Blizzard und die Sache mit Hongkong

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LePie
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Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von LePie » 08.10.2019 14:56

Es geht um einen aus Hongkong stammenden Teilnehmer am Hearthstone Grand Masters Turnier in Taiwan. Nach seinem Sieg fügte er ein "Freiheit für Hongkong" an, was einiges an Trubel auslöste:




Blizz scheint derweil alle Hände voll mit Schadensbegrenzung zu tun zu haben, um Winnie the Pooh zu besänftigen und den lukrativen chinesischen Absatzmarkt nicht in Gefahr zu bringen.

Der Clip, um den es übrigens geht (zumindest bis Blizz diesen wieder löschen lässt):
Zuletzt geändert von LePie am 08.10.2019 16:42, insgesamt 1-mal geändert.
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monotony
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von monotony » 08.10.2019 16:09

Warum ist das noch keine News hier auf 4players?

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ChrisJumper
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von ChrisJumper » 08.10.2019 17:53

Politik-News ;)
Zudem hat es ja eher weniger mit Blizzard oder dem Spiel an und für sich zu tun sondern mehr mit "Shitstorm-Management" im Zeiten von Sozialen Netzwerken.

So nebenbei wie viele andere Influencer kennst du die sich für oder gegen etwas einsetzen, die auch Werbung für Videospiele machen und sollten wir da jetzt auch immer eine News für haben?

So ganz nebenbei wie viele News aus Taiwan und Südkorea und China verfolgt ihr denn so täglich, also Abseits von Social Media?

Ich meine das Fass, welches man da aufmacht ist halt groß. Wer dazu was schreiben will, kann das ja auch direkt bei FB, Twitter oder Alphabet machen...

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LePie
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von LePie » 08.10.2019 19:16

Ich verstehe nicht, worauf du hinaus willst, denn um Influencer oder derlei geht's hierbei nicht, und Gepolter in sozialen Netzwerken ist für einen Branchenriesen wie Activision Blizzard auch eher irrelevant.

Ganz und gar nicht irrelevant ist jedoch eine chinesische Geschäftslizenz bzw. der Verlust dieser.
Erinnert sich noch jemand an das taiwanesische Horrorspiel 'Devotion'? Wegen eines (versteckten) Winnie Pooh Gags darin kamen Entwickler und Publisher in China in Bedrängnis, und kürzlich wurd dem Publisher 'Indievent' sogar die Geschäftslizenz für den chinesischen Markt komplett entzogen, was einem Bankrott gleichkommt:
https://www.derstandard.de/story/200010 ... ntwicklers

Ich mutmaße deshalb, dass Blizzard Taiwan u.a. deswegen einen so harten Kurs fährt. Einen Verlust der Zulassung können die sich angesichts von Abermillionen chinesischen WoW- und Hearthstone-Spielern nicht leisten.
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Bachstail
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von Bachstail » 08.10.2019 19:33

ChrisJumper hat geschrieben:
08.10.2019 17:53
Politik-News ;)
Menschenrechte sind in meinen Augen nichts politisches, sondern ein Grundrecht für jeden Menschen.

Die Gefahr ist eher, dass ein solcher Thread abdriften könnte und in diesem Fall auch definitiv würde.
LePie hat geschrieben:
08.10.2019 19:16
Ich mutmaße deshalb, dass Blizzard Taiwan u.a. deswegen einen so harten Kurs fährt. Einen Verlust der Zulassung können die sich angesichts von Abermillionen chinesischen WoW- und Hearthstone-Spielern nicht leisten.
Das ist leider die Krux.

Schaue ich lieber auf mein Geld oder setze ich mich für Grundrechte ein ?

Blizzard tat ersteres und hat besagten Spieler gesperrt und einen der beiden Kommentatoren gefeuert, wofür sich Blizzard derzeit in meinen Augen zu Recht eine mediale Klatsche einfängt.

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Aurellian
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von Aurellian » 08.10.2019 19:59

So, wie das klingt, wäre eine mediale Klatsche in der Tat verdient, nur wird sie nichts bringen. Leider ist es inzwischen ja schon praktisch die Regel, dass die VR China ihre spezielleren Standpunkte entweder durch direkten Druck oder durch vorauseilende Selbstzensur auf der ganzen Welt durchdrückt.
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von sabienchen » 08.10.2019 20:05

Zumindest handelt es sich hier nicht um Zensur!

..^.^''
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Usul
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von Usul » 08.10.2019 20:11

ChrisJumper hat geschrieben:
08.10.2019 17:53
Wer dazu was schreiben will, kann das ja auch direkt bei FB, Twitter oder Alphabet machen...
Da man das zu allem sagen kann, was hier besprochen wird, halte ich den Einwand für nichtig.

Zum Thema:
Finde ich einfach erbärmlich - zwar verständlich, weil es um ne Menge Geld geht, aber dennoch erbärmlich.

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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von ChrisJumper » 08.10.2019 21:10

LePie hat geschrieben:
08.10.2019 19:16
Ich verstehe nicht, worauf du hinaus willst, denn um Influencer oder derlei geht's hierbei nicht, und Gepolter in sozialen Netzwerken ist für einen Branchenriesen wie Activision Blizzard auch eher irrelevant.

Ganz und gar nicht irrelevant ist jedoch eine chinesische Geschäftslizenz bzw. der Verlust dieser.
Erinnert sich noch jemand an das taiwanesische Horrorspiel 'Devotion'? Wegen eines (versteckten) Winnie Pooh Gags darin kamen Entwickler und Publisher in China in Bedrängnis, und kürzlich wurd dem Publisher 'Indievent' sogar die Geschäftslizenz für den chinesischen Markt komplett entzogen, was einem Bankrott gleichkommt:
https://www.derstandard.de/story/200010 ... ntwicklers

Ich mutmaße deshalb, dass Blizzard Taiwan u.a. deswegen einen so harten Kurs fährt. Einen Verlust der Zulassung können die sich angesichts von Abermillionen chinesischen WoW- und Hearthstone-Spielern nicht leisten.
Wenn dieser Mensch sich in einem Sport oder E-Sport Ereignis qualifiziert hat. Dieser dann auf der öffentlichen Aufzeichnung, eine für diese Region "kritische". Äußerung tätigt die weder mit dem Ereignis direkt noch mit dem Unternehmen das dieses Ereignis organisierte etwas zu tun hat. Dann geht es in meinen Augen nur darum neue Follower zu bekommen, für die eigenen Medien-Streams.

Klar er könnte so auch seine Unterstützung für die Situation ausdrücken. Aber auch da gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich bin mir nicht sicher ob er selber in Hongkong wohnt oder dort Verwandte oder Freunde hat. Aber auch dann könnte man dort direkt demonstrieren oder vor der Botschaft und so weiter.

So wie er es gemacht hat ist es nur "dumm" und Respektlos, sowohl für die Gastgeber, die anderen Teilnehmer des Events als auch für China und Taiwan. Vielleicht war es auch nur finanzierte Propaganda. Ich weiß es nicht. Denn eins ist Gewiss. Dieser Mensch wird politische Repressionen erhalten, wenn er z.B. in China einreisen will oder handeln.

Wo du die Geschäftsbilanzen ansprichst... meinst du er wollte sich bei einem Aktiensturz persönlich bereichern?

Persönlich sehe ich mich auch eher auf Seiten der Demonstranten in China, aber diese Art finde ich einfach Respektlos.

Was natürlich nur ein persönliches Empfinden ist.. irgendwo angesiedelt zwischen: Dem Olympischen oder Sportlichen Gedanken, und dann trotzdem Politik ( wie Diskriminierung, Hass, wirtschaflicher Überlegenheit, oder ehemalige Kriegsverbrechen) in den Vordergrund zu drängen. Es findet halt keine Annäherung auf anderen Bereichen statt wenn an der Stelle immer ein Keil in die Nationen getrieben wird.

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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von Usul » 08.10.2019 21:25

ChrisJumper hat geschrieben:
08.10.2019 21:10
Wo du die Geschäftsbilanzen ansprichst... meinst du er wollte sich bei einem Aktiensturz persönlich bereichern?
Ja, ich glaube, das war der wahre Grund!

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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von LePie » 08.10.2019 21:44

Blitzchung wurde für ein Jahr von sämtlichen professionellen, von Blizzard verrichteten Hearthstone-Turnieren gesperrt, sein Großmeister-Status (welches auf sein Ranking als einer der weltbesten Top 50 verweist) wurde aberkannt und überdies noch das Preisgeld der laufenden Saison in Höhe von umgerechnet 14.500 € abgesprochen. Da er zudem in Hongkong wohnt und teil eines Hongkonger Hearthstone-Teams ist, sind weitere Konsequenzen (wie z.B. der Rausschmiss auch aus dem Team) durchaus im Rahmen des Möglichen.
Ich glaube nicht, dass dieses Vorkommnis für ihn ein wirklich bereicherndes ist.
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von ChrisJumper » 08.10.2019 21:48

@Usul
Das war doch nur eine Steilvorlage die musste ich einbauen. Konnte da nicht wiederstehen. ;)
Natürlich ist das am Unwahrscheinlichsten. Aber ich finde es trotzdem Respektlos.
Bachstail hat geschrieben:
08.10.2019 19:33
Schaue ich lieber auf mein Geld oder setze ich mich für Grundrechte ein ?
Nun das ist die Aufgabe dieses Unternehmens, Geld zu verdienen um Spiele zu produzieren, solche Events zu machen und die Mitarbeiter zu bezahlen.

Privat kann man sich übrigens auch gerne für Grundrechte einsetzen:

https://www.amnesty.de/spenden

Nebenbei, ich denke sehr wohl das sich Blizzard als auch jeder einzelne Mitarbeiter für Grundrechte einsetzt und auch das die Spiele von denen nicht Nachteilig sind was Grundrechte betrifft.

Hier noch eine Ergänzung zu dem was ich weiter oben geschrieben hatte: Wenn du jemanden zu einer Party bei dir zu hause einlädst und dieser fängt an, eben auch weil er weiß welche politische Meinung die meisten deiner Freunde vertreten. Sich lautstark für die Opposition zu äußern und das dies die Mehrheit deiner Freunde wütend macht. Was würdest du mit dem machen? Bejubeln und sagen: Ja richtig so! Gut das es jemand mal ausgesprochen hat! - Oder würdest du ihn raus werfen? Wahrscheinlich wohl eher um Zurückhaltung bitten.

Beispiel: Es wären viele Mütter anwesend und er rechnet lauthals vor wie respektlos es doch ist die Kinder in so eine Zukunft zu bringen und wie unverantwortlich den anderen Menschen gegenüber weil der Ökologische Fußabdruck in unserem Land so unverhältnismäßig groß ist und alle doch nur darunter leiden.

P.s.: Bitte meinen Post nicht zu ernst nehmen. So wichtig ist mir die Sache nun auch nicht. Es sind halt einfach komplett verschiedene Kulturkreise auf die man rücksicht nehmen muss. Das ganze verschlechtert sich eher dadurch das wir nur gefilterte Informationen bekommen und von uns keiner in Asien aufgewachsen ist und lebt. Man schaut da immer durch so einen Filter drauf.

Aber wir schreiben hier immer von unserem priviligierten Sofa aus, zu Beiträgen in einer "anderen Welt". Es wäre als würde jemand aus der Fossil Fuel Szene, sich dafür einsetzen das der Klimawandel nicht aufgehalten werden kann und wir uns lieber auf ein 12.0 Grad-Szenario einstellen sollen mit richtig viel Fracking, Atomstrom und einem Synthetischen Carbon-Cycle und so richtig harte Strafen für Umweltschützer.
LePie hat geschrieben:Da er zudem in Hongkong wohnt und teil eines Hongkonger Hearthstone-Teams ist, sind weitere Konsequenzen (wie z.B. der Rausschmiss auch aus dem Team) durchaus im Rahmen des Möglichen.
:/ Ich wünsche ihm alles gute und vielleicht schafft der Shitstorm noch ein Umdenken. Aber für realistisch halte ich es leider nicht.

P.s: Buchempfehlung zum Thema: 9780300234176

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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von LePie » 09.10.2019 16:59

Statement von Blizzard China via offiziellem chinesischem Hearthstone-Kanal (veröffentlicht auf Weibo, quasi dem chinesischen Pendant zu Twitter - das 'V' steht für 'verified'):
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Ungefähre Übersetzung:
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von ChrisJumper » 09.10.2019 23:15

Bei der Übersetzung fehlt noch der Text unten, an den es Adressiert war, dann noch die Erwähnung von Blitzchung.

Die Satzzeichen sind international! Hashtags scheinbar nicht. oO

Wieso werden solche Informationen immer als Bilder geposted und nicht als Text? Den hätte ich jetzt auch noch mal selber in einen Translator kopieren können, so muss ich wirklich jedes Wort einzeln zusammenstellen und suchen....

Wer ist die Quelle der Übersetzung und warum gibt es keinen Link zum weibo Post?

Ansonsten gute Arbeit LePie und danke für das Teilen.

P.s.: Wikipedia hat eine gute Übersicht über die Proteste in Hongkong 2019

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Stalkingwolf
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Re: Blizzard und die Sache mit Hongkong

Beitrag von Stalkingwolf » 11.10.2019 10:45

Es ist ja nicht nur Blizzard sondern fast jede Firma in der Tencent seine Finger drin hat.

$$ sind halt wichtiger als westliche Werte.
he who fights with monsters might take care lest he thereby become a monster

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