Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in keiner Verbindung zu sexistischem Verhalten

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Flat Eric
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Flat Eric »

rainji hat geschrieben: Nein, Anita sagt das der Sexismus in Videospielen auf die Spieler abfärbt und darum Videospiele zensiert werden sollten.
Ähm, nö, weder noch. Das sagt sie nicht, sonst bitte mal die Quelle nennen. Aber wenn man nur nachplappert, was diverse Hassprediger mit rotunterlaufenen Augen von sich sülzen...

Eigentlich hat sie damit auch keinen Grund, aufzuhören, wenn man sich die widerlichen Anfeindungen, Todesdrohnungen und Hassbotschaften überfliegt. Und dabei geht es doch nur um Videospiele... *seufz*

Zur Studie selbst kann ich nichts sagen: Mal wieder "Closed Access", Kostenpunkt $51. Ein Unding, diese aus steuergeldern finanzierte Forschung mal wieder vor der Öffentlichtkeit zu verschließen.

Deshalb nur auf die Wortfetzen im Venturebeat-Post:
"You might also say that, even though sexist content in games has little effect on players’ real-life attitudes and behavior, they also provide no reason to change preconceived sexist beliefs."
Das ist doch eher das Problem: Bestätigung für das, was man ohnehin aus dem Real-Life antizipiert. Wozu also was ändern?

Zeigt eher, dass Leute nicht mit Kritik umgehen können (oder wollen?) und getroffen fühlen.
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Sharkie
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Sharkie »

Flat Eric hat geschrieben:
rainji hat geschrieben: Nein, Anita sagt das der Sexismus in Videospielen auf die Spieler abfärbt und darum Videospiele zensiert werden sollten.
Ähm, nö, weder noch. Das sagt sie nicht, sonst bitte mal die Quelle nennen.
Danke, sowas wollte ich eigentlich auch schon schreiben, aber dann verließ mich ehrlich gesagt die Schreiblust, als ich mich an all die bisherigen Diskussionen zu diesem Thema erinnerte. Quijote und Windmühlen und so. Den Guardian-Artikel kannte ich noch nicht - er ist sehr gut und trifft den Nagel auf den Kopf.

Ob man Sarkeesian jetzt mag oder nicht bzw. ihre Arbeit gut oder schlecht findet steht auf einem anderen Blatt. Aber es entbehrt einfach komplett jeglicher Grundlage zu behaupten, sie unterstelle den Entwicklern der von ihr kritisierten Spiele Sexismus, oder auch Videospiele würden Sexismus unter Spielern fördern, oder gar dass solche Spiele zensiert/verboten gehören. Von all diesen Dingen distanziert sie sich sogar in so gut wie jedem Video explizit.

Das Problem ist nur: Es hilft herzlich wenig, Missverständnissen vorzubeugen, wenn Dein Gegenüber Dich missverstehen will. Warum viele ihrer "Kritiker" ihre tatsächlichen Standpunkte nicht wahrhaben wollen und ihr stattdessen solche verdrehten Aussagen unterschieben, weiß ich auch nicht. Quijote will gegen Windmühlen kämpfen, die Windmühlen aber lieber gegen Strohmänner. Da machste nix.
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Temeter 
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Temeter  »

Grabt ihr die alte Scholle jetzt etwa schon wieder aus?

Na, dann kann ich das gleich mal droppen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kultivationshypothese

Das hier ist die Theorie, die Anita predigt.
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HerrRosa
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von HerrRosa »

Sharkie hat geschrieben: Ob man Sarkeesian jetzt mag oder nicht bzw. ihre Arbeit gut oder schlecht findet steht auf einem anderen Blatt. Aber es entbehrt einfach komplett jeglicher Grundlage zu behaupten, sie unterstelle den Entwicklern der von ihr kritisierten Spiele Sexismus, oder auch Videospiele würden Sexismus unter Spielern fördern, oder gar dass solche Spiele zensiert/verboten gehören. Von all diesen Dingen distanziert sie sich sogar in so gut wie jedem Video explizit.
Doch genau das tut sie:
https://www.youtube.com/watch?v=4ZPSrwe ... .be&t=1755
Wobei sie sich immer auf Studien und Untersuchungen bezieht, diese jedoch nie verlinkt oder näher drauf eingeht. Zumal sie auch nie, wie bereits im Thread besprochen, konkret wird, ob sich diese Studien/Untersuchungen mit dem temporären oder persistenten Einfluss von Medien auf die Psyche beschäftigen.

Einen direkten Aufruf zum Boykott/Indizierung von sexistischen Videospielen kann ich ihr jedoch nicht vorwerfen.
Flat Eric hat geschrieben:
"You might also say that, even though sexist content in games has little effect on players’ real-life attitudes and behavior, they also provide no reason to change preconceived sexist beliefs."
Das ist doch eher das Problem: Bestätigung für das, was man ohnehin aus dem Real-Life antizipiert. Wozu also was ändern?

Zeigt eher, dass Leute nicht mit Kritik umgehen können (oder wollen?) und getroffen fühlen.
Schon intressant, wie du eine Äußerung, um den nicht belegbaren Effekt von Videospielen zur Entwicklung von sexistischen Tendenzen, sowohl in die positive als auch negative Richtung, in eine passive Bestätigung umwaldest.
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Sharkie
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Sharkie »

Temeter  hat geschrieben:Grabt ihr die alte Scholle jetzt etwa schon wieder aus?

Na, dann kann ich das gleich mal droppen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kultivationshypothese

Das hier ist die Theorie, die Anita predigt.
An welcher Stelle hat sie denn angegeben, diese spezifische Hypothese zu vetreten? Ich meine, natürlich kann man ihr ggf. auch eine Anhängerschaft dieser Denkschule unterstellen, wenn sie sich dieser nicht explizit anschließt - dann aber müsste man das schon anhand einer repräsentativen Auswahl konkreter Zitate Sarkeesians belegen und nicht einfach sagen "Kultivationshypothese! Das ist das, was Anita predigt.".

Aber selbst wenn - Der Kultivationseffekt sähe nach Sarkeesian eben nicht so aus, dass Spieler, die Spiele mit sexistischen Stereotypen spielen, dadurch zu Sexisten kultiviert würden. Sondern vielmehr, dass sie so kultiviert werden, dass sie das Vorhandensein dieser Stereotype als "normal" wahrnehmen (wozu man selbst aber kein Sexist sein muss). Das ist ja schon ein Unterschied.
MrPink hat geschrieben: Doch genau das tut sie:
https://www.youtube.com/watch?v=4ZPSrwe ... .be&t=1755
Wobei sie sich immer auf Studien und Untersuchungen bezieht, diese jedoch nie verlinkt oder näher drauf eingeht. Zumal sie auch nie, wie bereits im Thread besprochen, konkret wird, ob sich diese Studien/Untersuchungen mit dem temporären oder persistenten Einfluss von Medien auf die Psyche beschäftigen.
Yup, wenn man schon mit Studienergebnissen argumentiert, dann sollte man die entsprechenden Quellen auch konkret nennen - alles andere ist unsauber, keine Frage. Die entsprechenden Verweise findet man bei Sarkeesian nur über einen Umweg, sie sind hier (unter "Links & Resources") verlinkt, jedoch nicht auf der Youtube-Seite. Kann man transparenter machen.
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Lord Hesketh-Fortescue
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Sharkie hat geschrieben:
Temeter hat geschrieben:Grabt ihr die alte Scholle jetzt etwa schon wieder aus?

Na, dann kann ich das gleich mal droppen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kultivationshypothese

Das hier ist die Theorie, die Anita predigt.
An welcher Stelle hat sie denn angegeben, diese spezifische Hypothese zu vetreten? Ich meine, natürlich kann man ihr ggf. auch eine Anhängerschaft dieser Denkschule unterstellen, wenn sie sich dieser nicht explizit anschließt - dann aber müsste man das schon anhand einer repräsentativen Auswahl konkreter Zitate Sarkeesians belegen und nicht einfach sagen "Kultivationshypothese! Das ist das, was Anita predigt.".

Aber selbst wenn - Der Kultivationseffekt sähe nach Sarkeesian eben nicht so aus, dass Spieler, die Spiele mit sexistischen Stereotypen spielen, dadurch zu Sexisten kultiviert würden. Sondern vielmehr, dass sie so kultiviert werden, dass sie das Vorhandensein dieser Stereotype als "normal" wahrnehmen (wozu man selbst aber kein Sexist sein muss). Das ist ja schon ein Unterschied.
Ebent. Das würde ich auch sehr interessieren, ob sie dieser speziellen These nachweislich anhängt. Ich habe bei Weitem nicht alles von ihr gesehen oder gelesen, aber wenn sie nun ausgerechnet besagte Kultivierungsthese als ihre erste Referenz nennt, täte mich das doch sehr wundern.

Das greift meiner Meinung nach viel zu kurz, um Sarkeesians Ansatz zu beschreiben, ist allenfalls punktueller Teil davon. Es scheint in jeder Faser ihrer Arbeit durch, dass sie auf Seiten der Dekonstruktivisten und Poststrukturalisten steht. Das ist aber etwas ganz anderes als die experimentelle Sozialforschung von Gerbner. Schon die Grundannahme, es gäbe eine parallele Medienwelt, die die tatsächliche, wahre Welt bei den Vielsehern messbar (gegenüber der „klar“ sehenden Kontrollgruppe) verfälscht, müsste aus Sicht der Dekonstruktion starke Bauchschmerzen verursachen. Ihnen ist vielmehr an der (historisch sukzessive gewachsenen) Genese und den tieferen systemischen Ursachen gelegen, vor denen grundsätzlich niemand, der nicht unter einem Stein lebt, unbeeinflusst ist. Um es mal krass runterzubrechen. Für mich zwei Paar Schuhe. Bzw. verschwindet da Gerbner als kleines Puzzleteil unter hunderten, wird quasi geschluckt.
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Sharkie
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Sharkie »

@Lord:

Du bringst es auf den Punkt. Schwierig an dieser ganzen "Medienwelt vs. reale Welt"-Geschichte ist ja schon, dass sie impliziert, eine "reale Welt" sei in irgendeiner Weise objektiv bestimmbar und klar abgrenzbar gegenüber einer "medialen Trugwelt". Ich meine, wie soll das gehen?
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HerrRosa
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von HerrRosa »

Sharkie hat geschrieben: Aber selbst wenn - Der Kultivationseffekt sähe nach Sarkeesian eben nicht so aus, dass Spieler, die Spiele mit sexistischen Stereotypen spielen, dadurch zu Sexisten kultiviert würden. Sondern vielmehr, dass sie so kultiviert werden, dass sie das Vorhandensein dieser Stereotype als "normal" wahrnehmen (wozu man selbst aber kein Sexist sein muss). Das ist ja schon ein Unterschied.
In dem von mir verlinkten Video gibt sie schon was anderes von sich.
Sharkie hat geschrieben: Yup, wenn man schon mit Studienergebnissen argumentiert, dann sollte man die entsprechenden Quellen auch konkret nennen - alles andere ist unsauber, keine Frage. Die entsprechenden Verweise findet man bei Sarkeesian nur über einen Umweg, sie sind hier (unter "Links & Resources") verlinkt, jedoch nicht auf der Youtube-Seite. Kann man transparenter machen.
Ehrlich gesagt meinte ich gar nicht youtube, die beiden Studien, die sie auf ihrer Hompage aufgeführt hat, waren mir schon bekannt und eine hab ich in diesem Thread sogar schon erwähnt.
Jedoch sagen beide Studien etwas vollkommen anderes aus, als sie von sich gibt, wodurch ich annahm sie bezieht sich auf andere Studien, welche sie schlicht nicht verlinkt hat.
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Sharkie
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Sharkie »

Die Studie, auf die sie sich in dem von Dir verlinkten Ausschnitt bezieht, ist anscheinend diese hier. Mangels freiem Zugriff kann ich jetzt natürlich nicht anhand der Primärquelle belegen, inwieweit die Studienergebnisse von Sarkeesian korrekt wiedergegeben werden. Immerhin verlinkt sie auch auf diesen Artikel aus einem populärwissenschaftlichen Magazin für Psychologie zum Thema "Spillover-Effect", in dem die Studie ebenfalls Erwähnung findet, und in welchem deren Aussage ziemlich exakt so wiedergegeben wird, wie Sarkeesian es auch tut:
Spoiler
Show
Psychology Today hat geschrieben:In terms of the second question - "do sexualized images of women impact how other women are perceived?" - the answer is again a resounding "yes," at least for men. Specifically, in one study researchers randomly assigned men to view sexualized or nuetral images of women. They were then told that they would have to rate the female experimenter for a task unrelated to the images. When the men had just viewed sexualized images of different women, they rated the experimenter, even though she was modestly dressed, as less competent and intelligent.
Heißt natürlich alles nicht, dass man sich dem anschließen müsste (nur dass wir uns da nicht falsch verstehen - zumal es ja nun auch das hier diskutierte Studienergebnis gibt, welches die gegenteilige Position bestärkt), aber dieses Studienergebnis scheint durchaus so vorzuliegen, wie Sarkeesian es behauptet.
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HerrRosa
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von HerrRosa »

Ich hab beide Studien gelesen und ihre Konklussion ist völlig an den Haaren herbeigezogen.
Selbst der populärwissenschaftliche Artikel hats größtenteils richtig dargestellt.

Zur Verdeutlichung:
When the men had just viewed sexualized images of different women, they rated the experimenter, even though she was modestly dressed, as less competent and intelligent.
Das waren, im Gegensatz zur Kölnerstudie, kurzzeit Reaktionen, wie sie bei jeder Tätigkeit des Menschen auftreten. Mach solch einen Test mit Autofahrern und du stellst fest, dass diese, während und kurz nach der Fahrt, ein erhöhtes Aggressionpotential aufweisen.
Daraus eine unbestreitbare Langzeitbeeinflussung zu stricken und noch gloreich mit "the more you think you can not be effected, the more likely you are to be effected" zu krönen geht komplett an den Untersuchungen vorbei.

Um es zu betonen, ich will Sarkisian nicht vorwerfen unwissenschaftlich oder gemäß ihrer Ideologie zu handeln, speziell da ich diesen Anspruch nie von ihr vernommen habe.
Gut, sie hat vorgeschlagen ihre Videos als Lehrmaterial in Schulen und Hochschulen zu verwenden, aber da seh ich die Verantwortung bei den beiden Letzteren, sollte es soweit kommen.
Mir ging es nur darum zu zeigen, dass manche der Vorwürfe gegen sie, im Lichte ihrer Videos, angemessen sind.
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Wigggenz
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Wigggenz »

Sharkie hat geschrieben:Aber es entbehrt einfach komplett jeglicher Grundlage zu behaupten, sie unterstelle den Entwicklern der von ihr kritisierten Spiele Sexismus
Ein Werk sexistisch zu nennen heißt den Urheber sexistisch zu nennen.
AtzenMiro
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von AtzenMiro »

Sharkie hat geschrieben:
Flat Eric hat geschrieben:
rainji hat geschrieben: Nein, Anita sagt das der Sexismus in Videospielen auf die Spieler abfärbt und darum Videospiele zensiert werden sollten.
Ähm, nö, weder noch. Das sagt sie nicht, sonst bitte mal die Quelle nennen.
Danke, sowas wollte ich eigentlich auch schon schreiben, aber dann verließ mich ehrlich gesagt die Schreiblust, als ich mich an all die bisherigen Diskussionen zu diesem Thema erinnerte. Quijote und Windmühlen und so. Den Guardian-Artikel kannte ich noch nicht - er ist sehr gut und trifft den Nagel auf den Kopf.

Ob man Sarkeesian jetzt mag oder nicht bzw. ihre Arbeit gut oder schlecht findet steht auf einem anderen Blatt. Aber es entbehrt einfach komplett jeglicher Grundlage zu behaupten, sie unterstelle den Entwicklern der von ihr kritisierten Spiele Sexismus, oder auch Videospiele würden Sexismus unter Spielern fördern, oder gar dass solche Spiele zensiert/verboten gehören. Von all diesen Dingen distanziert sie sich sogar in so gut wie jedem Video explizit.

Das Problem ist nur: Es hilft herzlich wenig, Missverständnissen vorzubeugen, wenn Dein Gegenüber Dich missverstehen will. Warum viele ihrer "Kritiker" ihre tatsächlichen Standpunkte nicht wahrhaben wollen und ihr stattdessen solche verdrehten Aussagen unterschieben, weiß ich auch nicht. Quijote will gegen Windmühlen kämpfen, die Windmühlen aber lieber gegen Strohmänner. Da machste nix.
Bitte was? Der angeblich so relativierende Quote bestätigt das doch nur. Denn im Umkehrschluss sagt diese Art von Argumentation doch genau das aus, was ihr vorgeworfen wird.

Ich habe ja eher den Eindruck, dass viele Leute, dich eingeschlossen, ihre Aussage immer wieder versuchen zu relativieren. So rum wird ein Schuh raus.
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Sharkie
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Sharkie »

MrPink hat geschrieben:Das waren, im Gegensatz zur Kölnerstudie, kurzzeit Reaktionen, wie sie bei jeder Tätigkeit des Menschen auftreten. Mach solch einen Test mit Autofahrern und du stellst fest, dass diese, während und kurz nach der Fahrt, ein erhöhtes Aggressionpotential aufweisen.
Daraus eine unbestreitbare Langzeitbeeinflussung zu stricken und noch gloreich mit "the more you think you can not be effected, the more likely you are to be effected" zu krönen geht komplett an den Untersuchungen vorbei.

Um es zu betonen, ich will Sarkisian nicht vorwerfen unwissenschaftlich oder gemäß ihrer Ideologie zu handeln, speziell da ich diesen Anspruch nie von ihr vernommen habe.
Gut, sie hat vorgeschlagen ihre Videos als Lehrmaterial in Schulen und Hochschulen zu verwenden, aber da seh ich die Verantwortung bei den beiden Letzteren, sollte es soweit kommen.
Mir ging es nur darum zu zeigen, dass manche der Vorwürfe gegen sie, im Lichte ihrer Videos, angemessen sind.
Die Differenzierung zwischen Kurzzeit- und Langzeitfolgen wäre in der Tat angebracht, bzw. sollte nicht mal eben so unter den Tisch fallengelassen werden. Das ist ja (im Gegensatz zum von Dir nicht vertretenen Zensurvorwurf oder auch von der beliebten Unterstellung, Sarkeesian hetze gegen Spieler) auch eine absolut sachbezogene und nachvollziehbare Kritik - insofern muss ich meine ursprüngliche Aussage, sie unterstelle nicht, dass Videospiele Sexismus fördern, definitiv abmildern. Allerdings betont sie gleichzeitig, dass sie niemandem unterstellt, ein Sexist zu sein; weder den Machern, noch den Spielern der von ihr kritisierten Spiele. Der Sexismusvorwurf richtet sich gegen Kulturprodukte, nicht gegen Personen.
Wigggenz hat geschrieben:Ein Werk sexistisch zu nennen heißt den Urheber sexistisch zu nennen.
Nein - vorausgesetzt, man geht davon aus, dass ein Werk auch Aussagen implizieren kann, die der Urheber eben nicht bewusst eingebaut hat. Wigggenz, exakt das Thema hatten wir doch schon x-mal in diesem Zusammenhang. Du bist der Meinung, dass es keine von einer Autorenintention differenzierbaren Werkaussagen gibt (oder dass diese ein willkürlich auslegbares Konstrukt wären), ich eben schon.

Wir werden uns da nicht einig werden, unsere Standpunkte sind da zu grundverschieden. Ist ja auch nicht weiter schlimm. Und bitte nicht falsch verstehen, ich diskutiere gerne mit Dir, nur bei diesem Thema haben wir glaube ich beide unser argumentatives Pulver bereits verschossen, da wird weder von meiner noch von Deiner Seite aus noch viel bei herumkommen.
AtzenMiro hat geschrieben: Bitte was? Der angeblich so relativierende Quote bestätigt das doch nur. Denn im Umkehrschluss sagt diese Art von Argumentation doch genau das aus, was ihr vorgeworfen wird.

Ich habe ja eher den Eindruck, dass viele Leute, dich eingeschlossen, ihre Aussage immer wieder versuchen zu relativieren. So rum wird ein Schuh raus.
Ich verstehe ehrlich gesagt Deine Aussage nicht. Was bestätigt welcher Quote? Worin besteht der Umkehrschluss, welche "Art von Argumentation" meinst Du? Welche Aussage versuche ich zu relativieren?
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3nfant 7errible
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von 3nfant 7errible »

Sharkie hat geschrieben:
Flat Eric hat geschrieben:
rainji hat geschrieben: Nein, Anita sagt das der Sexismus in Videospielen auf die Spieler abfärbt und darum Videospiele zensiert werden sollten.
Ähm, nö, weder noch. Das sagt sie nicht, sonst bitte mal die Quelle nennen.
Danke, sowas wollte ich eigentlich auch schon schreiben, aber dann verließ mich ehrlich gesagt die Schreiblust, als ich mich an all die bisherigen Diskussionen zu diesem Thema erinnerte. Quijote und Windmühlen und so. Den Guardian-Artikel kannte ich noch nicht - er ist sehr gut und trifft den Nagel auf den Kopf.

Ob man Sarkeesian jetzt mag oder nicht bzw. ihre Arbeit gut oder schlecht findet steht auf einem anderen Blatt. Aber es entbehrt einfach komplett jeglicher Grundlage zu behaupten, sie unterstelle den Entwicklern der von ihr kritisierten Spiele Sexismus, oder auch Videospiele würden Sexismus unter Spielern fördern, oder gar dass solche Spiele zensiert/verboten gehören. Von all diesen Dingen distanziert sie sich sogar in so gut wie jedem Video explizit.
Immer noch dieses Märchen, sie würde nichts zensieren oder verbannen, wenn sie nur die Macht dazu hätte?

Sie hat es abgefeiert als die australische Handelskette Target GTA aus dem Sortiment verbannt hat, sie hat es abgefeiert als Hatred für einen Tag von Steam verbannt wurde, und fand es dann voll blöd als Newell es wieder zurückgeholt hat.
Aber sie selbst würde nie etwas verbannen oder zensieren, noooooooiiiiiiin. Natürlich nicht :Blauesauge:
Sie findet es nur super-klasse, wenn dann doch etwas verbannt wird und sie tut ja nur alles mögliche, um Leute davon zu überzeugen, es zu verbannen bzw dass bestimmte Spiele verbannt gehören. Dabei ist ihr auch jedes Mittel recht, von Manipulationen bis ganz klaren Lügen.

Ich frag mich ja immer, welche Entschuldigungen sich hier so manch einer irgendwo rausziehen würde, wenn wir uns alle mal in einem kleinen Kreis treffen und die von ihr kritisierten Spiele gemeinsam von Anfang bis Ende durchspielen würden. Da gäbe es dann nämlich keine Ausflüchte mehr.

Es wird hier schlicht der Umstand ausgenutzt, dass Spiele zB keine Kurzgeschichten sind, wo man den Text mal eben jedem zukommen und überprüfen lassen könnte. Da könnte sie dann nämlich nicht mal eben komplette Sätze umschreiben, ohne dass es jemand, der die Originalfassung besitzt, bemerken würde.

Und bezüglich einer Wirkung von angeblich sexistischen Inhalten... ich weiss nicht wie man es noch wesentlich expliziter ausdrücken könnte:
So whereas in traditional media, viewers might see representations of women being used or exploited, gaming offers players the unique opportunity to use or exploit female bodies themselves. This forces gamers to become complicit with developers in making sexual objectification a participatory activity.

So why does any of this matter? What’s the real harm in sexually objectifying women? Well, the negative impacts of sexual objectification have been studied extensively over the years and the effects on people of all genders are quite clear and very serious. Research has consistently found that exposure to these types of images negatively impacts perceptions and beliefs about real world women and reinforces harmful myths about sexual violence.

We know that women tend to internalize these types of images and self-objectify. When women begin to think of themselves as objects, and treat themselves accordingly, it results in all kinds of social issues, everything from eating disorders to clinical depression, from body shame to habitual body monitoring. We also see distinct decreases in self-worth, life satisfaction and cognitive functioning.

But the negative effects on men are just as alarming, albeit in slightly different ways. Studies have found, for example, that after having viewed sexually objectified female bodies, men in particular tend to view women as less intelligent, less competent and disturbingly express less concern for their physical well being or safety. Furthermore this perception is not limited only to sexualized women; in what’s called the “Spill Over Effect”, these sexist attitudes carry over to perceptions of all women, as a group, regardless of their attire, activities or professions.

Researchers have also found that after long-term exposure to hyper-sexualized images, people of all genders tend to be more tolerant of the sexual harassment of women and more readily accept rape myths, including the belief that sexually assaulted women were asking for it, deserved it or are the ones to blame for being victimized.

In other words, viewing media that frames women as objects or sexual playthings, profoundly impacts how real life women are perceived and treated in the world around us. And that is all without even taking into account how video games allow for the more participatory form of objectification that we’ve been discussing in this episode.

Compounding the problem is the widespread belief that, despite all the evidence, exposure to media has no real world impact. While it may be comforting to think we all have a personal force field protecting us from outside influences, this is simply not the case. Scholars sometimes refer to this type of denial as the “third person effect”, which is the tendency for people to believe that they are personally immune to media’s effects even if others may be influenced or manipulated. Paradoxically and somewhat ironically, those who most strongly believe that media is just harmless entertainment are also the ones most likely to uncritically internalize harmful media messages.

In short, the more you think you cannot be affected, the more likely you are to be affected.
Sie unterstellt damit auch praktisch sowohl den Entwicklern, als auch den Spielern, die ihr nicht blind zustimmen, zumindest einen unterbewussten Sexismus.
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Sharkie
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Re: Studie aus Deutschland: Sexistische Inhalte stehen in ke

Beitrag von Sharkie »

Scipione hat geschrieben: Immer noch dieses Märchen, sie würde nichts zensieren oder verbannen, wenn sie nur die Macht dazu hätte?

Sie hat es abgefeiert als die australische Handelskette Target GTA aus dem Sortiment verbannt hat, sie hat es abgefeiert als Hatred für einen Tag von Steam verbannt wurde, und fand es dann voll blöd als Newell es wieder zurückgeholt hat.
Aber sie selbst würde nie etwas verbannen oder zensieren, noooooooiiiiiiin. Natürlich nicht :Blauesauge:
Sie findet es nur super-klasse, wenn dann doch etwas verbannt wird und sie tut ja nur alles mögliche, um Leute davon zu überzeugen, es zu verbannen bzw dass bestimmte Spiele verbannt gehören. Dabei ist ihr auch jedes Mittel recht, von Manipulationen bis ganz klaren Lügen.
Sie würde bestimmt auch zensieren, wenn sie nur die Macht dazu hätte? Das ist doch komplett spekulativ. Ja, was wäre wohl, wenn dies und das der Fall wäre...? Im Konjunktiv kann man sich alle möglichen Szenarien zusammenfabulieren und natürlich den Ausgang dieser Fiktion schwuppdiwupps gleich mitbestimmen. Dieses Hätte-Wäre-Würde-Könnte ist für eine sachliche Diskussion vollkommen wertlos. Fakt ist mal, dass Sarkeesian keine Verbote oder gar Zensur aufgrund von (tatsächlichem oder vermeintlichem) Sexismus fordert. Falls ich mich darin irre - zeig' mir die Stelle, an der sie das tut, im O-Ton bitte.

Und wo hat sie denn gesagt, dass sie es gut findet wenn GTA von dieser Handelskette nicht verkauft wird (mal ganz abgesehen davon, dass das trotzdem keine Zensurbefürwortung wäre, denn ein Privatunternehmen darf sich aus völlig beliebigen Gründen entscheiden Dinge zu verkaufen oder eben nicht)? Also ich habe mal eben "Sarkeesian GTA Australia Target" gegoogelt und nichts dergleichen gefunden. Es scheint zwar so, dass sich der CEO von Target bei der Begründung seiner Entscheidung auf die angebliche Frauenfeindlichkeit von GTA beruft. Aber selbst wenn Sarkeesian die Einschätzung, dass GTA frauenfeindlich ist, mit dem CEO teilt (was ich z.B., nur nebenbei bemerkt, nicht tue), dann trägt sie ja wohl trotzdem herzlich wenig Schuld daran, wenn dieser CEO daraus die Schlussfolgerung ableitet "GTA sollte man besser nicht verkaufen". Kann sie doch nix für.
Scipione hat geschrieben: Und bezüglich einer Wirkung von angeblich sexistischen Inhalten... ich weiss nicht wie man es noch wesentlich expliziter ausdrücken könnte:
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So whereas in traditional media, viewers might see representations of women being used or exploited, gaming offers players the unique opportunity to use or exploit female bodies themselves. This forces gamers to become complicit with developers in making sexual objectification a participatory activity.

So why does any of this matter? What’s the real harm in sexually objectifying women? Well, the negative impacts of sexual objectification have been studied extensively over the years and the effects on people of all genders are quite clear and very serious. Research has consistently found that exposure to these types of images negatively impacts perceptions and beliefs about real world women and reinforces harmful myths about sexual violence.

We know that women tend to internalize these types of images and self-objectify. When women begin to think of themselves as objects, and treat themselves accordingly, it results in all kinds of social issues, everything from eating disorders to clinical depression, from body shame to habitual body monitoring. We also see distinct decreases in self-worth, life satisfaction and cognitive functioning.

But the negative effects on men are just as alarming, albeit in slightly different ways. Studies have found, for example, that after having viewed sexually objectified female bodies, men in particular tend to view women as less intelligent, less competent and disturbingly express less concern for their physical well being or safety. Furthermore this perception is not limited only to sexualized women; in what’s called the “Spill Over Effect”, these sexist attitudes carry over to perceptions of all women, as a group, regardless of their attire, activities or professions.

Researchers have also found that after long-term exposure to hyper-sexualized images, people of all genders tend to be more tolerant of the sexual harassment of women and more readily accept rape myths, including the belief that sexually assaulted women were asking for it, deserved it or are the ones to blame for being victimized.

In other words, viewing media that frames women as objects or sexual playthings, profoundly impacts how real life women are perceived and treated in the world around us. And that is all without even taking into account how video games allow for the more participatory form of objectification that we’ve been discussing in this episode.

Compounding the problem is the widespread belief that, despite all the evidence, exposure to media has no real world impact. While it may be comforting to think we all have a personal force field protecting us from outside influences, this is simply not the case. Scholars sometimes refer to this type of denial as the “third person effect”, which is the tendency for people to believe that they are personally immune to media’s effects even if others may be influenced or manipulated. Paradoxically and somewhat ironically, those who most strongly believe that media is just harmless entertainment are also the ones most likely to uncritically internalize harmful media messages.

In short, the more you think you cannot be affected, the more likely you are to be affected.
Sie unterstellt damit auch praktisch sowohl den Entwicklern, als auch den Spielern, die ihr nicht blind zustimmen, zumindest einen unterbewussten Sexismus.
Nicht unterbewusst (der Begriff ist viel zu psychoanalytisch, d.h. ebenfalls spekulativ), sondern unreflektiert bzw. fahrlässig. Und nein, die fahrlässige Reproduktion sexistischer Tropes macht den Urheber der Fiktion nicht zum Sexisten - so ähnlich, wie es immer noch zig Leute gibt, die z.B. unreflektiert "Neger" sagen, aber trotzdem keine Rassisten sind (was sie selbstredend nicht vor Kritik für ebendieses Verhalten schützt, denn ein Mindestmaß an Reflexion kann man von einem erwachsenen Menschen wohl erwarten). Nochmal: Sie sagt, dass Spiele teils sexistisch sind, nicht dass Personen sexistisch sind.