HeinzKarl61 hat geschrieben: ↑22.04.2021 14:53
Als ein Krankenpfleger der jahrelang in einem Suchtkrankenhaus gearbeitet hat, habe ich definitiv mehr Fachwissen als „ein Mann von der Straße mit Gefühl im Bauch“.
Egal ob legale oder illegale Drogen.... so viele Leute die auch schon in jungen Jahren sich das Gehirn weggesoffen, weggeraucht, weggespritzt haben.
Selbst jetzt im Pflegeheim haben wir 10% der Bewohner die wegen Alkohol und/oder Drogen bei uns gelandet sind weil sie nichts mehr auf die Reihe kriegen. Der jüngste ist 44, der älteste aus der Truppe 55.
Für mich ist das daher keine Willkür sondern ein echtes gesellschaftliches Problem.
Welche ernsthaften Mediziner und Wissenschaftler du meinst würde mich wirklich interessieren, inklusive deren Fachpublikationen, denn beides steht heute nicht mehr für Vernunft wie man an den Coronaleugnern sieht.
Was reglementiert gehört, das Spiele die Zusatzkäufe anbieten zumindest schon mal ab 18 sein sollten. Das wäre das Mindeste. Das solche Sachen gerade nicht in Kinderhände gehört, versteht sich von selbst.
Eigenes Beispiel, mein ehemaliger Stiefsohn hat mit 12-13 Jahren 100te von € damals für das Browserspiel von Shakes&Fidget ausgegeben. Ich habe ihm die ganze Zeit von abgeraten, logischerweise aber als Stiefvater nicht so viel zu entscheiden gehabt. Ein paar Jahre später kam er reumütig an und sagte ich hätte Recht gehabt, das war echt sinnlos und er hat es bedauert so viel Taschengeld darin versenkt zu haben.
Somit bleibe ich dabei, das anbieten von solchen Sachen mit keinem wirklichen Wert was niedere menschliche Instinkte anspricht, insbesondere von Jugendlichen, finde ich verwerflich.
Du kannst das gerne anders sehen, weil du vielleicht zu den Leuten mit starker Selbstkontrolle gehörst, aber zu einer zivilen Gesellschaft gehört eben auch schwächere Personen zu schützen.
Du argumentierst mit persönlichen Erfahrungen, was nichts grundsätzlich falsches ist aber bei der Forderung von gesetzlichen Einschränkungen eine ungenügende Geundlage darstellt. Naturbedingt lernst du die Opfer von Suchterkrankungen in einem Beruf kennen, der sich mit Suchtkranken beschäftigt, nur hat ja niemand deren Existenz bezweifelt.
Die Richtigkeit von Gesetzmäßigkeiten kann man nicht daran festmachen, dass es ein Problem gibt, auf dass sie sich beziehen oder dass man ein Problem behauptet, dass sie lösen sollen. Die Richtigkeit zeigt sich am Nachweis der Probleme, die so substantiell sein müssen, dass sie Gesetze nötig machen und ihrer Wirksamkeit Probleme zu vermeiden bzw. die Schäden zu regulieren. Darüber hinaus muss der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachtet werden (nichts von alledem muss der Gesetzgeber, muss ist also als sollte zu verstehen). Beispiel: Wenn A erlaubt ist und B verboten wird, obwohl B weniger gefährend ist als A, ist ein Verbot von B willkürlich und damit falsch.
Schauen wir in die Grundlage der Anti-Drogenpolitik an, ist es mit Subsidiaritätsprinzip, Verhältnismäßigkeitsgrundsatz nicht weit.
Hier zum Beispiel etwas historischer Hintergrund:
www.businessinsider.de/wissenschaft/war ... 8-3/%3famp
Man kann nicht behaupten, ein Gesetz wäre richtig und existiere aus gutem Grund, wenn die Basis eines Gesetzes einem reinen Bauchgefühl heraus entspringt und womöglich sogar nur dadurch etabliert wird, dass ein anderes Land oder eine andere Kultur Druck macht Gesetze an ihre anzupassen.
Die Auswirkungen einer Gesetzgebung die nicht auf Fakten basiert sehen wir dann auch hier. Die Opfer die man angeblich schützen will werden nicht nur kriminalisiert, sondern obendrein noch stärker gefährdet, weil sie auf illegale Quellen angewiesen sind, die sich durch ihre Illegalität an keinerlei Gesetzmäßigkeiten halten müssen. Es gibt keine Gesundheitskontrollen und Vorschriften der Inhaltsstoffe in der Unterwelt.
Von Seiten der Forschung gibt es keinen Rückhalt für die Gesetzgebung: Nehmen wir Mal Prof. Dr. Heino Stöver:
https://www.frankfurt-university.de/de/ ... no-stover/
www.welt.de/politik/deutschland/article ... litik.html
Das ich Mal eine Welt-Link teile aber leider gab er denen halt ein Interview.
Oder Prof. Dr. jur. Dipl.-Psych. Lorenz Böllinger:
https://mybrainmychoice.de/offener-brief/
Daneben haben wir den Sprecher des Schildower Kreis, Dr. Bernd Werse, Prof. David Bitte oder Dr.Charles S. Grob.
So und nun zurück zu Anno 1800
Du willst dass Zusatzinhalte genauso behandelt werden wie Drogen. Dazu müssen wir aber wiederum die oben genannten Prinzipien anwenden um festzustellen, ob das korrekt ist bzw. bevor du diese Forderung oder den Wunsch äußerst, selbst diese anwenden und eine Reihe an Fragen beantworten bspw. nach den Auswirkungen. Kaufe ich oder ein Minderjähriger einen Zusatzinhalt zu Anno 1800 oder einem anderen Spiel, hat das dann behauptete Auswirkungen wie sie zu Verboten oder Einschränkungen woanders führen? Ist das garantiert oder sind nur einige Personen betroffen? Wie ist die Relation? Sind die Auswirkungen in einer Art die ein übergeordnetes Handeln erforderlich machen und wie muss dieses aussehen?
Nehmen wir dein Beispiel, auch wenn es nicht das Gleiche ist wie ein Zusatzinhalt. Da ist ein Minderjähriger der sein Geld ausgibt und irgendwann feststellt, dass es ihm das nicht wert war. Du sagst jetzt, dass die Aufgabe des Staates der Schutz der Schwacen ist aber du bleibst es schuldig alle notwendigen Fragen zu beantworten. Das Beispiel zeigt keine Gefährdung auf. Es ist nicht die Aufgabe des Staates Menschen davor zu schützen ihr Geld zu verpulvern. Natürlich ist das eingeschränkt, doch in diesem Beispiel ist nichts passiert. Weder geht es um eine Sucht, noch geht es um Ausnutzung eines Zustands der Schwäche bspw. Demenz oder geistiger Behinderung. Jemand sammelt eine Erfahrung und lernt aus dieser. Eine Einschränkung ab 18 steht dem genau konträr gegenüber, die diese Erfahrung behindert hätte.
Nun haben wir es hier aber nicht ein Mal mit Mikrotransaktionen sondern neuen Inhalten zutun. Wie eine neue Zeitschrift, ein neues Lego Set, ein neues Pack Spielkarten, neue Miniaturen, Erweiterungen für Brettspiele und so weiter und so fort. Es gibt hierfür eine Vielzahl weiterer Beispiel, die man dann alle verbieten oder einschränken müsste, ohne dass überhaupt ein Nachweis der Notwendigkeit erfolgt ist.