von Kilometern auseinander lebt, und nur durch die Medien in Kontakt steht?

Du musst dir vorstellen, was es für eine Schwierigkeit für die sehr gläubigen, in den religiös geprägten Problemstaaten lebenden Muslime bedeutet, westliche Wertnormen, wie z.B. allgemeine Hanldungsfreiheit zu akzeptieren. Das ist in etwa so, als würde ich dir als Westler nahebringen wollen, dass Frauen sich fast vollständig verhüllen sollten, wenn sie aus dem Haus gehen. Auch das ist eine Wertnorm, nur bei uns nicht akzeptiert.
Könntest du dir vorstellen, auch nach jahrelangem friedlichem Zusammenleben mit z.B. aus Afghanistan stammenden Nachbarn, den Zwang zur Burka als legitim anzusehen?

Genau diese Art von Aufgabe stellt sich aber, wenn es darum geht, von allen Seiten von Extremisten beschallte Menschen zum Verständnis anzuregen.
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Beitrag von Kajetan »

Wigggenz hat geschrieben:Könntest du dir vorstellen, auch nach jahrelangem friedlichem Zusammenleben mit z.B. aus Afghanistan stammenden Nachbarn, den Zwang zur Burka als legitim anzusehen?
Ich könnte mich daran gewöhnen die Burka als ganz normales Kleidungsstück zu akzeptieren. Weil es nur ein Kleidungsstück ist. Ich kann akzeptieren, dass Frauen dort immer noch als Menschen zweiter Klasse gelten. Weil das dort so ist. Ich kann es nicht wegwünschen, nur weil es mir nicht gefällt. Ich würde Frauen aus diesem Kulturkreis unterstützen, die sich von diesen Vorstellungen befreien wollen. Der Wunsch nach Veränderung muss aber von innen kommen. Von aussen etwas aufzwingen, das geht nicht.

Deswegen ja, Kommunizieren und miteinander verkehren, dass so allmählich die Menschen lernen, wie es anderswo zugeht. So entsteht Ideenaustausch und kulturelle Befruchtung. Wer weiß, vielleicht würden viele Leute im Westen am Islam so einges total klasse finden, wenn sie ihn besser kennen würden?
Genau diese Art von Aufgabe stellt sich aber, wenn es darum geht, von allen Seiten von Extremisten beschallte Menschen zum Verständnis anzuregen.
Niemand hat gesagt, dass es einfach ist. Aber nicht damit zu beginnen, weil es schwer ist ...