yopparai hat geschrieben:Selbst für Ingenieure ist es nicht unbedingt sooo interessant. 3D-Drucker oder die gute alte Tonne Legosteine sind neben Papier, Schere und Klebstoff meiner Erfahrung nach immer noch die simpelsten Entwicklungswerkzeuge. Um einen optischen Eindruck von einem Gesamtsystem zu bekommen bevor es gebaut ist mag das sinnvoll sein. Aber das Interessiert den Ingenieur wenig, eher Architekten und Industriedesigner. Den Ingenieur interessieren Simulations- und Messdaten.
Der Ingenieur freut sich aber diebisch, wenn er Simulations- und Meßdaten direkt über das Modell legen und entsprechend auswählen kann. Gerade bei komplexen Bauteilen wie einem Motor oder einer "simplen" Achsaufhängung stößt die 2D-Darstellung an ihre Grenzen. Wenn man da mit Simulationsdaten kommt und eine vernünftige Analyse machen will, dauert selbst das Betrachten aller belasteten und beanspruchten Baugruppen eine ganze Weile, bis man sich Bild für Bild durch alle Ebenen geklickt hat und zu einer Entscheidung gekommen ist. Ein VR-Modell beschleunigt die Arbeit mit zig Tausenden (!) von Varianten und Simulationsläufen ganz erheblich.
Edit: Ich dokumentiere derzeit eine Spezialsoftware für PDM- und CAE-Daten. Die Darstellung aller nötigen Arbeitsabläufe, das UI stößt gerade an die Grenzen dessen, was mit einer 2D-Darstellung am Bildschirm möglich ist. 3D über Hologramme, AR oder eben VR ist da nur der nächste logische Schritt.
Genetiker oder Pharmakologen können komplexe Modelle von Wirkstoffen und Molekülketten besser visualisieren und sich entsprechend Gedanken darüber machen, wo hier welche Eiweiß-Gruppen zueinander passen könnten.
Und, und, und. VR in Bauwesen, Konstruktion und Wissenschaft ist ein phantastisches Werkzeug. Die Hologram-Sequenzen aus Iron Man, in denen Tony Stark so mal gschwind eben Bauteile durch die Gegend wirbeln lässt sind nur in Punkto Spracherkennung reinster Futurismus. Der Rest wird Wirklichkeit, weil man die Kunden (hier die Wissenschaftler, Ingenieure) nicht extra überzeugen muss. Die Vorteile, die sich hier für die tägliche Arbeit ergeben, sind offensichtlich.
Im Entertainment-Bereich ist das Unterhaltungsbedürfnis der Konsumenten aber bereits mehr als nur abgedeckt, es ist durch und durch mit Angeboten gesättigt. VR ist da kein alternativloses Must-Have, sondern nur ein weiteres Unterhaltungsmedium.