Meinen folgenden Vorschlag für ein neues Wertungssystem habe ich der Redaktion zwar schon vor ein paar Monaten vorgestellt, aber da damals scheinbar keine Diskussion dazu gewünscht war, nutze ich die Kolumne, um es einfach nochmal zu versuchen (so 100%ig scheint 4Players ja doch nicht von ihrem Prozentsystem überzeugt zu sein

).
Ich bin zwar generell ebenfalls für die Beibehaltung einer Bewertung (schon allein aus dem Grund einer schnelleren Einordnung und weil man eben nicht soviel Zeit in seinem Leben hat um alle Tests komplett zu lesen, was ich aber bei interessanten Titel durchaus mache, wie zuletzt Dragon Age), allerdings ist eine auf den Prozent genaue Wertung bei einer subjektiven Einschätzung nicht exakt begründbar, wie hier schon mehrfach erwähnt wurde.
Ich wäre daher für die Einführung eines Systems wie bei der damaligen Videospielzeitschrift Next Level (der meiner Meinung nach besten Videospielzeitschrift ever), die ein Prozentsystem in 5er-Schritten hatte (d. h. 100%, 95%, 90% usw.). Letztendlich geht es ja darum, wieviele Möglichkeiten der Bewertung es gibt. Bei einer normalen Prozentwertung sind es 100 verschiedene Möglichkeiten, was definitiv zuviel sind. Bei einem Punktesystem von 1 bis 5 sind es 5 Möglichkeiten, was ich für zuwenig erachte. Minimum wäre für mich ein Punktesystem von 1 bis 10, um zumindest 10 verschiedene Möglichkeiten zu haben. Als Kompromiss zwischem diesem (etwa von Eurogamer verwendeten System) und dem Prozentsystem der meisten deutschen Spieleseiten besitzt das Prozentsystem in 5er-Schritten 20 verschiedene Möglichkeiten der Bewertung (bzw. 21 wenn man auch eine 0%-Wertung ermöglicht).
Ich halte dies für einen guten Kompromiss, der gleich mehrere Vorteile bietet. Einerseits hätte man weiterhin die von vielen geforderte Prozentwertung (wobei es natürlich auch als 10er-System in 0,5er-Schritten möglich ist, d. h. höchste Wertung eine 10, dann 9,5 usw., wie es etwa die neue Spieleseite GamersGlobal und verschiedene US-Seiten machen), andererseits würde die von vielen Prozent-Kritikern geschmähte Schein-Genauigkeit verhindert (oder zumindest deutlich vermindert) werden.
Weiterer Vorteil ist, dass es leichter ist, das Wertungsspektrum in seiner vollen Breite auszunutzen, da es eben nicht mehr soviele verschiedene Wertungen gibt und man bei Abstufungen zwischen Titeln eben "schneller" nach unten auf der Wertungsskala kommt. Aber auch nach oben lässt sich das Wertungsspektrum besser ausnutzen. So ist es bei 4Players ja quasi unmöglich über 95% zu kommen, geschweige denn die Höchstwertung von 100% zu erreichen und es ist nun mal unsinnig ein Prozentsystem zu verwenden, wo der höchste Wert im Prinzip nicht erreichbar ist.
Dieses Problem hatte Next Level nicht, da es immerhin 2 Titeln in der knapp 5-jährigen Geschichte der Zeitschrift 100% gegeben hat: Super Mario 64 und The Legend of Zelda: Ocarina of Time, die ja auch aus heutiger Sicht zu den besten Spielen aller Zeiten gerechnet werden und diese Wertung sicherlich verdient haben. D. h. die 100% war bei Next Level möglich aber auch nur extrem schwer zu erreichen, so wie es meiner Meinung nach sein sollte (Eurogamer.de gibt z. B. meiner Meinung nach zu schnell 10/10, wie aktuell etwa Dragon Age). Selbst der legendäre und aus heutiger Sicht immer noch beste Metal Gear Solid-Teil für die erste PlayStation bekam damals "nur" 95%, wobei die Redaktion da auch geschrieben hatte, dass eine 100% in der Diskussion war. Das ebenfalls legendäre GoldenEye 007 fürs N64 bekam damals sogar "nur" 90%

.
Next Level hatte das damals auch so begründet, dass 100% eben nicht perfekt bedeutet sondern ja auch einen gewissen Bereich unterhalb der 100% mit abdeckt (quasi bis 97,5%). Die 95%-Wertung würde dann quasi einen Bereich von 97,5% bis 92,5% abdecken, die 90%-Wertung einen Bereich von 92,5% bis 87,5% usw. D. h. man kann sich das auch so vorstellen, dass man die jetzigen 4Players-Wertungen auf ganze 5%-Prozent-Schritte auf- und abrundet, da es einfach subjektiv ist, wenn ein Titel der "etwa" 90% Wert ist für den einen vielleicht etwas über 90% Wert ist und für den anderen vielleicht etwas unter 90%, was aber durch die "90%-Wertung" ebenfalls mit abgedeckt ist.
Dadurch werden dann auch Diskussionen vermieden wie aktuell bei Forza 3, wo dann wieder gefragt wird, wie man denn genau auf die 88% gekommen ist und warum es nicht über 90% sind. Man würde dann einfach 90% geben und für den einen ist es nur eine knappe 90 oder etwas darunter und für den anderen eine gute 90 oder vielleicht etwas darüber und fertig.
Ausserdem hat Jörg im Thread zum Dragon Age-Test ja selber geschrieben, dass es bei der Bewertung zu Dragon Age auch in erster Linie darum ging ob der PC nun Platin bekommt oder nicht und ob die Konsolen-Fassung nun Gold bekommt oder nicht, d.h. letztendlich ging es auch da nur um die "magischen" Grenzen von 85% und 90%. Anstatt zu überlegen, ob man der Konsolen-Fassung nun 84 oder 85% gibt und der PC-Fassung nun 89 oder 90%, hätte man einfach auf 85% und 90% aufrunden können ohne lange zu überlegen. Zudem wurde ja auch schon hier im Thread bemängelt, dass alle immer nur schauen, ob es denn nun ein Gold-Award (oder Platin-Award) geworden ist und oftmals nur das Spiel kaufen, wenn es einen Award gibt. Daher würde ich einfach auf die Awards verzichten, dann müsste jeder Spieler individuell entscheiden, ob das 90%-Dragon Age für PC für ihn eher noch etwas unter 90 oder etwas über 90% war und das Konsolen Dragon Age eher etwas über 85 oder doch eher unter 85% war.
Ich weiss, dass von 4Players jetzt wahrscheinlich der Einwand kommt, dass man mit dem "genauen" Prozentsystem aber die Unterschiede zwischen den verschiedenen Versionen von Spielen auf unterschiedlichen Plattformen genauer abbilden kann, wenn beispielsweise eine Version auf einer Konsole 2% mehr bekommt als die auf einer anderen Konsole. Bei dem System mit 5er-Schritten ist es halt so, dass sich so etwas nur auf die Wertung auswirkt, wenn eine Version deutlich besser/schlechter ist und dann eben 5% mehr oder weniger bekommt. Wenn die Versionen sich qualitativ nur etwas unterscheiden muss man dann halt im Text schauen welche Version etwas besser ist und warum. Wenn aber eine Version 5% mehr bekommen hat sieht man sofort, dass diese eindeutig besser ist. Von daher sehe ich auch hier keinen wirklichen Nachteil hinsichtlich des Prozentsystems in 5er-Schritten.
Naja, damals hatte Mathias mir gesagt, dass ihr meinen Vorschlag im Hinterkopf behalten wollt, vielleicht kann Jörg ja mal schreiben was er davon hält, aber ich bin natürlich auch an der Meinung von anderen Usern interressiert, falls man meinen Beitrag denn verstehen konnte, ist ja auch schon spät... :wink: